Erlweinpreis 2020: Ein Kommentar

eingestellt am 29.04.2022 von Bertil Kalex (Stadtteilverein), Headerbild: Das Gebäude von der Rückseite mit Blick in Richtung Stadtzentrum. Links vorn im Bild die Rückseite des "ADAC-Haus". Foto: Bertil Kalex

Bertil Kalex hat an der verschobenen Verleihung des Erlweinpreises 2020 teilgenommen. Der Johannstädter begeistert sich für das Preisträger-Haus und ordnet seine Bedeutung in einem persönlichen Kommentar ein. Was bedeutet Wohnen in der Johannstadt, welche Chancen gibt es? Und was heißt überhaupt “gutes Wohnen”?

Als kultur- und geschichtsinteressierter Johannstädter verfolgte ich den Bau des mit dem Erlweinpreis 2020 ausgezeichneten Gebäudes  und mir wurde sehr zeitig bewusst: Da entsteht ein großartiges Haus in der Johannstadt. Es ist nicht einfach, in der Johannstadt „angepasst“ zu bauen. Die Johannstadt weist eine sehr heterogene Gebäudesubstanz auf – Folgen der großen Zerstörungen durch die Bombenangriffe auf Dresden am 13./14. Februar 1945 (ca. 75 Prozent der Johannstadt waren zerstört), den darauffolgenden Wiederaufbaujahren in der Nachkriegszeit und dem DDR-Wohnungsbauprogramm ab den 1970er Jahren mit Einheitstypenbauten.

Das Gebäude von der Rückseite. Foto: Bertil Kalex

Eine gute Wahl

Östlich liegt der Fetscherplatz mit umgebender Blockrandbebauung. Südlich stehen fünfstöckige Nachkriegswohnhäuser mit Satteldächern. Westlich befindet sich ein Grünzug, der fast bis zur Neuen Synagoge reicht, flankiert von fünf- und zehnstöckigen Wohnzeilen mit Flachdächern, die sich scheinbar wahllos abwechseln, dabei frühere Wegbeziehungen und Sichtachsen versperren. Nördlich schließt sich ein zweistöckiger Flachbau an und in Sichtweite befindet sich ein 15 Stockwerke Punkthochhaus.

Der Architekt Peter Zirkel und seine Mitarbeiter*innen haben den baulichen Ist-Zustand im Gebiet sehr gekonnt aufgegriffen und formvollendet umgesetzt und offenkundig bin ich nicht der Einzige, der das so sieht. Die Bauherrin Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG (WGJ) hat mit der Beauftragung des Architekturbüros eine sehr gute Wahl getroffen.

Ein Gebäude, das sich sehen lassen kann

Steht man auf der Striesener Straße und blickt auf das Gebäude, fallen einem sofort die „runden Ecken“ und die gelbe Klinkerfassade auf. Die abgerundeten Ecken und der Ansatz zur Blockrandbebauung stellen für mich eine Reminiszenz früherer Vorkriegsbebauung der Johannstadt dar. Eine Mischung aus Expressionismus und Neuem Bauen. Ein sehr bekanntes Gebäude aus der Zeit des Expressionismus ist der Einsteinturm in Potsdam.

Erlweinpreis 2020: Der Preisträger. Wohn- und Geschäftshaus Striesener Straße 31 – 33. Ansicht von vorn. Foto: Bertil Kalex

Die gelbe Klinkerfassade stellt einen Bezug zum, in Dresden sehr oft verbauten, Sandstein dar. Ist jedoch viel kostengünstiger und etwas nachhaltiger, da die Klinker aus sandigen Nossener Lehm gebrannt sind. Der „Turm“ des Gebäudes korrespondiert einerseits mit dem sich in Sichtweite befindlichen Punkthochhaus und bildet andererseits einen gelungenen Abschluss des sich westwärts befindlichen Grünzuges.

Tritt man näher an das Gebäude heran, fällt einem auf, dass sich die „runden Ecken“ im Detail, den seitlichen Einfassungen der Fenster sowie in den Eingangsbereichen, fortsetzen. Ebenfalls auffällig die strukturierte Fassade, die sich abwechselnden Erhöhungen und Vertiefungen, über die beiden untersten Gebäudeetagen.

Das Zusammenspiel aller Fassadengestaltungselemente, die „runden Ecken“, die Struktur sowie die natürlich bedingten, unterschiedlichen Gelbtöne der Klinker, nimmt dem Gebäude die Brutalität, die Wucht, die Gebäude dieser Größenklasse (leider) üblicherweise aufweisen. Es spielt förmlich mit den Betrachtenden, als ob es sagen wollte: „Kommt näher und tretet ein“. In die öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten, das Café, die Kantine und das Ladenlokal, lohnt es sich einzutreten und man wird bald feststellen: Hier war man garantiert nicht zum letzten Mal.

Was heißt „gut und sozialverträglich bauen“?

Die Idee vom Zentrum für Baukultur Sachsen, die Preisverleihung des Erlweinpreis 2020 mit einer Dialog-Veranstaltung zu kombinieren, war richtig und ist wichtig. Die Themen rund ums Bauen gehören in die Öffentlichkeit, denn es betrifft alle Menschen irgendwie: als Mieter*in, als Grundstücksbesitzer*in, als Bauherr*in, als Gewerbetreibende etc. Leider waren zu der Dialog-Veranstaltung im Anschluss der Preisverleihung, die die Zeitdauer der gesamten Veranstaltung um zwei Stunden überzogen hat, nur die Insider, also Architekt*innen, Bauherr*innen, Investor*innen und Stadtplaner*innen, anwesend.

Das ist bedauerlich, dennoch, der Anfang ist gemacht. Der extra für die Dialog-Veranstaltung eingeladene und angereiste Berliner Architekt Tim Heide, u.a. Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt (IBeB), wies völlig zurecht darauf hin, dass das Bauwesen aus seiner „Blase“ herausmuss und sich offenen Debatten in jeder Planungs- und Bauphase stellen muss.

Erlweinpreis 2020: Tim Heide (l.) und Dr. Tom Schoper (r.) setzen ihren, auf dem Podium begonnenen, “Dialog” als lockeres Tischgespräch mit einem geladenen Gast fort. Foto: Bertil Kalex

Nicht nur vor geladenen Teilnehmer*innen mit genügend Hintergrundwissen und/oder Interesse, sondern explizit potenzielle Nutzer*innen der zu bauenden bzw. zu sanierenden Gebäude miteinbeziehen. Die Themen Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit beim Bauen sind da nur einzelne Bausteine. Tim Heide hinterfragt grundsätzliches (beim Bau) und das ist gut so. Er moniert die umfangreicher werdenden, ohnehin schon komplexen und dabei immer schwerer zu verstehenden Bauvorschriften im Baurecht.

Und das Ganze auf drei Ebenen: im Bund, auf Landesebene und bei den Kommunen. Ständig kommen neue Vorschriften hinzu, ohne dass frühere Vorschriften auf ihre Gültigkeit geprüft werden. Wenn selbst ein Fachmann schon am Verzweifeln ist, wie ergeht es dann jenen, die sich eigentlich nur ihren Traum vom eigenen Heim erfüllen wollen und keine vertieften Kenntnisse des Baurechts besitzen? Für viele endet das nicht selten in einem Albtraum und juristischem Dauerstreit.

Der Dialogpartner von Tim Heide war der Dresdner Architekt Dr. Tom Schoper und stellte die Frage in den Raum: Was bedeutet eigentlich „sozialverträglich Bauen“? Laut Lexika: die Bedürfnisse von Bewohner*innen(gruppen) unterschiedlicher sozialer, kultureller, ethnischer und/oder religiöser Herkunft in einem Gebäude zu vereinen. Salopp gesagt: Vermögende und Arme bzw. Armutsgefährdete unter einem Dach. Einfacher gesagt als getan. Weshalb in vielen Städten – in Teilen gehört auch Dresden dazu – ganze Wohnquartiere von einer Bewohner*innengruppe dominiert werden.

Gutes Wohnen als Grundrecht

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig, ein wesentlicher Punkt dürften jedoch die unterschiedlichen Grundstücks- bzw. Mietpreise sein. Die einen können es sich eben aussuchen, wo sie wohnen wollen. Die anderen müssen mit dem Vorlieb nehmen, was sie sich finanziell leisten können. Oder schlimmer, ihnen kann von Amtswegen (Sozialämter, Jobcenter etc.) Wohnraum zugewiesen werden, was ein klarer Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes wäre. Der gewährleistet das Grundrecht der Freizügigkeit, somit der freien Wohnortswahl. Was nutzt einem dieses Recht, wenn diesem kein „Recht auf Wohnen“ vorangestellt ist? Für arme und armutsgefährdete Menschen jedenfalls nicht viel. Um sozialverträgliches Bauen, dass dieser Bezeichnung gerecht wird, umsetzen zu können, ist es notwendig dem Grundgesetz das Grundrecht auf Wohnen hinzuzufügen.

Das löst die Probleme am Wohnungsmarkt nicht mit sofortiger Wirkung in Luft auf, kann jedoch sehr effektiv einer zunehmenden Gentrifizierung in den Wohnquartieren entgegenwirken. Jedenfalls juristisch sicherer als so manche Mietpreisbremse.

Neues sammelt sich um und auf dem wiedereröffneten Bönischplatz Foto: Anja Hilgert

Natürlich hat sich in den letzten Jahren schon einiges bewegt, was öffentliche Beteiligungsformate bei Stadtplanung und Stadtgestaltung betrifft. Doch es ist mehrheitlich auf städtische Vorhaben beschränkt und die Beteiligung auf eher kosmetische Einflussnahme wie Fassaden-, Farb- und/oder Umgebungsgestaltung, Straßenbegrünung, Art und Anzahl der Stadtmöbel etc. reduziert. Außerdem entsteht aus den Beteiligungsergebnissen kein eindeutiges Beschluss- und Umsetzungsverfahren, sondern nur ein grobes Orientierungskonzept.

Es kann so umgesetzt werden, muss aber nicht. Da muss unbedingt noch nachgebessert und vertieft werden, insbesondere wenn man Personengruppen erreichen möchte, die bisher nicht an Beteiligungsformaten teilgenommen haben. Dazu ist nicht nur „die offene Debatte“ im Bauwesen notwendig, sondern der Bausektor als Ganzes muss transparenter und demokratischer werden. Gerade die private Wohnungswirtschaft hat da erhebliche Defizite.

Was fehlt, ist Mitbestimmung

Es geht in erster Linie nicht nur um Geschäftsberichte und/oder Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten. Das ist soweit schon vorhanden. Was fehlt, ist die Mitbestimmung zukünftiger wie gegenwärtiger Mieter*innen bzw. Nutzer*innen bei Planungs- und Bauphasen im Wohnungsbau. Einige Wohnungsgenossenschaften, so auch die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG (WGJ), haben einen Mieter*innenrat. Seit 21.04.2022 hat nun auch die Vonovia dank eines Modellprojektes ihren ersten Mieter*innenrat, den Wohnhofbeirat Hopfgartenstraße. Das ist in zweierlei Hinsicht ein Novum. Es ist der erste Mieter*innenrat in Dresden außerhalb einer Wohnungsgenossenschaft und es ist das erste Mietergremium bundesweit, das einem privatwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen beigeordnet ist. Man darf gespannt sein (ich bin es jedenfalls), was sich daraus entwickelt.

Wohnhofbeirat und Wohnhoffonds ermöglichen ein Frühlingserwachen im Wohnhof mit Mitteln zum Beleben von mehr Lebensqualität Foto: Anja Hilgert

Wir sollten uns alle, Mieter*innen im Besonderen, mehr fürs Wohnen interessieren. Und das nicht nur auf die „Lage, Lage, Lage …“ und „der Preis ist heiß“ reduziert. Diese Slogans sollten dahin wandern, wo sie hingehören: Ins Museum für ausgediente Werbesprüche. So wie es für viele Menschen wichtig geworden ist, wo ihr Essen und ihre Kleidung herkommen bzw. wie diese produziert wurden, so sollte auch die Art und Weise des Wohnens, die Nachhaltigkeit im Wohnungsbau bzw. bei der Sanierung von Altbauten, der Wohnraumgestaltung und -ausstattung, des gemeinschaftlichen Miteinander in den Wohnhäusern etc. stärker in den Fokus rücken.

Ein Beispiel. Die Hälfte sämtlicher Wohnungen in Dresden – in der Johannstadt sogar etwas mehr – wird von Menschen allein bewohnt. Die wenigsten von denen tun das aus freien Stücken. Wären da nicht gemeinsam nutzbare Küchen in der Wohnhausetage ein Mittel für mehr gelebtes Miteinander und besseres Kennenlernen, statt jedem Single seine eigene Küche zu belassen? Der freigewordene Platz der dann überflüssig gewordenen Küche könnte anderweitig Verwendung finden.

Bertil Kalex,
Johannstädter

Festwoche: Jugendzentrum Jugendkirche Dresden feiert Eröffnung

eingestellt am 26.04.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Einblicke in den neu errichteten Gebäudekomplex des Jugendzentrum Jugendkirche Dresden eröffnet die Festwoche rund um den Trinitatisplatz. Foto: AH

Mit einer Festwoche unter dem Motto „Entdecke die Möglichkeiten“ wird
ab Sonntag das neue Jugendzentrum Jugendkirche Dresden am Trinitatisplatz im neu errichteten Gebäudekomplex in der Johannstadt eröffnet.

 

In den Mauern der Trinitatiskirchruine entstanden während der letzten zwei Jahre inspirierende Erlebnis- und Erfahrungsräume für Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren. Die Gelder für die Umsetzung flossen aus der Europäischen Union, Eigenmitteln der Landeshauptstadt Dresden und der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens: Der nun zu eröffnende innovative Neubau weist in eine viel versprechende Zukunft für die Jugendarbeit generell in Dresden, aber besonders vor Ort in Johannstadt.

Unter einem Dach und dem gemeinsamen Motto „Raum für Zeit für Dich“ vereint das Jugendzentrum JUGENDKIRCHE DRESDEN jugendgemäße Räume für unterschiedliche Veranstaltungsformate, die Geschäftsstelle der Evangelischen Jugend und die am Standort bis zum Baubeginn bereits existierende Offene Jugendarbeit.
All das richtet sich – unabhängig von religiösen oder konfessionellen Bindungen – an junge Menschen aus dem Quartier wie dem gesamten Stadtgebiet und dem Dresdner Umland. Träger des Projekts sind die beiden Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirke Dresdens.

 

Formvollendet ist nun in die Hülle der ehemaligen Trintatiskirchruine ein innovativer Gebäudekomplex integriert. Foto: Gerd Hammermüller

 

Der vormalige Dresdner Stadtjugendpfarrer Georg Zimmermann, der das Bauprojekt der Jugendzentrums Jugendkirche Dresden selbst mit angeschoben hatte, hält den Eröffnungsgottesdienst am kommenden Sonntag um 17 Uhr.
In diesem Rahmen wird auch Jugendwart Ludwig Schmidt feierlich in sein Amt eingeführt.

 

Kommt alle her und seht!

Nachbar*innen, Interessierte, Johannstädter*innen und alle Dresdner*innen und Dresdner sind am ersten Maisonntag bereits ab 13 Uhr ins Gelände rund um die neu eröffnete Jugendkirche eingeladen, um bei verschiedenen (nicht-olympischen) Disziplinen sowohl die Jugend der Kirche spielerisch kennenzulernen als auch den Neuerungen  und erweiterten Möglichkeiten im Haus zu begegnen.
Schon die Architektur selbst ist dieses Erlebnis wert!

 

Mit festlich-freudiger Laudatio durch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Staatsminister Martin Dulig, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sind am 25.03. in einem feierlichen Festakt die Schlüssel der Jugendkirche Dresden übergeben worden. Foto: AH

 

Im Anschluss an den eröffnenden Gottesdienst können Besucher*innen beim Meet@Greet am Lagerfeuer vor dem Gebäude ins Gespräch mit Mitarbeitenden der Jugendkirche sowie allen anwesenden Vertreter*innen kommen. Dialog, Austausch und Begegnung werden bei allen Programmpunkten groß geschrieben.

 

Festwoche mit vielen Programmpunkten 

Die folgenden Tage der Eröffnungswoche starten bis einschließlich 6. Mai immer mit einer Mittagsandacht und einem gemeinsamen Suppenessen, gefolgt von Spaß-, Spiel- und Gesprächsangeboten, oder auch Diskussionsabenden sowie einem open-stage-Abend: Dann präsentieren sich Jugend- und Schülerbands. Die Festwoche endet mit einem Teamertag für Ehrenamtliche der Evangelischen Jugend.

 

Der Jugend sind neue Räume eröffnet – hier mit selbstgebautem Mobiliar für selbsternannte Bedürfnisse. Foto: AH

 

Eröffnung des Jugenzentrums Jugendkirche Dresden

  • vom 1. bis zum 7. Mai 2022, Trinitatisplatz 1, Johannstadt
  • 1. Mai, 17 Uhr: Eröffnungsgottesdienst
  • 3. Mai, 19 Uhr: Interreligiöse Diskussion zu Geschlechterrollen mit Vertreter*innen aus Judentum, Christentum und Islam & “paradiesisch musizieren”
  • 5. Mai, 19 Uhr: Jugend.Macht.Gesellschaft, u.a. mit Rasha Nasr, MdB, Annalena Schmidt (Demokratie gewinnt) und Clara Hanitzsch (Fridays for future)
  • Link zum gesamten Programm

Jungpflanzen von Wildblumen suchen ein Zuhause in Johannstadt

eingestellt am 25.03.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Es geht ins Frühjahr und viele junge Wildpflanzen warten auf einen Pflegeplatz bei Dir und mir! Foto: Linda Wilhelm

 

Guter Heinrich, Adonisröschen oder Kleine Wiesenraute. Hinter diesen Namen verbergen sich einheimische Wildpflanzen, die in Sachsen leider kaum noch auffindbar sind. Die Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere gehen immer mehr verloren.

Mit dem Projekt „Urbanität & Vielfalt” werden eben diese Wildpflanzen in Ihren Beständen gestärkt. Davon profitieren auch die Standorte, die aufgewertet werden, z:B. die Elbwiesen in Johannstadt. Und das Beste: Alle können mitmachen und zum Erhalt der Pflanzenvielfalt beitragen.

 

Blühende Wiesen dienen zweifach dem Artenschutz: Auch Bienen leben von der Vielfalt               Foto: Peter Zuber

 

Pflanzenpat*innen gesucht!

Ab sofort sind wieder Pflanzenpat*innen gesucht! Also Menschen, die in ihrem Garten, mit ihrer Familie, mit der Schulklasse oder auf ihrem Balkon ausgewählte heimische Wildpflanzen umsorgen und an besagtem Projekt mitwirken. Zwölf Pflanzenarten stehen in der Obhut der Projektgärtnerei des Umweltzentrums Dresden, die dort zunächst vorkultiviert werden. Zehn dieser Arten gehen anschließend in die Patenschaft von Bürger*innen in Dresden und im Landkreis Meißen. In den vergangenen Jahren hatten bereits einige Freiwillige aus der Johannstadt solche Jungpflanzen in ihre Obhut genommen, um sie bei sich zuhause bis zur Auspflanzung groß zu ziehen.

Den Link für die Anmeldung direkt hier.

Über die Sommermonate werden die Pflänzchen in ihren Töpfchen, im Beet oder im Balkonkasten von den Pat*innen gehütet, bevor im Herbst die inzwischen kräftig gewordenen Schützlinge oder das Saatgut wieder an das Umweltzentrum zurückgehen. Dann heißt es Auspflanzen – an ihren natürlichen Standorten. In der Johannstadt ist z.B. durch die Auspflanzaktion von Urbanität&Vielfalt die Kleine Wiesenraute wieder heimisch geworden und geht auch dieses Jahr am Pflanzstreifen am Käthe-Kollwitz-Ufer einem erneuten Aufblühen entgegen.

