Container-Kiosk : Auftakt zur Ortserkundung auf dem Grundstücksgelände fürs neue Stadtteilhaus

eingestellt am 15.07.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Eine mobile Anlaufstelle in Gestalt des Kunst-Container-Kiosks eröffnet auf dem zukünftigen Stadtteilhaus-Gelände Foto: Anja Hilgert

Am Samstag startet die soziokulturelle Aktionswoche des UTOPOLIS-Projektes, mit dem der Johannstädter Kulturtreff eine erste Annäherung unternimmt an den in drei Jahren anstehenden Umzug und Ortswechsel ins zukünftige neue Stadtteilhaus der Johannstadt, das im Entwurf der Dresdner AKL Architektenkooperation L10 & Jordan Balzer Schubert Architekten  öffentlich vorliegt. Ein temporärer Container-Kiosk erteilt Auskunft und eröffnet einen Raum für Anregungen, Angebote und Interessen.

   

Kleiner, mobiler Informations- und Ausstellungs- Kiosk

Beschattet unter Bäumen, im Übergang von Parkplatz zu Grünfläche steht ein kleiner, schon etwas in die Jahre gekommener Container auf dem Grundstück für das neue Stadtteilhaus an der Pfeifferhannsstraße. Er steht dort noch wartend, wie abgestellt. Seine Tür ist vorerst noch verschlossen und wenn man durchs Fenster reinschaut, befindet sich nichts in seinem Inneren. Lediglich an der Schauseite zur offenen Grünfläche hin sind Plakate an die Außenwände angebracht: Grundrisszeichnungen des neu entworfenen Stadtteilhauses, das in etwa vier Jahren hier einmal stehen soll. Und die Einladung, darüber in Aktion zu treten.

 

Lageplan und Grundriss Erdgeschoss des neuen Stadtteilhauses (Quelle: AKL | L10 und Jordan Balzer Schubert Architekten)
Grundriss Obergeschoss des neuen Stadtteilhauses (Quelle: AKL | L10 und Jordan Balzer Schubert Architekten)

Akrobatik beim Aufstellen des Containers

Die Ankunft des Containers war ein akrobatisches Schaustück. Wie so oft im Leben, reichten die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen nicht aus, um einen einwandfreien Ablauf zu garantieren: Das vorübergehende Parkverbot auf den Stellplätzen vor der Zuliefereinfahrt wurde glücklicherweise eingehalten, doch da, wo gar kein ordnungsgemäßer Parkplatz ausgewiesen ist, war ein kleines orangerotes Auto abgestellt und versperrte dem anliefernden LKW geradewegs die Zufahrt zum Grundstücksgelände.

Umdenken war angesagt. Der erste Schritt aufs neue Gelände des zukünftigen Stadtteilhauses musste über das starrsinnig parkende Auto hinweg mit einem Kran erfolgen. Der hob den Container durch die Luft und unter der Baumkrone hindurch, so dass dieser von oben auf dem neuen Baugrund landete. Ein kurzes Ausbalancieren von Hand mit der Wasserwaage und einigen untergeschobenen Platten sorgte fürs nötige Gleichgewicht. Das hinderliche kleine Auto steht seither unbewegt als Dauerparkfahrzeug auf der rückwärtigen Seite und tut weiter so als sei nichts gewesen.

 

Ein übrig gebliebenes, unbewegbares Fahrzeug in der Zufahrt Foto: Anja Hilgert
Neuer Anlauf für die Anlieferung Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

Gut gesicherter Schwebezustand Foto: Anja Hilgert

 

Ausfahren des verlängerten Arms Foto: Anja Hilgert

Handhabe mit Feingefühl Foto: Anja Hilgert
Alles in Waage Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

Die Kunst der Ortserkundung

Der Container-Kiosk ist ein künstlerisch installierter Ort.
Er hat keinen festen vorbestimmten Zweck, sondern gibt eine Form und versammelt, was vor Ort da ist. Er dient mit seinem Dasein dieses Ortes, an dem er steht. Jetzt ist es die Park- und Grünfläche der Johannstädter Pfeifferhannsstraße, die für den Stadtteil jetzt von allgemeinem Interesse ist, da das Stadtteilhaus dort gebaut werden wird.

Der Container heisst „mobiler Informations- und Ausstellungskiosk“ und wurde im Jahrtausendwendejahr von den beiden Künstler*innen Adam Page und Eva Hertzsch entwickelt. Vor also bereits 20 Jahren schufen sie damit künstlerisch eine Anlaufstelle für solche Orte im öffentlichen Raum, wo Auseinandersetzungen, Diskussionen und Konfrontationen zu Stadtentwicklung, Zukunftsthemen und alternativen Handlungsformen geführt werden konnten.

Der Container stand in seiner bisherigen Lebenszeit bereits an vielen Orten vom Zentrum bis zum Rand der Stadt Dresden, auch im weiteren Umfeld bis Görlitz. In den 2000er-Jahren der Dresdner Stadterneuerung waren es Brennpunkte wie der Altmarkt, die Königsbrückerstraße, die Prager Straße, Prohils, der Postplatz, die Schauplätze strittiger stadtplanerischer Auseinandersetzungen waren. Geführt wurden sie mit hoher bürgerschaftlicher Beteiligung.

Für ein Jahr vor Ort im Gelände

Der Container wirkt wie eine Zentrale. Er steht dafür bereit, von der breiten Öffentlichkeit, durch Anwohner*innen, Neugierige und Passanten, genutzt zu werden. Er bringt eine Chance, die Aufmerksamkeit zu lenken und Menschen einzubeziehen: „Wenn etwas passiert und eine Erwartung da ist, – schon ab dem Moment bringt man etwas in Bewegung und schafft eine Schnittstelle für Gemeinsames“, berichtet Eva Hertzsch aus ihrer Erfahrung.

Alle stattfindenden Begegnungen, Gespräche, Aktivitäten während der Standzeit des Containers tragen dazu bei, mehr und mehr sichtbar und erlebbar zu machen, welche Themen mit Blick auf den betreffenden Ort wirklich relevant und wichtig sind – für das Zusammenleben, das gesellschaftliche Miteinander vor Ort. „Als Künstler*innen sind wir privilegiert, wir können losgehen und solche öffentlichen Dinge widerspiegeln, die sonst im Stadtraum unbesehen vollzogen werden“, sagt Eva Hertzsch.

Der Container ankert mit einer Sondernutzungsgenehmigung für ein Jahr lang an der Stelle, wo das Stadtteilhaus für die Johannstadt gebaut werden wird. Die Bewohner*innen des Stadtteils können ihre damit verbundenen Anregungen an den Ort herantragen. Der Container-Kiosk ist da. Er wird in dem Jahr, in dem die Fläche noch unberührt bleibt, an Ort und Stelle sein und kann mit allem bespielt und gefüllt werden, wofür Bewohner*innen Interesse und Ideen aufbringen: „Da kann man das anbringen, was einem am Herzen liegt“, ermuntert die Künstlerin.

 

Perspektivwechsel fürs Stadtteilhaus

Plattenwechsel.Wir in Aktion heisst die Programmreihe, mit der Projektleiterin Meike Weid in Kooperation mit stadt:wirken GbR den Fokus aufs Stadtteilhaus legt.  Eine Woche lang sind  Um- und Anwohnende eingeladen, kennenzulernen, auszuprobieren, einzubringen, mitzugestalten, welche Reichweite und welche Rolle das neue Haus für den Stadtteil und seine Bewohner*innen spielen kann.

Somit dient die Aktionswoche einer regelrechten Bedarfsanalyse des Johannstädter Kulturtreff, der als etabliertes soziokulturelles Zentrum für die anstehende Zukunft im Stadtteil wissen will, was Interessen und Bedürfnisse seines Zielpublikums sind.

