Ein E-Lastenrad für den Wohnhof Hopfgartenstraße

eingestellt am 18.11.2022 von Bertil Kalex (Wohnhof Hopfgartenstraße), Headerbild: Zwei Wohnhofprojekte in einem Bild: Das Lastenrad vor der frisch hergerichteten Märchenpassage im Durchgang zum Bönischplatz. Foto: Bertil Kalex

Der Wohnhofbeirat Hopfgartenstraße hatte sich an der Ausschreibung für die Lastenräder des mittlerweile beendeten Projektes “Nachhaltige Johannstadt 2025” beteiligt und den Zuschlag für eines von vier neuen Lastenrädern für die Johannstadt bekommen. Zukünftig kann das Lastenrad gebührenfrei und auf Spendenbasis von Anwohner*innen des Wohnhofes und anderen Interessent*innen über das Lastenrad-Leihportal www.friedafriedrich.de ausgeliehen werden. Bis es soweit ist, sind noch einige Vorhaben umzusetzen.

Einen Namen für das Lastenrad – die Anwohner*innen des Wohnhofes sind zur Namensfindung aufgerufen

Eines der Vorhaben ist die Findung eines griffigen Namens für das Lastenrad. Einerseits, weil es mittlerweile Tradition ist, dass Dresdner Lastenräder im Verleih auf Namen wie “Wilde Hilde”, “Tretbert”, “Frieda” oder “Strowelin” hören. Andererseits, weil eine Bezeichnung wie “Lastenrad des Wohnhof Hopfgartenstraße” sehr sperrig und nicht einprägsam ist. Um einen gängigeren, einprägsamen Namen zu finden, ist die Anwohnerschaft des Wohnhofes zur Namensfindung aufgerufen. Der Wohnhofbeirat wird bei seiner nächsten Beiratssitzung am 1.12.2022 aus den eingesandten Namensvorschlägen den zukünftigen Namen des Lastenrades im Losverfahren auswählen.

Das Lastenrad am zukünftigen Standort der Lastenrad-Fahrradbox. Der Untergrund ist schon geebnet und gepflastert.
Foto: Bertil Kalex

Das Lastenrad bekommt eine Garage

Ein weiteres Vorhaben ist die Errichtung einer Garage, genauer einer Lastenrad-Fahrradbox für das Lastenrad. Die Vonovia als Grundstückseigentümer und Vermieter der umliegenden Wohnungen stellt sowohl die Fläche als auch die Box inklusive erforderlicher Bau(vor)leistungen für die zukünftige Nutzung zur Verfügung. Sobald die Lastenrad-Fahrradbox errichtet und das Lastenrad im Portal www.friedafriedrich.de angemeldet ist, steht das Lastenrad zur Ausleihe zur Verfügung und der Wohnhof Hopfgartenstraße wird eine weitere Lastenrad-Leihstation in Dresden.

Märchenpassage feierlich eröffnet

eingestellt am 21.10.2022 von Marie-Charlotte Lukas (Willkommen in Johannstadt e.V.), Headerbild: Wandmalerei im Wohnhof, Foto: WIJ

Die Märchenpassage ist fertig!

Der Durchgang der Wohnhofanlage Hopfgarten-/Pfotenhauer-/Elisenstraße erhielt eine wunderschöne künstlerische Gestaltung. Die Motive hat der Künstler Juan Miguel Restrepo in Workshops mit Anwohner*innen entwickelt. Anschließend wurde es ebenso gemeinschaftlich auf die Wände übertragen. Das Projekt wurde aus dem Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt gefördert.

Die so entstandene Märchenpassage wurde am 15. Oktober 2022 feierlich eingeweiht, gebührend bestaunt und gefeiert. Der Märchenerzähler Frank-Ole Haake stellte den Besucher*innen die Märchen von Aschenputtel und vom Froschkönig vor. Zudem stand der Künstler für alle Fragen rund um den Entstehungsprozess der Wandausgestaltung zur Verfügung. Etwa 60 Besucher*innen, darunter viele Kinder, kamen in den Durchgang, um sich bei Getränken und Snacks zu unterhalten. Die Eröffnungsfeier wurde durch den Wohnhofbeirat Hopfgartenstraße aus Mitteln des Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt und der Vonovia gefördert.