 

Hunderte Kleine Wiesenrauten wurden angesiedelt auf den Elbwiesen am Käthe-Kollwitz-Ufer Foto: Angela Kühne

 

Liebevolle Handarbeit für zarte Gewächse Foto: Linda Wilhelm

 

Im Vorfeld der Pflanzenausgabe veranstaltet das Umweltzentrum Informations-veranstaltungen und Sprechstunden, wo die Pat*innen ihre Fragen loswerden können.

Termine finden sich hier: www.uzdresden.de/en/projekte/artenschutz/urbanitat-vielfalt/

 

 

Wohnhof Hopfgartenstraße startet ins Frühjahr – mit eigenem Beirat und Geld

eingestellt am 14.03.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Wohnhofbeirat und Wohnhoffonds ermöglichen ein Frühlingserwachen im Wohnhof mit Mitteln zum Beleben von mehr Lebensqualität Foto: Anja Hilgert

 

Die Entwicklungen im Wohnhof verlaufen über viele Ebenen, Etagen, Gänge, Zwischengeschosse. Über zweitausend Menschen sind involviert, ein gutes Zusammenleben zu gestalten. Der Bericht über die Umsetzung des Förderprojektes im Johannstädter Wohnhof Hopfgarten/Elisen/Pfotenhauerstraße, für die der Stadtteilbeirat 2021 eine Finanzierung aus dem Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt bewilligt hatte, stand ganz oben auf der Tagesordnung der ersten Stadtteilbeiratssitzung in diesem Jahr 2022. Zahlen- und Messwerte, in einer Präsentation zusammengestellt, geben nur ansatzweise Auskunft oder eine Richtung an, welche Prozesse in der Großwohnsiedlung angestoßen und im Gange sind. Vom Kellergeschoss über die Aussenanlagen, über die Flure und Treppenhäuser, Wand an Wand. Manches schlummert noch. Manches gärt, Anderes ist in einer Transformation begriffen. Das Bild vom Wohnhof ist im Wandel. 

 

Modellprojekt Wohnhof: Expertise im Zusammenleben

Im Wohnquartier Pfotenhauer-/Elisen-/Hopfgartenstraße leben mehr als 2.200 Bewohner*innen aus über 50 Nationalitäten und Kulturen in unmittelbarer Hausnachbarschaft. Diese Situation hatte immer wieder zu Reibungspunkten im zunehmend anonym gewordenen Zusammenleben geführt. Deshalb hatten 2021 die Landeshauptstadt Dresden, QM Nördliche Johannstadt, Willkommen in Johannstadt e.V. und die Vonovia in  gemeinsam das ambitionierte Modellprojekt „Wohnhof Hopfgartenstraße” initiiert. 

Durch einen intensiven Prozess an Gesprächsführung, Vermittlung und Unterstützung von Eigeninitiative und Engagement in der Bewohnerschaft soll ein gutes Zusammenleben und die Verbesserung der Lebensqualität im Wohnhof befördert werden.

 

Direkt an der Verkehrsader der Johannstadt gelegen: Dem Wohnhof liegt der Bönischplatz vor der Haustür Foto: Anja Hilgert

 

Der Ruf zur Versammlung

Das Projektziel 2021, für jeden der insgesamt 28 Hochhauseingänge des Wohnhofs Hausversammlungen mit den Bewohner*innen durchzuführen, wurde nur zum Teil erreicht. Mehrsprachigkeit, oft wechselnde Wohnparteien, Neuzuzüge, andere vorrangigere Themen der angesprochenen Personen, Reserviertheit, z.T. auch die Prägung durch negative Erfahrungen stellten eine Hürde dar, alle Mietparteien gleichermaßen zu erreichen und für das Vorhaben zu gewinnen.

Ziel der Versammlungen sollte es sein, für jeden Hauseingang stellvertretende Sprecher*innen zu wählen, die als persönliche Anlaufstelle, Mittler*in und Botschafter*in für die jeweilige Hausgemeinschaft fungieren. Oft blieb eine entsprechende Mitbeteiligung in den Häusern allerdings aus. Das Ausfindigmachen geeigneter Personen brauche viel Zeit und Geduld, teilte Projektmitarbeiterin Tanja Leonov, in ihrem Bericht mit. Die Projektlaufzeit wurde für die Aufgabe als insgesamt nicht ausreichend eingeschätzt. 

Entsprechend ist es noch nicht abschließend gelungen, alle Eingänge durch Sprecher*innen zu vertreten. In zehn Hauseingängen stehen die Versammlungen und die Sprecher*innenwahl noch aus.

 

 

Insgesamt 28 Hauseingänge geben Zugang zu den Wohnungen Foto: Anja Hilgert

 

Zwischen den Kulturen vermitteln 

Zusätzlich angedacht war der Aufbau eines mobilen Teams sogenannter Kulturmittler*innen, was Menschen verschiedener Kultur- und Sprachgruppen sind, die mit ihren Kenntnissen in Gesprächen vermitteln helfen. Da es sich um ein rein ehrenamtliches Engagement handelt und finanzielle Anreize bislang nicht geboten werden konnten, musste die Teamzusammenstellung sehr niedrigschwellig angegangen werden. Bislang haben vier Personen gegenüber dem Projektteam ihre Bereitschaft zur Unterstützung bei Übersetzungs- und Dolmetschertätigkeiten erklärt. Der Bedarf liegt bei Weitem höher und die Bemühungen, Menschen für die kommunikative Mittlerrolle zu finden, laufen weiter.

 

10 Jahre zu spät

„‚Ihr kommt 10 Jahre zu spät‘“, sei von Bewohner*innen häufig zu hören gewesen, erklärte Frau Leonov, die im letzten halben Jahr vielfach in den Hochhäusern unterwegs war. Sie konstatierte vor dem Stadtteilbeirat: „Engagement lässt sich nicht aus dem Boden stampfen – entweder es wächst oder eben auch nicht.“

Die Herangehensweise, vom Ende aus initiiert, sei bisher nicht von Erfolg gekrönt. Auch haben coronabedingte Auflagen und Kontaktbeschränkungen das Projekt erheblich behindert.

Die Quintessenz, die die Projektmitarbeiterin aus den bisherigen Erfahrungen resümiert, fiel nüchtern aus: Verantwortung für Nachbarschaft entstehe durch Gemeinschaftsgefühl, entstehe durch Kennenlernen. Das setzt Räume und Möglichkeiten voraus, die es so nicht gegeben habe. “Eigentlich müsste die Kette anders herum laufen.” 

Deshalb sei der Handlungsbedarf im Wohnhof weiterhin groß, die sozialen Bedürfnisse liegen ersichtlich zu Tage. Die Projektarbeit wird 2022 fortgesetzt mit Förderung durch das Sozialamt Dresden und die Vonovia sowie die Unterstützung des Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt.

 

Wohnhofbeirat als Beteiligungsgremium der Vonovia

Es wird nun angestrebt, das entstehende Gemeinschaftsgefühl der Haussprecher*innen zu stärken, indem diese mindestens vier mal im Jahr im sogenannten Wohnhofbeirat zu regulären Treffen mit der Vonovia zusammenkommen, um die Geschicke des Wohnhofs gemeinsam anzugehen.
Die konstituierende Sitzung dieses neu geschaffenen Beteiligungsgremiums der Vonovia steht im April 2022 an. Aufgabe des Wohnhofbeirats ist es, über Anliegen und Vorhaben zu beraten, die für mehrere Hauseingänge oder den gesamten Wohnhof bedeutend sind. zusätzlich kommt dem Beirat die Aufgabe zu, über die Förderung von Bewohnerprojekten aus dem geplanten Wohnhoffonds zu beschließen.

 

 

Durchgang, der Verbindung stiftet: vom Hopfgarten hin zum Bönischplatz Foto: Anja Hilgert

 

6.000 Euro für den Wohnhof-Fonds

2022 wird der Wohnhofbeirat erstmals mit einem Wohnhoffonds, d.h. mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Vonovia und – per geänderter Förderrichtlinie durch den Stadtteilbeirat – das Quartiersmanagement Nördliche Johannstadt mit dem Verfügungsfonds lassen paritätisch jeweils 3.000 Euro an Finanzmitteln in den Wohnhoffonds einfließen. Diese Gelder, in Summe 6.000 Euro, stehen den Wohnhofbewohner*innen zur Umsetzung eigeninitiierter Projekte ab sofort zur Verfügung. Per Antrag können zukünftig, ab dem zweiten Quartal 2022, Wohnhof-Bewohner*innen finanzielle Unterstützung beantragen zur Umsetzung eigener Projekte und Vorhaben, um die Lebensqualität im Wohnhof zu verbessern. Die Mittel werden per Abstimmung durch den Wohnhofbeirat bewilligt.

Nun geht es für eine gelingende Projektarbeit im Wohnhof darum, über die Wirksamkeit des Wohnhofbeirates auch jene Hausgemeinschaften zu motivieren, sich zu beteiligen, die bislang keine Haussprecher*innen aufgestellt haben. Es braucht mehr Stimmen, die den Beirat im Wohnhof bekannt und den Sinn von Beteiligung transparent machen. Jetzt komme es an auf „Zeit, Präsenz und Dranbleiben, um Ideen ins Rollen zubringen“, sagte abschließend Frau Leonov. 

 

Durchgang in den inneren Hof auf der Hausrückseite Foto: Anja Hilgert

 

Identifikation mit dem Stadtteilleben in Johannstadt

Der Stadtteilbeirat unterstrich die Wichtigkeit einer gelingenden Anbindung des Wohnhofs ins Johannstädter Stadtteilleben. Frau Dressel-Zagatowski, Direktorin der 101.Oberschule mahnte an, unbedingt zu vermeiden, den Wohnhof als Gebiet zu separieren. Gerade weil es darum gehe, Identifikation zu stiften, sei es so wichtig, jetzt Entscheidungsmöglichkeiten für die Bewohner*innen einräumen, um selber aktiv zu werden, betonte daraufhin André Barth, Amtbezirksleiter Stadtbezirksbeirat Altstadt. 

Die Vertreter*innen des Johannstädter Stadtteilbeirats gaben mit einer Stimmenmehrheit von 13 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen ihr positives Votum zur Einrichtung und finanziellen Ausstattung des Wohnhoffonds in der Johannstadt. 

Der Modellcharakter des Johannstädter Wohnhof-Projektes steht stellvertretend für solche komprimierten, herausfordernden Formen großstädtischen Wohnens, wie sie auch in anderen Ballungsgebieten anderer Großstädte auftreten, und könne möglicherweise gesellschaftlich zukunftweisend sein – deshalb solle der Versuch laut mehrheitlicher Meinung der lokalen Stadtteilbeiräte unbedingt beispielgebend unternommen werden.

 

Ein Glücks-Versuch

Das laufende Modellprojekt „Wohnhof Hopfgartenstraße  hat auch aufgrund seiner hohen Komplexität reichlich Potential. Das bedeutet aber auch, es ist ein Stück weit auch ein Experiment – definitiv kann niemand wissen, was in dem Prozess, der mit dem Modellprojekt ins Laufen gebracht worden ist, wirklich heraus kommt. Ob die Investition, der ganze Versuchsaufbau sich lohnt.

Da es sich bei diesem Projekt um das Erproben menschlichen Miteinanders in einer großstädtischen, herausforderungsreichen Wohnform handelt, ist der Ausgang offen. Es kann sein, dass die Erwartungen vielleicht zu groß, das Wollen zu stark, zu aufgesetzt sind. Entwicklung braucht Zeit. Und eine eigene Dynamik, somit Geduld. Mit dieser Offenheit als einer Variablen umzugehen, ist nicht einfach, tut der Entwicklungsfähigkeit aber gut. Ob der Raum ergriffen, eine Zukunft gesehen, ob selbstbestimmtes Handeln als Chance erkannt wird, ist das experimentelle, und deshalb heikle Moment an dem höchst zeitgenössischen Modellprojekt.

In der Johannstadt wird Motivation freigesetzt. Nach mehrheitlicher Meinung der Johannstädter Stadtteilbeiräte gilt es, den Versuch jetzt zu wagen. Unterstützung von Seiten der Landeshauptstadt ist da. Die Johannstadt kann ausprobieren, ob und wie gemeinschaftliches Zusammenleben unter den spezifischen lokalen Voraussetzungen für die Zukunft glücken kann.

Weitere Informationen

Willkommen in Johannstadt e.V.
Verein für gute Nachbarschaft und Integration
Hertelstraße 24
01307 Dresden
Tel.: +49(0)151-17882242
zusammenleben@willkommen-in-johannstadt.de

 

Beruf Stadtteilclownin – Neu in der Nachbarschaft: Madame Klimbim

eingestellt am 05.03.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Darf ich bekannt machen: Madame Klimbim, berufserfahrene Clownin, die ihr neues Domizil im Stadtteil bezogen hat Foto: Anja Hilgert

Der Tag an dem Frau Klimbim in unsere Nachbarschaft zog, ist es wert, im Kalender angekreuzt zu werden. Es war der zweite oder dritte durchgängig sonnige Tag im Jahr. Zwar eisekalt, aber der Himmel klar und blau und die Forsythien zeigten schon erste gelbe Spitzen. 

 

Frau Klimbim ist eine kleinere, energiegebündelte Person, die am liebsten gestreifte und geringelte Kleidung trägt. In mehreren Schichten übereinander. Je nachdem, wie sie sich dreht und wendet, lugt, immer an verschiedener Stelle, ein anderer Farbzipfel hervor. Frau Klimbim besitzt eine Quirligkeit, die kaum jemals still steht. Ihr knallrot leuchtender Mantel macht, dass man sie schon von Weitem sieht. Und sobald der Blick sie entdeckt, spielt sich ein Lächeln aufs Gesicht.

 

Die Neue in der Nachbarschaft

Auf einmal war sie da. Niemand wusste von ihr, bis sie einzog, bei uns im Viertel. Das war am Dienstag, einem ganz gewöhnlichen Wochentag. Alles im Viertel ging seinen normalen Gang. Sie kam vom anderen Ende der Welt. Sie kam ganz neu hier an und zog in eine kleine Wohnung, zentral in der Johannstadt. Ein Übergangsquartier, fürs Erste, bis sich vielleicht etwas anderes bietet. Sie wohnt mittendrin, ihre Hausadresse ist der kleine Container, der auf der Grünfläche zwischen den hohen Häuserblocks aufgestellt ist, hinter den Kaufhallen und dem Parkplatz an der Pfeifferhanns-Straße. 

 

Offenes Fenster mit Aussicht in den Stadtteil Foto: Meike Weid

 

Zum Einzug brachte sie gute Laune mit. Dadurch, dass sie davor viel gereist war in ihrem Leben, kannte sie manche Menschen schon von woanders her. Sie grüßte beinah jede und jeden, die vorbei kamen. Als sie beim Einzug zum ersten Mal ihr Fenster öffnete, machte sie die Flügel weit auf und beugte sich mit ganzem Oberkörper heraus, dass ihr Kopf mit den vielen Locken die ganze Straße überblickte.

Zwei Männern, die vorbei spazierten, warf sie einen Gruß zu und rief: „Ja, hallo! Auf ein schönes Miteinander!“ Wir lernten sie gleich beim Vornamen kennen: Ciboulette heisst sie, Ciboulette Klimbim. Etwas an ihr ist wohl ein bisschen wie französisch, aber darüber spricht sie nicht weiter. Sie ist einfach da. Und daraus macht sie das Beste, was in dem Moment jetzt gerade möglich ist.

 

Et voilà: Etwas Miteinander zum Mitnehmen Foto: Meike Weid

 

 

 

Stadtteilclownin in Johannstadt 

Frau Klimbim ist Yaëlle Dorison und sie ist Clownin und Zirkuspädagogin von Beruf. An der 101.Oberschule arbeitet sie als Schulclownin mit den Klassen. Zum Jahresbeginn 2022 kam sie durch das Kulturförderprojekt UTOPOLIS des Johannstädter Kulturtreff zur Stadtteilclownin beauftragt in die Johannstadt. 

 

Yaëlle Dorison gibt Sprechstunden für mehr Utopie Foto:Meike Weid

 

Erste Auftritte und Kontakte in der neuen Rolle machte Ciboulette Klimbim mobil in verschiedenen Einrichtungen des Stadtteils wie Kindertreff JoJo, Familientreff Mosaik und Café Halva sowie unterwegs auf dem Wochenmarkt am Bönischplatz.

Sie bringt mit, was zwanzig Jahre Berufserfahrung ihr an Clownerie, Kontaktmöglichkeiten und sozialer Kompetenz an die Hand gegeben haben. Clownin zu sein bedeutet, in jeglicher Situation die vermittelnde Brücke zu sein. Mit der Magie der Improvisation lassen sich die Qualitäten jeder Situation federleicht oder mit Ach und Krach entkleiden und verwandeln. Bei Madame Klimbim stehen die Antennen etwas anders und damit betreibt sie in der Johannstadt auf unnachahmlich sympathische Art Stadtteilclownerie de luxe.

 

Nähe schaffen ist eines der Clownstalente, die Frau Klimbim mit in die Johannstadt bringt Fotos: Meike Weid

 

Die neue Nachbarin

Zum ersten März war es soweit für die Einzugsparty von Frau Klimbim an ihrer jetzigen festen Wohn-Adresse im Stadtteil. Alle, die sie schon getroffen hat, hat sie gleich auch zu sich nach Hause eingeladen. Viele sind gekommen und bevölkerten ihre Terrasse vor dem Fenster zum Garten, die leere Mitte zwischen den hoch ragenden Häusern. Viele Kinder mit ihren Eltern, junge Jugendliche und andere bunt Interessierte, die das schöne Wetter nach draussen, an der Nase lang und in unersättliche Neugier zog. 

Lustig war es in jedem Fall: Eine Einzugsrede, auf der aufgewickelten Klorolle notiert, wurde mit viel Herz und Humor vom Podest verlesen und blattweise unter die Leute verteilt. Stich- und Schlagworte – heissen die wirklich so? – standen darauf:
Verteilt wurde Hoffnung, Freude und Glücklichsein, das schon erwähnte Miteinander, auch Leichtigkeit war dabei und ganz groß geschrieben: Utopie. Ciboulette Klimbim fordert mit heiteren Gesten ernsthaft auf, Fragen zu stellen und dem Wohnen in der Johannstadt auch mit unbequemen Themen auf den Zahn zu fühlen. 

 

Foto: Meike Weid

 

Das genau ist die Rolle der zeitgenössischen Närrin: Naiv, tollpatschig und dreist genug, um die Leute (über sich selbst) zum Lachen zu bringen – zugleich intelligent, mutig, fokussiert und weitsichtig genug, um an einem geheimen roten Faden Menschen auf Neuland zu führen, vor dem sie vielleicht sogar mächtig Angst haben. In unseren Zeiten Zukunft zu gestalten ist keine leichte Herausforderung. Im permanenten Spiel zwischen Ernst und Leichtigkeit gelingt es Yaëlle Dorison in ihrem Clownswesen Ciboulette Klimbim spontan, auf jeden Fall, überall Zwischenräume zu schaffen, Raum zu geben, um zu träumen, etwas aufplatzen zu lassen, zu lachen und überhaupt Emotionen ihren Platz und den passenden Ausdruck zu geben.