Eine Woche sommerlicher Aktionsraum

Eine sommerliche Woche lang ist Raum: Zum Verweilen, zum Schauen, Nachfragen, zum Reden und Zuhören, zum Vernetzen und Verbinden, zum Kontaktaufnehmen, Pläneschmieden, Teilen, Entwickeln neuer Ideen, Gedanken und Aktionen.

Das Programm ist mit Bedacht nicht lückenlos gefüllt, sondern soll über die sieben Tage frei erweitert und zusätzlich bespielt werden, sobald sich jemand findet und einen zusätzlichen Programmpunkt oder ein weiteres Angebot schafft: Ob Mosaik-Workshop, Improvisationstheater, Tai Chi, Qi-Gong und Schwertkampfkunst oder Singen, Stricken, Upcycling und Songwriting – die Aktionswoche ist eine riesengroße Einladung an jedes Alter, einen Schritt zu wagen, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben und Freude an Neuem zu haben.

Ob beim Schachturnier oder beim “speed dating” mit dem Verein oder der Initiative Deiner Wahl – es sind Ansprechpartner*innen andauernd vor Ort und viele Andere, Unbekannte, die dazu kommen. Der Raum ist offen. Es entsteht Neues.

…alles im Programm ist regelmäßig unterfüttert und versorgt von gemütlichen und genussreichen täglichen Kaffeezeiten. Sitzmöglichkeiten sind reichlich vorhanden. Der Zugang ist barrierefrei und offen für alle.

Am Sonnabend öffnen sich Tür und Fenster des Containers für gelebte Johannstädter Stadtteilkultur.

 

Weitere Informationen

 

 

Was lokale Partizipation bedeutet – oder : Den ganzen Stadtteil lesen auf johannstadt.de

eingestellt am 06.07.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Die richtigen Worte im rechten Moment zu finden, ist die Kunst der Verständigung. Darin übt sich die Stadtteilredaktion in ihrem Projekt eines Stadtteilmagazins für die Johannstadt Foto: Anja Hilgert

 

Die Johannstadt hat Einiges, was nicht jeder Stadtteil Dresdens hat.
In der jüngsten Vergangenheit wurden neuartige Verbindungen hergestellt, die den Stadtteil als gemeinsamen Bezug haben: Stadtteilplattform, Stadtteilverein, Stadtteilladen, Stadtteilbeirat, Stadtteilfonds und Stadtteilredaktion sind Neugründungen in der Johannstadt, bei denen der Stadtteil im Zentrum steht als gestaltbarer Identifikationsraum der Menschen, die hier leben und arbeiten.

Für viele Bewohner*innen der Johannstadt ist das lokal gestaltete Stadtteilmagazin eine feste Bezugsquelle für Nachrichten direkt aus dem unmittelbaren Lebensumfeld.
Ein nun neu installierter Spendenknopf auf der Stadtteilseite johannstadt.de gibt Anlass und Motivation, einmal den Werdegang und die Zusammenhänge vor, mit und hinter der in Johannstadt tätigen Stadtteilredaktion zu beleuchten.

Zwei Stränge für den Stadtteil

Wie zwei Stränge derselben Sache besteht das Stadtteilmagazin für die Johannstadt
einmal aus einem digitalen tagesaktuellen Onlinemagazin auf johannstadt.de,
einem Projekt des Stadtteilvereins Johannstadt e.V. und darüber hinaus in Form der ZEILE aus einer zweimal jährlich erscheinenden Druckausgabe – einer Kooperation der Online-Redaktion mit dem Projekt UTOPOLIS des Johannstädter Kulturtreffs e.V.

Großformatig kündigten die Dresdner Neusten Nachrichten (DNN) am 16. Juni 2021 die zweite Ausgabe der ZEILE an und verhalfen dem gesamten Stadtteilmagazin dadurch zu weiterer Bekanntheit in der Johannstadt und über ihre Grenzen hinaus. Doch, um dem innovativen Anspruch des Teams hinter den Kulissen von johannstadt.de und ZEILE gerecht zu werden, verlangt die positiv motivierte Darstellung auf den Lokalseiten der Zeitung auch nach einer Klarstellung.

Geburtsstunde einer Stadtteilredaktion in Johannstadt

Zunächst geht es um die Stadtteilredaktion. Sie ist ins Leben gerufen worden durch Philine Schlick, die Ende 2019 ihre Sinne an der rechten Stelle offen hatte, um zu hören, dass aus dem Umkreis des Stadtteilvereins Johannstadt und des Quartiersmanagements Nördliche Johannstadt immer wieder die Rede auf den Wunsch nach einem Magazin fürs Viertel gekommen war.

 

Stadtteilrelevante Nachrichten für die Johannstadt gebündelt auf johannstadt.de. Foto: Anja Hilgert



Als Journalistin und freie Autorin brachte sie genügend gesammelte Erfahrung und auch reichlich selbstmotivierte Neugier mit, um das Begehr in die Tat umzusetzen: Das Onlinemagazin johannstadt.de wurde geboren. Hier wird berichtet, referiert und informiert über stadtteileigene Ereignisse, Aktivitäten, Neuerungen und es bietet Raum für bewegende Geschichten von Menschen und Orten in der Johannstadt, die die Bewohner*innen untereinander und mit ihrem Stadtteil vernetzen.

 

Draufsicht,  ….
Details….

 

 

 

 

 

 

und der Blick hinter die Kulissen stehen im Blick der Stadtteilredaktion
Fotos: Anja Hilgert
Hintergründe…. © Feuerwehr Dresden

 

 

 

 

 

 

 

Das Magazin folgt der Idee, eine informative Plattform zu sein für Mitteilung, Austausch und Diskurs von und für Menschen in der Johannstadt.

Die Umsetzung wurde möglich durch einen Projektantrag bei dem im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden eingerichteten Stadtteilfonds.
Dieser Fonds städtischer und gestifteter Gelder wird vom Stadtteilverein Johannstadt e.V. verwaltet, um motivierten Bürger*innen und Einrichtungen zur Verwirklichung eigener nachhaltiger Projekte für mehr Lebensqualität in der Johannstadt eine finanzielle Unterstützung an die Hand zu geben. Wer Geld für seine Idee bekommt, entscheidet der demokratisch organisierte Stadtteilbeirat, so auch im Fall der Förderanträge der Stadtteilredaktion im Herbst 2019 und für das Folgejahr 2020.

 

Der Stadtteil schreibt ZEILE

Als im Mai 2020 die Stadtteilplattform qm-johannstadt.de vom Quartiersmanagement Nördliche Johannstadt in die Trägerschaft des Stadtteilvereins Johannstadt überging und zu johannstadt.de wurde, war die Stadtteilredaktion bereits fest im Sattel. 

Seit Herbst des Vorjahres war Anja Hilgert als zweite feste Schreiberin zur Redaktion dazugestoßen. Ein damals von Anwohner*innen organisiertes und ebenfalls vom Stadtteilbeirat gefördertes Hofflohmarkt-Fest im Hinterhof der Tenza-Schmiede war für sie zur ersten Berichterstattung geworden, die das weitere Engagement für johannstadt.de ins Rollen brachte. 

Eine im Frühjahr 2020 folgende Begegnung im Rahmen der Infoveranstaltung zur Sozialen Stadt Nördliche Johannstadt mit Meike Weid als Projektleiterin von UTOPOLIS beim Johannstädter Kulturtreff e.V. begeisterte die Kunstwissenschaftlerin für das Vorhaben, Soziokultur im Stadtteil mithilfe künstlerischer Formate zu fördern. Sie erklärte sich bereit, an der Realisierung einer Printausgabe des Stadtteilmagazins mitzuarbeiten.

In dieser Schnittmenge kam es zum Handschlag für das gemeinsame Printmagazin, vorerst für die Nördliche Johannstadt: Als Förderprojekt im Rahmen von UTOPOLIS wurde die ZEILE selbst ein Beitrag zu Begegnung, Austausch und Partizipation im sozialen und kulturellen Stadtteilleben der Johannstadt, ein Mitmach-Format, in dem der Stadtteil selbst seine vielfältige(n) Geschicht(n) schreibt. 

