Kaffeeklatsch im Wohnhof: Ein Anwohnerfest möchte wachsen

eingestellt am 14.07.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Es ist Platz für noch mehr Gäste .... Foto: Bertil Kalex

Das war ein buntes Feierwochenende in der Johannstadt! Neben dem Platzhirsch Bönischplatzfest fand im Wohnhof Pfotenhauer-, Hopfgarten- und Elisenstraße ein kleines Hinterhoffest statt, das sich langsam etablieren möchte. Mit-Organisator Bertil Kalex hat Stimmungen und Visionen in einem Gastbeitrag zusammengefasst.

Ein kleines Anwohnerfest fand etwas abgeschieden im Johanngarten im Schatten des Bönischplatzfestes am vergangenen Samstag statt. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt worden, da wir uns unter anderem einen „Mitnahmeeffekt“ versprachen. Menschen aus der anliegenden Hopfgartenstraße waren explizit eingeladen auf ein Kennenlernen, Schwätzchen sowie Kaffee und Kuchen vorbeizukommen, bevor sie zur großen Sause auf dem Bönischplatzfest weiterziehen. Um die Sprache der Jüngeren zu bedienen: ein „Vorglühen“ vor dem eigentlichen Fest. Und da wollten wir ja, zumindest der größte Teil von uns, im Anschluss an unser kleines Fest auch noch hin.

Aus der Anonymität heraustreten

Wer ist eigentlich „wir“? Wir, das sind Anwohner*innen und Anlieger*innen aus der Hopfgartenstraße, die die „Projektgruppe Hoffest“ repräsentieren. Diese hat sich im Rahmen der Werkstatt zum Wohnhofprojekt Pfotenhauer-, Hopfgarten- und Elisenstraße im vergangen Jahr gebildet. Der Fokus richtet sich darauf, unmittelbaren Nachbar*innen Möglichkeiten zu bieten, sich gegenseitig besser kennenzulernen und so ein Stück weit aus der Anonymität und/oder Einsamkeit herauszulocken. Der Kern der Gruppe besteht aus Vertreter*innen unterschiedlicher kultureller, ethnischer, religiöser und sozialer Herkunft – quasi ein Spiegelbild der primären Zielgruppe.

Gespräche und Kennenlernen bei Kuchen und Sonnenschein. Foto: Bertil Kalex

Auch für dieses kleine „Hopfgartenstraßenfest im Johanngarten“ galt: aller Anfang ist schwer. Der erste Aufschlag im September 2020 fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Immerhin, jetzt beim zweiten Anlauf waren insgesamt ca. 20 Gäste da und etwa zehn Zaungäste, die zusagten, sich beim nächsten kleinen Nachbarschaftsfest im Johanngarten mit einzubringen. Für ein selbstorganisiertes Straßenfest und ohne Budget kein schlechter Anfang. Es gab allerdings Kritik von Anwohner*innen, dass es keine Angabe in den Aushängen dazu gab, wer denn zu Kaffee, Kuchen & Klatsch einlädt – die Kritik kam an und wird in Zukunft beherzigt.

Anwohnerfest als Bereicherung zum Bönischplatzfest

Ebenso munkelte man hinsichtlich der Überschneidung mit dem Bönischplatzfest, es solle eine Konkurrenz- oder Alternativveranstaltunge etabliert werden.

Bessere Absprachen mit der Bönischplatzfest-Organisation? Unbedingt! Konkurrenz bzw. Alternative zum Bönischplatzfest? Keinesfalls! Die Organisator*innen sehen das Fest als Bereicherung sowie zusätzliches Angebot des Straßenfestes.

Das Fest möchte weitere Wohnhöfe zum Nachmachen anstiften. Foto: Bertil Kalex

Orte, wo Menschen jenseits von Bühnen-Beschallung ins Gespräch kommen können, gibt es bis jetzt noch zu wenige. Hier nimmt das Wohnhoffest eine Vorreiterrolle ein und bietet Potenzial für eine perspektivische Erweiterung des Bönischplatzfestes. Der Bönischplatz setzt durch seine Gestaltung einer Ausweitung des Festes Grenzen. Die logische Konsequenz wäre daher in umliegende Wohnhöfe „auszufransen“. Sowohl in südliche als auch in nördliche Richtung.

Die Wohnhöfe Florian-Geyer-Straße, Bundschuhstraße und Bönischplatz sowie Florian-Geyer-Straße und Elsasser Straße könnten ebenso mit einbezogen werden, wie der südliche Wohnhof Pfotenhauer-, Hopfgarten- und Elisenstraße – spätestens, wenn das neue Familienzentrum vom Dresdner Kinderschutzbund fertiggestellt und die ehemalige Stephanienstraße wieder hergestellt und zur Nutzung freigegeben wird.

Hinterhof-Feiernde strömen zum Bönischplatzfest

Ein mögliches Szenario: der Bönischplatz behält seinen „Jahrmarktcharakter“ mit Bühne – nördlich in den Altbau-Innenhöfen könnten sich Angebote von Anwohner*innen etablieren, die vielleicht etwas mehr Platz und/oder Ruhe benötigen. Südlich vom Bönischplatz, vor und hinter dem Durchgang zum Wohnhof könnten Anwohner*innen der Pfotenhauer- und Elisenstraße ihr Programm gestalten. In der „Kita-Meile“ könnten sich die Einrichtungen mit ihren Angeboten präsentieren, die Schokofabrik und das Familienzentrum ebenfalls.

Die dann wiederhergestellte ehemalige Stephanienstraße könnte für Aktionen, die viel Platz brauchen, genutzt werden und der Johanngarten wird von Anrainer*innen der südlichen Hopfgartenstraße bespielt. Nach dem offiziellen Ende strömen dann alle aus den beteiligten Höfen auf den Bönischplatz und genießen die Abschlussparty.

Verkehrsberuhigte Zone für ein Wochenende

Das geht nur, wenn die durchführenden Straßen für den Autoverkehr gesperrt sind. Der Nebeneffekt wäre nicht schlecht: Eine verkehrsberuhigte Zone zwischen Florian-Geyer-Straße und Gerokstraße, flankiert von Elisen- und Bundschuhstraße bzw. ehemalige Stephanienstraße, für ein Wochenende.

Ein gemeinsamer Abschluss des Nachmittagstreffs könnte der Gang auf’s Bönischplatzfest sein. Foto: Bertil Kalex

Das sind allerdings nur Empfehlungen an die Steuerungsgruppe Bönischplatzfest. Wir, die Projektgruppe Hoffest, behalten kleine Schritte bei. Das nächste Fest, welches wir gedanklich ansteuern, ist der Tag der Nachbarn (immer der 4. Freitag im Mai). Die letzten beiden Male fand er coronabedingt nur online statt. Wir hoffen auf eine Präsenzveranstaltung im nächsten Jahr. Und wir setzen auf Unterstützung der Johannstädter Akteur*innen und Rückantwort auf unsere Meldungen.

Wir haben festgestellt, dass viele den Johanngarten noch nicht kennen. Unsere unmittelbaren Nachbar*innen kennen wiederum die aktive Johannstädter Szene nicht. Mehr Kontakt wäre eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Ein kleines Anwohnerfest kann vielleicht dazu beitragen, größere Prozesse anzustoßen.

Wohnhof Elisen-, /Pfotenhauer-, /Hopfgartenstraße

Begegnungen unter der Diskokugel – Die Schulsozialarbeit an der 101. Oberschule

eingestellt am 19.05.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Marie-Luise Alke und Andreas Kochte-Donath im Schulklub. Foto: Philine Schlick

Die Schulsozialarbeiter*innen an der 101. Oberschule stemmen zu zweit die Arbeit, die locker auf vier Vollzeitstellen aufgeteilt werden könnte. Sie ermöglichen den Schüler*innen mit dem Schulklub ein Stück autonome Freizeit. Der Alltag ist anstrengend, entlohnt aber mit unbezahlbaren Erfahrungen.

Gerade hat Marie-Luise Alke dazu angehoben, ihren Satz zu beenden, da klopft es wieder. Ihr Kollege Andreas Kochte-Donath springt auf, um die Tür zu öffnen. Es ist ein Schüler, der einen Laptop benötigt, um ein Online-Bewerbungsgespräch führen zu können. Schnell wird das Büro der Schulsozialarbeit nebenan als Ort angeboten, die Tür leise zugezogen, im Flur klingt das Murmeln der Stimmen.

Pionierin der Schulsozialarbeit

Marie-Luise Alke und Andreas Kochte-Donath sind „die Schulsozialarbeit an der 101. Oberschule“ und damit Ansprechpartner*in für rund 450 Kinder und Jugendliche. Die sechzig Wochenstunden könnte man getrost auf vier Vollzeitstellen verteilen, aber das ist nicht vorgesehen. So arbeiten sie zu zweit. Auf 70 Prozent schätzen die beiden den Anteil von Schüler*innen an der 101. Oberschule, die deutsch nicht als Muttersprache sprechen. Das ist eine besondere Herausforderung, denn der Lehrplan sieht das gleiche Pensum für alle vor.

„Bei uns an der Schule haben viele eine Fluchtgeschichte hinter sich. Sie haben Krieg, Vertreibung und Gewalt erlebt und müssen hier ankommen“, beschreibt Andreas Kochte-Donath die Situation. Über die Jahre hat sich die 101. Oberschule zur Expertin im sensiblen interkulturellen Dialog entwickelt. Sie ist die erste in Dresden, bei der in den 90ern Stellen für Schulsozialarbeit eingeführt wurden. Der Erfolg gibt dem Kollegium recht: „Im vergangenen Jahr hatten wir vier zehnte Klassen mit jeweils 20 bis 25 Schüler*innen. Nur vier haben keinen Schulabschluss erreicht.“

Der Schulklub als Ort der Begegnung

Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Schulklub im Keller des Schulgebäudes. Sofas, eine Diskokugel, eine Musikanlage, Kickertische und Regale voll mit Brettspielen: Hier können sich Freundschaften und Gespräche jenseits des getakteten Schulalltags entwickeln. Hier werden Probleme thematisiert und Konflikte diskutiert. Jenseits von Corona kommen hier täglich 100 bis 120 Schüler*innen zusammen. Der Schulklub ist in jeder Mittagspause und an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet. Derzeit natürlich mit Einschränkungen.