 

Mercis und ein offenes Ohr

Im Plattenwechsel-Container ist sie ab jetzt zu regelmäßigen Zeiten zuhause und lädt zu sich ein: Madame Klimbim, Ciboulette, mag Gesellschaft und würde sehr gern zu ihren Sprechstunden Besuch empfangen oder auch auf einen Spaziergang mitgenommen werden. Ansonsten liebt sie Post in ihrem Briefkasten am Container und wünscht sich Zuschriften mit allen möglichen Fragen, Wünschen, Sorgen – sie hat ein offenes Ohr für ihre Nachbarschaft. 

 

Viel Post bitte direkt hier :
Madame Klimbim
Container Pfeifferhannsstraße
Johannstadt
Foto: Meike Weid

 

Zum Schluss ihrer Party gab es ganz viele handgeschriebene Mercis zum Mitnehmen, den Klopapiercharme und das lachergreifende KlimBim. Kinder hatten Marshmallows am Lagerfeuer gegrillt und die Erwachsenen hatten ihr Gespür wieder offen für das, was Menschen verbindet und mutig macht fürs Leben und ein gelingendes Miteinander.

Frau Klimbims Sprechstunde für mehr Utopie 

am Container hinter Aldi (Pfeifferhannsstraße)

  • 9.März 10 bis 12 Uhr
  • 15./22./29.März 15 bis 17 Uhr

www.yaelledorison.de
www.plattenwechsel.com

Valentin mag Blumen – die Liebe lässt grüßen!

eingestellt am 14.02.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Blumen, die sprechen - am Valentinstag übersetzen Blumen und Blüten tiefe Gefühle Foto: Anja Hilgert

Heute ist der Tag, Liebe zu vermehren… Valentinstag, am 14.Februar feiert diejenigen, die sich in Liebe verbunden fühlen: Liebespartner*innen schenken an diesem Tag ihr Herz noch einmal und wieder neu dem oder der Herzenserwählten. Liebesbotschaften funken über den Planeten. Den ein oder die andere trifft Amors Pfeil, der überraschend geflogen kommt in Geschenken wie feinster Schokolade, süßem Schmelz und zarten Blüten. Duftige Frühlingsblüher, kleines gebundenes Sträusschen, eine einzelne Schönblütige oder ein Arm voll Pracht  – der Liebesbotschaft sind keine Grenzen gesetzt. 

 

Eine gepflückte Liebeserklärung

Inbild des Liebesgrußes mag die Rose sein, doch Blütenreichtum aller Arten und Gestalten erobert die Liebsten am Valentinstag. Blumen eignen sich ganz besonders, durch eine betonte Geste das Leben bunt und schön zu malen, zumal an einem lichtvoll wintergestimmten 14. Februar. Blumen sind Schönheit und pure Freude, ihre Gesichter ein Spiegel von Einmaligkeit. Der Valentinstag ist der gepflückte Moment für eine Liebeserklärung.

Viel zu selten, so gestehen die meisten sich ein, spricht man sie an oder aus, die Liebe. Viel zu selbstverständlich, nimmt man die Gegenwart des anderen, geliebten Menschen. Im Jahreslauf schlucken Alltag und Gewohnheit allzu leicht die Perlen, für die jede*r doch ein Schatzkästchen hütet. Am Valentinstag ist es anders herum: Hier wird das Besondere gehöht und das Glück des Liebens als Geschenk gefeiert – Liebesbekundungen aller Art machen die Runde. Sogar dem Fahrradkurier lukt ein Blumenstrauß aus der Seitentasche – ferne Liebe lässt grüßen! 

 

Blumiges Herzgebinde für die Liebsten zum Valentinstag. Foto: Anja Hilgert

 

 

Blumen und Liebe, das gehört einfach zusammen

Johannstadt ist gesegnet mit Blumenläden vor Ort. Das fällt zur Winterjahreszeit, wo die Umgebung karg und grau vor Kälte starrt, besonders farbenfroh leuchtend auf. Hier halten fachkundige Spezialistinnen ihr Blütenreich offen, aus dem Verliebte wählen können. „Die meisten sind heute Männer, die kommen“, sagt Manja Henkel, Inhaberin des Floristikfachgeschäfts auf der Florian-Geyer-Straße, „und meistens wählen sie spontan hier im Laden die Hauptblumen aus und hätten dazu gerne einen schönen Strauß gebunden.“

 

 

Hüterin im Blütenreich – Floristik in der Johannstadt
Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Floristin nimmt sich Zeit für individuelle Beratung und bindet eine Portion Liebe mit ein in ihre Sträuße. Das macht’s so zauberhaft. Blumiges, so der Name ihres Geschäftes,  spricht für die feinsinnige Kunst, in die viel Gefühl einfließt, um die Blumen sprechen zu lassen…

Getreu dem Spruch, den Manja Henkel dieses Jahr für den Valentinstag gewählt hat: „Für die Welt bist Du irgendjemand, aber für irgendjemand bist Du die Welt!“( Erich Fried)

Die Selbständigkeit mit einem eigenen Blumenladen war für sie ein von Anfang an bewegter Traum, der sich für die sonnige Blumenfachfrau in der Johannstadt verwirklicht hat – entsprechend bindet und steckt sie mit Leib und Seele die einzeln gewählten Blumen und schafft – ein Gedicht daraus. Sie bekräftigt das Bedürfnis, Gefühle durch die Blume sprechen zu lassen: „Das macht man doch unter Paaren viel zu selten, dass man sich einmal Zeit nimmt, nur für die Liebe. Manche glauben, den Valentinstag hätten die Blumenfachgeschäfte erfunden, das ist aber nicht so. Blumen und Liebe, das gehört einfach zusammen.“

 

Manja Henkel bringt Blumenbotschaften in die Johannstadt
Foto: Anja Hilgert

 

Blumen sind die Zutat, mit der sich Liebe ohne Worte ausdrücken lässt. Mit ihrer Herzlichkeit garniert Manja Henkel zahlreiche Sträuße und Gestecke, die über die Straßen des Viertels getragen, in Wohnungen ankommen und ausgewickelt, da dann jenes Glück bedeuten, das wie die Blüten auch, vergänglich und dennoch von unendlicher Schönheit ist.

 

 

Der Kern der Rose

Auch im Blumenladen am Johannstädter Kaufhalleneck reicht man sich heute die Klinke – Frau Hausa, die den Blumenladen mit dem großen Schaufenster zur Pfotenhauerstraße führt, hat ihre rote Rosen schon mittags ausverkauft. „Viele habe ich nicht bestellt – mit 5€ das Stück hatten die einen beachtlichen Preis.“ Doch einmal im Jahr darf die Welt etwas extra kosten.

 

Blickfang Flamingoblumen Foto: Anja Hilgert

 

Manche der Kund*innen haben direkte Vorstellungen, einer will Lilien und nichts Anderes. Ein anderer ist zufrieden mit dem kleinen gebundenen Strauss, den er schon fertig findet. Die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich. Für alle Ansprüche etwas vorzuhalten, ist die Herausforderung, der sich die Floristin gegenüber sieht: „Blumen müssen immer frisch sein, die kann ich nicht Tage lang hier im Laden halten und kann sie auch nicht zurückgeben, wenn keine*r sie kauft.“ Blumen Hausa ist ein Familienbetrieb, der sich den Standort Blume für Blume erarbeitet.

 

Adresse einer Blumenliebhaberin Foto: Anja Hilgert

 

 

 

Das Ladengeschäft am Einkaufszentrum sorgt für Frühlingsboten. Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Wahlspruch gibt die langjährige Geschäftsinhaberin ein Zeichen, wie alle Mühsal, der Arbeit wie der Beziehung, sich im Kern um Zartestes, Vergängliches dreht:
„Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören dazu.“ (Hans Christian Andersen)
  – die Blumen am Valentinstag geben dazu ein Beispiel ab.

 

 

 

 

Weitere Informationen

  • Blumiges
    Florian-Geyer-Straße 41
    01307 Dresden
    Tel.: 0351-3234925
    E-Mail: kontakt@blumiges-dresden.de

www.blumiges-dresden.de

  • Blumen Hausa
    Pfotenhauerstraße 7
    01307 Dresden
    Tel.: 0351 4411400
    E-Mail: info@blumen-hausa.de

www.blumen-hausa.de

 

Inspektor Jo ermittelt im Stadtteil – Gestaltung eines Charakters gesucht!

eingestellt am 12.02.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Der neue Inspektor Jo nimmt seine Ermittlungen in der Johannstadt auf. Was er noch braucht, ist ein Aussehen: Einladung zum Entwurfs-Wettbewerb für einen fiktiven Charakter Foto: Anja Hilgert

 

Ein Inspektor ist in der Johannstadt angekommen. Einige Verdachtsfälle sind gemeldet. Es wird gemunkelt. Man spekuliert. Noch gehen die Fragen ins Offene. Doch das wird sich nun ändern:
In der Stadtteilredaktion ist die Nachricht eingegangen, dass ein neuer Charakter die Szene betritt: Inspektor Jo nimmt die Ermittlungen in der Johannstadt auf. Wer er oder sie ist?  Das genaue Aussehen, ist unbekannt. Als verdeckte*r Ermittler*in verschafft sich Inspektor Jo überall Zutritt und findet definitiv heraus, wer wann wo dahinter steckt. Und warum es so ist wie es ist oder nicht ist. Aller Schein trügt.
Ein Entwurfs-Wettbewerb lädt junge Zeichner*innen ein und startet für Inspektor Jo!

 

Countdown zum Ferienbeginn

Ungelöste Rätsel oder aufzudeckende Hintergründe, Geschichten, Motive und auch Alibis gibt es reichlich in der Johannstadt.
Jetzt ist der Auftakt, alles oder nichts ans Licht zu bringen. Unterstützung erhält die Stadtteilredaktion mit der Figur des Inspektors Jo. An diesem Charakter ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts fix: Alles steht zur Gestaltung offen – selbst der Name läuft undercover und kann umbenannt werden.

Zum Ferienbeginn startet der Countdown: Ab sofort und bis Ostern können Entwürfe, Ideen, Zeichnungen, Skizzen eingereicht werden. Realistisch gezeichnet, gemalt oder im Comic oder Manga-Style – wie sieht er für Dich aus, dieser Inspektor Jo. Wer verbringt sich dahinter? Ein*e Detektiv*in? Jung oder alt? Ein Superheld? Ist sie eine Frau? Ein Junge, Mädchen oder wechselndes Wesen? Mit Superkraft? Wer kommt in den Stadtteil, um zu ermitteln, was hier läuft?

 

 

Ausleuchtung von Tatorten in der Johannstadt Fotos: Anja Hilgert

 

Johannstadt bei Nacht.
Verschiedene Ansichten im Stadtteil.

 

Häufig entscheidet der Blickwinkel….Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

Verdachtsfälle, Hinweise, Motive und Alibis

Geht was in der Johannstadt? Was geht? Hinterhof, Balkon oder Tiefgarage – wo siedelt Ihr Eure Geschichten an? Was habt Ihr beobachtet? Was kommt Euch schon lange komisch und seltsam vor. Stellt Eure Fragen. Meldet den Fall der Fälle. Echt jetzt. Im nächsten Heft der ZEILE geht Inspektor Jo (oder wie X bis dahin heißt) diesen Dingen auf den Grund. 

Mitarbeit in den Ermittlungen wird gesucht! Kannst Du fotografieren, skizzieren oder schreiben? Dann melde Dich und nimm Kontakt zur Redaktion auf: Ein Team aus jungen Leuten ist im Aufbau!

Es geht darum, Tatorte zu bestimmen. Über welchen Ort wollt Ihr was wissen? Verdächtiges wird anvisiert. Neulich wurde eine hellblaue Kühlbox prall auf einem Mauervorsprung an der großen Brachfläche am ehemaligen Plattenwerksgelände gesichtet. Sah aus wie absichtlich dort abgestellt. Kein Mensch weit und breit zu sehen. War nagelneu und stand halb offen. 

Wir brauchen jetzt Eure Unterstützung! Unter dem Markenzeichen der Lupe wird gezoomt auf verdächtige Fälle und offene Fragen. Die Faktenlage in der Johannstadt wird gecheckt werden. Es werden Zeugen gesucht, Aufrufe an die Bevölkerung herausgegeben, Aussagen gesammelt.

 

Foto: Anja Hilgert

 

 

Neugier, Lust und Interesse?

Meldet Euch, wenn Ihr mitmachen wollt – bei den Ermittlungen der Stadtteilredaktion in der Johannstadt. Neugierig? Redaktionsarbeit ist spannend – wir suchen junge Mitstreiter*innen!

 

Aktuell gesucht: Gestaltet , zeichnet, skizziert den Charakter für Inspektor Jo! Wie sieht die Figur aus, die im nächsten Magazin den Stadtteil unter die Lupe nimmt?
Welcher Entwurf soll abgedruckt werden?

Wichtig: Alle Entwürfe werden gewürdigt und präsentiert, die Zeichner*innen eingeladen zur Entscheidung.

 

  • Einsendung Deines Entwurfs an: redaktion@johannstadt.de
  • Bei Fragen oder einfach nur Interesse ebenfalls an: redaktion@johannstadt.de

Weitere Informationen

  • Weitere Hinweise in der aktuellen ZEILE 3: Das gedruckte Stadtteilmagazin der Johannstadt : Kostenfrei überall im Stadtteil an Ladentheken, im Johannstädter Kulturtreff, im Stadtteilladen, im Bücherschrank am Bönischplatz, bei Nachbar*innen…..

112 – im Notfall gibt es nur die eine Wahl

eingestellt am 11.02.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Am 11.Februar schickt die Feuerwehr ein Informations-Gewitter durch ihre Kanäle, um für den einzigartigen Einsatz zu sensibilisieren und Nachwuchs in den jüngeren Generationen zu gewinnen. Foto: Anja Hilgert

 

Im Notfall gibt es nur eine Wahl: den kostenfreien und europaweiten Notruf 112!
Am 11. Februar wird europaweit der Tag des Notrufs bedacht: Dieses Datum steht für die wichtigste Nummer in der Not: 112. Wer diesen Notruf wählt, bekommt überall in Europa umgehend qualifizierte Hilfe. Sei es bei einem medizinischen Notfall, einem Brand oder einem Unfall.

Um die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren und über die Arbeit der Feuerwehren und Rettungsdienste zu informieren, veranstalten die deutschen Berufsfeuerwehren seit vier Jahren das „Twitter-Gewitter“. Hier gewähren die Feuerwehren über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ an diesem Tag einen Einblick hinter die Kulissen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Leitstellen und informieren tagesaktuell über ihre Einsätze.

 

 

Immer in Bereitschaft: Der Einsatz der Feuerwehr

Im Tagesgeschäft der Dresdner Feuerwehr laufen über den Twitter-Kanal sämtliche Informationen zu den Einsätzen, über konkrete Gefahren und besondere Ereignisse.

Die Pressestelle der Feuerwehr Dresden informiert und warnt die Bevölkerung über die Sozialen Netzwerke. Außerdem stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Warnapp NINA zur Verfügung, eine „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“ des Bundes für Smartphones, die der Zusendung dringlicher Warnmeldungen an die Bevölkerung dient.

 

Deutschlandweit gilt im Notfall immer die eine Nummer. Foto: Anja Hilgert

 

Einblick ins Einsatzgeschehen

62 Berufsfeuerwehren aus verschiedenen deutschen Städten, darunter Bautzen, Zwickau und zum zweiten Mal auch Dresden lassen am 11. Februar 2022 ab acht Uhr ein „Twitter-Gewitter“ über Deutschland ziehen. Bis 20 Uhr twittert die Pressestelle der Feuerwehr Dresden über das Einsatzgeschehen in der Landeshauptstadt und gibt interessante Einblicke in den Alltag von Feuerwehr und Rettungsdienst. Außerdem werden aktuelle Zahlen und Statistiken des Anrufaufkommens in der Integrierten Regionalleitstelle Dresden veröffentlicht. 

„Die Sozialen Netzwerke sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Vor allem hier verbreiten sich Informationen heutzutage in atemberaubender Geschwindigkeit. Dies birgt für die Gefahrenabwehrkräfte neue Chancen zur Warnung und Information der Bevölkerung, stellt sie aber auch vor neue Herausforderungen, denn nicht selten muss Falschmeldungen entgegengewirkt werden“ stellt der Erste Bürgermeister Detlef Sittel fest. „Je größer unsere Reichweite in den sozialen Netzwerken ist, umso mehr Menschen können wir im Ernstfall in kürzester Zeit erreichen.“ 

 

Öffentlichkeit erzeugen und Nachwuchs gewinnen

Der Amtsleiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes, Dr. Michael Katzsch, betont das notwendige soziale Miteinander, nicht nur dieser Aktion: „Der Teamgeist innerhalb der Feuerwehren ist gerade in diesen herausfordernden Zeiten ganz besonders wichtig. Durch die Interaktion der teilnehmenden Berufsfeuerwehren untereinander wird ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt.“ Aktionen wie das Twittergewitter gelten als ein wichtiges Mittel der Öffentlichkeitsarbeit und sind „elementarer Bestandteil unserer Nachwuchsgewinnung“ , so Dr. Katzsch.

Ob YouTube, Facebook, Instagram oder Twitter, die Feuerwehr Dresden zeigt mit Berufsfeuerwehr und 21 Stadtteilfeuerwehren auf den Portalen die gesamte Bandbreite ihres Tätigkeitsfeldes.

 

Foto: Alexander Bernstein

 

Rettungsdienst vor Ort

Jüngste Beispiele aus der Johannstadt, wie die Personenrettung auf der Elbfähre, Balkonbrand und  Einsätze an den dicht bewohnten Hochhäusern, der Brandalarm in der Oberschule, die Rettung einer Seniorin zeigen die allgegenwärtige Präsenz der Feuerwehr und ihrer Martinshörner in unserem Stadtteil.

Den lauteren Ton macht die Sirene, wenn sie probeweise jeden Mittwoch über die Häuserschluchten der Nördliche Johannstadt tönt. Dresden gehört in Deutschland zu den Städten, die über ein intaktes Sirenennetz verfügen. Über vier verschiedene Signale kann die Bevölkerung z.B im Falle eines Großbrandes mit sofortiger Alarmwirkung erreicht werden:

 

  • Probealarm
    in Sachsen immer mittwochs 15 Uhr: 1 Ton von 12 Sekunden Dauer
  • Feueralarm
    3 Töne von je 12 Sekunden Dauer mit 12 Sekunden Pause
  • Warnung vor einer Gefahr
    6 Töne von jeweils 5 Sekunden Dauer mit 5 Sekunden Pause (1 Minute Heulton)
    – – – Rundfunkgerät einschalten und auf Durchsagen achten!
  • Entwarnung
    1 Dauerton von einer Minute
    – – – Die Gefahr besteht nicht mehr. Informieren Sie sich!

Die Johannstädter Rettungswache

In der Johannstadt hat 2015 auf der Gerokstraße 33 das Deutsche Rote Kreuz den Dienst in der neu gebauten Rettungswache der Johannstadt aufgenommen. Mit dem frei stehenden Gebäude, das direkt an den großflächigen Straßenraum anschließt, wurde die offene Bebauungslücke zur Trinitatiskirche gefüllt und architektonisch ein besonderer Blickpunkt geschaffen, der dem Gebäude die Aufmerksamkeit zuträgt, die seiner besonderen Funktion entspricht.

Die Organisation und Koordination des Rettungsdienstes untersteht dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Die Rettungswache ist mit eigenem Rettungsdienstpersonal und einer großen Anzahl an Einsatzfahrzeugen ausgestattet, wie Notarztwagen, Rettungs- und Krankentransportwagen sowie Fahrzeugen für den Personensondertransport, die im Unglücks- und Bedarfsfall unmittelbar vor Ort zum Einsatz kommen.