 

 

Das Stadtteilmagazin ZEILE landete im Dezember 2020 in der Johannstadt Foto: Anja Hilgert
Das Cover der aktuellen Zeile im Dezember 2020. Foto: Anja Hilgert
Das Cover der Erstausgabe im Dezember 2020. Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

 

 

Das für drei Jahre gebahnte Förderprojekt macht den Johannstädter Kulturtreff e.V. zum Herausgeber des zweimal jährlich erscheinenden und rund 44 Seiten umfassenden Stadtteilmagazins ZEILE. Umgesetzt wird das Projekt aufbauend auf johannstadt.de.

Die Stadtteilredaktion übernimmt die Sichtung der Inhalte, die ihrerseits direkt aus der Beteiligung von Menschen im Stadtteil stammen und so Ausschnitte aus dem täglichen Stadtteilleben spannend und informativ wiedergeben.
Geschrieben, gezeichnet, bebildert, geteilt von Johannstädter*innen für Johannstädter*innen. Wer mitmachen will, ist jederzeit herzlich willkommen!

 

Die aktuelle zweite Ausgabe der ZEILE liegt im Stadtteil kostenfrei erhältlich aus Foto: Anja Hilgert

 

Ein Teil gegenwärtigen Lebens in diesem Teil der Stadt sein

Sowohl johannstadt.de als auch die ZEILE leben von vielfältigem überwiegend ehrenamtlichem, freiwilligem, beherztem Engagement, das sich über mehrere Hände und verschiedene Köpfe verteilt.

Es ist nicht Luxus, wie manche munkelnd mutmaßen, der zu diesem Engagement antreibt. Die, die hier beteiligt sind, sind quer über den Stadtteil verteilt und als Menschen sowohl altersmäßig als auch familiär, kulturell, sozial und letztlich finanziell sehr unterschiedlich aufgestellt: Freiberuflich, pensioniert, Minijob, prekär angestellt, Vollverdienst, Festanstellung, Familienleben, soloselbständig, alleinstehend, geschieden, verheiratet, älter, jünger, schon immer Johannstadt oder erst seit ein paar Jahren, alteingesessen oder zugezogen – es regiert hier kein allgemeines Maß.
Was uns in aller Verschiedenheit miteinander verbindet, ist das Verständnis, gegenwärtig ein Teil des Lebens in diesem Teil der Stadt zu sein. 

Die Begriffe Chef und Chefin kommen in diesem Modell miteinander bewerkstelligter Zusammenarbeit nicht vor. Das vernetzte Ganze entsteht in seiner Vitalität erst durch alle Teile. Deshalb wirbt die Stadtteilredaktion immer weiter für Mitschreibende, die das Ganze, ob online oder in gedruckter Version, mitgestalten möchten: Das macht die Vielfalt, den Variantenreichtum, die Beweglichkeit, die Andersartigkeit, die Überraschungen und spontanen Einfälle aus, die Zeile für Zeile aufs Neue entstehen.

 

Schönheit, …
Erlebnis, …
Besonderheit, …
Zusammenhalt … sind Aspekte im nachbarschaftlichen Entdecken des Stadtteils Fotos: Anja Hilgert

Netzwerk und die Teile eines Ganzen

Die Stadtteilredaktion ist ein offenes Projekt bürgerschaftlichen Engagements: Für ein aktives, inklusives und partizipatives Stadtteilleben, das möglichst allen Johannstädter*innen ein Forum sein will für Information und Austausch, des gegenseitigen Respekts und offener Begegnungen. 

Lebens- und Schaffensfreude sind ein Antrieb, sich den eigenen Stadtteil schreibend erfahrbar zu machen.  Dieser aus unterschiedlichen Perspektiven erschriebene und beschriebene Stadtteil stellt sich repräsentativ in den Stadtteilmedien johannstadt.de und ZEILE dar.

Insbesondere durch die vom Quartiersmanagement vorbereitete gute Vernetzung zu Akteuren, Initiativen, Zirkeln, Kreisen, Runden und Privatpersonen im Stadtteil konnten Online- und Printmagazin bereits im ersten Jahr ihres Bestehens gut Fuß fassen. 

Das Quartiersmanagement Nördliche Johannstadt, das die Internetseite für die Johannstadt ins Leben gebracht und strukturiert hat, bestückte die Stadtteilplattform von 2015 bis zum Zeitpunkt der Übertragung mit regelmäßigen Veröffentlichungen. Die zu einem eigenen Archiv angewachsenen Inhalte in den angelegten Rubriken für Veranstaltungen, Angebote, Menschen, Orte wurden vom Stadtteilverein übernommen und von der Stadtteilredaktion durch einen nahezu täglich aktualisierten Blog über das Stadtteilleben erweitert. 

Damit soll über die absehbar endende Soziale-Stadt-Förderperiode und über den Wirkungsbereich des Soziale Stadt-Fördergebietes Nördliche Johannstadt hinaus ein lokales Informationsmedium für den ganzen Stadtteil etabliert werden.

Die im Grunde noch junge, doch dank der Vielfalt der Mitwirkenden bereits erfahrene Stadtteilredaktion liefert auf professionellem journalistischen Niveau informative, sachliche wie lebensalltägliche Berichterstattungen und beleuchtet mit Charme und Stimmenvielfalt Themenstellungen aus sämtlichen Ebenen der Stadtteilarbeit und des Lebens, wie es sich lokal in der Johannstadt zeigt.

 

Den direkten Draht in die Johannstadt hat die Stadtteilredaktion Foto: Anja Hilgert

Reife und ein Spendenknopf

Wie die Erfahrung mit Kindern lehrt, vergeht die Zeit des Heranwachsens wie im Flug und Babys sind nur ganz kurz, Kleinkinder vielleicht etwas länger, im Schutz elterlicher Obhut. Zu schnell eigentlich und allzu bald kommt der Moment, wo es sich anzeigt, dass sie eigenständig ihren Weg weitergehen wollen und sollen. Das gleiche Schicksal trifft die Stadtteilredaktion. 

Die Projektförderung neigt sich einem Ende. Damit verlässt die Redaktion ihren finanziell gesicherten Hafen und treibt schon jetzt in Richtung offenes Meer. 

Was aufgebaut worden ist und gerade freudvoll seine Entfaltung erfährt, mit einem Bekanntheitsgrad im Viertel, der positives Echo zurückträgt, mit einer Vernetzung, die reichhaltig gelebte Geschichten im Stadtteil der früheren und heutigen Johannstadt aufleben lässt, das möchte weiter fortbestehen. Wir sind munter dabei! Bist Du mit unterwegs oder gar mit von der Partie?

So wird das nächste Kapitel, das die Stadtteilredaktion zu schreiben hat, gerade skizziert.
Der neu installierte Spendenknopf ist eine Möglichkeit, die redaktionelle Arbeit durch einen finanziellen Beitrag zu unterstützen. Hier können sich große und kleine Unterstützer*innen einbringen, die, auch ohne selbst zu schreiben, für den wachsenden Stadtteil Johannstadt eine fundierte lokale Berichterstattung sinnig, nötig, kreativ, niedrigschwellig, bereichernd, bildend, erfrischend, wertvoll, nachhaltig, innovativ, förderlich oder belebend finden und schlichtweg gutheißen, dass es sie gibt: In Form von johannstadt.de und der ZEILE. 

 

Mitmachen ist einfach und nur einen Klick entfernt 

Die Themen der Johannstadt sind unentdeckt wie die Steine am Elbestrand –
 alles ist einen – ist Deinen Blick wert! 

  • – – -Schreibst Du selbst ?  – – –
    Dann reiche Deinen Beitrag bei der Redaktion ein: 500 – 1000 Wörter sind schon ein Beitrag!

