Wohnhof wird Modellprojekt und bekommt dafür 27.500 Euro

eingestellt am 19.04.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Blick auf die zum teils bereits fertig sanierten Häuser des Wohnhofes. Foto: Philine Schlick

Ein Projekt so groß wie die Häuser, die es miteinander verbinden soll: Knapp 27.500 Euro sprach der Stadtbezirksbeirat am Mittwoch dem Wohnhof Hopfgarten-/Pfotenhauer/Elisenstraße und seiner Nachbarschaftlichkeit zu. Das Konzept entwickelten der Verein Willkommen in Johannstadt, die Vonovia und das Quartiersmanagement gemeinsam mit Bewohner*innen. Am Ende des Jahres steht ein Ziel, das Maßstäbe setzen könnte. 

„Wir haben es hier mit einem äußerst ambitionierten Projekt zu tun“, führte Amtsleiter André Barth das Thema am Mittwoch vor dem Stadtbezirksbeirat ein. „Es ermöglicht uns, dorthin zu gehen, wo es weh tut, und den Zusammenhalt in den teils anonymen Wohnhöfen zu stemmen.“

Die Lange Baustellengeschichte im Wohnhof Pfotenhauer-/Hopfgarten-/Elisenstraße soll 2021 endlich vorbei sein. Foto: Torsten Görg

„Ein Dorf ohne Dorfstruktur“

Edeltraud Haß von Willkommen in Johannstadt stellte das umfangreiche Konzept vor, dessen dritte Umsetzungsphase zwischen April und Dezember 2021 mit rund 27.500 Euro gefördert wird. Das entspricht 77 Prozent der Kosten. Die restlichen 23 Prozent trägt die Vonovia.

Es begann schon 2019, mit gemeinsamen Frust und Ärger. Eine Umfrage, durchgeführt vom Kernteam Anne Richter, Gabriele Feyler und Muawia Dafir, sammelte die Meinungen und Eindrücke von 56 Personen aus 15 Nationen.

Gabriele Feyler und Anne Richter stellen die Ergebnisse ihrer Umfrage im Wohnhof Pfotenhauer-/Elisen- und Hopfgartenstraße bei der Stadtteilbeiratssitzung vor. Foto: Philine Schlick

Diese erste Phase machte klar: Die rund 2200 Bewohner*innen aus 28 Hauseingängen teilten dieselben Sorgen: Lärm, Vandalismus, Müll, Vereinsamung. In einem moderierten Workshop im Juli 2019 sprach man sich aus, entdeckte gemeinsame Ambitionen und Interessen.

Arbeitsgemeinschaften wurden gegründet: ein Müttertreff, ein Seniorenkreis, ein Team zur Begrünung des Innenhofes, die Organisation des Hopfgartenfestes. Insgesamt sieben Gruppen fanden sich zusammen. Ein Hoffest wurde – wie das Bundschuhstraßenfest – im sintflutartigen Regen an diesem Wochenende weggespült. Doch das Ziel ging nicht unter: Die Lebensqualität in dem „Dorf ohne Dorfstruktur“, wie es Edeltraud Haß bezeichnete, soll besser werden.

Die Hausversammlung als Plenum

Phase drei des Projektes sieht nun die Begleitung der einzelnen Arbeitsgruppen vor. Die Initiative der Bewohner*innen zu unterstützen ist das Bestreben, stellt Edeltraud Haß klar. Was sich regt und gedeiht im Wohnhof soll in Social Media-Kanälen und auf der Webseite der Vonovia dokumentiert und präsentiert werden.

Als erster Knoten- und Sammelpunkt von Wünschen und Interessen ist in jedem Haus eine Hausversammlung mit eine*r Sprecher*in angedacht. Diese*r ist gemeinsam mit einer*m Stellvertreter*in Anlaufstelle für Anliegen und Kummer der jeweiligen Nachbar*innen und Mittler*in zwischen Bewohnerschaft und Vonovia.

Insgesamt 28 Hausversammlungen werden mit einem Konzept auf den Weg geschickt, begleitet und moderiert. Nach einer Pilotphase von drei Versammlungen soll das Konzept nach Bedarf angepasst werden.

Fokus auf der Arbeit der Kulturmittler*innen

Ein Schwerpunkt des Konzeptes zur Nachbarschaftlichkeit im Wohnhof sind die Posten der Kulturmittler*innen. Sie sollen als Schnittstelle fungieren, denn das Leben in den Häusern zeichnet sich durch eine hohe kulturelle Diversität aus.