„Hier haben Schüler*innen die Möglichkeit, Freizeit selbstbestimmt zu verbringen“, so Alke. Für viele Schüler*innen ist der Schulclub der einzige Ort, an dem sie ihre Freizeit frei von schulischen und familiären Verpflichtungen verbringen können. Darüber hinaus haben die Schulsozialarbeiter*innen für Anliegen von Stress mit den Eltern bis Mobbing ein offenes Ohr und bieten entsprechende fachliche Hilfe an. „Kinderschutz spielt bei uns immer eine Rolle“, erzählt Kochte-Donath. „Hier arbeiten wir in Kinderschutzverfahren nach festgelegten fachlichen Standards in Kooperation mit der Schule und dem Jugendamt.“

Die 101. Oberschule soll dreizügig bleiben. Foto: Philine Schlick

Gute Erfahrungen stehen einem schlechten Ruf entgegen

Angebote wie diese haben es geschafft, dass die Schule beliebt ist. Dass sich die Schüler*innen angenommen und geborgen fühlen, dass sie wertvolle Kompetenzen im Umgang miteinander entwickeln. Dass Jüngere ihren Geschwistern nachfolgen.

Ein Bild, das häufig in krassem Kontrast zur Außenwirkung der 101. Oberschule steht. Viele Vorbehalte und Vorurteile stehen der Schülerschaft entgegen. Das mache sich bemerkbar, wenn motivierte, gut benotete Schüler*innen nach ihrem Abschluss einen Beruf suchen und nicht finden. „Viele werden aufgrund ihres Namens nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen“, teilt Marie-Luise Alke ihre Erfahrungen. „Und das in Berufsgruppen, in denen dringend Nachwuchs benötigt wird.“

Die 101. sei eine Schwerpunktschule, die zu wenig Wertschätzung erhält, sind sich Marie-Luise Alke und Andreas Kochte-Donath einig. Für ihre Diversität müsste sie mehr Unterstützung bekommen. Das Problem ist ein strukturelles: Internationalität werde zu häufig als Manko, nicht als Chance betrachtet.

Eine wertvolle Aufgabe

Die Schülerschaft der 101. Oberschule sei das beste Beispiel dafür, wie sinnvoll Durchmischung und Austausch seien. Lernwille, Solidarität, innige Freundschaften, Offenheit – viele der täglich gelebten Werte seien im stressigen Alltag Anschub und Stütze. „Es ist eine unheimlich wertvolle Aufgabe“, sagen die Schulsozialarbeiter*innen.

Einen Lichtblick brachte kürzlich die Online-Diskussionsrunde „Welche Schulen braucht die Johannstadt“ mit Bildungsbürgermeister Jan Donhauser: Die 101. Oberschule soll dreizügig bleiben. Und sie soll ihren angemessenen Platz in einem Neubau auf der Cockerwiese erhalten. Ein Zugeständnis, das auf Anerkennung und Weitblick hinweist. Gerade jetzt während der Pandemie, wo erfolgreiche Projekte wie der Schulklub nur in feste Gruppen geteilt stattfinden können und damit an Attraktivität verlieren: „Die Johannstadt braucht eine Oberschule mit sicherer Perspektive!“

Es klopft. Dieses Mal ist es eine Schülerin, die ein Online-Bewerbungsgespräch führen möchte. „Du bist eine halbe Stunde zu früh“, sagt Marie-Luise und räumt den Schreibtisch frei. Das Mädchen nickt. Sie wollte auf keinen Fall zu spät kommen.

Schulsozialarbeit an der 101. Oberschule

  • Offenes Büro im Haus 2 der Schule, Zimmer 032 (Erdgeschoss rechts)
  • Tel.: (0351) 4 59 82 71; E-mail: schuso101os@vsp-dresden.org
  • Öffnungszeiten des Schulklubs: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag     von 12.15 bis 15.30 Uhr, Mittwoch von 12.15 bis 13 Uhr

Wohnhof wird Modellprojekt und bekommt dafür 27.500 Euro

eingestellt am 19.04.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Blick auf die zum teils bereits fertig sanierten Häuser des Wohnhofes. Foto: Philine Schlick

Ein Projekt so groß wie die Häuser, die es miteinander verbinden soll: Knapp 27.500 Euro sprach der Stadtbezirksbeirat am Mittwoch dem Wohnhof Hopfgarten-/Pfotenhauer/Elisenstraße und seiner Nachbarschaftlichkeit zu. Das Konzept entwickelten der Verein Willkommen in Johannstadt, die Vonovia und das Quartiersmanagement gemeinsam mit Bewohner*innen. Am Ende des Jahres steht ein Ziel, das Maßstäbe setzen könnte. 

„Wir haben es hier mit einem äußerst ambitionierten Projekt zu tun“, führte Amtsleiter André Barth das Thema am Mittwoch vor dem Stadtbezirksbeirat ein. „Es ermöglicht uns, dorthin zu gehen, wo es weh tut, und den Zusammenhalt in den teils anonymen Wohnhöfen zu stemmen.“

Die Lange Baustellengeschichte im Wohnhof Pfotenhauer-/Hopfgarten-/Elisenstraße soll 2021 endlich vorbei sein. Foto: Torsten Görg

„Ein Dorf ohne Dorfstruktur“

Edeltraud Haß von Willkommen in Johannstadt stellte das umfangreiche Konzept vor, dessen dritte Umsetzungsphase zwischen April und Dezember 2021 mit rund 27.500 Euro gefördert wird. Das entspricht 77 Prozent der Kosten. Die restlichen 23 Prozent trägt die Vonovia.

Es begann schon 2019, mit gemeinsamen Frust und Ärger. Eine Umfrage, durchgeführt vom Kernteam Anne Richter, Gabriele Feyler und Muawia Dafir, sammelte die Meinungen und Eindrücke von 56 Personen aus 15 Nationen.

Gabriele Feyler und Anne Richter stellen die Ergebnisse ihrer Umfrage im Wohnhof Pfotenhauer-/Elisen- und Hopfgartenstraße bei der Stadtteilbeiratssitzung vor. Foto: Philine Schlick

Diese erste Phase machte klar: Die rund 2200 Bewohner*innen aus 28 Hauseingängen teilten dieselben Sorgen: Lärm, Vandalismus, Müll, Vereinsamung. In einem moderierten Workshop im Juli 2020 sprach man sich aus, entdeckte gemeinsame Ambitionen und Interessen.

Arbeitsgemeinschaften wurden gegründet: ein Müttertreff, ein Seniorenkreis, ein Team zur Begrünung des Innenhofes, die Organisation des Hopfgartenfestes. Insgesamt sieben Gruppen fanden sich zusammen. Ein Hoffest wurde – wie das Bundschuhstraßenfest – im sintflutartigen Regen an diesem Wochenende weggespült. Doch das Ziel ging nicht unter: Die Lebensqualität in dem „Dorf ohne Dorfstruktur“, wie es Edeltraud Haß bezeichnete, soll besser werden.

Die Hausversammlung als Plenum

Phase drei des Projektes sieht nun die Begleitung der einzelnen Arbeitsgruppen vor. Die Initiative der Bewohner*innen zu unterstützen ist das Bestreben, stellt Edeltraud Haß klar. Was sich regt und gedeiht im Wohnhof soll in Social Media-Kanälen und auf der Webseite der Vonovia dokumentiert und präsentiert werden.

Als erster Knoten- und Sammelpunkt von Wünschen und Interessen ist in jedem Haus eine Hausversammlung mit eine*r Sprecher*in angedacht. Diese*r ist gemeinsam mit einer*m Stellvertreter*in Anlaufstelle für Anliegen und Kummer der jeweiligen Nachbar*innen und Mittler*in zwischen Bewohnerschaft und Vonovia.

Insgesamt 28 Hausversammlungen werden mit einem Konzept auf den Weg geschickt, begleitet und moderiert. Nach einer Pilotphase von drei Versammlungen soll das Konzept nach Bedarf angepasst werden.

Fokus auf der Arbeit der Kulturmittler*innen

Ein Schwerpunkt des Konzeptes zur Nachbarschaftlichkeit im Wohnhof sind die Posten der Kulturmittler*innen. Sie sollen als Schnittstelle fungieren, denn das Leben in den Häusern zeichnet sich durch eine hohe kulturelle Diversität aus.

Vier halbtägige Workshops bereiten die Interessierten vor. Sechs bis acht Menschen unterschiedlicher Muttersprache bilden so ein Team und werden bei ihren Aufgaben vom Verein begleitet.

Lidia Sieniuta ist Vertreterin der Vonovia und Unterstützerin des Wohnhofprojekts Foto: Torsten Görg

Ein Wohnhofbeirat entsteht

Am Ende des Jahres steht ein echtes Novum: Im Dezember soll aufbauend auf der vorangegangenen Vernetzungsarbeit ein Wohnhofbeirat aufgestellt werden. Er bildet sich aus den Haussprecher*innen der 28 Eingänge und steht für die Bedürfnisse und Anliegen der Bewohnerschaft ein. In kühlen Zahlen ausgedrückt: 15 Prozent, also etwa 330 Bewohner*innen des Wohnhofes, gilt es, bis zum Jahresende zu aktivieren.

Die neue Instanz setzt die Reihe über Stadtteilbeirat, Stadtbezirksbeirat bis hin zum Stadtrat fort und soll perspektivisch auch über eigene Gelder für Projekte im Wohnhof entscheiden.

Im Tandem für Eltern-Kind-Treffs Foto: Torsten Görg

Zur Koordination des gesamten Anliegens wird eine Steuergruppe mit Repräsentant*innen von Vonovia, Stadtbezirksbeirat, Sozial- und Jugendamt, Bürgermeister und Bewohnerschaft einberufen.

Das Projekt hat Modellcharakter. Es ist einzigartig in seiner Konzeption und soll als „Methodenkoffer“ anderen Wohngebieten in Dresden als Erfahrungsschatz dienen.

Mitsprache und Verständigungsbedarfkommen zu Wort auf der Projektwerkstatt zum Wohnhof Foto: Torsten Görg

Zustimmung aus dem Stadtbezirksbeirat

Deutlicher Kritik zu den Dimensionen des Projektes entgegnete Matthias Kunert vom Quartiersmanagement: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Wir haben die Chance, hier ein Konzept mit den Bewohner*innen zu entwickeln.“ Er verwies darauf, dass das Projekt jetzt bewusst größer geplant worden sei, weil die Vorgängerprojekte gezeigt hätten, dass es in einem so großen Wohnhof anders nicht gelingen kann, in die Breite und Tiefe des Wohnhofs vorzudringen.