– – – Magst Du erzählen ? – – –
Die Geschichte kannst Du mit uns gemeinsam entwerfen, wir helfen mit Worten! Dann melde Dich, wir sind bereit für ein Treffen zu Deinem Thema aus der Johannstadt!

 – – – Hast Du sonst eine Idee? – – –
Dann teile sie mit uns!

***
Hütest Du alte Fotos und willst sie aus der Kiste daheim befreien?

***

Magst Du Geschichten erzählen, die Dir Bilder oder Dinge in Erinnerung rufen,
die Du zuhause hast?

***

Hattest Du neulich eine schöne Begegnung in Deiner Nachbarschaft?

* **

Hast Du etwas Seltsames erlebt in der Johannstadt?

***

Welche Fragen beschäftigen Dich?

***

Über was machst Du Dir Gedanken, die vielleicht
die Stadtteilredaktion mit Dir bewegen könnte?

 

Rückmeldungen aller Art an redaktion@johannstadt.de

 

Weitere Informationen zu Partizipationsmöglichkeiten in der Johannstadt

  • redaktion@johannstadt.de
  • Stadtteilfonds Johannstadt

Dienstags singt der Plattenchor – Jetzt wieder unter freiem Himmel in der Johannstadt

eingestellt am 15.06.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Die neue Leiterin des Plattenchors im Portrait. Foto: Anja Hilgert

 

Bis in die Herbstzeit reicht der Klang zurück, den der stadtteileigene Plattenchor ins Viertel eingebracht hatte. Seitdem war Gesang aus der Öffentlichkeit verbannt… Doch, wie es so schön heisst…dem Glücklichen klingt immer sein Lied…das Singen wird in der Johannstadt jetzt wieder rege und beginnt mit Auftakt: Diese Woche startet der Plattenchor!

 

Der Johannstädter Plattenchor

Gerade bei einem bunt gemischten Chor ist es der erzeugte Klangraum, der alle miteinander trägt und zum gemeinsamen Singen motiviert. Da nun wieder erlaubt ist, was lange genug unmöglich erschien, rufen die beiden Leiterinnen des Plattenchors, Marieluise Herrmann und Karoline Friedländer den beherzten Wiederstart des gemeinsamen Singens in der Johannstadt aus: 

Ab Dienstag 14.06. heisst es wieder regelmäßig:
Dienstags, von 18-20 h singt der Plattenchor im Johannstädter Stadtteil.

Und : Vielleicht brauchen wir manchmal eine zweite Chance, weil die erste zu früh kam…
Jetzt ist wieder Gelegenheit, neu anzufangen und dazu zu kommen.
Der Plattenchor ist offen für alle und freut sich über neue Mitsingende. Große und kleine, junge und alte Johannstädter*innen sind alle herzlich eingeladen zum gemeinsamen Singen: Jede*r kann dabei sein, zuhören, summen, mitsingen, ohne Vorkenntnisse, ohne Noten teilnehmen und gemeinsam mit anderen Menschen den Stadtteil singend verschönern. Denn über das Singen, das alle miteinander unabhängig von Alter, Beruf oder Herkunft teilen, entsteht unter dem freien Himmel der Johannstadt Gemeinschaft und ein Tun, das nährt und stärkt.

Treffpunkt:  Jeden Dienstag, 18 Uhr vor dem Johannstädter Kulturtreff zu einem Warm up, anschließend geht es zum Singen an verschiedene Orte im Stadtteil.

 

Eine neue Chorleiterin will unter die Leute

Sie hatte gerade ihre Nachfolge als neue Chorleiterin in der Johannstadt angetreten, da musste im Herbst der ganze Chor auseinandergehen und dem verordneten Gesangs-Verbot Folge leisten. Eine Weile noch hatten sich die Chormitglieder weiter online getroffen und Singerfahrungen im digitalen Gruppenraum gemacht, doch über die lange Dauer der Kontaktbeschränkungen war es beschwerlich, die Verbindung am Schwingen zu halten.
Der Chor ging in die Stille und das ganze Projekt ruhte unter der zwangsläufigen Pausetaste. „Gerade für einen Chor im Aufbau ist die stete Regelmäßigkeit und Kontinuität der Probenarbeit wichtig“, sagt Marieluise Herrmann. Sie musste über Winter dennoch ihre Hände sinken lassen. Jetzt freut sie sich aufs sommerliche Wiedererwachen.

 

Noch neu am Johannstädter Ufer                Foto: Anja Hilgert
Marieluise Herrmann ist die neue Chorleiterin des Plattenchors. Foto: Anja Hilgert

 

 

 

 

 

 

 

Unabhängig vom kollegialen Kontakt zur damaligen Chorleiterin Ellen Muriel, hatte sie über Soziale Medien bereits vom Plattenchor gehört und begeisterte sich für das Lied-Video, das von einer Probe im Treppenhaus des Kulturtreff entstanden war. 

Sie übernahm ohne Zögern das Angebot, gemeinsam mit Karoline Friedländer den jungen Chor in der Johannstadt weiterzuführen. Marieluise Herrmann bringt als Chorleiterin ihre Erfahrung mit aus dem parallel laufenden Chor des Zentralwerk e.V. in Dresden Pieschen. Auch eine zukünftige Vernetzung der Projekte findet sie gut vorstellbar.
Neben ihrem Beruf als Musiktherapeutin am Uni-Klinikum ist Marieluise Herrmann selbst auch als Sängerin aktiv, einerseits in dem Vokalensemble “Treta Mominka” mit osteuropäischer Musik, andererseits in der Dresdner Band ‚Affen’, die internationale Lieder und Tanzmusik interpretieren. Marieluise spielt Klavier, Akkordeon und Hackbrett und vor allem singt sie leidenschaftlich gern. 

 

 

Gedanken draussen lassen

Bei Projekten wie dem Plattenchor werden Gedanken einfach weit draussen gelassen, die konditioniert darauf sind zu glauben, Musik und Gesang machten nur Leute, die das schon können. „Weit gefehlt“, sagt die studierte Ethnomusikologin, die eine Schwäche für traditionelles Liedgut aus der ganzen Welt und sich überall unterwegs Lieder beibringen lassen hat, „Es geht natürlicher Weise darum, gemeinsam zu singen, auch die Lieder zu singen, die die Menschen selbst mitbringen.“

Aus ihrem therapeutischen Tätigkeitsfeld weiss sie: „Die Stimme steht für die Persönlichkeit. Vieles liegt darüber, das mit Bewertungen zu tun hat, was bei den Meisten Hemmungen schafft. Da ist es etwas sehr Sensibles, wirklich zu singen.
Ich möchte die Leute zuallererst einladen zum Zuhören. Zuhören spielt eine ganz große Rolle im Singen, deshalb singen wir zum Einstieg einen Ton, zwei Töne – auch für die, die das sicher können, lohnt es sich, denn sie tragen die Gruppe und trainieren dabei ihre Stimme. Die Stimme wird stärker, kräftiger, selbstbewusster, je mehr man sich in ihr übt. In der Gruppe wird die Schwelle leichter genommen.“

 

 

Eine Chorleiterin, die Töne aus dem Stadtviertel  sammelt   Foto: Anja Hilgert

Mit dem Plattenchor dem Sommer entgegen Foto: Anja Hilgert

Die verbindende Wirkung, den Ton richtig zu treffen

Marieluise Herrmann sitzt mit aufgerichtetem Rücken, der Brustkorb frei und ihr zuzuhören wird melodischer, bewegter, je mehr sie ins Thema kommt: Ihr Thema: „Es hat viel mit dem bewussten Atmen zu tun beim Singen, dass man dabei so sehr zu sich kommt. Im Atmen liegt etwas fundamental Körperliches, das zentriert. Ich habe selbst auch Gesangsunterricht gegeben und habe die Erfahrung gemacht, dass jede*r in den Zusammenklang findet und es schafft, für sich den „richtigen Ton“ zu treffen. Wenn man sich Zeit lässt und das ganz behutsam macht, da weiss ich einfach, dass es funktioniert.“

Deshalb ist der Plattenchor als Angebot zunächst niedrigschwellig. Das Weitere, hin zu den lebhaften Liedern entwickelt sich im choreigenen Prozess.
An jedem Dienstagabend ist den Teilnehmenden ein neu gelerntes Lied gewiss, mit dem sie nach Hause und durch die Woche gehen können: „Ich mache mir keine Sorgen, dass Leute zum Singen kommen werden, aber dass es wirklich die lokal vor Ort lebenden Menschen der Johannstadt in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit sind, das würde ich mir wirklich sehr wünschen.