Vier halbtägige Workshops bereiten die Interessierten vor. Sechs bis acht Menschen unterschiedlicher Muttersprache bilden so ein Team und werden bei ihren Aufgaben vom Verein begleitet.

Lidia Sieniuta ist Vertreterin der Vonovia und Unterstützerin des Wohnhofprojekts Foto: Torsten Görg

Ein Wohnhofbeirat entsteht

Am Ende des Jahres steht ein echtes Novum: Im Dezember soll aufbauend auf der vorangegangenen Vernetzungsarbeit ein Wohnhofbeirat aufgestellt werden. Er bildet sich aus den Haussprecher*innen der 28 Eingänge und steht für die Bedürfnisse und Anliegen der Bewohnerschaft ein. In kühlen Zahlen ausgedrückt: 15 Prozent, also etwa 330 Bewohner*innen des Wohnhofes, gilt es, bis zum Jahresende zu aktivieren.

Die neue Instanz setzt die Reihe über Stadtteilbeirat, Stadtbezirksbeirat bis hin zum Stadtrat fort und soll perspektivisch auch über eigene Gelder für Projekte im Wohnhof entscheiden.

Im Tandem für Eltern-Kind-Treffs Foto: Torsten Görg

Zur Koordination des gesamten Anliegens wird eine Steuergruppe mit Repräsentant*innen von Vonovia, Stadtbezirksbeirat, Sozial- und Jugendamt, Bürgermeister und Bewohnerschaft einberufen.

Das Projekt hat Modellcharakter. Es ist einzigartig in seiner Konzeption und soll als „Methodenkoffer“ anderen Wohngebieten in Dresden als Erfahrungsschatz dienen.

Mitsprache und Verständigungsbedarfkommen zu Wort auf der Projektwerkstatt zum Wohnhof Foto: Torsten Görg

Zustimmung aus dem Stadtbezirksbeirat

Deutlicher Kritik zu den Dimensionen des Projektes entgegnete Matthias Kunert vom Quartiersmanagement: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Wir haben die Chance, hier ein Konzept mit den Bewohner*innen zu entwickeln.“ Er verwies darauf, dass das Projekt jetzt bewusst größer geplant worden sei, weil die Vorgängerprojekte gezeigt hätten, dass es in einem so großen Wohnhof anders nicht gelingen kann, in die Breite und Tiefe des Wohnhofs vorzudringen.

Martina Pansa von der Vonovia pflichtete bei: „Die Initiative muss aus den Menschen kommen.“

Etliche Beirät*innen hoben die Hand zur Wortmeldung, um ihre Bewunderung, ihren Dank oder Glückwünsche auszusprechen. Entsprechend dieser Befürwortungen gingen bei der Abstimmung 14 von 17 grünen Ja-Schilder nach oben.

Der Wohnhof Hopfgarten-/Pfotenhauer-/Elisenstraße

Neue Straßen, neue Namen: Lili Elbe und Lea Grundig setzen sich durch

eingestellt am 15.04.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Die "ehemalige Stephanienstraße" soll einen klangvolleren Namen erhalten. Foto: Philine Schlick

In der Johannstadt entstehen zwei neue Straßen, die einen Namen brauchen. Bürger*innen beteiligten sich mit Vorschlägen an der Benennung. Am Mittwoch stimmte der Stadtbezirksbeirat darüber ab, welche Namen weiterkommen. Ein Bürgervorschlag setzte sich durch – er würdigt eine der bekanntesten Transgender-Frauen Europas. 

Am Mittwoch hat der Stadtbezirksbeirat über die Namen zweier neuer Straßen in der Johannstadt abgestimmt.

Zum einen ging es um die Verlängerung der Pfeifferhannsstraße über das Brachgelände bis zur Gerokstraße. Zum anderen um die verlängerte Elisenstraße, also die Verbindung zwischen Florian-Geyer-Straße und Käthe-Kollwitz-Ufer entlang des Geländes, an dem die WiD ein zweites Haus bauen wird.

Blick auf den Planweg verlängerte Elisenstraße in Richtung Käthe-Kollwitz-Ufer. Foto: Philine Schlick

Das Quartiersmanagement Johannstadt hatte in letzter Minute eine Bürgerbeteiligung angeregt.