Martina Pansa von der Vonovia pflichtete bei: „Die Initiative muss aus den Menschen kommen.“

Etliche Beirät*innen hoben die Hand zur Wortmeldung, um ihre Bewunderung, ihren Dank oder Glückwünsche auszusprechen. Entsprechend dieser Befürwortungen gingen bei der Abstimmung 14 von 17 grünen Ja-Schilder nach oben.

Der Wohnhof Hopfgarten-/Pfotenhauer-/Elisenstraße

Zeugen nach Unfall an der Kreuzung Fetscher-/Pfotenhauerstraße gesucht

eingestellt am 15.04.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Foto der Polizeiwachstelle Altstadt. Foto: PS

Nach einen Verkehrsunfall an der Kreuzung Fetscher-/Pfotenhauerstraße sucht die Polizei Zeugen.

Ein 68-Jähriger wollte am Mittwoch mit seinem VW Tiguan von der Pfotenhauerstraße nach links in die Fetscherstraße einbiegen. Dabei kam es zum Zusammenstoß mit einem 48-jährigen Radfahrer, der ihm entgegen kam. Es entstand ein Sachschaden von insgesamt rund 600 Euro.

Die Polizei sucht Zeugen, die Angaben zum Unfall machen können. Hinweise insbesondere zur Ampelschaltung zum Unfallzeitpunkt nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer 0351 483 22 33 entgegen.

Little John Bikes ist „der Neue“ neben Konsum an der Pfotenhauerstraße

eingestellt am 12.03.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Es brennt Licht in der Halle: Little John eröffnet am 26. März. Foto: Philine Schlick

In der ehemaligen Aldi-Halle neben dem Konsum wird gewerkelt. Viele Nasen haben sich in den letzten zwei Wochen an der Scheibe platt gedrückt. Das Geheimnis ist gelüftet: Der Fahrrad-Händler Little John Bikes zieht ein. Am 26. März soll die Eröffnung stattfinden.

Zum Wochenende sind die Umbauarbeiten nach zwei Wochen geschafft. Der regionale Fahrradhändler Little John Bikes zieht auf die 900 Quadratmeter Ladenfläche neben dem Konsum an der Pfotenhauerstraße ein.

Eine Fahrradwerkstatt für die Johannstadt

„Wir haben bereits vier Läden in Dresden“, berichtet Marketingleiter Jan Schneidewind. Ein Standort in der Johannstadt fehlt aber noch: „Es gibt hier viele Menschen, die Fahrrad fahren, die Elbe ist nicht weit und ein Laden mit Werkstatt in Reichweite bietet sich an“, begründet er die Wahl.

Little John Bikes ist 1997 aus einem Zuliefererbetrieb für Deutschlands größte Fahrradfabrik, der Biria, entstanden. Ursprünglich war die Firma in Neukirch in der Oberlausitz beheimatet. Im Jahr 2014 wechselte der Sitz nach Dresden. Little John gehört zu den großen der Branche.

Im Angebot ist alles vom Laufrad bis zum E-City-Bike. „Wir haben ein Vollsortiment!“ Spezialisierte Biker wie Downhill-Sportler*innen dagegen würden bei Little John weniger fündig. „Wir sind der Händler für die fahrradfahrende Familie“, sagt Schneidewind. Wichtig ist dem Unternehmen, für Kund*innen erreichbar zu sein. Deshalb wird neben den Verkaufsräumen eine Werkstatt eingerichtet.

Eröffnung am 26. März

Gerade Corona habe bei vielen Menschen die Lust auf’s Radeln geweckt, erzählt Schneidewind. Gesundheits- und umweltbewusst die Umgebung erkunden liegt im Trend. „Viele haben sich schon interessiert erkundigt, wer hier einzieht und sich gefreut!“, erzählt der Pressesprecher. Zum Anfang beginnen ab 26. März fünf Mitarbeiter*innen ihren Dienst. „Mal sehen, wie es sich entwickelt.“

Eine Eröffnungsfeier kann natürlich aufgrund von Corona nicht stattfinden, aber die Werkstatt darf regulär öffnen. Einkaufen ist online, nach vorheriger Terminabsprache oder mit Click&Collect möglich.

Little John Bikes Johannstadt

Schön, aber holprig – Der Start des Gymnasium Johannstadt

eingestellt am 16.09.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Sonja Hannemann ist die Schulleiterin des neuen Gymnasium Johannstadt. Foto: Philine Schlick

Obwohl der Empfang herzlich ausfiel und bereits die ersten Verbindungen zum Viertel und der Nachbarin 101. Oberschule entstanden sind, war es kein Start wie aus dem Bilderbuch für das Gymnasium Johannstadt. Daran waren nicht allein die verwirrenden Corona-Monate schuld, erzählt Schulleiterin Sonja Hannemann im Gespräch.

In dem kleinen Zimmer in der obersten Etage des Schulgebäudes, in dem wir uns treffen, türmen sich Umzugskartons. Ihr ursprüngliches Büro hat Sonja Hannemann zugunsten ihrer Schüler*innen geräumt. Es ist jetzt ein dringend benötigter Lernraums zum Abstandhalten. „Ich bin hierher umgezogen“, berichtet sie.

Die Angst vor „dem Anderen“

Es ist die zweite Woche für 60 bunt zusammen gewürfelte Schüler*innen dreier fünfter Klassen und die junge Schulgemeinschaft um Sonja Hannemann an der Pfotenhauerstraße 42. „Wir alle wollten nach Johannstadt. Wir fanden das Viertel spannend“, erzählt die Schulleiterin. Für die Stelle kam sie nach zwei Jahren aus Berlin zurück nach Dresden, wo sie zuvor am RoRo-Gymnasium in der Neustadt gearbeitet hatte.

„In Dresden ist die Angst vor dem Anderen viel größer“, vergleicht sie die Städte. Man müsse zahlreichen Vorurteilen begegnen, z.B. dem, dass es für die kleinen Gymnasiasten unsicher sei, das Dach mit einer Oberschule zu teilen.

Tische und Stühle wären hilfreich gewesen

„An das Gymnasium Johannstadt kamen zahlreiche Schüler*innen, die an anderen Schulen keinen Platz mehr gefunden haben“, berichtet Sonja Hannemann. Für Eltern und Kinder bedeutete das Planänderungen, weitere Anfahrtswege und damit Wut und Unsicherheit, denen man beim ersten Elterngespräch begegnen musste. Die Rückmeldungen seien erleichternder Weise positiv gewesen, so Hannemann.

Für einen gelungenen Start hätte sich Sonja Hannemann mehr Zeit gewünscht. Zum Begegnen, zum Ausloten und Absprechen. Besonders mit Juliana Dressel-Zagatowski, der Schulleiterin der 101. Oberschule.

Das Team hinter dem Gymnasium Johannstadt. Foto: Gymnasium Johannstadt
Das Team hinter dem Gymnasium Johannstadt. Foto: Gymnasium Johannstadt

Anfang Mai erfuhr Hannemann von ihrer Besetzung als Schulleiterin. Von Mai bis Juli haben sie und ihr jetziges Kollegium noch an anderen Orten und Schule gearbeitet – im August ging es los. Die erste Vorbereitungswoche fand in leeren Räumen statt. „Ein paar Tische und Stühle wären schon hilfreich gewesen“, sagt Hannemann. Ende Juni fand das erste Treffen statt, bei dem auch Frau Dressel-Zagatowski anwesend war.

Drei Schulen unter einem Dach, zwei Sekretärinnen in einem Büro

Inhaltlich ging es jedoch eher um strukturelle Fragen wie die Raumverteilung. „Mit der angemessenen Zeit, dem richtigen Rahmen und klaren Anleitungen hätte man hier viel Druck rausnehmen können“, ist Sonja Hannemann überzeugt. Sie hätte sich einen gemeinsamen Auftakt gewünscht.

In diesem Fall sogar drei, denn unter dem Dach Pfotenhauerstraße 42 hat auch das Abendgymnasium noch seinen Platz. Zeitliche Überschneidungen gebe es nicht, weswegen räumliche in Kauf genommen werden, so Hannemann: „Momentan teilen sich zwei Sekretärinnen ein Büro.“ Das sei gerade bei der Arbeit mit zahlreichen Dokumenten und Akten eine Herausforderung.

Und es geht nicht nur um die Verwaltung: „Zwei Schulen bedeuten nicht nur geteilte Räume, sondern auch zwei Schulkulturen, die sich aufeinander abstimmen müssen“, sagt Sonja Hannemann.

„Ich bin überzeugt, dass Oberschule und Gymnasium eine Bereicherung füreinander sind. Das häufig vertretene Bild, dass sich Verlierer und Gewinner gegenüberstehen, ist nicht richtig“, ist sie sich sicher.

Lehrerschaft ohne Schultür-Schlüssel

Willkommen geheißen sei das Gymnasium Johannstadt herzlich. Es gebe bereits Schülerpatenschaften zwischen den 10.-Klässler*innen der Oberschule und den Gymnasiumsklassen. Erste Treffen mit Akteur*innen des Viertels wie dem Stadtteilverein stehen an. Jedoch war es mitnichten eine Landung ins gemachte Nest. Zwei Wochen lang hatte das Schulpersonal des Gymnasiums keine eigenen Schlüssel: „Meine Lehrer standen manchmal ausgeschlossen auf dem Schulhof“, so Hannemann.

„Ich hätte erwartet, dass durch die engagierten Schulgründungen in Dresden in den letzten Jahren so etwas wie eine Routine herrscht“, beklagt Sonja Hannemann. Es koste enorm viel Zeit und Energie, Zuständigkeiten herauszufinden und Raumnutzungen abzusprechen. Zeit und Energie, die eigentlich dem Unterrichten der Kinder zustünden, findet die Schulleiterin.

Eine bessere Vorbereitung hätte den Start, insbesondere unter den ohnehin erschwerten Bedingungen durch Corona, erleichtert und Stress minimiert.

Ein weiterer Mangel sei die technische Ausrüstung der Schulen: Oberschule und Gymnasium müssen sich einen PC-Pool teilen. Es ist unumgänglich, dass es bei zu wenig Geräten zu Konfliktherden komme, sagt Hannemann. „Nach langem Ringen habe ich 16 Laptops bekommen“, erzählt sie und zeigt ratlos die Handinnenflächen in Anbetracht ihrer Schülerzahl.