Beim Singen macht man vor allem eine gemeinsame Erfahrung, man erarbeitet ein Lied miteinander. Das steht verbindend in der Mitte. Man kommt nicht, um sich erst kennenzulernen, sondern das passiert ganz von allein. Es wirkt verbindend, diese kleine Erfahrung zu machen, wie leicht es ist, im Singen dazuzugehören. Das allein ist ergreifend, die Erfahrung, sich als Teil in einer Gruppe, in einem Takt zu erfahren.“

 

Im Flow ohne Noten

Das Gefühl des Einklangs kann man erreichen, davon ist die engagierte Chorleiterin überzeugt, ohne dass man sich kennt oder sozial aus dem gleichen Milieu kommt: „Man braucht nicht einmal die gleiche Sprache zu sprechen. Das Synchronwerden, der Rhythmus entsteht – es dauert eine Weile, dann findet man sich hinein. Einerseits führt es einen zu sich selbst hin und andererseits kann man sich der Gruppe hingeben.“

Der Plattenchor singt nicht „die klassischen Bass-Tenor-Alt-Sopran-Stücke“, sondern vor allem Kanons eignen sich gut: Alle haben die gleiche Stimme, die sich wiederholt und diese gleiche Stimme singt man versetzt. Daraus ergibt sich ein flow und dann ein Ganzes, es entsteht Mehr…“

Wichtig: Es kommen keine Noten dazu. Auch diese Berührungsängste, zu glauben, etwas ablesen und genau entsprechen zu müssen, sind ausgeschaltet: „Wir singen im Kreis immer wieder vor und nach, antworten wechselseitig aufeinander. Es ist wichtig, dass man nicht zu viel ins Denken kommt. Dann kommt der Punkt von alleine, wo man sich dem Lied in der Gruppe einfach hingibt – und singt.“

„Ich habe meine Erfahrungen, mein Wissen und meine Ausbildung“, sagt die Sängerin, „aber ich freue mich immer, wenn ich noch etwas lernen kann: Es wäre schön, wenn Menschen etwas mitbringen aus ihrem Leben oder ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit oder Herkunft, etwas, das sie bewegt, was wir im Chor miteinander singend bewegen können.“ 

Wer möchte, möge gerne einen Liederwunsch zur wöchentlichen Probe mitbringen: „Der Anfang muss gemacht werden und den machen wir jetzt wieder.“

 

 

Weitere Informationen 

  • Die Höchstzahl an Teilnehmenden beträgt derzeit 15 Personen. Damit die Hygieneregeln zum Infektionsschutz eingehalten werden können, ist derzeit eine Anmeldung erforderlich:
    telefonisch 0351-447 28 23 oder kontakt@johannstaedterkulturtreff.de 

Das neue Stadtteilhaus für die Johannstadt

eingestellt am 10.06.2021 von Anja Hilgert, Headerbild: Dem soziokulturellen Leben in Johannstadt steht ein neuer Anfang bevor: Hierhin kommt das neue Stadtteilhaus. Foto: Anja Hilgert

Als eine Schlüsselmaßnahme in der Entwicklung des Fördergebietes „Soziale Stadt Nördliche Johannstadt“ gilt ein neu geplantes Gebäude mit dem Arbeitstitel „Stadtteilhaus Johannstadt“. Mit anderen Worten: Die Johannstadt erhält ein Stadtteilhaus! Und: Dieses Stadtteilhaus für Bewohner*innen unseres Stadtteils wird von Grund auf neu gebaut! Der Ersatzneubau wird in Zukunft den überalterten und aufgrund erhöhten Asbestgehalts auch nicht weiter sanierungsfähigen Bau des Johannstädter Kulturtreffs ersetzen. Die Entscheidung dazu wurde bereits 2017 vom Dresdner Stadtrat gefällt.
Wie eine ausführliche stadtplanerische Darlegung deutlich werden lässt, ist von vier geprüften Standorten im Stadtteil das Grundstück in der Pfeifferhannsstraße am meisten geeignet für den repräsentativen Neubau. Im Sommer wird eine informative und kreative Aktionswoche auf dem Grundstücksgelände stattfinden.

Auf der Fläche im Winkel der beiden großen Wohnzeilen – der WGJ auf der Pfeifferhannsstraße einerseits und der Vonovia auf der Florian-Geyer-Straße andererseits – wird ab 2023 das neu geplante Stadtteilhaus Johannstadt errichtet werden. Der derzeit für Parkplätze versiegelte Anteil der Fläche wird als neuer Standort für den Bau des Hauses dienen, während der Grünanteil der Fläche ins Grundstück einbezogen und mit samt des alten Baumstands als Ruhe-, Grün- und Erholungsflächen erhalten bleiben soll.

 

Mitten im Carrée, wo Wohnen und Leben sich kreuzen, wird das neue Haus für Kunst und Kultur der Johannstadt errichtet werden. Foto: Anja Hilgert

Wissenswertes zum gegenwärtigen Stand der Planungen

In der Informations-Veranstaltung eines “Bürger*innen-Dialogs” hatte das Stadtplanungsamt am 26.Februar den eröffnenden Schritt in die Öffentlichkeit getan, um den Stand der aktuellen Planungen einem breiten Publikum und insbesondere der unmittelbaren Bewohnerschaft des Stadtteils kundzutun. 

Die offiziellen Kontakteinschränkungen der ersten Jahreshälfte haben dazu beigetragen, dass als nötig und wichtig erkannte Beteiligungsformate und Diskussionen, wie sie vor Ort hätten geführt sein wollen, aus dem öffentlichen Raum in den digitalen verlagert wurden. Entsprechend ist noch ungewiss, inwieweit Stadtteilbewohner*innen die Neuigkeit tatsächlich schon erfahren oder gar selbst bewegt haben. Die Frucht ist reif genug, um darüber im Quartier ins Gespräch zu gehen.

Das digitale Format der Info-Veranstaltung hatte im bemessenen Zeitfenster von zwei Stunden seinen Schwerpunkt auf die Präsentationen der Stadtplanenden, Architekten und Kulturschaffenden gelegt. Im Chat oder per Hotline meldeten sich über 100 zugeschaltete Interessierte während der Veranstaltung zu den Ausführungen zum Neubau des Stadtteilhauses zu Wort. Im Hintergrund waren die per E-Mail oder Anruf eingebrachten Fragen, Kommentare, Anliegen von zugeschalteten Teilnehmer*innen zusammengefasst worden und nach eingehender Prüfung im Stadtplanungsamt werden sie nun nach und nach mit qualifizierten offiziellen Antworten versehen auf der städtischen Webseite veröffentlicht. 

Gelistete Fragen mit Antworten sowie die gehaltenen Fach-Präsentationen und ein Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung des Bürger*innendialogs sind auf der Webseite der Stadt allgemein einsehbar.

 

Das Gebäude des Johannstädter Kulturtreff ist in die Jahre gekommen Foto: Johannstätder Kulturtreff e.V.
Der von viel Grün zur Oase ausgewachsene Johannstädter Kulturtreff. Foto: Johannstädter Kulturtreff e.V.