 

Soziale Johannstadt: Umfrage zur Lebensqualität im Viertel

eingestellt am 04.02.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Wie findet Sozialleben statt in der Johannstadt, was macht soziales Leben im Stadtteil aus und wie ließe es sich aktuell verbessern: Bürger_innen können jetzt ihren Bedarf in einer Umfrage der Landeshauptstadt erfassen lassen Foto: Victor Smolinski

 

Das Amt für Stadtplanung und Mobilität sieht auch im Jahr 2022 Bedarf zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in vier Dresdner Stadtgebieten: Auf dem Radar der Landeshauptstadt stehen Friedrichstadt, Gorbitz, Prohlis und das Gebiet Johannstadt/Pirnaische Vorstadt.
In der Johannstadt sind in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Fördermittel in die Sanierung der Gebäude und Freiflächen geflossen, was in vielen Bereichen des Stadtteils zu einer erfreulichen, positiven Entwicklung geführt hat. Nun steht das soziale Leben der Johannstädter*innen im Blick. 

 

Johannstadt sozial

* * * Was gibt es in der Johannstadt in der Freizeit zu tun? * * * Welche Angebote zum Spielen gibt es für Kinder? * * Was können Jugendliche tun? * * *  Wie geht man aus in der Johannstadt? * * * Wo können Nachbarn sich treffen? * * * Wie sind Senior*innen aktiv? * * * Welche Angebote vermitteln Bildung, welche machen Spaß? * * * Wer braucht was in der Johannstadt? * * *

Alle Bewohner*innen des Stadtteils sowie im Gebiet ansässige Träger sozialer Projekte sind eingeladen, per Umfragebogen dem Amt für Stadtplanung und Mobilität mitzuteilen, wie sich aus ihrer Sicht die Situation in Johannstadt/Pirnaische Vorstadt aktuell verbessern lässt.

Die Fragen der Umfrage sind gezielt darauf ausgerichtet, konkrete Bedürfnisse nach Freizeit-, Sport-, Bildungs- oder Unterstützungsangeboten zu ermitteln, mit denen sich Möglichkeiten und Lebensgefühl im Stadtteil aufwerten lassen.
Was trägt dazu bei, daß Menschen, sich in der Johannstadt wohl und sozial aufgehoben fühlen und sich einzeln, in Familie oder in Gruppe gerne, aktiv in der Johannstadt als ihrem Stadtteil aufhalten.

 

Per Umfrage für mehr Sozialleben

Um Situation und Bedarf vor Ort möglichst bürgernah und authentisch zu ermitteln, startet das Amt für Stadtplanung und Mobilität seine Befragung am heutigen Freitag mit einer Laufzeit für einen Monat.

In diesem Zeitraum haben Stadtteilbewohner*innen die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse an sozialen Angeboten im Stadtteil in die Umfrage mit einzubringen.

Der Umfragebogen kann in Deutsch oder Englisch ausgefüllt werden. In zentralen Anlaufstellen, z. B. bei Vereinen, Bürgertreffs oder Begegnungsstätten liegen Fragebögen aus, die Interessierte händisch ausfüllen und vor Ort zurückgeben können. Die Rückmeldungen der unterschiedlichen Teilnehmergruppen fließen anschließend in Konzepte ein, mit denen die Landeshauptstadt Fördermittel beantragt.

 

Wie sozial geht es zu im Stadtteil – was macht die Qualität eines sozial erfüllten Lebens in der Johannstadt aus – Fragen, die nach mehr Palaver für vielfältige Antworten rufen! Eine Umfrage der Stadt gibt den Auftakt  Foto: Anja Hilgert

Entwicklung in der Johannstadt hat Platz nach oben

Da die Johannstadt ihren Zahlen nach als benachteiligter Stadtteil gilt, soll zur Beantragung von Fördermitteln ermittelt werden, was es zur Belebung des Stadtteils braucht: Den nötigen Entwicklungsbedarf zeigen Indikatoren an wie eine geringe Anzahl an Gewerbetreibenden und kleineren Wirtschaftsunternehmen, eine gleichzeitig überdurchschnittlich hohe (Langzeit)Arbeitslosenquote, ein proportional hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, viele neu Zugezogene im Quartier, ein hoher Anteil alter und älterer Menschen und ein hoher Prozentsatz Alleinerziehender.  

Themen der Kinder- und Jugendarbeit und der sozialen Integration bilden Schwerpunkte im Entwicklungsbedarf. Es sollen zusätzlich gewünschte Angebote aufgespürt werden, die dazu beitragen, den Stadtteil in seinem Sozialleben besser aufzustellen.

 

 

Mosaikbänke im Garten des Johannstädter Kulturtreff, Foto: Bertil Kalex

Zum ESF Plus-Förderprogramm

Die Landeshauptstadt sieht vor, die Aufnahme der Gebiete Johannstadt/Pirnaische Vorstadt in das Förderprogramm „Nachhaltige soziale Stadtentwicklung Europäischer Sozialfonds Plus 2021 – 2027“ (ESF Plus) zu beantragen.

Mit dem Programm finanzieren die Europäische Union, der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden Angebote, die sozial benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zugutekommen sollen. Beispielhafte Vorhaben sind Familienberatungsstellen, Sport- und Bildungsangebote, Nachbarschaftstreffs, Selbsthilfewerkstätten oder Gemeinschaftsgärten.

 

Auslagestellen der Umfragebögen im Stadtteil

Johannstadthalle/Vereinshaus Aktives Leben
Holbeinstraße 68
01307 Dresden

Familientreff Paulinchen
Bundschuhstr. 2
01307 Dresden

Wir sind Paten
Bundschuhstr. 2
01307 Dresden

Familienzentrum Pauline
Papstdorfer Straße 41
01277 Dresden

Johannstädter Kulturtreff
Elisenstraße 35
01307 Dresden

Bibliothek Johannstadt
Fetscherstraße 23
01307 Dresden

 

Weitere Informationen

  • Umfrage zur Verbesserung der Lebensqualität in der Johannstadt
    vom 4. Februar bis 4. März 2022
  • Link zur Umfrage
  • Landeshauptstadt Dresden
    Amt für Stadtplanung und Mobilität
    Abteilung Stadterneuerung
  • Telefon 0351-4883417
  • Fax 0351-4883821
  • E-Mail esfplus-beteiligung@dresden.de

Per Direktfunk in die Stadtverwaltung: Die neue „Mängelmelder“-App ermuntert zur Beschwerde

eingestellt am 03.02.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Mangel und Dreck sollen weg - die Stadtverwaltung müht sich und ringt darum, bürgernah Möglichkeiten zur Abhilfe zu schaffen. Foto: Anja Hilgert

 

Die Stadtverwaltung ersucht die Bürgerschaft digital um Mithilfe bei der Pflege des städtischen Umfelds. Dass Bürge*innen ein Auge darauf haben, in welchem Zustand sich ihr Umfeld befindet, möchte sich die Verwaltung zu Nutze machen – mit der neuen Mängelmelder-App. 

 

Wenn der schweifende Blick sich regelmäßig an Müll und Dreck und Mängeln stößt, erzeugt das schnell ein Gefühl von Unwohlsein, sich womöglich auch nicht geborgen und sicher, dadurch unzufrieden oder verängstigt zu fühlen. Unter Nachbar*innen entlädt sich das Missfallen vielleicht im Schwatz vor der Haustür, landet auf der Straße: Wenn Rinnsteine mit moderndem Herbstlaub und angewehtem Plastik verstopfen, liegt der Gedanke an die Gosse nicht fern. Zugemüllte Parkbuchten, in die alle fahren, aber keiner sich kümmert, entwickeln sich zu unansehnlichen Halden. Auch eine wochenlang defekte Straßenlaterne oder die zerschossene Scheibe der Bushaltestelle sind solche Dinge, die Laune und Nerven belagern.

Dem will die Stadtverwaltung nun entgegenkommen mit einem neuen Online-Portal, dem sogenannten „Mängelmelder“. Dieser gilt als ein „Beteiligungsformat“ einer „modernen Verwaltung“, wie die Homepage verrät: Die Behörde kann damit direkt Meldungen aus der Bevölkerungsschicht empfangen: Was als Dorn im Sichtfeld liegt, kann vor Ort vermeldet werden und wird innerhalb der Behörde an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Die Stadtverwaltung gibt sich damit zeitgemäß. Der jetzt sogenannte „Mängelmelder“ löst die zuvor sogenannte „Dreck-Weg-App“ ab.

 

Wenn Dreckansammlung das Befinden stört, verspricht die Mängel-App Abhilfe. Foto: Anja Hilgert

 

Meldewesen für Bürger*innen

Mit der App können Nutzer*innen in neun verschiedenen Kategorien Probleme aus den Dresdner Stadtteilen melden. Der Ort der Meldung lässt sich via GPS erfassen oder alternativ über eine Markierung in der Stadtkarte eintragen. Außerdem können Bilder hochgeladen werden, die die Verschmutzung sichtbar machen.

Um die Anwendung zu nutzen, braucht es ein Smartphone, Tablet oder einen Computer. Die Installation einer gesonderten App ist nicht notwendig. Wer den Mängelmelder häufiger benötigt, könnte sich sogar ein Lesezeichen auf dem Smartphone anlegen und hätte so mit einem Klick auf das Symbol direkten Zugriff. 

In der Pressemeldung der Stadtverwaltung klingt Ermunterung an: Jemand vor Ort könnte ja auf freiwilliger Basis vielleicht sogar ein Selbstverständnis als eine Art „Mängel-Beauftragter“ entwickeln.

 

Selbstbeschrittene Pfade, die mitten in den Stadtteil führen Foto: Victor Smolinski

Navigation der Information

Die Landeshauptstadt Dresden führte 2013 die Dreck-Weg-App als eine der ersten Anwendungen einer digitalen App für die Bürger*innen im Freistaat Sachsen ein. Wie sehr sowohl der Service als auch die Möglichkeit zum Mithelfen für eine saubere Stadt geschätzt werden, zeigen Die Nutzerzahlen stiegen steig: Während 2020 insgesamt 1.798 Meldungen bei der Stadtverwaltung eingingen, waren es im vergangenen Jahr 3.082 Meldungen.

Die alte „Dreck-Weg-App“ wird heute abgeschaltet. Damit endet die Veröffentlichung in den App-Stores für neue Nutzer*innen. Wo jedoch die App bereits auf dem Smartphone installiert ist, lässt sie sich weiterhin öffnen, allerdings ohne dass die dort abgesetzten Meldungen noch beim Empfänger, also der Stadtverwaltung ankommen.

Die bereits länger geplante Umstellung zog die Stadtverwaltung auf den 1. Februar vor, da das laufende System von der Sicherheitslücke Log4j betroffen war, die Mitte Dezember 2021 weltweit für Furore gesorgt hat.

Da die Software auf extrem vielen Servern und in Umgebungen eingesetzt ist, gilt die Schwachstelle Log4j als hoch alarmierend und gefährlich für die Netzsicherheit. Es wird damit gerechnet, dass Behörden und Firmen angreifbar geworden sind und insgesamt Daten abgegriffen werden können wie z.B. auch sensible Nutzerdaten, Zugangsdaten oder Zahlungsdaten. Mit solchen Daten lässt sich u.a. konkret Geld verdienen. Da Nutzer*innen nicht einfach sehen können, ob und wo diese Sicherheitslücken bestehen, kann das Problem nur durch die Betreiber von Onlinediensten gelöst werden. In der Stadtverwaltung hat der Eklat im System am kleinen Beispiel der „Dreck-weg-App“ zur umgehenden Stilllegung geführt.

In puncto Stadtteil-Fürsorge bleibt zu erwähnen: Die Stadtverwaltung nimmt ebenso auch telefonische Meldungen entgegen. Das Mängel-Melde-Telefon ist unter dem Behördenruf 115 zu erreichen. 

Weitere Informationen

In der Bereitschaft, sich überraschen zu lassen – Weihnachten in und um die Trinitatiskirche

eingestellt am 24.12.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: (Foto: Anne Schikora)

 

Neben allen Diskussionen, die gesellschaftlich und bis in die Familien hinein geführt werden, bringt Weihnachten ein Moment von anderer Qualität ins Spiel. Lichterglanz und süßer Duft, lebendiges Grün, ins Zimmer geholt, bilden dafür die einstimmende Kulisse. Die Vorbereitungen wurden durch den Advent getragen bis zum Vortag, wo der Raum bereitet, die Stuben geschmückt werden. Dazu Musik, die verzaubert. Das Bemühen, Geheimnisse zu hüten, in Päckchen gepackt. Alles geht zu aufs erwartete Ereignis, etwas, das auf besondere Weise berührt, in der Dunkelheit, der Zurückgezogenheit der Natur, was wir dann Weihnachten heißen. 

 

Auch mit Kalender ist nicht vorhersehbar, wann und wo es sich ereignet – Weihnachten. Auf der Zielgeraden, im Zugang auf die Heilige Nacht, wird es stille. Das Treiben lässt nach. Manchen wird weich zumute. Hier möchte man fragen: Und bei Dir? Wann ist Weihnachten geworden? Wann beginnt es, das weihnachtliche Fest? Mit dem Unerwarteten, das ganz anders kommt als zuvor gedacht oder vorgestellt, da öffnet sich eine Möglichkeit. Im Moment des Stockens gibt sich die Gelegenheit, den festen Lauf und die übliche Sicht der Dinge aufzugeben. Nachzulassen, zu stocken und dann aufzumerken und genau zu schauen, Raum zu geben. Damit etwas Neues, so nicht Gewesenes auf uns zukommen kann.

 

 

Die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen

Für das Weihnachten in diesem Jahr spricht sich Tobias Funke, Jugendkirchenpfarrer und Pfarrer in der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas Dresden vor allem für den Wunsch aus, „sich überraschen zu lassen. Kinder machen es uns vor: In vorweihnachtlicher Aufregung sind sie im vorfreudigen Erwarten von etwas Besonderem.“ Wie wäre es, wenn wir zum Weihnachtsfest dieses Jahr aktiv diese Bereitschaft mit einbringen, offen zu sein, sich ins Staunen versetzen zu lassen. 

Es kann sein, jemand meldet sich ganz unerwartet mit einem Weihnachtsgruß, es kann ein Geschenk sein, es kann auch eine Antwort sein, die sich aus einem Gespräch plötzlich ergibt und die mehr oder Anderes enthält als man im Vorhinein bei sich so gedacht hätte. Der Wunsch für Weihnachten beinhaltet für dieses Jahr besonders die aktive Qualität des Zuhörens, des Lauschens damit in der Gesellschaft und in den Familien wieder dieser unvorhergesehene Moment von Offenheit einziehen kann, der Anderes als das Eigene sich zeigen lässt. 

 

(Foto: Anne Schikora)

 

Angebote vor Ort und online durch die Weihnachtsfeiertage

Die Aktivitäten für dieses Weihnachten verlaufen wieder etwas anders als gedacht, aber aus den Erfahrungen mit im Jahresverlauf erfolgreich erprobten Online-Formaten kann die Kirchgemeinde den Erfordernissen der aktuellen Lage ganz gut entsprechen.

Das Krippenspiel der Konfirmanden und ein Krippenhörspiel der Kinder werden als Onlineformate auf dem YouTube Kanal der Johanneskirchgemeinde eingestellt sein.

Außerdem gibt es eine sachsenweite Weihnachtsaktion “Gemeinsam Stille Nacht” , welche online über Sachsen und Dresdenfernsehen heute um 18 Uhr ausgestrahlt wird.

Hier wird auch ein kurzes Stück der Weihnachtsgeschichte vom Dach der neuen Jugendkirche und somit über den Dächern der Johannstadt gelesen.

Vorab konnte jede*r Zuschauer*in auch selbst “Stille Nacht” digital aufnehmen und einsenden, was dann zum großen Chor zusammengeschnitten ausgestrahlt wird – man darf gespannt sein!

 

Folgende Angebote gibt es vor Ort :

  • Freitag, 24. Dezember, Heiliger Abend

ab 10.00 Uhr Weihnachtsweg im Freien für Familien mit kleinen Kindern bis 12.00 Uhr
Pfarrer Tobias Funke, Trinitatishaus, Fiedlerstraße 2

14.30 Uhr Christvesper mit vorab aufgezeichnetem Kinderkrippenspiel
Vikar Philipp Oberschelp und Gemeindepädagogin Sandra Eisner, Trinitatishaus, Fiedlerstraße 2

15.00 und 16.00 Uhr Christvesper mit vorab aufgezeichnetem Krippenspiel der Konfirmanden
Pfarrer Tobias Funke, Johanneshaus, Haydnstraße 23

16.30 Uhr Christvesper im Freien mit der Gottesdienstwerkstatt
Pfarrerin Eva Gorbatschow, Trinitatishaus, Fiedlerstraße 2

17.00 und 18.00 Uhr Christvesper,
Pfarrerin Carola Ancot, Johanneshaus, Haydnstraße 23

  • Samstag, 25. Dezember, 1. Weihnachtstag

10.00 Uhr Gottesdienst, im Anschluss singt voraussichtlich die Kantorei,
Vikar Philipp Oberschelp, Trinitatishaus, Fiedlerstraße 2

  • Sonntag, 26. Dezember, 2. Weihnachtstag

9.30 Uhr Gottesdienst mit Streichermusik, der Posaunenchor spielt im Anschluss vor dem Johanneshaus,
Pfarrerin Carola Ancot, Johanneshaus, Haydnstraße 23

 

* Frohe Weihnachten *

Eingeigelt durch den Winter – Igelhilfe in Johannstadt

eingestellt am 22.12.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Menschliche Zuwendung hilft, gut durch den Winter zu kommen (Foto: Anja Hilgert)

Ein Bedürfnis, das die beharrlich nasskalte Jahreszeit hervorruft, ist bei vielen, zuhause zusammengerollt wie die Katze am Ofen durch den Tag zu schlummern. Die verhältnismäßig warmen Temperaturen halten aber geschäftig und die Leute sind trotz Regen und Zugluft beständig weiter auf den Beinen.
So geht es auch denjenigen Tieren, die fürs Einrollen vorbildlich stehen: Igel, die ihren ganzen Körper zur warmen Mitte hin zusammenziehen, wenn’s von aussen gefährlich für sie wird. Laut verbreitetem Schulbuchwissen sollten die stachligen Freunde derzeit bereit für den Winterschlaf sein und kommen doch nicht so leicht zur Ruhe, wie Mensch sich das vorstellt.

 

In der Johannstadt wird durch den Stadtteilfonds ein Projekt gefördert, das den Igeln zu Hilfe kommt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht schaffen, gut durch den Winter zu kommen. Bereits im vergangenen Jahr war aus der Bewohnerschaft der Nördlichen Johannstadt eine Initiative für Igel-Pflegestellen in Privathaushalten des Stadtteils gestartet worden. Überproportional viele Igel, vor allem kleine, junge oder verletzte, kranke und unterernährte Tiere waren im Stadtgebiet gefunden und bei der Igel-Kita Dresden abgegeben worden.
Das Findelheim für Igel kam an Grenzen, die vielen Tiere zu versorgen und stieß im Johannstädter Projekt Igelhilfe auf das Engagement aus der Bewohnerschaft, Pflegeaufenthalte in private Haushalte, besonders Familien mit Kindern zu vermitteln. 

Wir waren einer der Haushalte, die im vergangenen Winter einen solchen vom Stadtteilfonds 2020 geförderten Stall auf dem Balkon stehen hatten, in dem zwei jugendliche Igelburschen Quartier bezogen, sich kugelrund gefressen und letztlich auch ihren Winterschlaf vollzogen haben. Letzten Endes ging alles gut. Aber so einfach wie vorgestellt, war das Unternehmen nicht gewesen. Wie wenig wir bekannt sind mit den Stachelhäutern, war die erste Feststellung, die wir uns eingestehen mussten.