Von Rolf Hoppe- bis Plattenwerkstraße

Vielfältig waren die Ideen, die beim Stadtbezirksamt eingingen. Erna Lincke, Hilde Rakebrand, Sabine Ball, König Johann, Rolf Hoppe, Ida von Lüttichau, Otto Ernst Faber, aber auch die Schokolade an sich oder das Plattenwerk wurden als Namenspatronen erwogen. Einige der Vorgeschlagenen waren noch nicht länger als fünf Jahre verstorben – das war aber als Bedingung zur Einreichung festgelegt. Andere erwiesen sich aufgrund ihres umfangreichen Namens als schwierig, weil entsprechende Straßenschilder überlang ausfallen würden. Bei wiederum anderen attestierte das Amt fehlenden Dresden-Bezug.

Die Benennung nach den vorhandenen Straßen wurde als verwirrend befürchtet, da beide nicht durchgängig sind. Das könne zu Problemen bei der modernen Navigation führen, argumentierte Amtsleiter André Barth. Besonders Zustelldienste könnten davon betroffen sein.

Bruno Clauß von Lili Elbe überstimmt

Das Stadtbezirksamt präsentierte den Beirät*innen zwei Favoriten. Für die verlängerte Elisenstraße war das Lea Grundig, für die verlängerte Pfeifferhannsstraße Bruno Clauß. Die Entscheidung lag aber letztendlich beim Beirat, der sich mit beiden nicht gleich einverstanden zeigte. Es wurden Änderungsanträge eingereicht, über die direkt abgestimmt wurde.

Während Lea Grundig sich bei der Abstimmung behaupten konnte, wurde Bruno Clauß, Erfinder der Blockschokolade und Gründer der Schoko-Fabrik, abgewählt. Auch Erna Lincke hatte das Nachsehen. Die meisten grünen Zettel gingen für Lili Elbe nach oben. Marko Beger (FDP) hatte sich mit seinem Änderungsantrag für sie stark gemacht.

Andrea Schubert (Grüne) sprach sich im Zuge der Debatte deutlich auch in Zukunft für eine Beteiligung von Bürger*innen bei der Wahl von Straßennamen aus.

Zwei Frauennamen für die Johannstadt

Zwei Frauennamen gehen also für die Johannstadt ins Rennen. Die Idee, Lili Elbe als Namenspatronin zu wählen, hatten Bastian und seine Mitbewohnerin aus der Johannstadt:

„Die Johannstadt ist ein aufblühender Teil Dresdens und am Puls der Zeit, warum nicht auch an diesem Puls? In Amerika werden die ersten Transmenschen Teil des Abgeordnetenhauses und des Senats. Bis wir in Deutschland oder Sachsen soweit sind, müssen wir sicherlich noch ein paar Tage warten, aber wir können trotzdem schon einen politischen Schritt gehen und die erste Straße in Deutschland nach einer queeren Persönlichkeit benennen“, warben sie.

Das Grab von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof. Foto: Philine Schlick

Lili Elbe gilt als eine der bekanntesten Transgender-Persönlichkeiten Europas. Ihr Leben dient dem Film und dem Buch „The Danish Girl“ als Vorlage. Geboren wurde sie am 28.Dezember 1889 in Dänemark als Einar Wegener. Sie starb am 12.September 1931 an den Folgen ihrer vierten und letzten geschlechtsangleichender Operation in Dresden, wo sie auf dem Trinitatisfriedhof begraben liegt.

Lea Grundig war eine jüdische Künstlerin, die sich in ihrem Schaffen für mehr Humanität einsetzte. Am 23. März 1906 in Dresden geboren, musste sie ihre Heimatstadt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen. Als Jüdin und Kommunistin wurde sie verfolgt und inhaftiert. Sie ging ins Exil nach Palästina und kehrte erst knapp ein Jahrzehnt später wieder nach Dresden zurück, wo sie die erste Professorin für Grafik und Malerei an der HfBK wurde. Ihr Mann war Hans Grundig. Sie starb am 10. Oktober 1977 bei einer Mittelmeerreise und liegt auf dem Heidefriedhof begraben.

Das Ergebnis der Abstimmung wird jetzt dem Geo- und Katasteramt zur Prüfung vorgelegt. Die endgültige Entscheidung über die Namen der neuen Straßen liegt beim Stadtrat.