 

 

 

 

 

Dachgrün, Veranstaltungssaal und Parkplätze

Was die Menschen in puncto Nutzungskonzept und Nachbarschaft interessierte, reichte von Ideen zur Fassaden- und Dachgrüngestaltung über Anregungen für eine bessere Ausnutzung des Grundrisses und Interessen an einem großen Veranstaltungssaal oder mietbaren Räumen für private Feierlichkeiten bis hin zu Sorgen um Lärmbelästigung und den Wert des Grünbestands sowie Anfragen zu einer Bibliothek oder dem Erhalt von Kleider- und Papiercontainern.

Der Wegfall von ca. 100 Stellplätzen auf der aktuellen Parkfläche Pfeifferhannsstraße regte manche Gemüter. Wohin mit dem haushaltseigenen Kraftwagen? Wo sonst parken, wenn nicht unmittelbar vor der eigenen Haustüre wie gewohnt? Da Gewohnheiten bekanntlich widerständig, resistent und erfindungsreich auf Veränderungsimpulse reagieren, bekam die Parkplatzthematik in Johannstadt mit der Bekanntmachung des Standorts fürs Stadtteilhaus erneut Aufschwung, diesmal mit neuem Resultat: Das Stadtplanungsamt drehte in seinen Etagen alle Räder, um die Situation endgültig auf allen Ebenen des Möglichen und Machbaren auszuloten. Eine umfassend dargestellte Stellplatzbilanz für das Bewohnerparkgebiet 15 zeigt  in einer eigens erstellten, anschaulich aufgearbeiteten Dokumentation, wie komplex zukünftiges städtisches Leben zu denken ist. Die gesamte Darstellung ist über die Webseite einsehbar. 

Unterm Strich steht fest, dass nicht ersatzweise lokale Lösungen, sondern ein grundlegend zukunftsorientiertes Umdenken abgestimmt werden muss, das nachbarschaftliche Probleme innerhalb eines Stadtteils vor dem Horizont größerer Zusammenhänge angeht und dialogisch nach Lösungswegen sucht, die nicht immer schon greifbar materiell vorhanden, sondern miteinander zu entwickeln sind.

 

Eine Feuerwehrzufahrt generiert Grün im Quadrat. Foto: Anja Hilgert
Der neu sanierte Wohnblock mit Aussicht auf die  Grundstücksfläche Foto: Anja Hilgert

Architektur und Gebäude

Den finalen Entwurf für den Neubau legt das junge Dresdner Architekturbüro AKL | Architektenkooperation vor und hatte damit im Rahmen der europaweiten Ausschreibung 2019 den Zuschlag für die Planung des Baus erhalten:

„Mit dem Architekturbüro AKL wurde im April 2020 der Vertrag zur Planung des Gebäudes geschlossen. Das Büro untersuchte verschiedene Varianten zur Kubatur des Gebäudes. Anschließend fiel im Amt für Hochbau und Immobilienmanagement gemeinsam mit den künftigen Mietern die Entscheidung für die nun vorliegende Planung als zweiteiliges Gebäude mit einem zweigeschossigen und einem eingeschossigen Gebäudeteil. Das Stadtplanungsamt trägt diese Entscheidung mit, in der Gestaltungskommission fand der Entwurf eine breite Zustimmung. Detailabstimmungen erfolgen laufend mit den zukünftigen Mietern.“

Keine geringe Rolle spielt wohl auch, dass es sich bei dem Stadtteilhaus Johannstadt um ein Pilotprojekt der Landeshauptstadt Dresden handelt, was digitales Planen und Bauen angeht, da das Stadtteilhaus unter Einsatz der innovativen Building Information Modeling (BIM)-Methode geplant und errichtet werden soll. BIM strebt als eine ganzheitliche Prozess-Methode, die der optimierten Planung und Verwaltung von Gebäuden dient, gleichzeitig die Vernetzung aller am Projekt beteiligten Unternehmenspartner und Personen an. Sie geht mit einer Darstellung der Gebäude als virtuelle und intelligente 3D-Modelle einher.

Bereits zum Jahresanfang 2021 beriet sich die Gestaltungskommission der Landeshauptstadt Dresden zu dem neuen Gebäude im Stadtteil Johannstadt. Unter Einbeziehung von Erfahrungswissen und Bedarf der aktuellen Nutzer*innen des jetzigen Johannstädter Kulturtreff e.V. und künftigen Stadtteilhauses Johannstadt wurde im Auftrag der Landeshauptstadt ein professionelles Entwicklungs- und Nutzungskonzept für die Räume des öffentlichen Neubaus erarbeitet.

Eine Fahrstraße durchs Karree: Die ehemalige Blumenstraße?

In den offiziellen, auf der städtischen Webseite einzusehenden Plänen wird der Standort des Stadtteilhauses als „Pfeifferhannsstraße/Blumenstraße” geführt, was auf übergeordnete Planungsinteressen des Stadtplanungsamtes schließen lässt. Denn der Standort wird als  eindeutige Post-Adresse allein die Pfeifferhannsstraße vorweisen, während die Blumenstraße auf der anderen Seite des Wohnriegels Pfeifferhannsstraße endet. 

Das Gesamtbauprojekt „Stadtteilhaus Johannstadt“ sieht jedoch auch die Umgestaltung der Zufahrtswege zur Fläche des neuen Stadtteilhauses vor. Entlang der Grundstücksfläche, an der die vorhandene Grünfläche ihrer Länge nach anschließt, legt die Planung für das Teilstück von Pfeifferhannsstraße bis zum Bönischplatz eine zweispurige Fahrstraße an, um den Verlauf der Blumenstraße wie historisch einstmals zu verlängern und in den Anschluss bis zum Bönischplatz zu überführen.

Kontroverse über Wiederherstellung der ehemaligen Blumenstraße

Da, wo gegenwärtig der Anlieferverkehr der Kaufhallen abläuft, ansonsten die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge gesperrt und die Wege für Passant*innen zu Fuß, per Fahrrad und mit Kinderwagen offen gehalten sind, soll weiterer Durchfahrtsverkehr erzeugt werden. Damit zukünftig, wenn einmal eines Tages vielleicht der Wohnriegel nicht mehr stehen sollte, nahtlos von B nach B – von Bönischplatz zu Blumenstraße und umgekehrt – gefahren werden könnte. Dieser Straßenbauentwurf lässt im Stadtbezirksbeirat Altstadt eine kontroverse Debatte andauern. Dennoch werden mit den gegenwärtigen Veröffentlichungen die Planungen weiter publik gemacht.

 

Der derzeit als Fußweg und Spielstraße genutzte Übergang von Grünfläche zu Kaufhallen-Areal Foto: Anja Hilgert

 

Währenddessen rücken Termine näher

Da das Stadtteilhaus neu gebaut, der Stadtteil eine neue Adresse erhalten wird, gehen auch die Planungen derjenigen in Gang, die das Haus zukünftig mit Inhalt füllen: Die Verantwortlichen des Johannstädter Kulturtreff hat 30 Jahre Erfahrung mit Soziokultur in der Johannstadt gelehrt, dass das Haus seine Lebendigkeit und Vielfältigkeit erhält durch die, die dort ein und aus gehen: Das sind die Bewohner*innen des Stadtteils selbst, für die und vor allem mit denen und durch die kulturelles Leben in den Stadtteil gelangt.

Deshalb veranstaltet der Johannstädter Kulturtreff mit seinem Projekt Plattenwechsel.WIR in Aktion in der Woche vom 17. bis 24. Juli auf der Grünfläche in der Pfeifferhannsstraße eine Beteiligungswoche für Ideen und Aktionen zu Programm und Ausgestaltung im neuen Stadtteilhaus und stellt schon einmal die Weichen in Richtung bevorstehendem Umzug. 

Jede*r kann dabei sein, jede*r ist eingeladen, die Sommerwoche auf dem neuen Grundstück in der Pfeifferhannsstraße mitzugestalten und dort Ideen einzubringen, wie gelebt und was veranstaltet werden will im neuen Stadtteilhaus Johannstadt!