 

Ein Igel macht sich vertraut (Foto: Anja Hilgert)
Jeder Igel hat seinen eigenen Charakter (Foto: Anja Hilgert)

Wer möchte in der Haut eines Igels stecken

Als dieses Jahr nun wieder alles Laub von den Bäumen gefallen und die Zeit der grauen Tage eingezogen war, hatte ich eines Morgens ein Erlebnis, das mich an die Geschichte mit den Igeln wieder erinnerte. Ich hatte mich mit dem Fahrrad gerade vom Bordstein abgestoßen, um das Käthe-Kollwitz-Ufer zu kreuzen, als mich etwas, das auf dem Mittelstreifen lag, jäh stoppen ließ: Was da lag, war eine leere Igelhaut!

Nur die Haut, mit all ihren Stacheln daran, war übrig vom Tier und lag mitten auf der vielbefahrenen Straße. Wie war sie dahin gekommen? Nur die Haut und keine Spur vom Körper, kein Kampf, kein Blut, nichts sonst war zu sehen. Offenbar war die stachelbesetzte Haut der ungenießbare Überrest eines vollzogenen Festmahls. Ich mutmaßte, dass es die Krähen gewesen sein mussten, die den Igel erbeutet und alles für sie Verwertbare gefressen und den Rest fallen gelassen hatten. Aber hier auf der Straße? Oder war doch gar ein Fuchs der Fressfeind gewesen? Ich kenne mich nicht genügend aus unter den Tieren, war meine Einsicht. Die Igelhaut blieb ein Rätsel und ich trug sie mitsamt vieler offener Fragen zurück ins Gebüsch. 

 

Fundstück Stachelhaut (Foto: Anja Hilgert)

 

Fett gepolstert und kugelrund

Der Winter, der jetzt eigentlich herrschen sollte, ist zu warm als dass ein Igel, der für die wirklich kalte Zeit fett gepolstert und kugelrund gefressen sein muss, in seinem Rückzug bliebe. Solange sich die Gelegenheit bietet, und Temperaturen bis 7 Grad den Körper warm halten, wird er weiter fressen, Würmer, Insekten, Sämereien suchen wollen und dafür aufs unverdeckte offene Feld hinaus pirschen. Da mag es sein, er bringt sich selbst in tödliche Gefahr, noch dazu an nahe gelegenen, viel befahrenen Straßen.

 

Ein kleiner Igel auf der Suche nach einem WInterquartier (Foto: Torsten Görg)

 

Anpassungsleistung Winterschlaf

Doch nicht um Tiere, die gesund im natürlichen Kreislauf stehen, geht es in dem Projekt der Johannstädter Igelhilfe, sondern um solche, die zum Überleben zu schwach sind und Hilfe benötigen.
Ohne nötige Fettreserven und ohne Quartier, das die Bedingungen für einen gut geschützten Rückzug ermöglicht, kann sich das Tier nicht in den Winterschlaf begeben, d.h. sich mit seinem Organismus nicht der Umgebung hingeben. Voraussetzung für diese Vertrauensleistung ist je nach Körpergröße des Igels ein Gewicht von mindestens 500 bis 1300 Gramm. Manche Tiere, die im späten Herbst gefunden werden, haben nur 200/300 Gramm Körpergewicht. Damit würden sie im Winter erfrieren.

 

Auch 2021 setzen sich wieder Familien in der Johannstadt für hilfsbedürftige Igel ein. (Foto: Claudia Riedrich)

 

Um zu überleben, passt sich der Organismus des Tiers seiner Umgebung an: Der ganze Stoffwechsel des Igels senkt sich im Winterschlaf auf ein Minimum des Überlebensnotwendigen ab: Der Herzschlag geht von 180 bis 260 Schlägen auf zwei bis zehn Schläge pro Minute, der Atem von durchschnittlich 50 Atemzügen auf 5 bis 10 pro Minute und die Körpertemperatur verringert sich von 35°/36°C auf ca. 4°C.
Das lebende Tier erstarrt zu einer kompakten kalten Kugel, die nicht zu öffnen ist. 

Wie für Menschen der Schlaf und die Ruhe Erholung und Regeneration bringen, so ist für den Igel der Winterschlaf die von der Natur gut eingerichtete lebenserhaltende Maßnahme, die Zeit der ärgsten Gefahren zu überbrücken und gesund durchzuschlafen.

 

Der Winter ist die Zeit der Pflege

In unseren städtischen Gartenanlagen und den Hinterhöfen nach städtischem Verschnitt, bepflastert, mit Carport und Müllstellplätzen, vielleicht einer Sandkiste, fehlt es an Gebieten, die sich für Igel zur Überwinterung eignen. Mit dem letzten Rasenschnitt im Herbst wird meistens der Garten so aufgeräumt und winterfest gemacht, dass nichts übrig bleibt an Gestrüpp, Fallholz, Totholz und Unterholz. Selbst Stein- oder Tonziegelhaufen und Brennholzstapel sind eine Seltenheit und damit bleibt kein geeignetes Terrain für Igel, um sich über Winter einzukugeln.

Deshalb werden nach Beschluss des Stadtteilbeirats in seiner 13. Sitzung am 30.9.2021 auch dieses Jahr im Stadtteil die zehn wohnraumnahen Igel-Unterkünfte weiter betrieben. Dabei handelt es sich um Kleintierställe, die gestopft mit Stroh und Laub sich zur Einigelung eignen.
Gesucht und gefunden wurden Johannstädter Einzelpersonen und Familien mit Kindern, die die Ställe bei sich aufstellen und ausgestattet mit allem Notwendigen für den Winterschlaf der anvertrauten Igel Sorge tragen. Während der Pflegeaufenthalte werden neben der Fütterung Gewicht und Ausscheidung kontrolliert sowie für Auslauf gesorgt. Die Pat*innen erhalten dazu eine fachliche Einweisung sowie eine Grundausstattung an Einstreu, Futter und Medikamenten.

 

Winterschläfer brauchen Ruhe auf dem Balkon (Foto: Anja Hilgert)

 

Staunen und Lernen an den Pflegekindern

Als Edgar und Borger bei uns auf dem Balkon wohnten, bekamen wir sie fast nie zu sehen. Tagsüber schliefen sie und verhielten sich ruhig, kamen aber nachts in Aktivität und rumpelten und räumten in ihrem Strohkokon. Morgens war der Futternapf mit dem feinen Katzenfutter leer gefressen und täglich war es nötig, den Stall von Kot und Urin zu reinigen. Es schneite, aber es fiel nur mal der Eine und mal der Andere, nachtweise in Schlaf. Wir warteten, wann das Futter gänzlich unangerührt stehen würde und fragten uns, ob wohl und wann wohl die Igelburschen bereit seien für den erwarteten Winterschlaf. Es hat lange gedauert, bis sie endlich im Februar und März für lange Strecken durchschliefen. Umso schöner war es dann, sie wohlbehalten hervorkommen zu sehen, aus ihrer Einigelung. Und als sie vom Igelkitateam abgeholt wurden, zur Entlassung in die Freiheit, waren es zwei prächtige Kolosse, die an Gewicht gut zugenommen hatten und kräftig zum Loslaufen waren.

 

Ein junger Igel verabschiedet sich aus seinem Quartier in einer Familie (Foto: Anja Hilgert)

 

 

Weitere Informationen

  • Projekt Igelhilfe im Stadtteilfonds Johannstadt
  • Der Verlag für Rechtsjournalismus ist auf die Stadtteilredaktion zugekommen und stellt vor dem Hintergrund des Projektes Igelhilfe einen kostenfreien Ratgeber zum Thema “Igel und die Hilfe für die kleinen Säugetierezur Verfügung. Hier finden interessierte Bürger*innen einen transparenten Überblick sowie umfangreiche Informationen zu den folgenden Aspekten:
  • Stehen Igel unter Naturschutz?
  • Igel zugelaufen: Hilfe, aber wie?
  • Bußgeld Igel nach Bundesländern

Hier geht es zum kostenfreien Ratgeber:
https://www.bussgeldkatalog.org/tierschutz-igel/

 

Vermisst: Die spielenden Kinder, Bronzeskulptur vor der Johanna

eingestellt am 16.12.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Die spielenden Kinder werden vermisst im Viertel Foto: Peter Weidenhagen igeltour Dresden

Manche vermissen, dass sie nicht mehr bei uns im Viertel tanzen – die beiden Kinder aus Bronze, die im Pflanzbeet vor der 102. Grundschule Johanna ihrer Lebensfreude so ausgelassen Schwung verliehen. Die Figurengruppe, die seit Jahrzehnten zum Stadtteil gehört, wurde als verschwunden gemeldet. Die Stadtteilredaktion hat die Spur aufgenommen…

 

Besagte Figurengruppe besteht aus einem jugendlichen Mädchen im sommerlichen Kleid, an dem der Rocksaum hochwippt, so sehr nimmt sie Schwung, einem kindlichen Jungen von hinten unter die Arme zu greifen und ihn hoch, vom Boden abzuheben.
Sich im Kreise drehend, lehnt das Mädchen sich gegen die Schwerkraft und zieht den Körper des Jungen mit sich, wie im Flug, bis die Beine des Knaben den Boden verlassen und mit der Fliehkraft der ganze Körper schwerelos hängt, der Junge sich der Leichtigkeit überlässt.
Mädchen wie Junge strahlen beim Kreiseln vor ausgelassener Freude, der beide sich hingeben.

 

Drehen sich zu allen Jahreszeiten, die spielenden Kinder der Bronzeplastik “Lebensfreude” vor der Johanna
Fotos: Peter Weidenhagen igeltour Dresden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebensfreude im öffentlichen Raum

„Lebensfreude“ heisst die Bronze-Skulptur, die die Dresdner Bildhauerin Hildegard Jahn-Wiegel (1922-2009) im Jahr 1974/75 geschaffen hat. Mit 138 cm sind die Figuren etwa lebensgroß gefertigt. Für den Jungen und das etwas größere Mädchen, beide im Kindesalter, sollen die Tochter und der jüngste Sohn der Künstlerin Modell gestanden haben. Heute ist das Werk Teil der Sammlung des Kunstfonds des Freistaates Sachsen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und zählt damit zum Inventar einer der bedeutendsten Kunstsammlungen zur sächsischen Kunst nach 1945.

Nach Auskunft von Bertil Kalex, der sich im Rahmen des derzeit ausgeschriebenen Johannstädter Fotowettbewerbs 2021 “Kunst im öffentlichen Raum – Kunst am Bau” mit Kleinplastik im Stadtteil befasst, handelt es sich „um eines der wenigen Kunstwerke, welche im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach dem Krieg in Johannstadt an Ort und Stelle aufgestellt wurden. Viele andere im Stadtteil befindliche Kleinplastiken sind sogenannte Zweitaufstellungen, z.B. das Relief “Flug der Kraniche” von Rudolf Sitte vor der JohannStadthalle oder die Bronzeplastik “Traubenesser” aus der 1960er Jahren von Erich Otto vor dem Vereinshaus auf der Dürerstraße.“

 

Erwartete Rückkehr im Herbst 2022 Foto: Peter Weidenhagen igeltour Dresden

 

Die spielenden Kinder sind weg

Nachdem im Laufe diesen Jahres der „Schullebensraum“ in der Grundschule Johanna aufgewertet und neu gestaltet worden ist und insbesondere der Schulhof nach den Bauhüttenwochen viel kreativ-künstlerische Gestaltung erfahren und mehr und mehr kindgerechte Gestalt angenommen hat, fiel den daran aktiv Beteiligten nun auf, dass die Kunst vor dem Eingangstor zur Schule fehlt. Im Beet, wo die Kinderfiguren aus Bronze standen, klafft eine deutliche Lücke. Dass diese beiden spielenden Kinder weg sind, erschien ganz unverständlich und sorgte für zweifelnde Fragezeichen.

Wie Ramona Eichler, Mitarbeiterin im Amt für Kultur und Denkmalschutz, Abteilung Kultur und Kommunikation im Sachgebiet Kunstförderung/Kunst im öffentlichen Raum auf Anfrage nun mitteilte, „wurde die Figurengruppe wegen Bauarbeiten gesichert und von der Baufirma eingelagert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen – voraussichtlich Herbst 2022 wird sie wieder am Standort aufgestellt.“ Also ist alles im Reinen.

 

Im Bild der Kunst

Seit Jahrzehnten standen sie wie selbstverständlich am Ort vor der Schule und waren im Vorbeigehen vielleicht sogar wenig geachtet, da immer da. Jetzt aber fehlen die Figuren und werden vermisst.

Vielleicht spiegelt sich hier im Bild der fehlenden Bronzeplastik auch das, was gerade wirklich vermisst wird: Das Tanzen fehlt. Die Freizügigkeit. Fröhliches Spielen, sich bei den Händen zu fassen und Feste zu feiern fehlt. Wir haben es für selbstverständlich gehalten. Das Kunstwerk hat es hervorgehoben und den besonderen Moment purer Lebensfreude manifestiert. Jetzt, wo das Gefühl wie eingelagert ist, vermissen wir das Elixier. Sehnsucht regt sich. Vielleicht, wenn auch die Beine den Boden nicht verlassen vor Freude, so können doch die Blicke gehoben, Gesichter offen und die Mundwinkel beweglich bleiben. Wir leben von der Leichtigkeit, vom Ausdruck der Freude, einander im Miteinander zu begegnen.

Gesammeltes Wissen : ZEILE 3 liegt jetzt druckfrisch in Johannstädter Läden aus

eingestellt am 11.12.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Pünktlich vor den Festtagen gibt es die dritte Ausgabe des Stadtteilmagazins ZEILE jetzt frei erhältlich in der Johannstadt Foto: Anja Hilgert

 

Die ZEILE 3 ist druckfrisch in ihrem Heimat-Stadtteil eingetroffen: Überall in der Johannstadt, Nord wie Süd, liegt die dritte Ausgabe der ZEILE ab sofort (FR/SA und Beginn der nächsten Woche) in den kleineren Geschäften des Einzelhandels aus, auf Ladentheken, in Apotheken, Arztpraxen, möglichst flächendeckend im Stadtteil verteilt, dass sie in der ganzen Johannstadt möglichst allen in die Hände fällt. Für gute Lektüre zum Jahresende ist somit gesorgt. Die dritte Ausgabe des beliebt werdenden Stadtteilmagazins hat den Themenschwerpunkt WISSEN. Druckfrisch in Farbe und auf hochwertigem Papier präsentiert sich die ZEILE diesmal als ein Fundus vielfältig gesammelten Wissens, das speziell aus unserem Stadtteil zusammengetragen ist!

 

 

Die ZEILE ist das hochwertig gedruckte Johannstädter Stadtteilmagazin, das zweimal im Jahr von Stadtteilbewohner*innen selbst geschrieben, für Menschen gemacht ist, die in der Johannstadt wohnen und leben. Lokaler geht es nicht. Das ist die ZEILE.

 

Unter dem Themenschwerpunkt WISSEN finden sich in ZEILE 3 wiedererzählte Erinnerungen, gesammelte Erfahrungen, Schätze an Kenntnissen und besondere Fähigkeiten aus dem Johannstädter Stadtteil Foto: Anja Hilgert

 

 

 

WISSEN: Wieso Weshalb Warum

…das sind die drei großen Fragen, mit denen Kinder sich unerbittlich die Welt erklären lassen. Und dieser Drang, es wirklich und ganz unbedingt wissen zu wollen, ist unerschöpflich: Wieso? Weshalb? Und warum?? 

Die dritte Ausgabe des Johannstädter Stadtteilmagazins ZEILE ist dem Wissen unseres Stadtteils auf die Spur gegangen. Welches Wissen kommt in der Johannstadt zusammen?

Überall begegnen wir besonderem Wissen. Vor allem die Älteren wissen viel. Oder die, die viel unterwegs sind – ihnen ist viel schon begegnet.
Die Großnichte des Schokoladenfabrikanten Clauß teilt ihre Erinnerungen aus den industriellen Anfängen in der Johannstadt. Der Zeit der vielen Eckläden im Gründerzeitviertel widmet die langjährige Anwohnerin Inge Kieshübel ein Gedicht. Warum jetzt in der ehemaligen Schokoladenfabrik eine Baustelle ist und was schon im kommenden Jahr dort neu eröffnen wird, dieses Wissen teilen Architekten und die Geschäftsführerin des Kinderschutzbund Ortsverband Dresden e.V..

Darüber hinaus zeugt ZEILE 3 von der rettenden Tat eines Einzelnen, der sich das heute noch stehende Gebäude der Sparkasse verdankt. Neben Schokoriegeln und farbenfrohen Werbebannern geht es in ZEILE 3 um das alte Wissen der Bäume in der Johannstadt, manche von ihnen mehr als 100 Jahre alt. Vom Lernen in Johannstadt Schulen, von Spezialwissen und Insiderwissen, von Wissensspeichern, alten Liedtexten und verlorenem Wissen ist die Rede, außerdem von besonderen Kenntnissen und Dingen, die man im Stadtteil unbedingt wissen sollte.

Viele Stimmen des Stadtteils haben zur ZEILE 3 beigetragen. Erstmals gibt es eine eigene Bildstrecke im Stadtteilmagazin, mit hochaufgelösten Fotos, von denen jedes einzelne ein einzigartiges Portrait des Stadtteils darstellt.

 

 

Das Johannstädter Stadtteilmagazin kommt unter den Tannenbaum Foto: Anja Hilgert

 

Ein solcher Ausschnitt kann nur neugierig machen und so soll es sein – ohne Neugierde und brennendem Interesse kann kein Wissen entstehen. Jede*r, die oder der diese Zeilen hier liest, gehe los und hole sich das neue Heft der Printausgabe des vierteleigenen Stadtteilmagazins, das nahezu nur die Johannstadt und kaum ein anderer Stadtteil Dresdens so hat.

 

 

 

Die Verteilstellen: Johannstadt – Kulturtreff – Copy Sauer = Bücherschrank

Die ZEILE ist für alle Interessierten im Stadtteil kostenlos bzw. gegen freiwillige Spende erhältlich.

Da auch der Johannstädter Kulturtreff und die JohannStadthalle als soziokulturelle Einrichtungen schließen mussten – bleibt als andauernde Verteilstelle nur er: Der Bücherschrank. Im öffentlichen Raum auf dem Bönischplatz immer erreichbar, für alle frei zugänglich, duldsam und wacker ist er der treue Mitstreiter, der für Johannstädter*innen das Stadtteilmagazin feil bietet. Die ZEILE sollte dort durchgängig ausliegen. Dafür tragen Stadtteilredaktion und der Johannstädter Kulturtreff Sorge. Allerdings auch nur in kleinem personellen Aufgebot.
Sollten die Fächer im Bücherschrank einmal blank und ohne die ZEILE sein, geben Sie bitte gern Rückmeldung an redaktion@johannstadt.de, damit wir entsprechend unmittelbar reagieren können.

Nachdem Copy Sauer als feste ‚Zentrale‘ geschlossen hat, wo die ZEILE im ersten Jahr ihres Erscheinens stets greifbar und immer verlässlich nachzufragen gewesen ist, bräuchte es einen neuen solchen Ort, der einfach da und offen ist. So waren es gefühlt die Sauers, die alle Arbeitstage der Woche von früh bis spät im Herzen der Johannstadt ihr Ladengeschäft betrieben haben, das als solches auch ein Umschlagplatz für Stadtteilgespräch, Neuigkeiten und Meinungsaustausch war. 