Lichtblick Elternsprechstunde

„Ich hätte gern mit pädagogischen Tagen gestartet zur Frage: Wer sind wir und wer wollen wir sein im Viertel?“, sagt Sonja Hannemann bedauernd. Das allerdings muss warten. Erst einmal gilt es, mit Schüler*innen und Lehrer*innen gemeinsam Routinen zu erarbeiten und durch die dunkle Zeit des Jahres zu kommen.

„Ich habe ein junges, motiviertes Team, das wunderbar zusammen arbeitet“, schwärmt die Schulleiterin. „Dass wir uns neue Strukturen erarbeiten müssen, bietet auch viel Potential.“

Ihr nächster Lichtblick ist der anstehende Elternabend. Sonja Hannemann hofft auf ertragreiche Gespräche.

Gymnasium Johannstadt

  • Pfotenhauerstraße 42, 01307 Dresden
  • Infoabend für Interessierte am 29. September um 19 Uhr in der Bibliothek des Schulgebäudes
  • www.gymnasium-johannstadt.de

Am Montag öffnet das Gymnasium Johannstadt seine Pforten

eingestellt am 29.08.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Das Gymnasium Johannstadt. Foto: Philine Schlick

Genau genommen ist es die 101. Oberschule an der Pfotenhauerstraße, die ihre Pforten für das neue Gymnasium öffnet. In den Sommerferien wurde saniert, jetzt teilen sich die Schulen das Gebäude, bis die Oberschule an einen neuen Standort zieht. Das kann dauern.

Am Montag startet das Gymnasium Johannstadt mit drei fünften Klassen und acht Lehrer*innen an der Pfotenhauerstraße. Der entsprechende Gebäudeteil wurde über die Sommerferien renoviert. Nach dem Umzug der 101. Oberschule sollen hier vier Klassenzüge pro Jahrgang aufgenommen werden. Der Umzug war für 2025 angedacht, könnte sich aber auf 2027 verschieben.

Kooperation mit Akteur*innen im Stadtteil

Schulleiterin Sonja Hannemann freut sich auf den Schulstart: „Lernende sowie deren Eltern haben insbesondere in den ersten Jahren die Möglichkeit, die Schule aktiv mitzugestalten und werden dabei von dem hochmotivierten Kollegium im Gründungsprozess angeleitet.“

Um sich im Stadtteil zu etablieren, will die Schulgemeinschaft eng mit den Institutionen und Vereinen der Johannstadt zusammenarbeiten und sich aktiv in die Stadteilgemeinschaft einbringen. Damit interkulturelles Lernen und das Erlernen von Fremdsprachen lebensnah geübt werden können, soll es nationale und internationale Kooperationen sowie Schüleraustausche geben. Das Gymnasium Johannstadt bietet Englisch als erste Fremdsprache an und Französisch oder Spanisch als zweite Fremdsprache. Das schulspezifische Profil, das in Klasse 8 beginnt, wird im Laufe des Aufbaus festgelegt.

Neuer Standort für die 101. Oberschule wird diskutiert

Das Gymnasium teilt sich das Gebäude mit der 101. Oberschule. Die soll in einigen Jahren umziehen. Ihr wurde erst ein exponiertes Gebäude an der Cockerwiese zugesichert. Allerdings sind mittlerweile Pläne laut geworden, die Oberschule gemeinsam mit dem Bertolt-Brecht-Gymnasium an der Lortzingstraße unterzubringen – eine Neuerung, die Kritik hervorruft (johannstadt.de berichtete).

Nicht nur die Schulleiter*innen sind gegen eine Zusammenlegung. Auch im Stadtrat regt sich Widerstand (die DNN berichteten am 21. August).

Inzwischen hat es Gespräche mit Bildungsminister Jan Donhauser gegeben, sagt die Schulleiterin der 101. Oberschule, Juliana Dressel-Zagatowksi. Man wolle auch weiterhin im Dialog bleiben. Am Montag wird Oberbürgermeister Dirk Hilbert zugegen sein, um die Schüler*innen der fünften Klassen an der Pfotenhauerstraße zu begrüßen. „Es tut sich was in der Kommunikation“, so Dressel-Zagatowksi. Erst sollte der OB nur die Schülerschaft des Gymnasiums willkommen heißen – nun begrüße er auch die neuen Oberschüler*innen.

Stubbe dreht am Donnerstag auf der Pfotenhauerstraße

eingestellt am 28.07.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Wolfgang und Stephanie Stumph sind auch im neuen "Stubbe"-Krimi Vater und Tochter. Foto: ZDF

Die TV-Krimi-Serie „Stubbe“ mit Wolfgang Stumph wird im ZDF neu aufgelegt. Am Donnerstag finden dazu Dreharbeiten auf der Pfotenhauerstraße in der Johannstadt statt. Anwohner*innen werden gebeten, ihre Autos umzuparken.

Film ab in der Johannstadt! Für die neue Stubbe-Folge mit dem Arbeitstitel „Abendlicht“ wird in der Johannstadt gedreht. Stubbe ist mittlerweile Opa und im Ruhestand – das Ermitteln kann er jedoch nicht lassen. Seine Tochter (Stephanie Stumph) wird in ihrer Tätigkeit als Journalistin in die dunklen Machenschaften eines Pflegedienstes verwickelt.

Damit der Fuhrpark des Filmteams auf der Pfotenhauerstraße Platz hat, wurden in Abstimmung mit der Stadt Dresden Halteverbotszonen festgelegt.

Halteverbote zwischen 6.30 und 20.30 Uhr

Am Donnerstag, dem 30. Juli, wird es zwischen 6.30 Uhr und 20.30 Uhr zu Einschränkungen kommen. Fahrzeughalter*innen werden gebeten, einen Zettel mit ihrer Telefonnummer hinter die Scheibe zu legen, um erreichbar zu sein, falls das Auto in einer der Zonen steht.

„Sie können uns gerne kontaktieren, wenn Ihnen spezielle Fragen auf dem Herzen liegen“, heißt es in einem Info-Schreiben von Motivaufnahmeleiter Mirco Zurek der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft. „Sollten Sie sich in irgendeiner Weise durch uns gestört fühlen, sprechen Sie uns bitte vor Ort an, wir werden Ihnen dann umgehend Auskunft über die Abläufe geben.“

Dreharbeiten in Dresden bis 13. August

Dass die Dreharbeiten die regulären Vorgänge im Viertel durcheinanderbringen, sei dem Filmteam bewusst. „Trotzdem bitten wir Sie um Unterstützung bei den Dreharbeiten“, so Zurek. Die Dreharbeiten für die neue Folge dauern in Dresden noch bis zum 13. August an.  Ein Sendetermin steht laut ZDF bislang noch nicht fest.

Caravan-Tourismus auf Zeit in der Johannstadt

eingestellt am 02.07.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Caravan-Camping am Käthe-Kollwitz-Ufer: Funktioniert ohne Anmeldung und ohne Luxus, aber nicht auf die Dauer Foto:Anja Hilgert

Es wird Ferienzeit und Dresden gilt bei Kurzurlauber*innen und Städtereisenden schon immer als ein attraktives Ziel. Reisebeschränkungen und eine gemischte Gefühlsanlage, was das Fernreisen generell angeht, mögen Dresden in dieser Saison die Besucher*innen zurückbringen, die die Stadt im Frühjahr einbüßen musste. Nun gibt es Ideen, besonders Caravan-Tourist*innen für einen Stopp in Dresden zu begeistern.

Johannstädter Caravan-Romantik

Für ein, zwei Nächte sparsam im städtischen Grün am Johannstädter Rand Foto: Anja Hilgert

Um den Tourismus anzukurbeln und damit Gastronomie und Handel in der Corona-Krise zu stärken, erweitert die Landeshauptstadt ihre Stellflächen für Caravans und Wohnmobile. „Corona hat dem ohnehin boomenden Caravan-Tourismus in Deutschland noch einmal einen kräftigen Schub gegeben. Wir reagieren auf diesen Trend und laden die europäischen Camper in die Elbmetropole ein!“, sagt Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG).

Was ab 15.Juli 2020 als lockendes Angebot auf den neu geschaffenen 40 Stellplätzen auf einem weiträumigen Parkplatz an der Pieschener Allee gilt, hat sich am Johannstädter Elbufer in den vergangenen Jahren bereits fest eingespielt: Hier stehen regelmäßig Nummernschilder aus S, DA, FR oder WI und aus ganz NRW und bleiben für ein, zwei Nächte stehen.

Füße hochlegen im Quartier

Am Käthe-Kollwitz-Ufer, anschließend an die künftige Bebauungsfläche der FlüWo Bauen Wohnen eG werden Stellplätze sowohl für PKW als auch Caravan angeboten. Gegen eine Parkgebühr von 12€/Tag findet sich hier unter hohen Bäumen und frischer Elbbrise ein schattiges Plätzchen fürs Wohnmobil. Es gibt weder Strom noch Wasser, doch zum Auspacken der Campingsstühle ist reichlich Raum und zum Füße hochlegen im Freien genügt auch die sparsame Atmosphäre.

Gerahmt vom gründerzeitlichen Hintergrund der Florian-Geyer-Straße hat der Platz seinen Ausschnitt an angenehm städtischem Flair. Schließlich ist es zur Elbe und ihren grünen Wiesen nicht weit, Altstadt und Neustadt sind zu Fuß bzw über die öffentlichen Verkehrsmittel aus der Johannstadt ohne Aufwand zu erreichen und vielfache Einkaufsmöglichkeiten gibt es über die Pfotenhauerstraße gleich um die Ecke…Und wer sich vom Platz nicht mehr weg bewegen möchte, bekommt die Brötchen an die Bustür geliefert, wie das Inserat von Bäcker Henschel auf der Parkplatz-Stellwand verspricht.

Stellplatz-Angebot mit Minimal-Komfort       Foto: Anja Hilgert

Der Aufenthalt funktioniert ganz ohne Anmeldung, per Kasse vor Ort. In und um die Landeshauptstadt Dresden gibt es damit nun über 1.000 städtische und private Caravan-Parkplätze mit unterschiedlichem Service.

Campingidylle auf Zeit

Erwähnenswert ist allerdings, das die Nutzung in der Johannstadt aus städtischer Sicht definitiv eine zwischenzeitliche ist: Die Campingidylle wird nicht mehr lange anhalten. Die auswärtigen Großstadtnomaden in ihren voll ausgestatteten mobilen Bleiben werden ihrer Wege ziehen müssen, wenn der Platz seiner Bestimmung gemäß bebaut wird. Die Fläche ist für Menschen bestimmt, die in Dresden sesshaft sind und werden wollen.