Weitere Informationen

Singend zwischen den Platten – Der Plattenchor der Johannstadt

eingestellt am 01.09.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Der Plattenchor hatte den Sommer über seinen Proberaum im Stadtviertel unter freiem Himmel

Aus Gehwegunterführungen, Stadtgärten und an verschiedenen Orten zwischen den hochgeschossigen Häusern war in den vergangenen Wochen in der Johannstadt unvorhersehbar und doch regelmäßig wiederkehrend ein gewisser vielstimmiger Gesang zu hören. Anwohner*innen öffneten Dachfenster, traten irritiert auf ihre Balkone und Passanten hielten erstaunt inne, wunderten sich über den unerwarteten Klang. Auflösung des Rätsels: Über die Zeit des Sommers hat der Plattenchor im öffentlichen Außenraum geprobt und dabei seine unverkennbare Klangspur in die Johannstadt getragen.

 

Singen im Grünen und nach Gehör Foto: Anja Hilgert

Der Plattenchor

Auf einmal waren sie da: Zwei junge Frauen, die eine Menge Sympathie und Energie verströmten und mit ihrem Auftreten Menschen wie zum Mitsingen entführten. Meine Wangen glühen immer nach diesem Singen und mir ist wie ausgewechselt, durchwärmt und beschwingt zu Mute, wenn ich aus dem Chor nach Hause gehe. Etwas Verwandelndes passiert da. Ellen Muriel und Karoline Friedländer sind die Chorleiterinnen, die es verstehen, Menschen zu ihren Stimmen zu bringen, um sie im Herz zu erreichen.

Singen ohne Noten

Das Tolle am Singen ist, daß es als universelle Sprache funktioniert. Man braucht keinerlei Sprachkenntnisse. Beim Johannstädter Plattenchor auch keine Notenkenntnis, denn alles wird nach Gehör und mit der Präsenz und dem Gedächtnis des Körpers erlernt.
Ein Aus- und Abschütteln des Tagesgeschehens aus Beinen, Armen und Gelenken eröffnet die wöchentliche Probe. Die Gesichtsmuskulatur wird flattern gelassen, die Kiefer fallen und es wird ausgiebig in allen Tonlagen gesummt, bis wie von innen heraus der Körper musikalisch wird. Jede*r verliert für einen Augenblick die Fassung und lässt sich gehen im angeleiteten Gähnen und Seufzen. Sich ein Stück weit hinter sich selbst zurückzulassen und sich nicht gar so ernst zu nehmen, ist Ziel der Aufwärmübungen, die auf ganzer körperlicher Ebene Lockerung, Entspannung und damit Aufnahmefähigkeit herbeiführen.

Kreisbewegung

Eine eröffnende Vorstellungsrunde macht mit vielen schön klingenden Namen bekannt: Irina, Fatima, André, Sanzid, Gabi, Tobi – die Menschen kommen aus entgegengesetzten Teilen der Erde, sprechen unterschiedliche Sprachen, manche wenig oder gar kein Deutsch, einige Englisch, andere nicht und alle lernen miteinander die Sprachen von Liedern, deren Worte keine*r wirklich versteht. Auf Swahili, in Pidgin oder Roma – gesungen werden Lieder der Weltmusik aus slawischer, keltischer, ozeanischer und anderer weltweiter Tradition.

Die Melodien erzählen meist Alltägliches aus den kulturellen Kontexten, aus denen sie stammen: z.B. „Što j pa moru… Am Meer…blaues Meer, da waren schwimmende weiße Schwäne…“ Der Sinn erschließt sich kollektiv auf mitfühlender, mitschwingender Ebene. Gemeinsam werden die Liedtexte nachgesprochen. Stück für Stück. Vorsichtig, sich der Laute vergewissernd und bemüht um die gemeinsame exakte Aussprache. Man tastet sich voran, nähert sich Gehalt und Klang allmählich an. Bis schließlich alle eingeweiht sind, das Gemeinsame entsteht.

Chorleitung im Freien Foto: Meike Weid

Call and reponse

Im Mitsingen dieser Art von Liedern, in der Art und Weise, sie zu singen, wie Ellen Muriel und Karo Friedländer das in die Johannstadt einbringen, geschieht etwas, das wirkt wie einen Blinden zu führen, im selben Vertrauen. Und da ist etwas, was in neue Möglichkeiten versetzt.

Ich hätte nicht gedacht, in der Lage zu sein, einen Ton zu halten, wenn um mich herum ganz andere Höhen und Tiefen in Bewegung sind. „Ich kann nicht singen“, war auch meine festgefügte Überzeugung, nachdem schulischer Singunterricht über mich hinweg gegangen und meine Stimme eher im Hals stecken geblieben war.
Im Nachahmen entsteht Sicherheit. Call and response, eine*r singt vor, die anderen antworten, ist eine tradierte Art, eine Gruppe in die Musik mitzunehmen. Ein Lied entsteht in Teilen, wird stückweise angeleitet, wiederholend zusammengesetzt, bis es schließlich ganz da ist. Die Hauptmelodie nimmt alle gemeinsam ins Klangbild auf. Diese Arbeit am Zusammenkommen ist ein Gemeinschaftsprozess, den Ellen und Karo im Chor pflegen. Immer geht es vom Kreis aus und wieder in den Kreis zurück.

Sommerliche Chorprobe im Bürger*innengarten der Vietnamesinnen  Foto: Anja Hilgert

Offen für alle

„Der Plattenchor ist offen für alle, jede*r kann mitsingen“, sagt Meike Weid von UTOPOLIS, dem Projektrahmen für soziokulturelle Initiativen, durch den der Chor ins Viertel gelangt ist. Es ist ein offenes Angebot zum Mitmachen, bietet aber mehr: Nämlich mit der ersten Überwindung („Ich kann nicht singen…“) einen wirklichen Schwellenschritt zu erfahren: Wenn zum Einstieg spielerische Lockerungsübungen den Alltag und seine Prägungen zurückstellen, tritt wie natürlich das Miteinanderdasein in den Vordergrund.
Im Kreis stehen alle auf derselben Höhe, sind wir untereinander verbunden. Wahrscheinlich geht es beim Singen sowieso mehr ums Einanderhören. Wenn die eigene, aus dem Körper entlassene Stimme wie eine Auflagefläche den Klangteppich aller Stimmen berührt und sich mit ihnen frei setzt, ist das ein unglaubliches Erlebnis.

Ein Chor für alle Lagen

Um das ins Erleben zu heben, gibt es ein Zeichen: Wenn Karo den Zeigefinger in der Luft dreht, darf einzeln der Kreis verlassen und durch die Mitte gegangen werden, mit der Einladung, im Klang aller zu baden und zu genießen.
Gesungen wird mehrstimmig, in allen vier Lagen. Der Chor teilt sich je nach Selbsteinschätzung in die zwei, manchmal drei oder vier Gruppen. Auf die Stimmlagen ist niemand für immer festgelegt. Jedes Lied ist eine neue Einladung, sich zu versuchen. Es kann sein, an manchen Tagen passt es einem besser, Tenor zu singen oder die Bassstimme oder Alt und Sopran. Auf Professionalität kommt es nicht an. Stattdessen auf Freude und Spaß am gemeinsamen Singen. Da kann es mal gut passen, lieber in der Tiefe den Ton behäbig und breit durchzutragen als in den Höhen zu tanzen in akrobatischen Sprüngen. Eine schöne Einladung im mehrstimmigen Singen ist es, sich mit der eigenen Stimme durch den Kreis zu bewegen und so umeinander laufend immer wieder anderen Stimmen zu begegnen.