Dass das nun fehlt, war diesen Monat spürbar. Viele standen fassungslos vor der für immer verschlossenen Tür auf der Ecke der Pfotenhauerstraße, die die Sauers mit ihrem Copyladen markiert hatten. Was bleibt übrig?! Die Stadtteilredaktion hat auf dem Schirm, das Stadtteilgeplauder nicht abebben zu lassen, sondern im Gegenteil, aufzugreifen, was sich zeigt, um es in Umlauf und ins Gespräch zu bringen. Für Anregung und Information ist das Ohr der Johannstadt offen: Bitte kommentieren Sie direkt auf dieser Seite in der Kommentarfunktion unter den tagesaktuellen Artikeln oder senden Sie ihre Zuschriften an redaktion@johannstadt.de.

 

Flexibel sein war auch bei der dritten Ausgabe die Devise der Verteilaktion im Viertel           Foto: Anja Hilgert
Auslieferung der ZEILE zum dritten Adventwochenende: v. li. n. re.: Gerd Hammermüller, Anja Hilgert, Janek Deußing Foto: Joos Brähler

 

 

 

 

 

 

 

ZEILE-Freundeskreis, Newsletter und Spendenbutton

Da der Kreis an Lesern und Leserinnen sowohl der ZEILE als auch von johannstadt.de wächst, wird es im neuen Jahr 2022 einen eigenen Newsletter der Stadtteilredaktion geben mit Highlights und Lieblingsberichterstattung des Monats, mit Tipps, Ankündigungen und Terminen, die den Stadtteil betreffen.

Interessierte können sich schon jetzt melden für den ZEILE-newsletter bzw. Interesse bekunden am ZEILE-Freundeskreis unter redaktion@johannstadt.de.

Wem die ZEILE und der Erhalt des Stadtteilmagazins – gedruckt und online auf johannstadt.de  in der Johannstadt etwas wert ist, darf gern einen frei gewählten Spendenbeitrag für die Arbeit der Stadtteilredaktion überweisen per Spendenbutton auf johannstadt.de oder händisch an den Stadtteilverein Johannstadt e.V..

Kunstschaffende über 55 Jahre können sich bewerben für Arbeitsstipendien in bildender Kunst und Literatur

eingestellt am 15.10.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Das Amt für Kultur und Denkmalschutz ruft auf, jetzt Stipendiat*in zu werden und eigenes künstlerisches Schaffen voranzubringen Foto: Anja Hilgert

Das Amt für Kultur und Denkmalschutz schreibt acht Stipendien für freiberuflich tätige Kunstschaffende ab Jahrgang 1966 aus und fördert künstlerische Arbeit im Stadtraum Dresden in den Sparten bildende Kunst und Literatur mit Arbeitsstipendien in Höhe von je 1.250 Euro. 

 

Auch in der Johannstadt haben alteingesessene Künstler und Künstlerinnen mit Wurzeln in der Landeshauptstadt ihren Wohnsitz oder aber Atelierräume, in denen ihre Werke entstehen. Manchmal ist es eine künstlerische Handschrift, eine bestimmte Formsprache oder ein farbliches Kolorit, das für Wiedererkennen sorgt und mit dem Schaffen eines künstlerisch tätigen Menschen in Verbindung bringt. Künstlerische Werke vermitteln auf jeweilige besondere Art Botschaften, Gedankenwelten, Gefühle, die auf einzigartige Weise Menschen miteinander verbinden ohne dass sie sich begegnen.

Das ausgeschriebene Arbeitstipendium richtet sich an solche kreativ schaffenden Menschen, die mit ihrem Tun in der vergangenen Zeit kaum oder wenig an die Öffentlichkeit treten konnten. Es ist ein Signal, künstlerischem Wirken wieder den Raum zu weiten – denn Kunstwerke nähren den Menschen.

 

Generation 55 plus

 

Gefördert werden Projektvorhaben zur Weiterentwicklung der eigenen künstlerischen Arbeit und die Fertigstellung künstlerischer Arbeiten unter den aktuellen Krisenbedingungen. 

Bewerbungen sind bis Dienstag, 2. November 2021 möglich.
Einzureichen sind neben einer Projekt- bzw. Vorhabenskizze, ein tabellarischer Lebenslauf und ein Nachweis der haupterwerblich ausgeübten selbstständigen Tätigkeit. Fördervoraussetzung ist die haupterwerbstätige künstlerische Arbeit.

Bewerben können sich freiberuflich tätige Künstlerinnen und Künstler sowie Autorinnen und Autoren mit Hauptwohnsitz Dresden, die mindestens 55 Jahre alt sind und deren künstlerische Tätigkeit im Haupterwerb ausgeübt wurde bzw. wird. Voraussetzung für die Bewerbung ist der Nachweis der selbstständigen künstlerischen Tätigkeit durch eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse, in einem entsprechenden Berufsverband oder durch eine eidesstattliche Erklärung. 

 

 

Geschützte Bedingungen für kreatives Arbeiten Foto: Anja Hilgert

 

Eher unter dem Radar der Öffentlichkeit

Dr. David Klein, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz bewirbt das Projekt für Dresdner Kunstschaffende: „Wir wollten mit diesen Arbeitsstipendien eine Zielgruppe besonders in den Fokus nehmen, die eher unter dem Radar der Öffentlichkeit arbeitet – die Generation 55 plus. Oftmals sind diese Künstlerinnen und Künstler von Ausschreibungen und Stipendien allein durch ihr Alter ausgeschlossen. Eine nachhaltige Kulturförderung kann nicht ausschließlich den Fokus auf die Förderung von jungen Talenten legen, sondern sollte einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.“ 

Das Stipendienprogramm wird in Kooperation mit der Hanna-Johannes-Arras-Stiftung vergeben. Die Stiftung mit Sitz in Stuttgart fördert in Dresden Kunst und Kultur der Sparten Musik, bildende und darstellende Kunst, Literatur und Baukunst. 

Stefan Arras, Vorstand der Hanna-Johannes-Arras-Stiftung erklärt zur Förderung des Dresdner Vorhabens: „Eine öffentliche Darstellung ihres Schaffens war für viele Künstler in Zeiten der Pandemie nur unter erschwerten Bedingungen oder gar nicht möglich. Die künstlerische Arbeit wurde eingegrenzt, was manchen Künstler schwer belastet und teilweise auch in eine prekäre Lage geführt hat. Wir als Kunst-Stiftung wollen uns der Betroffenen annehmen und ihnen den Weg zurück zur Normalität erleichtern. Dazu beteiligen wir uns gerne an dem vom Kulturamt der Stadt Dresden aufgelegten Stipendienprogramm.“ 

 

 

Der formlose Antrag (nicht handschriftlich) ist zu senden an: 
Amt für Kultur und Denkmalschutz, Postfach 12 00 20, 01001 Dresden.
Unterstützung bei der Antragstellung bietet der Künstlerbund Dresden e. V. per E-Mail: berufsverband@kuenstlerbund-dresden.de und Telefon: 0351-8015516.

 

Weitere Informationen

www.dresden.de/generation55

Kulturtreffpunkt im Gründerzeitviertel der Johannstadt – Willkommen in Johannstadt e.V. bezieht eigene Räume 

eingestellt am 14.10.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Ein neuer Anfang in Räumen mitten im Viertel: Willkommen in Johannstadt ist ab jetzt fest vor Ort im Stadtteil Foto: Anja Hilgert

 

Ein neuer Treffpunkt und Ort für Veranstaltungen hat in der Johannstadt seine Türen geöffnet. Mitten im Wohngebiet der gründerzeitlichen Johannstadt, in einem ehemaligen Ladengeschäft auf der Hertelstraße, hat der Verein Willkommen in Johannstadt e.V. (WIJ) eigene Räumlichkeiten bezogen.
Mit Empfangsbereich, Küche und zwei anliegenden Seminarräumen hat sich der Verein einen ständigen, zentralen Ort für soziales und interkulturelles Engagement geschaffen. Die Angebote und Veranstaltungen nehmen im Oktober Fahrt auf – und alles aus reinem Ehrenamt.

 

Endlich vor Anker im Hafen des Johannstädter Stadtteils

Unter der Devise „Helfen macht Freu(n)de“ organisieren Ehrenamtliche in der Johannstadt seit sechs Jahren lebenspraktische Unterstützung für Menschen, die im Zuge globaler Flüchtlingsströme neu in die Johannstadt und darüber hinaus zugewandert sind.

 

Willkommensinitaitive: Katrin Witte, Marie-Charlotte Lukas und Birgit Roth (v. li n. re)
in Vorbereitung der neuen Räume Fotos: Anja Hilgert

 

Begonnen hat alles Ende 2015, als eine aus Containern bestehende Siedlung von Notunterkünften an der Ecke Fiedlerstraße / Fetscherstraße aufgebaut worden war, die als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in der Johannstadt dienen sollte. Damals regte sich spontan enorme Hilfsbereitschaft im Stadtteil, um die erwarteten Menschen nach ihrer Flucht mit dem Notwendigsten direkt zu unterstützen. Eine lose Gruppe Johannstädter Bürger*innen rief damals im Johannstädter Kulturtreff zu einem ersten Vernetzungstreffen auf. Alle Beteiligten waren überrascht, als viel mehr Menschen dem Aufruf folgten als der Saal fassen konnte. Aus diesem Impuls gründete sich die Initiative „Willkommen in Johannstadt“, die dann vier Jahre später zum Verein formierte.

Was dann nicht wie geplant kam, war der Bezug der Erstaufnahmeeinrichtung. Aber für die Bürger*innen in der Johannstadt waren sie Anstoß genug, ein selbst organisiertes Netzwerk mit tragfähigen Organisationsstrukturen aufzubauen, um Integration und interkulturelle Nachbarschaftshilfe im Stadtteil zu fördern. 

Freiwillig Engagierte des WIJ e.V. bieten seither auf vielseitige Weise Unterstützung an für Asylsuchende und Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen.
In Form von Sachspenden bis zur Wohnungssuche, über Sprach- und Computerkurse, Übersetzungen, Beratung bei Jobsuche und Behörden-gängen bis zu Hausaufgabenbetreuung und Lernpatenschaften bringen Menschen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ein für Menschen, die mit ihrer Biografie kulturell und gesellschaftlich an einem totalen Neuanfang stehen.

 

Begegnung im erweiterten nachbarschaftlichen Raum : Eva Hesse, Hannes Kettner (WIJ+ KaffeefürAlle), Mario Peisker   Foto: Anja Hilgert

 

Was sich damit verbunden regt, ist mehr als sachliches Angebot und Nachfrage. Auf menschlicher Ebene kommen Geben und Nehmen unmittelbar in Austausch, Freude und Interesse am gegenseitigen Kennenlernen bewegen das Engagement.

 

Vom Nomadentum zum neuen Standort

Durch kontinuierliches Dranbleiben hat WIJ mit über 700 Interessierten und Unterstützer*innen, darunter vielen ehrenamtlich Aktiven ein beachtliches Netzwerk im Bereich der Integrationsarbeit aufgebaut, das niedrigschwellig allen zugänglich ist. 

Clemens Hirschwald, Ehrenamtskoordinator der Stadt Dresden, in dessen Aufgabenbereich es fällt, Initiativen und Vereine zu unterstützen, die sich für Integration engagieren, erkennt im Wirken des Vereins sogar eine ausserordentlich große Leistung: „WIJ zählt zu den Gruppen, bei denen man aufgrund der langfristigen Entwicklungen sehen kann, ‚die bringen was voran’.“ 

Lob und Anerkennung auch von Seiten der Stadt haben nicht lange auf sich warten lassen – WIJ gehört zu den für seine Arbeit bereits mehrfach offiziell gewürdigten Vereinen. Im Oktober 2018 wurde der Verein mit dem mit 5.000 Euro dotierten Dresdner Integrationspreis ausgezeichnet. 

2020 gipfelte die öffentliche Anerkennung noch einmal, als Claus-Peter Reisch, der für sein Engagement in der Seenotrettung den Erich-Kästner-Preis des Dresdner Presseclubs erhalten hatte, sein Preisgeld zwischen den drei vergleichbar arbeitenden Willkommensinitiativen in Johannstadt, Löbtau und Laubegast aufteilte – für WIJ mit einer Aufstockung auf 7.500 €.

 

Clemens Hirschwald im Gespräch mit Katrin Witte beim Eröffnungsfest  auf der Hertelstraße. Foto: Anja Hilgert

 

Hirschwald sieht WIJ als Stadtteilbündnis „gut aufgestellt, seit langer Zeit, sehr nachhaltig. Da ist es wichtig, ein Fundament zu legen, dass die Arbeit sich in den Stadtteil hinein verstetigen kann. Das geht nur, wenn man eigene Räume zur Verfügung hat und man nicht immerzu sehen muss, wo kann man sich hier und dort, von einem Raum zum anderen, mit seinen Angeboten mal einmieten.“

 

Mit kleinen Schritten viel erreichen

Die nomadischen Zeiten, das Aufschlagen mit Deutschkursen, Gesprächen und anderen Angeboten in Räumen anderer Akteure des Stadtteils verlangten den Vereinsmitgliedern viel Flexibilität und Ausdauer ab, vor allem aber Kraft, alle Beteiligten zur richtigen Zeit am richtigen Ort miteinander zu vernetzen. Um diese Vernetzungsarbeit zu stabilisieren, wurde nach weitem Weg 2017 für den Verein eine Koordinationsstelle mit mittlerweile 16 Wochenstunden geschaffen. 

 

 

Marie-Charlotte Lukas zusammen mit Annick Ghaldouni / Wir sind Paten e.V. beim Eröffnungsfest. Foto: Anja Hilgert

 

Diese Position hat seit April 2020 Marie-Charlotte Lukas inne und damit den Hut auf, das ehrenamtliche Engagement in der Johannstadt zielführend zu organisieren. Ihre Freude an den neuen Räumen ist doppelt motiviert: Nach dem Einstieg im reinen Homeoffice kommen die wirklichen Begegnungen mit den Menschen, die die Arbeit des WIJ ausmachen, nun erst richtig zur Geltung: Die Motivation ist hoch, friedliches und offenes Miteinander, gegenseitigen Respekt und Interesse und Neugier für andere Kulturen weiter im Stadtteil zu beleben.

 

Kaffee für alle unterstützt die Feierlichkeiten: Edeltraud Haß im Gespräch, Birgit Roth in der Tür

 

 

Das Kernstück sind die Patenschaften

Aus wenig viel zu machen ist eine Erfahrung, die nachhaltig zum Engagement ermutigt.
Das Kernstück des WIJ bilden die zwischen Zugewanderten und Einheimischen geknüpften Patenschaften. Das unkomplizierte nachbarschaftliche Selbstverständnis, sich gegenseitig mit praktischen Hilfestellungen im alltäglichen Leben zu unterstützen, gab den Impuls, Menschen, die sich gegenseitig etwas geben, miteinander in Kontakt zu bringen.

Im Wesentlichen begründet sich der Einsatz auf Empathievermögen: Menschen in ihren Herausforderungen zu sehen und ihnen eine Hand zu reichen, schafft Raum für echte Begegnungen.

Katrin Witte hat in diese Richtung schon viele Menschen miteinander in Kontakt gebracht. Sie betreut mit viel Geschick und noch mehr Herz die AG Paten-Vermittlung des WIJ: „Die Familien laden zu sich nach Hause ein und es ist immer berührend, zu erleben, wie der erste Kontakt entsteht. Manchmal geht es ganz schnell, dass sich gemeinsame Interessen finden und der Kontakt gleich persönlich wird. Und manchmal braucht es anfangs Geduld um Vertrauen aufzubauen. Auf jeden Fall gewinnen beide Seiten, die eigenen Probleme erscheinen plötzlich klein. Das Wichtigste: neugierig sein.”

Der Verein unterstützt den Beziehungsaufbau und lädt ein zu offenen Picknicks, mit Musik, Spiel und gemeinsamen Ausflügen. Aus manchen unterstützenden Bekanntschaften sind Freundschaften gewachsen.

 

Hakam Jaouni an der kulinarischen Festtafel des Mitbring-Buffets                 Foto: Anja Hilgert

 

Neue Seminar- und Veranstaltungsräume
im WIJ-Büro der Hertelstraße Fotos: WIJ e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im werten Wohngebiet der Johannstadt

Direkt auf der Straßenkreuzung zwischen gründerzeitlichen Altbauten gelegen, ist die neue Adresse des Vereins mitten hinein gezogen ins werte Wohngebiet der Johannstadt.
Direkter Kontaktaufnahme steht nichts im Wege. Es geht sogar ein gewisser Brückenschlag aus von dem neuen Standort. 

Das eigentliche Handlungsfeld des Vereins ist dort, wo die zu begleitenden Menschen und Familien leben. Deren Wohnumfeld ist vornehmlich der Bereich der Neubauten von Johannstadt-Nord, besonders zwischen Pfotenhauer und Florian-Geyer-Straße. Auch im Blockbau des sogenannten Wohnhofs leben viele der Neuzugezogenen. Angesichts der hier überdurchschnittlich repräsentierten sozialen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt auf engstem Raum finden sich die Mietparteien vor geballten Herausforderungen im Zusammenleben.

 

Blick auf die zum teils bereits fertig sanierten Häuser des Wohnhofes. Foto: Philine Schlick

 

Hausversammlungen im Wohnhof

Ausgehend von der Initiative eines syrischen Bewohners des Wohnhofs entwickelte das Quartiersmanagement Nördliche Johannstadt gemeinsam mit Willkommen in Johannstadt ein stadtweit einzigartiges Einwohner*innen-Pilotprojekt im Wohnhof Pfotenhauerstraße/ Hopfgartenstraße/Elisenstraße. Finanziell gefördert wird das Projekt durch Vonovia und den Stadtbezirksbeirat Altstadt.
Zwei Mitarbeiterinnen von WIJ sind seit Mai diesen Jahres involviert, um Hausversammlungen und die Wahl von Haussprecher*innen zu initiieren und die diversen Mietparteien einzubeziehen in das gemeinschaftlich selbstorganisierte Gestalten der unmittelbaren Wohnumgebung. Aus den gewählten Haussprecher*innen soll sich ein Wohnhofbeirat konstituieren, der dann perspektivisch eigenständig über die Förderung von gemeinwohlorientierten Projekten im Wohnhof, finanziert durch einen Wohnhoffonds, verfügen kann.
Letztlich gilt es, das Zusammenleben vor Ort zu verbessern und dadurch auch die Lebensqualität im Wohngebiet insgesamt zu steigern.

 

Es ist Platz für noch mehr Gäste …. Foto: Bertil Kalex

 

Ehrenamtliche Unterstützung in den Schulen

Für neu ankommende wie für angestammte Familien ist die Schule für ihre Kinder eine wichtige Bezugsadresse. Ehrenamtliche des WIJ unterstützen in der Grundschule Johanna Lehrer und Lehrerinnen direkt im Unterricht, Kinder mit anderen Herkunftssprachen in das deutsche Schulsystem einzuführen und in der gemischten Klasse Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zu lehren. In der 101. Oberschule fördern Ehrenamtliche im Anschluss an den Unterricht einmal wöchentlich Schüler*innen in kleinen Gruppen in den Fächern Mathe, Physik, Englisch, Deutsch.Dies soll nun nach der coronabedingten Pause wieder anlaufen und wird teilweise in den neuen Räumen stattfinden.
Darüber hinaus arbeiten Ehrenamtliche als Lernpat*innen in den Familien zuhause, zur Unterstützung eines Kindes bei Hausaufgaben oder bei der Festigung des Lernstoffes in einzelnen Fächern. Für diese wertvolle Arbeit werden stets weitere Bereitwillige gesucht.