Wohnhof Hopfgartenstraße startet ins Frühjahr – mit eigenem Beirat und Geld

eingestellt am 14.03.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Wohnhofbeirat und Wohnhoffonds ermöglichen ein Frühlingserwachen im Wohnhof mit Mitteln zum Beleben von mehr Lebensqualität Foto: Anja Hilgert

 

Die Entwicklungen im Wohnhof verlaufen über viele Ebenen, Etagen, Gänge, Zwischengeschosse. Über zweitausend Menschen sind involviert, ein gutes Zusammenleben zu gestalten. Der Bericht über die Umsetzung des Förderprojektes im Johannstädter Wohnhof Hopfgarten/Elisen/Pfotenhauerstraße, für die der Stadtteilbeirat 2021 eine Finanzierung aus dem Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt bewilligt hatte, stand ganz oben auf der Tagesordnung der ersten Stadtteilbeiratssitzung in diesem Jahr 2022. Zahlen- und Messwerte, in einer Präsentation zusammengestellt, geben nur ansatzweise Auskunft oder eine Richtung an, welche Prozesse in der Großwohnsiedlung angestoßen und im Gange sind. Vom Kellergeschoss über die Aussenanlagen, über die Flure und Treppenhäuser, Wand an Wand. Manches schlummert noch. Manches gärt, Anderes ist in einer Transformation begriffen. Das Bild vom Wohnhof ist im Wandel. 

 

Modellprojekt Wohnhof: Expertise im Zusammenleben

Im Wohnquartier Pfotenhauer-/Elisen-/Hopfgartenstraße leben mehr als 2.200 Bewohner*innen aus über 50 Nationalitäten und Kulturen in unmittelbarer Hausnachbarschaft. Diese Situation hatte immer wieder zu Reibungspunkten im zunehmend anonym gewordenen Zusammenleben geführt. Deshalb hatten 2021 die Landeshauptstadt Dresden, QM Nördliche Johannstadt, Willkommen in Johannstadt e.V. und die Vonovia in  gemeinsam das ambitionierte Modellprojekt „Wohnhof Hopfgartenstraße” initiiert. 

Durch einen intensiven Prozess an Gesprächsführung, Vermittlung und Unterstützung von Eigeninitiative und Engagement in der Bewohnerschaft soll ein gutes Zusammenleben und die Verbesserung der Lebensqualität im Wohnhof befördert werden.

 

Direkt an der Verkehrsader der Johannstadt gelegen: Dem Wohnhof liegt der Bönischplatz vor der Haustür Foto: Anja Hilgert

 

Der Ruf zur Versammlung

Das Projektziel 2021, für jeden der insgesamt 28 Hochhauseingänge des Wohnhofs Hausversammlungen mit den Bewohner*innen durchzuführen, wurde nur zum Teil erreicht. Mehrsprachigkeit, oft wechselnde Wohnparteien, Neuzuzüge, andere vorrangigere Themen der angesprochenen Personen, Reserviertheit, z.T. auch die Prägung durch negative Erfahrungen stellten eine Hürde dar, alle Mietparteien gleichermaßen zu erreichen und für das Vorhaben zu gewinnen.

Ziel der Versammlungen sollte es sein, für jeden Hauseingang stellvertretende Sprecher*innen zu wählen, die als persönliche Anlaufstelle, Mittler*in und Botschafter*in für die jeweilige Hausgemeinschaft fungieren. Oft blieb eine entsprechende Mitbeteiligung in den Häusern allerdings aus. Das Ausfindigmachen geeigneter Personen brauche viel Zeit und Geduld, teilte Projektmitarbeiterin Tanja Leonov, in ihrem Bericht mit. Die Projektlaufzeit wurde für die Aufgabe als insgesamt nicht ausreichend eingeschätzt. 

Entsprechend ist es noch nicht abschließend gelungen, alle Eingänge durch Sprecher*innen zu vertreten. In zehn Hauseingängen stehen die Versammlungen und die Sprecher*innenwahl noch aus.