Der Bebauungsplan Nr.079 sieht die Wiederherstellung der gründerzeitlichen Bebauung vor. Die Flächen wurden vom Stadtrat als Vorbehaltsflächen für sozialen Wohnungsbau ausgewiesen.

 

Weiterführende Informationen

Adieu „Schneider Eck“ – Julianne Treuheit hat sich verabschiedet

eingestellt am 24.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Julianne Treuheit freut sich auf die Zeit nach dem "Schneider Eck". Foto: Website Schneider Eck

„Für jeden ist die Zeit gekommen. Ich war lange drüber“ – dieser Satz könnte schwermütig klingen, doch Julianne Treuheit sagt ihn beschwingt. Siebzehn Jahre lang nähte und schneiderte sie in ihrer Werkstatt an der Pfotenhauerstraße. Nun sucht sie für das Geschäft eine*n Nachfolger*in.

Vergangenen Freitag war der letzte Tag für Schneiderin Julianne Treuheit. In 17 Jahren stopfte sie etliche Löcher, vernähte Flicken, rettete Blusen, Hosen und Röcke. Immer bestens organisiert, zuverlässig und mit einem erfrischenden Esprit flatterte sie durch die Werkstatt.

„Jetzt kam vieles zusammen“, sagt sie und nahm die Corona-bedingte Schließung als Anlass zum Abschied in den wohlverdienten Ruhestand. „Ich bin mit meinem Arbeitsleben sehr zufrieden“, sagt sie am Telefon. Natürlich schwinge auch „eine gewisse Traurigkeit“ mit, aber Julianne Treuheit ist sich sicher: „Die verfliegt!“

Jetzt lässt sie ihr Geschäftsleben Revue passieren und erfreut sich der „unheimlich netten Begegnungen und Begebenheiten.“ Über die derzeitige Isolation zuhause sei sie aus gesundheitlicher Perspektive ganz froh, sagt sie. Am vergangenen Freitag lieferte sie gemeinsam mit ihrem Mann letzte erledigte Aufträge ab: In Plastiktüten verpackt an die jeweilige Haustür.

„Das wird super!“

„Vorher hatte ich an der Ladentür alles herausausgegeben“, berichtet sie. Auf Hygiene bedacht mit Gummihandschuhen und Pappteller für das Kleingeld.

Wenn die Krise überstanden ist, fiebert Julianne Treuheit gemeinsamer Zeit mit den Kindern, den Urenkeln und natürlich mit ihrem Mann entgegen, berichtet sie. „Das wird super“, sagt sie. „Wenn sich alles stabilisiert hat, freuen wir uns auf Reisen. Wir sind schon immer gern gereist und haben andere Welten entdeckt.“

Der Geschäftsraum an der Pfotenhauerstraße preist sie eventuellen Interessent*innen an: Groß, hell, transparent. Noch muss ausgeräumt werden, aber ein Einzug sei jederzeit möglich, betont Julianne Treuheit.

Im Namen der Johannstädter*innen dankt johannstadt.de für die vielen Jahre und winkt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Alles Gute!

Kontaktinformationen

Julianne Treuheit, Geschäft ehemals Pfotenhauerstraße 77, 01307 Dresden

Telefon: 0172-3713999
Email: juliannetreuheit@web.de

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

„Keine Angst, wir heißen nur so“ – Der Copyshop Sauer

eingestellt am 03.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Siegrid und Bernd Sauer vor dem Copyshop, den sie als Chefin betreibt und er nunmehr als Angestellter unterstützt. Foto: Philine Schlick

Für das Presse-Rendezvous mit johannstadt.de haben Siegrid und Bernd Sauer die späte Mittagszeit gewählt –  in der Hoffnung auf eine ruhige Gesprächsminute. Dennoch muss die Chefin des Hauses öfter mal hochspringen und vorne im Laden nach dem Rechten sehen. Seit  vielen Jahren heißt es für die Sauers: Selbst&ständig. Und nach Feierabend ist noch lange nicht Feierabend.

Seit 44 Jahren sind die Diplom-Chemikerin Siegrid Sauer und der Diplom-Physiker Bernd Sauer ein Paar. Nicht nur privat, auch geschäftlich sind sie Partner. Er startete vor 22 Jahren seine Selbstständigkeit mit dem kleinen Foto-Geschäft auf der Arnoldstraße, das es seit 2019 nun nicht mehr gibt. Sie eröffnete 2006 den Call- und Copy-Shop an der Ecke Gutenberg-/Pfotenhauerstraße. Bewegte Zeiten liegen hinter den Lokalmatadoren.

Selbstständig per „Zufall“

Die Eröffnung des lange ansässigen Fotogeschäfts in der Netto-Passage beschreibt Bernd Sauer als glücklichen Zufall. Seine Frau Siegrid hatte „eine richtige Stelle“, wie sie es nennt, bei dem Fotopapierhersteller „Fotopapierwerk“ und späterem Fotolabor Intercolor/Foto Porst inne, der zu DDR-Zeiten auf der Bärensteiner Straße ansässig war und nach der Wende und seiner Vergrößerung nach Klipphausen wechselte. Ein Arbeitskollege von ihr wollte sein Foto-Geschäft in der Johannstadt übergeben – Bernd Sauer schlug zu.

Blick auf das bekannte Eckgeschäft von Siegrid Sauer. Foto: Philine Schlick

Mitte der 90er, erzählt er, ging es los mit Preisdrückerei und Konkurrenz. Sein Geschäft wandelte sich insofern, als dass er Zeitungen und Zeitschriften mit ins Sortiment nahm. Zuvor hatte er als klassisches Fotogeschäft Kameras der Marke Praktica („So viel Lokalpatriotismus darf sein“), Filme aller Marken und Bilderrahmen angeboten. Zu kämpfen hatte er schon damals, auch gegen die Angebote der Drogeriemärkte, die mit günstigen Services den Markt veränderten.

Wir sind keine Däumchendreher

Drei Jahre nach dem Millenium schloss die Firma, in der seine Frau gearbeitet hatte. Kodak kaufte das Unternehmen auf – und machte dann dicht. „So schafft man sich Konkurrenz vom Hals“, sagt Herr Sauer. „Im Januar 2003 hatten sie noch alle Maschinen modernisiert, im Februar waren die Türen zu.“ Es stellte sich die Frage, was zu tun sein. Das Ersparte aufbrauchen und danach Sozialamt – oder etwas Neues wagen. „Wir sind keine, die ihre Hände in den Schoß legen und Däumchen drehen“, stand für beide fest.

Also suchte das Paar nach einem passenden Ladengeschäft, wurde mit dem Eckladen fündig und bezog 2006 die Räume des ehemaligen Solariums. Die Telefonkabinen im hinteren Ladenbereich erinnern noch an Zeiten, da Auslandsgespräche hier getätigt wurden. Sie dienen jetzt als Lager. Die zwölf Internetplätze haben sich halbiert, sind jedoch noch gut besucht. Die vorhandene Technik wie Kopierer, Drucker und Plotter werden bedarfsmäßig erweitert und angepasst.

Dreizehn Stunden täglich hinterm Tresen

„Das Klientel ist bunt gemischt“, sagt Siegrid Sauer über ihr Geschäft, in dem ihr Mann seit November 2019 als Angestellter mitwirkt. Das Fotogeschäft-Sortiment hatte er mit Tabak, Lotto und Post aufgestockt – den Garaus machte ihm schließlich die bescheidene Parksituation, wie Bernd Sauer erzählt. Alle Parkplätze vor dem Laden seien für Anwohner, Seniorenresidenz und medizinische Lieferungen reserviert gewesen. Trotz Bemühungen habe er kein Entgegenkommen erfahren, sagt er frustriert. Auch drei Einbrüche innerhalb eines Jahres machten ihm wirtschaftlich zu schaffen. Er sah sich gezwungen, das Geschäft Ende Oktober 2019 aufzugeben.

Der Copyshop hat mit zahlreichen Baustellen und dadurch bedingten Kundeneinbrüchen, Praktikant*innen und Azubis ebenfalls bewegte Zeiten hinter sich. Das Aufgabenfeld ist breit gefächert – die Wünsche der Kund*innen abwechslungsreich. „Der Hermes-Paketshop rettet uns öfter mal“, so Siegrid Sauer. Dreizehn Stunden steht sie täglich hinter dem Tresen. Zusätzlich gilt es, Papierkram und Einkäufe zu erledigen. Unterstützt werden sie seit gut zwei Jahren von ihrer Angestellten Frau Steinberg.

Von einer anderen langjährigen Kollegin musste man sich mit der Schließung des Fotogeschäfts trennen. Sie kam aber als Kinderbetreuerin gut in einer anderen Branche unter, berichtet Herr Sauer. Der Abschied sei nach den gemeinsamen Jahren für beide Seiten schwer gewesen.

Es ist kein leichtes Pflaster, sagt Siegrid Sauer. Was jedoch entlohnt, ist die Bekanntheit im Viertel und der freundliche Kontakt zur Kundschaft, räumt Bernd Sauer ein. Und die Flinte ins Korn werfen, das kommt nicht in Frage. Auch wenn natürlich am Horizont immer verheißungsvoll ein wohlverdienter Ruhestand winkt und die Öffnungszeiten eingekürzt wurden – die Sauers halten die Stellung als einziger Copyshop im Viertel. Schon klingelt wieder das Türglöckchen.

Call- Copyshop Sauer

  • Pfotenhauerstraße 43, 01307 Dresden
  • www.copy-sauer.de
  • Montag bis Freitag 9 bis 21 Uhr, Sonnabend 9 bis 18 Uhr

Der Funke Anarchie – Die Schulclowns der „Johanna“

eingestellt am 25.02.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Den Clowns machen die Auftritte mindestens so viel Spaß wie den Kindern. Foto: Philine Schlick

Nichts ist für die bestehende Ordnung so wichtig wie ein Funken Anarchie. Monatlich beweisen das die Auftritte der Schulclowns Elisabeth Gröschel und Hendrik Müller an der 102. Grundschule „Johanna“. Ihre unerwarteten Auftritte platzen in den Schulalltag und sorgen für helle Begeisterung. Und siehe da: Plötzlich verwandeln sich Kinder in ziemlich strenge Erwachsene.