 

Was lange währt, wird … richtig gut

Entsprechend steht das Eröffnungsfest der neuen Räume in der Johannstadt für eine dementsprechend große Etappe im Stadtteil bereits geleisteter Arbeit. Am festlichen Auftakt bildet sich mit ab, was durch die Initiative von einigen engagierten Stadtteilbewohner*innen unter den Menschen der Johannstadt ins Leben gekommen ist.

Beim Einzugsfest sammelten sich gesellige Interessierte und Besucher*innen sowohl in den Räumen als auch bis auf die Gehsteige hinaus. Es war ein gut besuchtes Fest, dessen bunte, lockere und wahrnehmbar frohe Ausstrahlung dem Wohngebiet eine schöne Färbung und Belebung verliehen hat.

 

Langfristig und nachhaltig

Mit den Erfahrungen der letzten Jahre sind kostbare Ressourcen entstanden: In erster Linie kompetente, erfahrene Mitstreitende sowie darüber hinaus Allianzen mit ansässigen Vereinen und Institutionen im Stadtteil, wie z.B. zur Johanniskirchgemeinde oder zur Evangelischen Hochschule, die bereitwillig Räume geöffnet haben. Mit dem Orchester Paradiesisch Musizieren arbeitet der Verein seit 2015 gerne zusammen und man unterstützt sich informell.
Kooperationspartner wie u.a. den Johannstädter Kulturtreff e.V., die Internationalen Gärten oder Wir sind Paten e.V. zu haben, bedeutet, Angebote kontinuierlicher und Veranstaltungen breiter aufstellen zu können: Ob Teilnahme beim jüdischen Tanzball, große Yalda-Nacht oder arabischer und persischer Filmabend  – WIJ versteht es, die verschiedenen Kreise miteinander zu verbinden, die dadurch wachsen und sich gegenseitig stärken können.

 

Die Arbeit des WIJ erhält eine erhöhte Reichweite, wie Clemens Hirschwald betont: „Bei diesem Verein kommt hinzu, dass hier die Integrationsarbeit über das normale Maß deutlich hinausgeht. Die Johannstadt hat so viele Patenschaften zu Geflüchteten vermittelt und so viele Projekte auf die Beine gestellt, die in den Stadtteil hinein wirken, zum Beispiel das interkulturelle Senior*innencafé >Baklava und Eierschecke<, die Migrant*innen und Senior*innen zusammenbringt: Hier ist ein enormer Mehrwert, der auch nachhaltig, auf lange Sicht wirkt. Deshalb ist es in Zukunft wichtig, öffentliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen für die vereinsgetragene Stadtteilarbeit“, sagt der Ehrenamtskoordinator der Stadt Dresden und bekräftigt bei seinem Besuch des Eröffnungsfestes: „Wir haben wieder einen Anfang gemacht“, und meint damit die ausstrahlende Wirkung, die von den neuen Räumen ausgehen kann: „Gerne unterstützen wir den Verein auf seinem weiteren Weg, in den Stadtteil hineinzuwirken.“

 

 

Weitere Informationen

Willkommen in Johannstadt e.V.
Hertelstraße 24
01307 Dresden
https://willkommen-in-johannstadt.de/willkommen/ueber-uns/

Kontakt für Info und Fragen:
info@willkommen-in-johannstadt.de

Offene Sprechstunde:
Montag 16 – 18 Uhr
Mittwoch 12 – 14 Uhr

Offene Angebote vor Ort:

  • Sprachkurs Deutsch für alle”
    jeden Donnerstag von 19:00 bis 21:00 Uhr
  • Sprachkurs Deutsch für Frauen” mit Kinderbetreuung
    jeden Mittwoch von 09:00 bis 11:00 Uhr
  • Teestube am Mittwoch
    jeden Mittwoch ab 18:00 Uhr
  • Für alle Projekte und Angebote des Vereins werden immer auch neue Mitstreitende gesucht: Aktuelle Lernpat*innen-Gesuchefinden Sie zum Beispiel hier  / Interessierte erhalten weitere Informationen und Unterstützung unter info@willkommen-in-johannstadt.de
  • Auch Sachspenden für die Bildungsangebote sind sehr willkommen – zum Beispiel Kartons, Stifte, Papier (auch größere Formate), Hefte (besonders mit Linien für Schreibanfänger), allgemein Büro- und Bastelmaterial, Laminierfolien, Kinder-Spiele (Karten-, Brettspiele), vielleicht auch Kinderbücher und Laptops für den Computerkurs.
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Testfahrer*innen gesucht für Parkplatz-App

eingestellt am 29.09.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Parkflächen werden rar in den Städten - nicht nur in der Johannstadt Foto: Anja Hilgert

 

Autofahrer*innen kennen das: Mehrere Runden um den Block drehen, immer wieder vorbei an besetzten Parkbuchten, lauern, sich in Bereitschaft halten, dass eine Bucht frei wird, damit der eigene Pkw sie einnehmen kann. Dasselbe Spiel, das alle Anderen in der gleichen Situation auch spielen, manche allabendlich, regelmäßig zum Feierabend. Diese Not teilt, wer Kraftfahrzeugbesitzer*in in der Stadt ist.
Zuviel Autos sagen die Einen, zu wenig Parkplätze sagen die Anderen.

 

Problem erkannt

In der Johannstadt ist damit ein brisantes Thema angesprochen: Parkplätze sind ohnehin knapp und es steht dem Stadtteil bevor, dass weitere Parkplätze wegfallen, die meisten ersatzlos. ‘Problem erkannt’, sagen jetzt Wissenschaftler*innen der Frankfurter Universität für Angewandte Naturwissenschaften (Frankfurt University of Applied Sciences / Frankfurt USA) und forschen nach alternativen Modellen, die helfen, die Situation zu entschärfen.

Nicht für oder wider das Auto dreht sich der innovative Ansatz, sondern es geht schlicht um das Randphänomen der Parkplatzknappheit, nämlich der Frage, wie man die unnötige Zeit des Suchens und damit den belastenden Kraftstoffausstoß vermeiden und das Parkplatzfinden effizienter gestalten kann.

 

Für den Parkplatz ums Karrée – Die leidige Suche nach dem Abstellplatz fürs Kfz           Foto: Torsten Görg

 

Testfahrer*innen gesucht

Dazu haben die Wissenschaftler*innen die App „start2park“ entwickelt, die die Dauer der Parkplatzsuche vorhersagen soll. Im Forschungsprojekt „start2park – Parksuche erfassen, verstehen und prognostizieren“ wird in verschiedenen Städten und urbanen Zentren der Parksuchverkehr untersucht, so jetzt auch in Dresden. Dazu sucht die Hochschule ab sofort Testfahrer*innen, die die App nutzen.

Mitmachen können Autofahrende aus jedem Ort Deutschlands. Die App trackt die Parkplatzsuche an vielen unterschiedlichen Standorten und zu vielen unterschiedlichen Zeitpunkten und ermittelt verschiedenste Einflussfaktoren. Daraus wird ein Prognosemodell entwickelt, welches in der Lage ist, die Parksuchzeit für individuelle Fahrten vorherzusagen. Auch mittlere Parksuchzeiten nach Stadtteiltypen und Uhrzeiten können abgeleitet werden. Nach Ablauf des Forschungsprojektes soll das Prognosemodell in Navi-Apps integriert werden. Das Forschungsprojekt start2park wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

Simone Prüfer, Leiterin des Dresdner Straßen- und Tiefbauamtes ermuntert zur Beteiligung: „Wir begrüßen das Forschungsprojekt und möchten die Dresdner auffordern, es zu unterstützen. Die systematische Erfassung von Parksuchzeiten nach Stadtteilen und Uhrzeiten wäre ein sehr hilfreicher Faktor für ein effizientes Parkraummanagement. Problemstellen könnten aufgezeigt und die Parksuchzeiten durch gezielte Verkehrsplanung reduziert werden.“

 

Parkplatz oder nicht Parkplatz

Ob sich damit tatsächlich die Park-Problematik lösen oder gar das Aufkommen an privaten Personenkraftfahrzeugen im innerstädtischen Raum sich reduzieren lässt, gehört beim Erforschen mit auf den Prüfstand.
Die Wissenschaftler*innen mutmaßen, dass ein realistischeres Bild von der gesamten Autofahr- und Parksuchzeit auch dazu beitragen könnte, dass mehr Menschen auf alternative, klimafreundlichere Verkehrsmittel umsteigen.

 

Weitere Informationen

Sonntag ist Tag des Offenen Denkmals

eingestellt am 11.09.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Mit Achtung auf Details und falsche Fassaden öffnet der Tag des Offenen Denkmals einmalig so manche Türe Foto: Gerd Hammermüller

Unter der Überschrift „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ öffnen am 12. September 2021 über 60 Gebäude in und um Dresden ihre Türen, darunter unscheinbare, restaurierte und rekonstruierte Denkmäler, die gesichtet, begangen und erkundet werden können. Dazu hat das Amt für Kultur und Denkmalschutz ein vielseitiges Erlebnis-Programm zusammengestellt: Rundgänge, geführte Spaziergänge, Konzerte, Musik, Gespräche und Erlebniswerkstätten führen zu Denkmälern vom Zentrum bis zum Rande der Stadt.

 

Sein oder Schein, das ist am Sonntag die Frage

Der bundesweit am Sonntag 12. September 2021 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierte Tag lädt ein, Geschichten und Geschichte zu entdecken – analog vor Ort und/oder digital. Vielerorts werden Handwerkstechniken gezeigt und die Besucherinnen und Besucher können in andere Epochen eintauchen. Die Besichtigungen, Führungen, Ausstellungen, Konzerte sind für Jung und Alt. Ein eigener Programmteil widmet sich der Königin der Instrumente, der Orgel als Instrument des Jahres 2021. 

 

Detail der ehemaligen Kunstgewerbeschule, 2019. Foto: G. Hammermüller

 

Die Erhaltung und Pflege von Fakt und Fake

Sein oder Schein, das ist in der Denkmalpflege keine unwesentliche Frage. Raffinierte Täuschungen alter Baumeister, Rekonstruktionen einer vergangenen Zeit oder entkernte Häuser mit neuem Innenleben können die Wahrnehmung von Denkmälern nachhaltig verändern. Mit herausragenden Gemälden konkurrieren brilliante digitale Kopien und vervielfältigen und verbreiten, was original, einzigartig, originell ist, in aller Offenheit und ungehemmt zugänglich.

Annekatrin Klepsch, zweite Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden erläutert das diesjährige Motto: „In einer immer schneller werdenden Welt digitaler Vergänglichkeit, einer Vielzahl von Eindrücken und der steten Frage nach Echtheit sucht der Mensch Halt. Authentische Denkmäler geben Orientierung und setzen dem schönen Schein etwas Bleibendes entgegen.“ 

 

Detail an der Fassade des Sparkassengebäudes. Quelle: Gerd Hammermüller

 

Illusionistische Techniken, Scheinfassaden, vorgetäuschte Decken oder Blendfenster sowie den gekonnten Einsatz des „Scheins“ aufzuspüren, vorzuführen und zu erläutern ist ein Aufgabenfeld am Tag des offenen Denkmals 2021. „ Sie zeigen aber auch, dass in der Historie bereits Täuschungen zu finden sind. In der Zukunft können sie Wahrzeichen und Begleiter sein, darum setzen wir uns gemeinsam für ihren Erhalt ein“, erklärt Annekatrin Klepsch.

Für unsere Erfahrungswelt im 21.Jahrhundert sind Sein und Schein, Realität oder Fiktion, Fakt oder Fake hochaktuelle Themen. Doch Menschen erfreuten sich schon immer, von der Antike an übers Barock bis hin zur Moderenen Bildbearbeitung, an der Illusion und dem Spiel mit der Täuschung, in denen sich die Frage nach der wirklichen Wirklichkeit ad absurdum führt.

 

Perlen des Unscheinbaren

Als besondere Perlen des Tages gelten auch die unscheinbaren Denkmale, Denkmale am Rande, die häufig der echten Aufmerksamkeit des Betrachters entgehen und die nun einmal ausdrücklich ins Blickfeld gerückt werden, auf dass sie ihre Geschichten erzählen können. Viele dieser insgeheim Denkmäler sind in privater Hand. Insofern gilt allen Denkmaleigentümerinnen und – Eigentümern besonderer Dank, ebenso wie den vielen Ehrenamtlichen für Ihr Engagement an diesem beliebten Tag des offenen Denkmals.

 

Der bekannte Dresdner Maler Caspar David Friedrich setzte die auffälligen Torpfeiler am Eingang in seinem Gemälde „Friedhofseingang“ romantisierend
in Szene. Quelle: JohannstadtArchiv

 

In der Johannstadt ins Programm einbezogene Denkmale

 

20    Neuer Israelitischer Friedhof, Fiedlerstraße 3:
Der Neue Israelitische Friedhof, 1867 eröffnet, ist eine wichtige Begräbnisstätte der Jüdischen Gemeinde und ein Ort der Bildung und Erinnerung. Die erste Beerdigung war 1868. Auf dem Friedhof befinden sich etwa 3.100 Grabstellen. Damit gehört er zu den größ­ ten jüdischen Friedhöfen Sachsens und ist heute neben anderen Gedenkstätten ein bedeutender Erinnerungsort für die Geschich­ te der Juden in Dresden. Die frühere Aussenmauer, die das zentrale Element des heutigen Friedhofs ist, wurde 2018-2021 denkmalgerecht saniert.

8 – 17 Uhr geöffnet,  14 Uhr: Führung mit Dr. Birgit Sack, Gedenkstätte Münch­ner Platz Dresden und Heike Liebsch, HATiKVA e. V.: „Man gewöhnt sich rasch – Der Neue Israelitische Friedhof in der Zeit des Nationalsozialismus“ (Dauer 90 Minuten)

 

Grabplatte auf dem Neuen Jüdischen Friedhof. Foto: Johannes Fischer

 

21 Trinitatisfriedhof, Fiedlerstraße 1
mit beeindruckenden Grabmalen bedeutender Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts, u. a. Ruhestätten von Carl Gustav Carus, Caspar David Friedrich, Ernst Rietschel und Paul Pfund. Hierzu gehört auch das Grab von Moritz Erdmann Puffholdt, dem ersten Dirigenten der heutigen Dresdner Philharmonie und letzten Dresdner Stadtmusikdirektor, das 2021 im Auftrag und mithilfe einer Spendenaktion des Fördervereins Dresdner Philharmonie e. V. saniert werden konnte.

8 – 19 Uhr geöffnet, 10h Vorstellung des sanierten Grabes von M. E.Puffholdt im Beisein der Zweiten Bürger­meisterin Annekatrin Klepsch und mit Musik von Mitgliedern der Dresdner Philharmonie, 10.30h „Puffholdt und andere“: Literarisch­musikalisches Programm mit Texten voller Bezüge zum Trinitatisfriedhof, Musik der klassischen Moderne und der Gegenwart, Sprecher: Lars Jung, Violinen: Adela Bratu und Steffen Gaitzsch

Sitzende auf dem Trinitatisfriedhof. (Quelle: Philine Schlick)

22 Eliasfriedhof, Ziegelstraße 22:
Ursprünglich 1680 als Pest­ und Armenfriedhof angelegt, war der Friedhof im 18. und 19. Jahrhundert bevorzugter Begräbnisplatz für das Dresdner Bildungsbürgertum. Beeindruckende Grabmale bekannter Persönlichkeiten aus der Zeit des Barocks bis zum Klassi­zismus und wiederaufgebaute Grufthäuser sind auf ihm zu finden. Seit 1877 wird der Friedhof nicht mehr für Beerdigungen genutzt und ist seit 1928 für die Öffentlichkeit geschlossen. Seither darf er nur noch mit Genehmigung und auf eigene Gefahr betreten wer­den. Der ehrenamtlich arbeitende Förderverein Eliasfriedhof e. V. organisiert Führungen zur Geschichte und laufenden Restaurierung sowie zu einzelnen Grabmalen und Grufthäusern. Der Eliasfriedhof ist Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Führungen* zu Grabstätten von Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur und bemerkens­werten Grabmal­Details um 11, 12.30 und 14 Uhr
*** Achtung: Anmeldung bis 11. September unter anmeldung@eliasfriedhof.de

 

Grabmal auf dem Eliasfriedhof, um 1900. Quelle: JohannStadtArchiv

 

41 Kunstgewerbeschule Güntzstraße 34:
1903 – 07 erbautes Hochschul­- und Museumsgebäude mit Einfriedung, Ter­rasse und Brunnen sowie Grünanlagen. Markante Baugruppe in Ecksituation mit neobarocker Kubatur und Gestaltungselementen des Jugendstils.

Im Gebäude der ehemaligen Kunstgewerbeschule (später Staatli­che Hochschule für Werkkunst) sind die Arbeits­ und Studienräume der Studiengänge Bühnen­ und Kostümbild, der Restaurierung, der Fachhochschulstudiengang Theaterausstattung, die Theoriebereiche sowie die Hochschulbibliothek und die Verwaltung der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) untergebracht.

Auf Grundlage von überlieferten Rezepten und Malanweisungen unterschiedlicher Epochen entstanden interessante Rekonstruktionen von Material­imitationen und illusionistischen Wandmalereien, die zum gemein­samen Betrachten und Diskutieren einladen.

11 und 13 Uhr Treffpunkt: Foyer Güntzstraße 34, 20 Personen, Historische Maltechniken erforschen und rekonstruieren:
Führung* 1: Vorstellung der Scagliola­Technik und einer Rekonstruktion der illusionistischen De­ckengestaltung des Langhauses der Chiesa il Gesú in Rom, (Dipl.­Restauratorin Elke Schirmer)
Führung* 2: Vorstellung der Rekonstruktionen zur Imitation von Schildpatt und Aventurinlack sowie Studien zur malerischen Imitation von Gobelins nach Anleitung von Julien Godon (1877), (Dipl.­Restauratorin Monika Kammer)
*** Achtung Anmeldung bis zum 9. September 2021 unter kammer@hfbk­dresden.de

Ansicht stadtseitiger Sachsenallee, von der Kunstgewerbeschule gesehen, um 1910. Links das heute noch vorhandene Amtsgericht, am unteren Bildrand der Eliasfriedhof in seinen früheren Ausmaßen. Quelle: JohannStadtArchiv

Weitere Informationen 

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Palaver in der Johannstadt: Pavillon an der Sachsenallee wird repariert

eingestellt am 10.09.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Das neue Dach des Palaverhauses zeigt den Sonnenstand an und verschafft der Johannstadt einen Klangraum Foto: Anja Hilgert

 

Noch hat er ein Hinkebein, der sonderbare Pavillon im Park an der Sachsenallee. Die farbigen Stelzen, aus denen der offene Kubus besteht, werden gerade ausgetauscht. Im Zuge der Restaurierung fehlen zwei Holzbalken einer blauen Ecke, die das Ganze ausser Funktion setzen. Lange war ein Rätselraten um den rot-gelb-blauen Pavillon am Stadtviertelrand kurz vor der Albertbrücke. Und lange schon steht er hinterm Absperrzaun. 

Die Farben sehen nach Kinderspielplatz aus, doch fehlt das Spielgerät. Optisch ist die Konstruktion sogar in den Boden hinein versenkt, trotzdem wirkt die ganze Sache wie schwebend. Für einen Treffpunkt steht das Gerüst allzu offen und lose in der Landschaft, es wirkt verunsichernd, ob und was da wirklich ist. Das Kunstwerk, um das es sich bei diesem Pavillon handelt, ist ein Vermächtnis an die Stadt. Die nimmt als Fürsorgetragende gerade öffentliche Gelder in die Hand, um das sogenannte Palaverhaus in der Johannstadt in Stand zu setzen. Damit ist eine Wiederannäherung möglich, denn schließlich handelt es sich bei dem Werk um ein ausdrückliches Kommunikations-Angebot.