 

 

Insgesamt 28 Hauseingänge geben Zugang zu den Wohnungen Foto: Anja Hilgert

 

Zwischen den Kulturen vermitteln 

Zusätzlich angedacht war der Aufbau eines mobilen Teams sogenannter Kulturmittler*innen, was Menschen verschiedener Kultur- und Sprachgruppen sind, die mit ihren Kenntnissen in Gesprächen vermitteln helfen. Da es sich um ein rein ehrenamtliches Engagement handelt und finanzielle Anreize bislang nicht geboten werden konnten, musste die Teamzusammenstellung sehr niedrigschwellig angegangen werden. Bislang haben vier Personen gegenüber dem Projektteam ihre Bereitschaft zur Unterstützung bei Übersetzungs- und Dolmetschertätigkeiten erklärt. Der Bedarf liegt bei Weitem höher und die Bemühungen, Menschen für die kommunikative Mittlerrolle zu finden, laufen weiter.

 

10 Jahre zu spät

„‚Ihr kommt 10 Jahre zu spät‘“, sei von Bewohner*innen häufig zu hören gewesen, erklärte Frau Leonov, die im letzten halben Jahr vielfach in den Hochhäusern unterwegs war. Sie konstatierte vor dem Stadtteilbeirat: „Engagement lässt sich nicht aus dem Boden stampfen – entweder es wächst oder eben auch nicht.“

Die Herangehensweise, vom Ende aus initiiert, sei bisher nicht von Erfolg gekrönt. Auch haben coronabedingte Auflagen und Kontaktbeschränkungen das Projekt erheblich behindert.

Die Quintessenz, die die Projektmitarbeiterin aus den bisherigen Erfahrungen resümiert, fiel nüchtern aus: Verantwortung für Nachbarschaft entstehe durch Gemeinschaftsgefühl, entstehe durch Kennenlernen. Das setzt Räume und Möglichkeiten voraus, die es so nicht gegeben habe. “Eigentlich müsste die Kette anders herum laufen.” 

Deshalb sei der Handlungsbedarf im Wohnhof weiterhin groß, die sozialen Bedürfnisse liegen ersichtlich zu Tage. Die Projektarbeit wird 2022 fortgesetzt mit Förderung durch das Sozialamt Dresden und die Vonovia sowie die Unterstützung des Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt.

 

Wohnhofbeirat als Beteiligungsgremium der Vonovia

Es wird nun angestrebt, das entstehende Gemeinschaftsgefühl der Haussprecher*innen zu stärken, indem diese mindestens vier mal im Jahr im sogenannten Wohnhofbeirat zu regulären Treffen mit der Vonovia zusammenkommen, um die Geschicke des Wohnhofs gemeinsam anzugehen.
Die konstituierende Sitzung dieses neu geschaffenen Beteiligungsgremiums der Vonovia steht im April 2022 an. Aufgabe des Wohnhofbeirats ist es, über Anliegen und Vorhaben zu beraten, die für mehrere Hauseingänge oder den gesamten Wohnhof bedeutend sind. zusätzlich kommt dem Beirat die Aufgabe zu, über die Förderung von Bewohnerprojekten aus dem geplanten Wohnhoffonds zu beschließen.

 

 

Durchgang, der Verbindung stiftet: vom Hopfgarten hin zum Bönischplatz Foto: Anja Hilgert

 

6.000 Euro für den Wohnhof-Fonds

2022 wird der Wohnhofbeirat erstmals mit einem Wohnhoffonds, d.h. mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Vonovia und – per geänderter Förderrichtlinie durch den Stadtteilbeirat – das Quartiersmanagement Nördliche Johannstadt mit dem Verfügungsfonds lassen paritätisch jeweils 3.000 Euro an Finanzmitteln in den Wohnhoffonds einfließen. Diese Gelder, in Summe 6.000 Euro, stehen den Wohnhofbewohner*innen zur Umsetzung eigeninitiierter Projekte ab sofort zur Verfügung. Per Antrag können zukünftig, ab dem zweiten Quartal 2022, Wohnhof-Bewohner*innen finanzielle Unterstützung beantragen zur Umsetzung eigener Projekte und Vorhaben, um die Lebensqualität im Wohnhof zu verbessern. Die Mittel werden per Abstimmung durch den Wohnhofbeirat bewilligt.