„Papierverschwendung!“, ruft es aus der ersten Reihe. „Teamarbeit!“, fordert der Kinderchor. „Aufräumen!“, pflichten die Schüler*innen der Klasse 2c ihrer Lehrerin bei. Was ist passiert? Vor der Klasse stehen, in weiten karierten Hosen, „Herr und Frau Clown“. So heißen die Lehrerin Elisabeth Gröschel und der Schulsozialarbeiter Hendrik Müller, wenn sie sich ihre Gesichter weiß schminken und die rote Kugelnase aufsetzen. Manchmal aber auch „in Zivil“ auf den Gängen.

„Prima, Herr Clown!“

Gerade ist das Clowns-Duo in das Klassenzimmer gestolpert. „Hallo! Salam Aleikum“, kräht die Klasse begeistert. Nicht fehlen darf die mit Sternen verzierte Kiste. Nicht nur Lachen provozieren die beiden Clowns bei ihren Auftritten, sondern auch erhobene Zeigefinger. Die Kinder beobachten peinlich genau, was schief läuft und posaunen ihre Kritik laut heraus. Papier auf den Boden geworfen? Den anderen geschubst? Etwas einfach weggenommen? Die Klasse legt ihr Veto ein. Wenn die Clowns artig sind, gibt es auch mal ein Lob: „Prima, Herr Clown!“

Warmmachen für große Faxen: Hendrik Müller und Elisabeth Gröschel. Foto: Philine Schlick

Am heutigen Donnerstagmorgen absolvieren die Schulclowns drei Auftritte hintereinander. Eine schweißtreibende Angelegenheit – trotz winterlicher Temperaturen und einer „eher bewegungsarmen Nummer“. An manchen Tagen sind es sechs hintereinander. Elisabeth Gröschel und Hendrik Müller haben sich im Sozialarbeits-Büro umgezogen und geschminkt. Sich gegenseitig knuffend und schnatternd eilen sie zum ersten Klassenraum. „Wir müssen jetzt noch ganz viel reden“, erklärt Elisabeth. Denn als Clowns agieren sie stumm. Die Vorfreude ist ihnen deutlich anzumerken. Elisabeth hebt die Faust und klopft polternd an die Tür.

Die Schulclowns – geschafft nach dem Auftritt. Foto: Philine Schlick

Für die Kinder kommt das Klopfen an der Tür unerwartet. Die Lehrerin schmunzelt schon. Sie wurde lange im Vorfeld über den Besuch der Clowns unterrichtet und weiß, dass sie im Anschluss die ungestüme Klasse bändigen muss. Aber der Spaß, die Abwechslung und das Lachen sind es wert.

„Alleine schafft man das nicht“

„Der Schulalltag ist geprägt von Regeln und Struktur“, sagt Elisabeth Gröschel im Anschluss an die Auftritte. „Deshalb wollten wir für etwas Leichtigkeit sorgen.“ Seit 2018 tut sie das mit ihrem Kollegen Hendrik Müller. Lehrstunden nahmen sie beim Baba-Jaga-Darsteller Rainer König . Die Schneiderei der Staatsoperette war so freundlich, die weiten Clownshosen passgerecht anzufertigen – die Kosten trug der Förderverein der Grundschule. „Wir haben vier Punkte festgelegt“, erklärt Hendrik Müller. „Erstens: Alle lachen gemeinsam. Zweitens: Die Kinder sollen kulturell gebildet werden. Drittens: Ein soziales Thema wird angesprochen. Viertens: Die Clowns sollen zu Identifikationsfiguren der Schule werden.“

Mit Schminke nicht immer ein Herz und eine Seele: Die Schulclowns. Foto: Philine Schlick

Zurück im Klassenzimmer: „Die Clowns!“ Mit diesem Ruf reißt es nahezu alle Schüler*innen von den Sitzen. Während der Darbietung fällt es schwer, die Kinder auf Distanz zu halten. „Aber das ist etwas, dass sie lernen sollen“, erklärt Elisabeth Gröschel. „Dass man einem Künstler mit Respekt begegnet. Deshalb fordern wir am Ende auch einen Applaus ein.“ Bewusst spielen die Clowns miteinander im Duo – die Kinder bleiben Zuschauer. „Alleine schafft man das nicht“, sagt Elisabeth Gröschel und meint damit die Mammutaufgabe, mit einer ganzen Klasse zu interagieren.

Nicht nur bei Kindern wirken die Clowns als lebendige Stimmungsaufheller: Auch die Weihnachtsfeier des Lehrerkollektivs lockerte das Clowns-Duo auf. Zwei Jahre ist das Projekt knapp alt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Hendrik Müller möchte deshalb im zweiten Schulhalbjahr mit Fragebögen Schüler, Eltern und Lehrer um eine Bewertung der Schulclownerie bitten, um das Projekt auszubauen oder anzupassen. Ziel ist es, die Schulclowns auch an anderen Schulen auftreten zu lassen.

Hier können die Schulclowns im Video erlebt werden.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Die Fetscherstraße

eingestellt am 18.01.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Fetscherstraße in Blickrichtung Norden. Foto: Alexandra Jentsch

Gastbeitrag von Alexandra Jentsch

Dresden ist keine Großstadt. Eher eine Ansammlung mehrerer kleinerer Städte, die sich für ein gediegenes Stelldichein im Elbtal getroffen haben. Wenn einmal so etwas wie ein Gefühl von Großstadt aufkommt, ist es auf den großen Straßen. Auf der Fetscherstraße zum Beispiel. Ein kommentierter Spaziergang. 

Als gut zwei Kilometer langer, präziser Schnitt trennt sie die Johannstadt von Striesen. Als eine der Hauptadern des östlichen Dresdens verbindet sie den Großen Garten mit der Waldschlösschenbrücke und dem jenseitigem Elbufer. Auf ihren gedachten Nullpunkt, das Palais, wies auch die einstige Benennung als Fürstenstraße hin, die sich heute noch in der Fürstenallee des Großen Gartens wiederfindet. 1946 erfolgte die Umbenennung nach dem im Vorjahr ermordeten Rainer Fetscher, dessen Biographie zwischen Eugenik und antifaschistischem Widerstand zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung einlädt.

Lückenschließung Nummer 33 bis 37. Foto: Alexandra Jentsch

Bebauung als Spiegel der Geschichte

Gegenwärtig empfindet man zumindest den Lautstärkepegel als sehr urban, wenn man sich aus der Fürstenallee kommend in den fließenden Autoverkehr einreiht und durch das gescheckte Spalier der Platanen schnurstracks gen Elbe radelt. Die vorüber ziehende Bebauung durchmisst die Dekaden weniger gradlinig. In unmittelbarer Nähe des Platzes, der passenderweise nach dem tschechischen Pädagogikreformer Johann Amos Comenius benannt ist, steht ein Gebäude, welches heute die 6. Grundschule beherbergt. Der 1957/58 errichtete Bau steht als ein frühes Beispiel der Pavillonschule, deren offene Bauweise eine Abkehr vom einschüchternden Kasernencharakter gründerzeitlicher Schulgebäude darstellt, unter Denkmalschutz.

Wirkt die Bebauung in diesem südlichen Bereich noch nach dem verhältnismäßig einheitlichen Prinzip der Sachlichkeit errichtet, beginnt je weiter man Richtung Fetscherplatz vordringt ein Zickzackkurs durch die Zeit. Auf der Striesener Seite ducken sich gründerzeitliche Villen vor den konfettibunten Neunziger Jahren der Johannstadt in den Schatten der Baumkronen. Etwas weiter stehen sich mit dem Arthushof und dem Wohngebäude der Nummern 33 bis 37 wiederum zwei recht unterschiedliche Protagonisten gegenüber, die jedoch beide der Zeit der Jahrhundertwende entstammen. Bei der Wohnzeile handelt es sich allerdings bereits um eine Reinkarnation aus Nachkriegszeiten.

Herbst an der Fetscherstraße. Foto: Alexandra Jentsch

Brodelnde Kreuzungen, stille Wiesen

An der brodelnden Kreuzung Blasewitzer Straße knickt die Straße nach Norden ab. Hier eröffnet sich der charakteristische Blick gen Waldschlösschenbrücke. Im Sommer flirrt die Luft in der Ferne über dem Asphalt und lässt die silbrig graue Blechkarawane am Horizont wie eine Fata Morgana aus einem Hollywoodstreifen wirken, der die Freiheit der Straße besingt. Man radelt dem Blick hinterher, vertieft sich in das Bild und kann erst im letzten Moment einer sich vom Parkstreifen her plötzlich öffnenden Fahrertür ausweichen. Man flucht leise und fährt, nun wieder aufmerksamer, weiter Richtung Pfotenhauerstraße. Hier finden sich drei Institutionen, in deren Ballung, wer mag, mehr als nur räumliche Zusammenhänge hinein interpretieren kann.

Der Artushof. Foto: Alexandra Jentsch

Rechterhand liegt die weitläufige Anlage des traditionsreichen Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, welches seit 1901 hier untergebracht ist. Linkerhand folgt auf den Jüdischen Friedhof, dessen Außenmauern sich von der Straße abkehren und mit dessen Innerem sich ein anderer Artikel beschäftigt, der Ostflügel des Pflege- und Seniorenheimes Clara-Zetkin, als denkmalgeschütztes Überbleibsel eine wesentlich größeren Komplexes, dessen Nordflügel komplett zerstört wurde.

Einen versöhnlichen, kreierenden Abschluss bildet der Standort der Hochschule für bildende Künste an der Pfotenhauerstraße, wo sich seit 1910 der Bildhauerei gewidmet wird und wo man entscheiden kann, ob man dem Sog der Großstadt auf die Brücke und über die Elbe folgt oder sich von ihr abwendet und in die ruhigen Elbwiesen flüchtet.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Kleine Leute, großes Theater – Die Theater-AG der 102. „Johanna“

eingestellt am 16.01.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Hendrik Müller und Torsten Brysch leiten die Theater-AG der 102. Grundschule "Johanna". Foto: Philine Schlick

Erstaunlich schnell ist es Hendrik Müller und Gregor Brysch gelungen, Ruhe in die aufgekratzten elf Schüler*innen zu bekommen – und das nach Unterrichtsschluss, wenn schon der freie Nachmittag winkt. Doch die Theater-AG der 102. Grundschule „Johanna“ ist bei der Sache. Nur noch wenige Proben, dann hat ihr modernes Märchen Premiere: Eine Stimmung aus Lampenfieber und Übermut liegt in der Luft.