Geheimnisvolles Szenario “Flüsterhalle”

 

Mit meinen Kindern bin ich, als diese noch kleiner waren, häufig vom Weg ab und auf die Wiese bei der Sachsenallee gezogen, wo auf farbig bunten Stelzen ein besonderes Kuppeldach stand, unter dem man nur zu flüstern brauchte und schon wurde das Gesagte laut und deutlich in den Raum übertragen. Eine tolle Akustik war unter dem Dach und es machte uns Spaß, mit der Lautverstärkung und dem Hall zu spielen, uns zuzurufen, wenn wir wechselnd an den blauen, gelben und roten Pfeilern standen, die in rätselhafter geometrischer Ordnung die Überdachung tragen.

Im Gespräch mit Nachbarinnen wurde mir das geheimnisfrohe Szenario dann als „Flüsterhalle“ benannt. Erst jetzt, da die minimalistische kleine Halle restauriert wird, habe ich gelernt, dass es sich um ein gar nicht unbedeutendes Kunstwerk handelt. Der über Dresden und Deutschland hinaus weltweit bekannte Künstler Georg Karl Pfahler hat es unter dem Titel „Palaverhaus“ an dem speziell ausgesuchten Ort in der Johannstadt aufgestellt. Jetzt will ich wissen, warum gerade da, wo doch nichts los ist und inwiefern es ausgerechnet hierhin passt.

 

 

Inmitten von Grün ragt aus gelben, bauen, roten Balken der Pavillon. Fotos: Anja Hilgert

 

Städtisches Nirgendwo in Bewegung versetzen

Georg Karl Pfahler errichtete 1997 sein sogenanntes Palaverhaus im Zuge einer städtischen Förderung von Kunst im Stadtraum. Seine Farb-Raum-Plastik besteht aus den Grundformen Kreis, Drei- und Viereck sowie den Grundfarben Blau, Rot, Gelb im Gerüst und Schwarz beziehungsweise Weiss in der Kuppel. Das Palaverhaus ist ein Geschenk des Künstlers, das die Stadt für die Öffentlichkeit im Aussenraum verwahrt. 

Als pensionierter Direktor der Galerie Neue Meister im Dresdner Albertinum, nannte Ulrich Bischoff, der den Anschluss der Dresdner Museumslandschaft an die Gegenwartskunst maßgeblich vorangetrieben und inspiriert hat, die persönliche Begegnung mit Künstlern wie Georg Karl Pfahler als die wichtigste Bestätigung und Bestärkung seines oft angefochtenen Enthusiasmus für zeitgenössische Kunst.

Neue Kunst, die direkt vor Ort interpretiert werden kann. Foto: Anja Hilgert

Anstelle des Halbdunkel ein Pavillon

Beim Johannstädter Aufstellungsort des Palaverhauses handelt es sich um einen eher unattraktiv anmutenden, von Verkehrsachsen ausgesparten Fleck einer Grünanlage mit alten Eichen. Auf den umgebenden Straßenzügen verkehren vierspurig Autos, rauschen unzählige Fahrräder entlang und die Straßenbahn rattert. Spaziergängerinnen verschlägt es selten hierher. Erst dadurch, dass das eigenwillige Häuschen dort steht, kommt dem Nirgendwo Aufmerksamkeit zu.

Häufig übernimmt Kunst diese Funktion, Stellen des öffentlichen Raums zu beleben, die ansonsten leer, trist und verlassen wären. Auf den normgerecht aufgestellten Bänken treffen sich meist nur Gruppen, die sich wohl im Halbdunkeln fühlen.

Die dreidimensionale Form der Skulptur eignet sich vorzüglich, um unbewegten Raum zu aktivieren. Skulpturen enthalten immer die Einladung, sich um sie herum zu bewegen. Eine gut gelungene Skulptur bezieht den Betrachter körperlich mit ein, versetzt ihn dazu, seinen Standpunkt zu verlassen, andere Positionen einzunehmen, um einen Gesamteindruck zu erlangen.

 

Linien, die in den Raum ausgreifen              Foto: Anja Hilgert

 

Palaver anstatt koloniales Denken

In dem kleinen Park, am heutigen Sachsenplatz, wo sich das Palaverhauses befindet, stand bis unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes Kolonialkriegerdenkmal – als zweites Exemplar seiner Art in ganz Deutschland: Zu Ehren der Kolonialkrieger, die für Deutschland als Kolonialmacht im sogenannten Deutsch-Südwestafrika gekämpft und ihr Leben gelassen hatten. Im Januar 1947 war dieses Denkmal als kolonialistisch und kriegsverherrlichend erkannt und restlos beseitigt worden. Überreste des rückgebauten Kolonialkriegerdenkmals waren dennoch geborgen worden und sind bis heute in der Vorhalle der Garnisonskirche angebracht.

Somit tritt das Palaverhaus als künstlerische Interaktion vor Ort eine zeitgenössische Nachfolge an und bringt sich selbstermächtigt ins zeitpolitische Geschehen ein. Allein aus diesem Gesichtspunkt wirkt es anregend für gesellschaftliche Diskurse.

 

Dem blauen Würfel fehlt eine Ecke Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

 

 

30.000 Euro für den Erhalt

Da es sich bei dem Ausstellungsort um ein Aussengelände und bei den verwendeten Materialien um Holz und Glas handelt, ist das Kunstwerk entsprechend stark der Witterung ausgesetzt. Das Dach war zuletzt zersplittert und zerfetzt, und mit zu befürchtender Baufälligkeit war das Palaverhaus hinter absperrende Gitter gesetzt worden. Es war in den vergangenen Jahren nicht mehr zugänglich.

Wie das Dresdner Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft mitteilt, dient die derzeit laufende Instandsetzung der Wiederherstellung der Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit und wird durch das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, gemeinsam mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz, durchgeführt: „Schwerpunkt der Arbeiten ist die Erneuerung des Daches und die Wiederherstellung der Tragfähigkeit der Balken und Streben. Zur Zeit sind knapp unter 30.000 Euro beauftragt,“ informiert Jörg Lange vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Das pavillonartige Objekt aus Balken und Streben mit gläsernem Dach sei „ein Angebot als Kommunikationsort“, teilt Lange weiter mit. Inzwischen hat das Häuschen ein neues prächtiges Dach erhalten, das hoffentlich lange gewertschätzt und gepflegt wird.

 

 

Eine Kuppel wie schwebend unter dem Himmelszelt Foto: Anja Hilgert
Sonnenwanderung durch die zwölf Segmente des Kreises. Fotos: Anja Hilgert
Die Witterung trübt schon mal das Zeitgefühl. Foto: Anja Hilgert

 

 

 

Ein Ort, der Dynamik und Ruhe auslotet

Entgegen seiner bautechnisch stabilen Konstruktion erscheint der Pavillon beim Näherkommen dynamisch und in sich beweglich. Im Zugang auf das Kunstwerk kippen die Linien, spreizen sich die Streben vermeintlich weit in den Raum, als optischer Effekt. Die farbigen, wie Mikadostäbe tanzenden Balken verleiten dazu, um die Skulptur herum, sogar durch sie hindurch zu gehen. Ein Besuch im Palaverhaus wird von selbst spontan und spielerisch. Es bildet sich ein Bezugsfeld, das zum Experimentieren einlädt.

Auf die kreisrunde gepflasterte Standfläche auf der Erde antwortet das runde lichtdurchlässige Kuppeldach, das über gelben Pfeilern im Inneren eines blauen Kubus ruht. Ruhe und Dynamik verschränken sich ineinander. In den Boden eingesenkte rote und himmelwärts aufstrebende blaue Dreiecke kreuzen sich wie zur Form eines Yantras, einer fernöstlichen Meditationsform, die auf geometrischen Grundformen beruht.

 

 

Der Erde zugewandt                Foto: Anja Hilgert

 

Himmelwärts geöffnet Foto: Anja Hilgert

 

 

Wo einst das kolonialistische Kriegerdenkmal stand, steht heute eine Raumskulptur, die an Ort und Stelle die offene Auseinandersetzung initiiert. Für Menschen, die es besuchen, wird das Palaverhaus zum Ort, der Dynamik und Ruhe kreativ auslotet. Er lädt ein zur Wahrnehmung von Bewegung, Bezug, Positionierung, Wechselspiel, Austausch und Reibung. 

Die Kuppel als Dach verstärkt die Akustik des Standorts und schafft einen klaren Klangraum, der zur Benutzung einlädt! Johannstädter*innen sind herausgefordert, ihre vielen Stimmen im Stadtteil verlauten, klingen zu lassen! Für mehr Palaver!

 

 

Erneuert und hoffentlich bald wieder frei zugänglich: Das Johannstädter Palaverhaus Foto: Anja Hilgert

 

 

Lebensnah palavern

Mitunter trägt der Begriff Palaver, vor allem im Deutschen einen leicht negativen Beigeschmack – gemeint ist das ewige Palaver als belanglos scheinende, sich im Kreis drehende Debatte, die ausser viel Wind nichts bringt.

In meiner moselfränkischen Heimat in Trier ist es ein gängiger Spruch zu jemandem, der viel Tumult und Aufhebens um eine so wichtig nicht scheinende Sache macht: „Mach net so en Balava!“ Auch Kinder, die lauthals und tollend um eine Sache zanken, machen „Balava“. Dieses Balava wird als unnötig eingeschätzt.

Beim Palaver als Form des offenen Austauschs geht es aber gerade darum, Turbulenzen und Unstimmigkeiten nicht zu unterdrücken, sondern alles zu Gehör zu bringen, was vorliegt, um eine tatsächlich umfassende Sicht aller Beteiligten zu erhalten. So kann eine Sache ohne blinde Stellen, für alle klärend ausgehandelt werden.

In allen alten Kulturen wurden regulär Zusammenkünfte gepflegt, bei denen zum Wohl der Gemeinschaft sämtliche Betroffenen gehört wurden, um die Gruppe entscheidungsfähig zu machen.

In vielen Kulturen Afrikas gilt das Palaver als Form von großem Gespräch, zu dem die Beteiligten in den Kreis gerufen werden. Es geht darum, vor Entscheidungen locker ins Reden miteinander zu kommen und dabei das Gegenüber, mit dem gemeinsam eine Entscheidung zu erringen ist, besser kennenzulernen. Palaver ist lebensnah, authentisch und unmittelbar.

Vom Wort her stammt Palaver vom Lateinischen Begriff parabola, der im Italienischen immer die erzählte Geschichte oder Erzählung meint, genauso wie im Portugiesischen palavra das Wörtliche oder Gesprochene der Rede meint.

Das Palaverhaus, wie es heute da steht, bietet die Möglichkeit, sich miteinander in aller Offenheit zurückziehen und ein Palaver abzuhalten, zum Begegnen, Kennenlernen und Kontakte-Knüpfen genauso wie zur Aussprache, um etwas auszuhandeln. Für die Johannstadt mit ihrer Vielfalt unterschiedlichster Menschen und kontroverser Stimmen ist das gegenwärtig tatsächlich ein Geschenk.

 

Offen für Johannstädter Palaver. Foto: Anja Hilgert

 

Über den Künstler und seine Kunst

Georg Karl Pfahler stammt aus Süddeutschland. Geboren 1926 in Bayern, gestorben 2002, studierte er an den Kunstakademien Stuttgart und Nürnberg, wo er später selbst als Professor unterrichtete. Für die Nachkriegsjahre im Europa der 1950er Jahre war künstlerisch die gegenstandslos figurative Richtung des Informel prägend. Auf ausgedehnten Studienreisen lernte Pfahler europaweit viele der berühmtesten Künstler seiner Zeit persönlich kennen.

Ab Anfang der 1960er Jahre reduzierte er seine bildnerischen Mittel immer weiter auf minimierte Farbgebung und geometrische Grundformen, um deren Beziehungen, Konstruktions- und Wirkungsweisen im Raum zu erforschen. Die innovativen Impulse des Abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei weckten sein Interesse, künstlerisch neue Dimensionen zu erforschen. In seiner Malerei folgte er den Wechselwirkungen von Form, Farbe, Raum und Oberfläche  und landete so im Stil des sogenannten Hard Edge. Als vielleicht weitverbreitetstes Werk des Hard Edge in Deutschland kann das später 1970 von Günter Fruhtrunk gestaltete Design der Aldi-Nord-Plastiktüte gelten.

Die Pioniere des Hard Edge waren amerikanische Künstler, die die internationale Kunstszene eroberten und die Pfahler z.T. persönlich kannte. In Deutschland blieb die Wahrnehmung zunächst weitgehend aus, da zahlreiche Künstler, die Juden waren, nach dem Krieg nicht darum eiferten, in Deutschland auszustellen. Pfahler dagegen vertrat mit seiner scharfkantigen, vereinfachten Malerei bereits ab Mitte der sechziger Jahre die Bewegung des Hard Edge und stellte als einziger zeitgenössischer deutscher Künstler gemeinsam mit den bekannten amerikanischen Malern dieser Richtung aus.

1970 vertrat Pfahler als einer von vier Künstlern die Bundesrepublik Deutschland auf der Biennale di Venezia und gestaltete mit großflächigen abstrakten Wandmalereien das Entrée des Deutschen Pavillons. Er erlangte mit seiner Malerei den Durchbruch auf internationalen zeitgenössischen Kunstausstellungen.

Georg Karl Pfahler blieb seiner künstlerischen Bildsprache sein Leben lang treu. Seine in der Malerei erkundeten Gesetzmäßigkeiten übertrug er in bildhauerische Objekte, z.B. in Form eines Teehauses im elterlichen Garten oder 1997 mit der Plastik des Johannstädter Palaverhauses.

Für den Ältestenrat des Deutschen Bundestags gestaltete er 1999 das Innere des Sitzungssaals im Reichstag in Berlin, sowie zahlreiche Fassaden und Wandflächen u.a. von Schulen.

Palaver in der Johannstadt

 

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Wer soll Dresdens neue Ehrenmünze 2021 erhalten?

eingestellt am 10.08.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Uneigennützigkeit und Freiwilligkeit im Engagement wird mit neuer städtischer Auszeichnung honoriert: Die Ehrenmünze wird erstmals in diesem Jahr verliehen. Foto: Andreas Tampe, Landeshauptstadt Dresden

 

Mit der dritthöchsten Dresdner Auszeichnung ruft die Stadt und mit ihr der Oberbürgermeister auf zur außerordentlichen Bekanntgabe und Würdigung herausragenden ehrenamtlichen Engagements. Die Bevölkerung aller Stadtteile ist aufgerufen, mitzuwirken und Vorschläge einzubringen, wer als unter uns lebende einzelne Person uneigennützig Herausragendes leistet.

 

Wer soll Dresdens neue Ehrenmünze 2021 erhalten? Wer sind – womöglich aus unserem Stadtteil – die Menschen, die uneigennützig Großes vollbringen?

Oberbürgermeister Dirk Hilbert will bis zu zehn verdienstvolle Dresdner Personen mit der dritthöchsten Dresdner Auszeichnung, der erstmals zu verleihenden Ehrenmünze offiziell würdigen. Er bittet um zahlreiche Vorschläge an sein Büro: „Wenn Sie einen engagierten Menschen kennen und für auszeichnungswürdig halten, schreiben Sie mir bitte. Ich freue mich, dass wir mit der neuen Ehrenmünze die Möglichkeit haben, ehrenamtliches Engagement in der Landeshauptstadt Dresden zu würdigen.“

Gewürdigt wird, dass sich Bürger*innen in herausragender Weise freiwillig und uneigennützig im Stadtleben oder für ihre Mitmenschen einsetzen. Vorschläge zur Würdigung ehrenamtlichen Engagements können bis Dienstag, 31. August 2021, schriftlich an das Büro des Oberbürgermeisters eingereicht werden:
Mit vollständig ausgefülltem und unterschriebenem Formular von der Internetseite
per E-Mail an oberbuergermeister@dresden.de oder
per Post an die Landeshauptstadt Dresden, Büro des Oberbürgermeisters, Postfach 12 00 20, 01001 Dresden.

Das Vorschlags-Formular findet sich mit weiteren Informationen online unter www.dresden.de/ehrenmuenze.

 

 

Freiwillig Verantwortung tragen und etwas bewegen

Das Ehrenamt kann ganz unterschiedlich ausgerichtet sein: Es kann herausragendes Engagement im Sport, im Arten-, Natur- und Denkmalschutz bedeuten oder den besonderen Einsatz in Schule und Bildung oder zum Schutz von Menschenleben und für soziales Miteinander. 

Die Ehrenmünze würdigt freiwillige soziale Aufgaben wie beispielsweise in der Unterstützung für Kinder, Jugendliche, Familien, ältere Menschen oder bei Krankheit und Erfahrung von Leid, für Nachbarschaft, Obdach und Orientierung und mitmenschliches Zusammenleben.

Es könnte ebenso der Einsatz in einem Verein, einer Initiative, einem Projekt, einer politischen Stiftung, einer Kirchgemeinde oder einem anderen Tätigkeitsfeld sein – jede Anregung aus der Einwohnerschaft ist willkommen. 

Wer also einen auszeichnungswürdigen Menschen kennt, der in seiner Freizeit über viele Jahre hinweg oder besonders aufopferungsvoll und uneigennützig eine wichtige, stützende Aufgabe übernommen hat, der sollte sich nicht scheuen, die oder den Mitmenschen jetzt vorzuschlagen. 

 

Von der Gestaltung der Münze zur Verleihung der Ehre

Die Verleihung der Ehrenmünze war 2018 vom Stadtrat beschlossen worden und findet Ende dieses Jahres 2021 erstmals statt. Die Ehrenmünze ist, nach dem Ehrenbürgerrecht und der Ehrenmedaille, die dritthöchste Auszeichnung der Landeshauptstadt Dresden und wird in diesem Jahr erstmals, in der Folge dann jährlich vergeben.

 

Dritthöchste Auszeichnung der Stadt Dresden: Foto: Andreas Tampe, Landeshauptstadt Dresden

 

Die Auszeichnung aus massivem Silber hat einen Durchmesser von 5 Zentimetern und wiegt 60 Gramm. Sie wurde von Tilo Kügler entworfen, der damit den 2018 von der Landeshauptstadt ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hat. Tilo Kügler (geboren 1963) ging als ausgebildeter Meißener Porzellanmodelleur seinen weiteren künstlerischen Weg als Medailleur und legte als Bildhauer für Kleinplastik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden sein Studium ab. Heute arbeitet er als Produktentwickler in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH.

Seine Gestaltung der Dresdner Ehrenmünze zeigt auf der Vorderseite die Silhouette der Dresdner Frauenkirche in organischer Form zusammen mit einem naturalistisch dargestellten Lorbeerzweig als Symbol für bürgerschaftliches Engagement unter dem Wahrzeichen Dresdens. Die Darstellung fußt auf dem deutlich zu lesenden Schriftzug DRESDEN. Auf der Rückseite ist unter Lorbeerblättern der Schriftzug eingeprägt: „FÜR VERDIENSTE IM EHRENAMT DER OBERBÜRGERMEISTER“.

Ausschließlich lebende Personen können sie empfangen. Eine Jury aus sieben sachkundigen Persönlichkeiten und jeweils einem Mitglied der im Stadtrat vertretenen Fraktionen prüft die Vorschläge und trifft die Auswahl. Für die Verleihung im Dezember wird es einen feierlichen öffentlichen Rahmen geben.

 

Weitere Informationen: 

Formular, Auskunft zur Ehrenmünze und die vom Stadtrat beschlossene Satzung unter www.dresden.de/ehrenmuenze