Nun geht es für eine gelingende Projektarbeit im Wohnhof darum, über die Wirksamkeit des Wohnhofbeirates auch jene Hausgemeinschaften zu motivieren, sich zu beteiligen, die bislang keine Haussprecher*innen aufgestellt haben. Es braucht mehr Stimmen, die den Beirat im Wohnhof bekannt und den Sinn von Beteiligung transparent machen. Jetzt komme es an auf „Zeit, Präsenz und Dranbleiben, um Ideen ins Rollen zubringen“, sagte abschließend Frau Leonov. 

 

Durchgang in den inneren Hof auf der Hausrückseite Foto: Anja Hilgert

 

Identifikation mit dem Stadtteilleben in Johannstadt

Der Stadtteilbeirat unterstrich die Wichtigkeit einer gelingenden Anbindung des Wohnhofs ins Johannstädter Stadtteilleben. Frau Dressel-Zagatowski, Direktorin der 101.Oberschule mahnte an, unbedingt zu vermeiden, den Wohnhof als Gebiet zu separieren. Gerade weil es darum gehe, Identifikation zu stiften, sei es so wichtig, jetzt Entscheidungsmöglichkeiten für die Bewohner*innen einräumen, um selber aktiv zu werden, betonte daraufhin André Barth, Amtbezirksleiter Stadtbezirksbeirat Altstadt. 

Die Vertreter*innen des Johannstädter Stadtteilbeirats gaben mit einer Stimmenmehrheit von 13 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen ihr positives Votum zur Einrichtung und finanziellen Ausstattung des Wohnhoffonds in der Johannstadt. 

Der Modellcharakter des Johannstädter Wohnhof-Projektes steht stellvertretend für solche komprimierten, herausfordernden Formen großstädtischen Wohnens, wie sie auch in anderen Ballungsgebieten anderer Großstädte auftreten, und könne möglicherweise gesellschaftlich zukunftweisend sein – deshalb solle der Versuch laut mehrheitlicher Meinung der lokalen Stadtteilbeiräte unbedingt beispielgebend unternommen werden.

 

Ein Glücks-Versuch

Das laufende Modellprojekt „Wohnhof Hopfgartenstraße  hat auch aufgrund seiner hohen Komplexität reichlich Potential. Das bedeutet aber auch, es ist ein Stück weit auch ein Experiment – definitiv kann niemand wissen, was in dem Prozess, der mit dem Modellprojekt ins Laufen gebracht worden ist, wirklich heraus kommt. Ob die Investition, der ganze Versuchsaufbau sich lohnt.

Da es sich bei diesem Projekt um das Erproben menschlichen Miteinanders in einer großstädtischen, herausforderungsreichen Wohnform handelt, ist der Ausgang offen. Es kann sein, dass die Erwartungen vielleicht zu groß, das Wollen zu stark, zu aufgesetzt sind. Entwicklung braucht Zeit. Und eine eigene Dynamik, somit Geduld. Mit dieser Offenheit als einer Variablen umzugehen, ist nicht einfach, tut der Entwicklungsfähigkeit aber gut. Ob der Raum ergriffen, eine Zukunft gesehen, ob selbstbestimmtes Handeln als Chance erkannt wird, ist das experimentelle, und deshalb heikle Moment an dem höchst zeitgenössischen Modellprojekt.

In der Johannstadt wird Motivation freigesetzt. Nach mehrheitlicher Meinung der Johannstädter Stadtteilbeiräte gilt es, den Versuch jetzt zu wagen. Unterstützung von Seiten der Landeshauptstadt ist da. Die Johannstadt kann ausprobieren, ob und wie gemeinschaftliches Zusammenleben unter den spezifischen lokalen Voraussetzungen für die Zukunft glücken kann.

Weitere Informationen

Willkommen in Johannstadt e.V.
Verein für gute Nachbarschaft und Integration
Hertelstraße 24
01307 Dresden
Tel.: +49(0)151-17882242
zusammenleben@willkommen-in-johannstadt.de