Wo ist die Fee? Hat jemand einen Rabenschnabel? Wie siehst du aus, wenn du lange auf etwas gewartet hast? Das sind essentielle Fragen bei den Probenachmittagen der Theater-AG in der „102. Johanna„. Eine Stunde ist nicht lang, wenn in ihr Texte geprobt, Kostüme besprochen und Schauspiel unterrichtet werden soll. Durch den Türspalt des Theatersaales lugen schon die Köpfe der Nachfolger. „Wir haben noch fünf Minuten!“, ruft Gregor Brysch. Jede Minute zählt – und wird genutzt.

Aufwärmübungen helfen zu fokussieren. Foto: Philine Schlick

Teach First als Räuberleiter

Gregor Brysch ist studierter Theologe und im Rahmen des Bildungsprogrammes Teach First Deutschland an die Grundschule in der Johannstadt gekommen. Das Programm bildet Akademiker*innen als sogenannte Fellows aus, die mit ihren Fähigkeiten an ausgewählten Schulen das Lehrpersonal unterstützen.

Die Fellows helfen Schützlingen, in der Schule nicht abgehängt zu werden. Unterstützung kann von Nöten sein, wenn Kinder dem Lehrplan hinterher hinken, aber auch, wenn sie ihm voraus sind. Während Lehrer*innen den Unterrichtsstoff voranbringen, können die Fellows in enger Absprache mit der/dem Lehrer*in auf einzelne Schüler*innen eingehen. Sie geben so eine Räuberleiter – besonders in kritischen Phasen wie beim Übergang von Grundschule in Mittelschule oder Gymnasium. Teach First setzt sich auf diese Weise für Chancengleichheit im Bildungssystem ein.

Der Weihnachtsmann muss warten. Foto: Philine Schlick

Superkraft: Theater

Menschen, die sich als Fellow bewerben möchten, brauchen dazu einen Universitätsabschluss, nachgewiesenes soziales, politisches oder kulturelles Engagement und einen Berufsabschluss oder eine besondere Fähigkeit.

Gregors „Superkraft“ ist Theater. In Hendrik Müller hat er für die Leitung der Theater-AG einen würdigen Partner gefunden: Hendrik hat wie er Theatererfahrung und ist neben seiner Tätigkeit als Schulsozialarbeiter als Schul-Clown an der „Johanna“ tätig.

In Zusammenarbeit mit den Schüler*innen gingen im Herbst 2019 die Vorbereitungen los: Welches Genre soll das neue Stück haben? Wer spielt wen? Den kleinen Darsteller*innen wurden ihre Rollen mit kleinen Anpassungen auf den Leib geschrieben. „Wir hatten jetzt schon die ersten Einzelproben“, berichtet Gregor. Klare Sprache, das Einfühlen in die Rolle, Textbüffeln – viele der Nachwuchstalente aus der ersten und zweiten Klasse machen das nicht zum ersten Mal, sondern sind schon Theater-AG-erfahren.

Erst wird das Textbuch gelesen, dann auswendig gelernt. Foto: Philine Schlick

Die Bühne macht fit für’s Leben

Heute arbeitet die Gruppe zweigeteilt: Während die eine im Bühnenraum Szenen probt, wühlt sich die andere durch den Theater-Fundus. Gebraucht werden Kronen, Besen, Gewänder. Das Märchen erzählt die Geschichte eines Prinzen, der verflucht wird. Kein Recke, Ritter oder Riese kann ihn befreien, sondern nur ein kleines Mädchen. Davon muss das ungläubige Königspaar erst einmal überzeugt werden.

Mit Gregors Hilfe ersteht vor den Augen der Kinder das Stück: An dieser Stelle wird ein Vorhang sein, hier warten die nächsten Darsteller*innen auf ihren Auftritt – ruhig erklärt er den Kindern die Abläufe und bringt ihnen mit Fragen das Schauspiel näher. „Wie siehst du aus, wenn du keine Geduld mehr hast?“ Auf der Bühne sackt der König mit muffeliger Miene zusammen und schaut auf eine unsichtbare Uhr. „Prima!“

Das Königspaar sitzt noch auf den Thronen, da kommt schon die Fundus-Gruppe durch die Tür gepurzelt. Fliegender Wechsel! Nun steht Hendrik mit der zweiten Personal-Hälfte des Stückes auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Gruppensitzung der Theater-AG, in der Wandfolie gespiegelt. Foto: Philine Schlick

Premiere im Februar

Zum Schluss kommt die ganze Gruppe zusammen. Gemeinsam wird im Sitzkreis gegrübelt, wie alle zu kostümieren sind. „Ich habe vielleicht Katzenohren zuhause!“, ruft ein Mädchen. Ein anderes Kind möchte eine Schürze beisteuern – wenn Mama ja sagt, natürlich. Dann flitzen alle aus dem Zimmer.

„Die Kinder lernen hier etwas Essentielles“, wissen Gregor und Hendrik aus Erfahrung. In eine fremde Haut schlüpfen, laut, klar, präsent sein, im wahrsten Sinne des Wortes im Rampenlicht stehen, bilden Empathie und Selbstbewusstsein aus.

In der ersten Februarwoche ist es so weit: Dann hat das moderne Märchen Premiere vor den älteren Schüler*innen und den Eltern. Ein zweites, längeres Stück ist geplant mit der Aussicht, dieses in einem „richtigen“ Theater aufzuführen. Gern auch mehrmals.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Küchen Team geschlossen, Netto schließt, Drahtesel2000 zieht um

eingestellt am 09.01.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Um- und Wegzug bedeutet neue Nachbar*innen. Foto: Philine Schlick

Das neue Jahr bringt für das geschäftliche Klima in der Johannstadt einige Veränderungen. Mit dem Küchen Team verlässt ein traditionsreiches Familienunternehmen das Viertel. Die Netto-Filiale wird vor allem den Bewohner*innen der Seniorenresidenz zum Fehlen kommen. Betroffen von der Schließung auf der Arnoldstraße ist auch das Blumenhaus.

Wer in diesen Tagen den Anschluss des „Küchen Teams“ von der Pfotenhauerstraße 73 wählt, erreicht den Inhaber Oliver Notzon in Mecklenburg-Vorpommern. Telefonisch nimmt er noch Anfragen für Abkäufe entgegen. Sein Geschäft – 20 Jahre am Platz – hat er aufgegeben.

Der Denkmalschutz hat sein Veto gegen die Werbe-Fahne an der Hauswand ausgesprochen. Foto: Philine Schlick

Problem: Keine Kundenparkplätze

Er fühlt sich verprellt: Die Zeiten seien durch Internet und billige Großkonkurrenten ohnehin schwer – durch Auflagen sei ihm seine Situation unhaltbar gemacht worden. „Unser Vormieter hatte vor dem Geschäft eine Anlieferzone gemeldet“, führt Oliver Notzon aus. „Er ist 1990 ausgezogen und es führte kein Weg rein, diese wieder aufzuheben.“

Notzon hätte vor seinem Geschäft Kundenparkplätze gebraucht, da Beratungsgespräche bis zu 1,5 Stunden dauern können. „Durch die Be- und Entladezone konnten meine Kunden sicher sein, einen Strafzettel zu bekommen.“

Die Parksituation erschwert nun auch die Weitervermietung. „Wenn Interessenten hören, dass es hier nur Anwohnerparkplätze gibt und sich die Situation durch die geplante Straßenbahn nicht verbessern wird, erhalte ich Absagen“, so Notzon. Für andere Geschäfte wie z.B. das Aslan-Dönerhaus sei, räumt Notzon ein, sei Lauf- und Radlerpublikum lukrativer. Sein Klientel allerdings wäre auf Parkplätze angewiesen.

Ein weiteres Problem sei, dass der Denkmalschutz ihm seine Außenwerbung untersagt habe. Notzon durfte die Fassade des Hauses, das ihm gehört, nicht farblich gestalten und auch keine Fahnen aufhängen, die auf sein Geschäft aufmerksam gemacht hätten. „Es ist schade. Ich dachte, ich mache das bis zur Rente. Schon die Deutschen Werkstätten Hellerau haben in diesen Räumen Möbel verkauft“, weiß Notzon zu berichten. Wie es für ihn weitergeht, weiß er noch nicht. Nur, dass es nicht in der Johannstadt sein wird.

Das Unternehmen Netto erreichen Kund*innen zukünftig auf der Dürer und der Kaitzer Straße. Foto: Philine Schlick

Netto zieht zum 18.1. aus

Den Beginn hatte der Foto- und Lottoladen Sauer im vergangenen Jahr gemacht, nun zieht der Discounter Netto nach und löst seinen Standort auf der Arnoldstraße 18 zum 18. Januar auf. „Für die Kunden aus der Umgebung werden wir die Nahversorgung durch unsere Netto-Märkte am Tatzberg 8 sowie in der Dürerstraße 51 aufrechterhalten. Wir werden die betroffenen Mitarbeiter weiter in den umliegenden Filialen beschäftigen“, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Zu den Gründen gibt es keine Stellungnahme. Besonders Kund*innen aus der benachbarten Seniorenresidenz zeigen sich geknickt: Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen stellen die weiteren Wege zu Diska oder Konsum/Aldi über Gehwegplatten und Kopfsteinpflaster eine Herausforderung dar.

Im Dezember 2019 erfolgte der Ausverkauf des „Drahtesel2000“. Foto: Philine Schlick

Blumenhaus & Drahtesel2000

Betroffen von dem Umzug ist auch das Blumenhaus. Die Inhaberin war erst vor vier Jahren vom Bönischplatz auf die Arnoldstraße gezogen. „Wäre wieder ein Lebensmittelladen hierher gekommen, wäre ich geblieben“, sagt sie. Die Zukunft der Räume sei jedoch ungewiss, sodass sie sich zu Anfang Februar 2020 einen neuen Standort im Hochhaus Pfotenhauerstraße 5 gesucht hat. Der „Fisch und Käse Basar Zimmermann“ bleibt am gewohnten Platz.