Stadtbezirksbeirat Altstadt/Johannstadt

Noch zweimal: Sommer-Kino unter freiem Himmel im Johanngarten

eingestellt am 18.08.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Im Johanngarten flimmern immer mittwochs Filme für Jugendliche. Foto: Plattenwechsel

Im Rahmen der jährlichen Sommerferienaktion „Johannstars“ werden im Johanngarten jeden Mittwoch Filme für junge Menschen ab 16 Jahren gezeigt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Nach der Krise locken frische Luft und Kultur ganz besonders. Im Sommerkino unter freiem Himmel im Johanngarten an der Hopfgartenstraße kann beides verbunden werden. Jeden Mittwoch ab 20 Uhr wird ein Film gezeigt, der sich besonders an Jugendliche ab 16 Jahren richtet. Noch zweimal findet das Event dieses Sommer statt.

Luisa Kolb von Streetwork City: „Das Sommerkino wurde bisher sehr gut angenommen, an jedem Mittwochabend waren ca. 30 Zuschauer*innen vor Ort.“

Der Eintritt ist frei, zudem gibt es ab ca. 19 Uhr kostenlos Popcorn. Eigene Sitzgelegenheiten können gern mitgebracht werden.

Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt von Streetwork City, Jugendhaus Eule, Jugendzentrum Trini, Wir sind Paten, DRK YoCo und Johannstädter Kulturtreff. Das Sommerkino ist Teil der jährlich stattfinden Sommerferienaktion Johannstars und wird finnanziert von Utopolis – Soziokultur im Quartier.

Sommerkino im Johanngarten

  • 19. August: „Der Junge und die Wildgänse“, FR/NOR 2019
  • 26. August: „Homevideo“, D 2011

Güntzareal: Erste Läden geöffnet, erste Wohnungen bezugsfertig

eingestellt am 15.05.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Die Bauarbeiten am "Quartier der Generationen" sind nahezu abgeschlossen. Foto: Philine Schlick

Seit Donnerstag regt es sich im neu gebauten „Quartier der Generationen“ auf dem Güntzareal. Die Ketten Rewe und Rossmann haben je eine Filiale im Hof der Häuserschluchten eröffnet. Die ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe berichtet in ihrer Pressemitteilung, das Projekt sei nahezu komplett fertig gestellt.

Noch liegen Maschinendröhnen und Staub in der Luft, doch der Großteil der riesigen Baustelle Güntzareal ist laut ZBI Gruppe fertig gestellt. Auf einer Gesamtmietfläche von 19.720 Quadratmetern sind seit Anfang Mai 2020 die ersten Wohnungen bezugsfertig.

Friseur, Schwerdtner, TUI, …

Insgesamt sind 211 familien- und seniorengerechte Wohneinheiten mit zwei bis fünf Zimmern sowie 137 möblierten Mikroapartments für Student*innen und Geschäftstätige mit einer Größe von 24 bis 120 Quadratmetern entstanden. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse. Eine quartiereigene Tiefgarage bietet 388 Stellplätze für Fahrräder und Pkw, darunter sind 100 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Blick auf die am Donnerstag eröffneten Filialen von Rewe und Rossmann. Foto: Philine Schlick
Blick auf die am Donnerstag eröffneten Filialen von Rewe und Rossmann. Foto: Philine Schlick

Sparkasse wurde erweitert

Platz bieten die acht Neubauten auf dem Areal zwischen Elsasser, Elisenstraße und Gerokstraße auch für Gewerbeflächen. 8180 Quadratmeter stehen dafür zur Verfügung, darunter zwei Gastronomien und mehrere großflächige Büroeinheiten. Zudem ist eine Apotheke und ein Friseursalon vorgesehen. Eingemietet ist außerdem die Bäckerei Schwerdtner mit einer Filiale und ein Reisebüro von TUI.

„Ein architektonisches Highlight ist das im Innenhof liegende Hochplateau“, so Barbara Krönig von der Unternehmenskommunikation. In Kombination mit den öffentlich zugänglichen Freiflächen schaffe es eine offene und urbane Lebensqualität.

Die ansässige Sparkasse hat ihren Hauptsitz entlang der Gerokstraße mit einem etwa 70 Meter langen Neubau erweitert.

Die ZBI Gruppe hat das Projekt umgesetzt. Die Firma gilt laut eigener Aussage als führender Spezialist für deutsche Wohnimmobilien. Aktuell werden rund 61.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten in Deutschland und Luxemburg von der Unternehmensgruppe verwaltet, das bislang realisierte Transaktionsvolumen liegt bei rund 10,6 Milliarden Euro.

Seit 2017 ist die ZBI Gruppe strategischer Partner der Union Investment.