Der Fahrradladen Drahtesel2000 startete bereits vor Weihnachten seinen Ausverkauf „wegen Umzugs.“ Das Wohin bleibt jedoch unklar. Auf eine Nachfrage folgte keine Antwort. Noch sind die Räume nicht restlos leer geräumt, die Türen sind jedoch wie angekündigt geschlossen.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Alles Gute zum Geburtstag, Café Kardamom!

eingestellt am 23.12.2019 von Philine Schlick, Headerbild: Hasan Dibo vom Café Kardamom. Foto: Philine Schlick

Das Café Kardamom auf der Pfotenhauerstraße wird heute zwei Jahre alt. Das ist eine frohe Botschaft, an die sich eine traurige anschließt: Hasan Dibo und seine Geschäftspartnerin Jana Petzold suchen eine neue Lokalität. „Das Geschäft läuft gut“, sagt Hasan. „Aber nicht sehr gut.“ Auf das „sehr“ käme es aber an, wenn es auf Dauer reichen soll.

Vor drei Jahren, Anfang 2017, war das Café Kardamom nichts als eine Idee – auf die zwei Menschen jedoch ganz fest setzten und hinarbeiteten. Jana Petzold und Hasan Dibo wollten sie verwirklichen, die Vorstellung von einem orientalischen Baklava-Bistro. „Wir haben uns Geld von Freunden geborgt“, erinnert sich Hasan. „Und dann haben wir angefangen.“

Zwischen fünf und sechs Kilo fassen die eckigen Bleche. Foto: Philine Schlick

Die Suche nach einem geeigneten Lokal gestaltete sich langwierig. In der Neustadt erhielten die beiden Suchenden keine Antwort, in Friedrichstadt wurden sie nicht fündig, am Postplatz machte ihnen – nachdem mit dem Vermieter alles abgesprochen war – der Brandschutz einen Strich durch die Rechnung. Schließlich landeten die beiden in der Johannstadt. „Wir haben zuerst den Brandschutz gefragt, als wir den Raum gefunden haben“, sagt Hasan lachend.

Irgendwo zwischen Bäcker und Konditor

Als auch die Hygiene ihr OK gab, war es plötzlich da, das Café Kardamom. An die drei Monate dauerte allein die Vorbereitung. Für Firmen hatten Hasan und Jana kein Geld, deshalb strich Hasan die Wände, bezog Stühle mit neuem Stoff, baute die Kühltheke ein.

Baklava zu backen hat Hasan in seiner Heimatstadt Aleppo gelernt. Dort ist die Ausbildung nicht institutionalisiert, sondern personenabhängig. Lehrlinge suchen sich ihren Meister*in und „laufen mit“, bis sie das Handwerk erlernt haben. Bei Hasan dauerte es 1,5 Jahre, bis er die Herstellung des knusprig-süßen Gebäcks beherrschte. „Ich bin irgendwo zwischen Bäcker und Konditor“, sagt er. Einmal, berichtet er, hat er einen Baklava-Kurs gegeben. „Aber 15 Treffen sind nicht genug, um alles beizubringen“, sagt er und lächelt.

Das Café Kardamom bietet auch Kaffee und Tee an. Foto: Philine Schlick

Hasan musste aus Syrien fliehen, wegen des Krieges. Mit Dresden hat er die beste Wahl getroffen, findet er. „Ich war in Dortmund, Berlin und Frankfurt. Ich bin froh, in Dresden zu sein.“ Auch wenn er feststellen musste, dass die bürokratischen Abläufe hier länger dauern als in jeder anderen sächsischen Stadt. Auf seinen Reisepass musste er ein Jahr warten – in Zwickau hätte das nur vier Wochen gedauert, sagt er.

In der neuen Stadt überlegte er, wovon er zukünftig leben sollte. Er begann eine Bäcker-Ausbildung in Leuben, brach jedoch nach vier Monaten ab, weil der verschobene Schlaf/Wach-Rythmus ihn fertig machte. „Warum nicht machen, was ich kann?“, dachte sich Hasan. In Jana fand er eine Mitstreiterin. Nächste Station: Ein eigenes Café.

Blick ins Innere des Café Kardamom. Foto: Philine Schlick

Gut, aber nicht sehr gut

Der Tag der Eröffnung, der 23. Dezember 2017, war aufregend, die erste Zeit schwer als Baklava-Café im Kuchenland. „Deutsche Kunden kaufen ein Stückchen, arabische kiloweise“, macht Hasan die Dimensionen klar.

Hasan kreiert neben Baklava ein syrisches Eis aus Milch, Mascarpone, Mastix-Pistanzie, Orchideen-Aroma und Butter. Im Angebot des Café Kardamom ist auch ein Mittagsmenü: Eintopf aus Foul-Bohnen zum Beispiel, Suppen mit Käse und Spinat oder gefüllte Weinblätter und Teigtaschen.  „Ich lerne immer dazu“, erzählt Hasan.

Die Geschäfte laufen gut, sagt er. Aber nicht sehr gut. Am Monatsende sei über die laufenden Kosten hinaus nicht viel übrig. Deshalb ist ein Plan für 2020, eine neue Adresse zu suchen, näher zum Zentrum hin.

Zwar sei der Standort Pfotenhauerstraße angenehm ruhig, aber das sei eben auch das Problem. Zu wenig Laufkundschaft macht am Kardamom Halt. Darum bedeutet wohl das neue Jahr einen Aufbruch für das Café – gesetzt den Fall, es findet sich ein geeignetes neues Lokal natürlich.

Café Kardamom

  • Pfotenhauerstraße 67
  • geöffnet Montag bis Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag und Feiertag 14 bis 18 Uhr
  • www.kardamom-dresden.de

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Der LeihLaden: Waren ohne Preisschild

eingestellt am 19.12.2019 von Philine Schlick, Headerbild: Katja Hilbert, Sindy Berndt und Bertil Kalex, der für den LeihLaden die Bewerbung übernimmt. Foto: Philine Schlick

Anfang des Monats ist der LeihLaden ein Jahr alt geworden. Der LeihLaden, das sind Sindy Berndt, Katja Hilbert, etliche Helfer*innen und ein Lager, das just von der Dürerstraße in die Pfotenhauerstraße 66 umgezogen ist. Sein Sortiment umfasst 50 Produkte – vom Dörrautomaten bis zum Moskitonetz.

Als 2018 offenbar wurde, dass das Projekt „LeihLaden“ im Rahmen des Zukunftsstadt-Projekts nicht gefördert wird, waren Sindy und Katja schon zu verliebt in die Idee, um sie aufzugeben. „Wir machen das jetzt!“, stand für beide fest. Ohne Fördermittel dann eben in der Low-Budget-Version.

Sehnsucht nach einer Gegenwelt

Doch der Reihe nach: Vor nunmehr sechs Jahren muss es gewesen sein, als Sindy Berndt die Idee durch den Kopf geisterte. „Damals war ich im Veranstaltungsmanagement tätig“, erinnert sie sich. Das bedeutete Kongresse und für diese stets ein neues, schickes Outfit. „Nach einem Kongress gelten schicke Schuhe als abgelaufen. Ich war mittendrin in der Konsumgesellschaft“, sagt Sindy.

Sie sehnte sich nach einer Gegenwelt und erträumte sich einen Laden, in dem die Waren ausgeliehen, nicht verkauft werden. Einen Leihladen! Sie googelte das Wort und stellte fest, dass sie nicht die Erste mit dieser Idee war. In Berlin funktionierte das Konzept bereits. Sie nahm Kontakt auf und tauschte sich aus. Ihr Zutrauen war allerdings gering: „Ich dachte nicht, dass so etwas in Dresden funktioniert.“

Es sollte bis zur „Ladeneröffnung“ tatsächlich noch dauern, bis Sindy im Rahmen ihres Studiums auf Katja Hilbert traf. In einem Seminar sollte eine Projektidee entwickelt werden. Nur welche …? Sindy kramte den LeihLaden wieder hervor und beide gingen mit so viel Esprit ans Werk, dass es schließlich nicht zur Debatte stand, die außergewöhnliche Geschäftsidee wieder in einer Schublade verschwinden zu lassen.

Das Team vom LeihLaden. Foto: Philine Schlick

Laden ohne Laden

2018 war es dann so weit: Der LeihLaden entstand, allerdings ohne Ladenfläche. „Wir hatten ein Lager auf der Dürerstraße. Da ich die ganze Woche dort arbeite, konnte ich für den Verleih immer schnell rüberhuschen“, erzählt Katja. Seit vergangener Woche befindet sich das neue Lager im Keller der Pfotenhauerstraße 66, der Adresse des Büros Nachhaltige Johannstadt 2025.  Dort ist in den Hinterräumen auch ein Regal mit Baby-, Koch-, Campingsutensilien und Werkzeug gefüllt.

Das Sortiment umfasst 50 Artikel. Sein Umfang richtet sich auch nach der Nachfrage. „Wir haben auf Facebook eine Umfrage gestartet, was wir noch anschaffen sollen“, erzählen Katja und Sindy. Seither ist der LeihLaden um den im Herbst begehrten Dörrautomaten, einen Glühweinaufbereiter, eine Sofortbildkamera und einen Einmachtopf reicher. Der erste und in seiner Beliebtheit nicht gesunkene Artikel ist eine Heizplatte. Bald folgt eine Lötstation vom Repaircafé.

Wir sind kein Schrottplatz!

Spenden und Ideen sind jederzeit willkommen im LeihLaden, aber: „Wir sind kein Schrottplatz!“, betonen Sindy und Katja. Ihnen liegt das nachhaltige Konzept am Herzen. Gegenstände auszuleihen richtet sich gegen die Konsumflut, spart Platz in den eigenen Räumlichkeiten und schafft Kontakt. Doch dafür müssen diese intakt und gebrauchsfertig sein.

Kaputt kam bislang noch kein Teil zurück – nur eines verspätet, berichten die Gründerinnen. Die Ausleihdauer wird individuell und sinnhaft abgesprochen. „Ein Lauflernwagen muss natürlich nicht nach zwei Wochen wieder hier sein“, sagt Katja lachend. Um für den Wert der Gegenstände zu sensibilisieren, bezahlen Nutzer*innen eine Kaution. Rück- und Übergabe werden dann abgesprochen.

Neben dem Verleih organisieren die Frauen Workshops zum Thema Nachhaltigkeit. Am 2. Februar findet in der JohannStadthalle ein Nachhaltigkeitsnachmittag statt, wo die Herstellung von Bienenwachstüchern, Kerzenziehen aus Wachsresten und ein Stoffwindel-Workshop stattfinden werden. Vom LeihLaden gehen nicht nur Heizplatten, sondern auch weitergegebenes Wissen aus.

Und was ist der größte Geburtstagswunsch? Ein richtiger Laden natürlich, mit Auslage und Schaufenster – und dafür ganz viele Spenden, sagen Sindy und Katja.

LeihLaden

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.