Mit Gesang aus dem Schlaf geholt

Bereits im Dezember 2019, im Garten des Johannstädter Kulturtreff e.V. hatte das singende, schwingende neue Projekt des Plattenchors seine Geburtsstunde. Mit zahlreichen spontan versammelten großen und kleinen Besucher*innen-Stimmen war der Auftakt im Hinterhof der großen WGJ-Wohnhofsiedlung klangstark. Fenster der umliegenden Wohnungen öffneten sich, Anwohner*innen genossen ein Freiluftkonzert von ihren Fenstern und Balkonen aus.

Eine Mitsängerin der ersten Stunde ist Ida, ein 10jähriges Mädchen, das schon zu Bett gebracht im Zimmer lag, als der Chor zum zweiten Mal im selben Hinterhof sang. Das Singen klang zu ihr hinein und war wie ein Weckruf, der sie wieder aufstehen ließ. Sie ging zu ihren Eltern und verlangte, wissen zu dürfen, wer da singe. Ihr Drang war so energisch, dass ihr Vater sie zum Lauschen nach unten in den Hof brachte. Beim nächsten Mal wurde Ida dann pünktlich zur Probe gebracht, diesmal zum Mitsingen. Und auch zum ersten kleinen Konzert des Chors war Ida als Sängerin dabei.

Viruserkrankung eines Chors

Wenn man den Frühling mit der Phase der Kindheit und des Heranwachsens vergleichen kann, dann hatte der Plattenchor eine erschwerte Kindheit. Das Virus brach aus.
Menschen verbrachten Wochen und Monate im lockdown in ihren Wohnungen. Atemluft durfte nicht mehr frei verströmt werden, nicht öffentlich und schon gar nicht zum Singen. Der Anfang des Chors stand nicht gerade auf leichten Füßen.

Doch Ellen Muriel und Karoline Friedländer wären nicht die beiden außergewöhnlichen Chorleiterinnen, die sie sind, wenn sie nicht auch durch diese harten Startbedingungen hindurch das Projekt Plattenchor mit Phantasie und Vertrauen geleitet und alternative Wege eingeschlagen hätten: Sie retteten das junge Johannstädter Chorbaby, indem sie die einzelnen Mitsingenden über Wochen stetig dienstags einluden zu online-Chorproben: Gesungen wurden in die Zeit passende, zuversichtlich stimmende kurze, einfach erlernbare Songs, zu denen man sich dazuschalten konnte.

Row fisherman row
Keep on rowing your boat
Row fisherman row
We’ve got to keep on higher ground

Die eingespielte Methode von Vorsingen-Nachsingen bewährte sich auch im virtuellen Raum. Es war eine neue Erfahrung, die eigene Stimme allein und voll hörbar im Raum zu vernehmen, ohne die anderen mitzuhören. Humor und Experimentiercharakter retteten auch diese Situation. Mit Kopfhörern am Fenster, tanzend in der Küche oder allein im Schrank oder unter der Dusche zu singen, waren kreative Erweiterungen für den Plattenraum. Und mit Ellen als Schaltstelle alle dieser Leitungen kam sogar das kleine bisschen Chorgefühl auf.

 

Meike Weid mit dem kreativen Markenzeichen des Chors, das für Buntheit im Abstand sorgt   Foto: Anja Hilgert

Abstandschor ohne Grenzen

Mit Einführung der offiziellen Abstands- und Hygieneregeln wurde das Singen in der Gruppe wieder möglich: Der Plattenchor erfand für sich das Markenzeichen bunter Hoolahoop-Reifen.  Die farbigen Reifen markierten für jede*n einen geschützten Radius und verliehen, auf ihre Art in pink, blau, gelb und mit Glitzer im Kreis ausgelegt, einen sicheren Rahmen. So fand Marie-Louise zum Chor, die eigentlich HoolaHoop tanzen wollte, aber dann trotzdem zum Singen mitkam.

Unterwegs in den Abstand – Plattenchor trifft sich im Proberaum des Stadtviertels    Foto: Anja Hilgert

Der Chor nutzte die Gunst der Stunde, sich an verschiedenen Orten draußen im Viertel zu treffen und seine Lieder mit den Anwohner*innen zu teilen. Der Stadtteil wurde zum Proberaum. Dem Singen waren keine Grenzen gesetzt: Wenn schon die Menschen nicht zu Konzerten und Veranstaltungen durften, so konnte die Musik nun zu den Leuten getragen werden. In der Johannstadt gab es den ganzen Sommer über auf diese Weise Gesangseinlagen frei zugänglich für alle im Viertel.

Chorprobe mit Abstand und unter dem Dach der Kaufhallen Foto: Anja Hilgert

Singen macht schön

Spielerisch Grenzen aufzulösen ist eine Kunst dieses Chors. Mehr und mehr wird er zum Plattenchor, der das Singen einspeist in die Fluchten der Häuser, in die Freiflächen der Parkplätze und der Grünanlagen. Wo singt es sich am besten? Schwer zu sagen. Das Vordach der Kaufhalle hat vorm Regen geschützt und überzeugte mit erstaunlich guter Akkustik. Mal überraschte ein Durchgangsweg mit klaren Tönen und selbst unter Bäumen kann es klingen wie im Raum einer Kathedrale. Beflügelnd, wenn alle Töne miteinander an den Raum abgegeben sind und der Klang sich über dem Chor modelliert.

Der Plattenchor ist ein künstlerischer Impuls, der in die Johannstadt hineinreicht, um Menschen in Verbindung zu bringen, mit sich, untereinander und rückverbunden mit einer Schönheit, die sie nach Hause und weiter tragen.

Alles in der Welt, in der wir leben, ist Schwingung. Beim Sprechen, Weinen, Heulen oder Jubeln und ganz besonders beim Singen ist die menschliche Stimme die Membran, durch die es aus dem eigenen Inneren ins Außen, in die Welt geht.
Die Stimme von Neugeborenen ist Begrüßung und Empörung über die Schwelle, die mit der Geburt überwunden worden ist. Wir entladen unser Dasein über die Stimme. Der erste Laut und Schrei gibt das Zeichen, lebendig und am Leben zu sein. Singen ist wie eine fortwährende Bestätigung dieses Grundgefühls: Lebendig und bejahend mitten im Leben zu sein. Und im Chor ist das eine gemeinschaftliche Erfahrung. Singen antwortet auf die Welt als Klang.

Zwei, die harmonieren Foto: Anja Hilgert

Weiterwachsen

Nun, wo es geregelt wieder wöchentlich Proben gibt und sich allmählich ein fester beweglicher Stamm im Chor gebildet hat, der zu wachsen beginnt, ereilt den Chor quasi in seiner Pubertät die nächste Schwelle.
Ellen wird nach England zurückgehen. Ein geplanter Auftritt des Plattenchors zum Parking Day am 18. September auf der Hertelstraße wird somit auch ein Abschiedskonzert. Und ein nächster Schritt: Karo wird mit weiterer Unterstützung den Chor weiterleiten und der Chor freut sich über weitere Sänger*innen und Klangbegeisterte!
Zum Ende, da seien sich alle gewiss, ist man durchströmt von Wärme und einer besonderen, ausgewogenen Kraft im Körper, in der alles mitströmt, was vorher nicht im Fluss war. Irgendwie geweitet und offener, gelöster, glücklicher geworden und gewachsen, innerlich, setzen sich Pfade und Wege des Lebens nach dem Singen lebhafter fort.

Danke für die wunderbare Chorzeit.

 

 

Der Plattenchor – ein Projekt von UTOPOLIS

  • Der Chor ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
    Der Chor ist offen für alle zum Mitsingen. Jede*r von 0-99 Jahren ist herzlich willkommen!
  • Treffpunkt: Dienstags 19h vor dem Johannstädter Kulturtreff e.V. , Elisenstraße 35
  • Hygieneregeln zum Infektionsschutz werden eingehalten.
  • Für Infos und Rückfragen: kontakt@johannstaedterkulturtreff.de oder telefonisch 0351-447 28 23

Noch zweimal: Sommer-Kino unter freiem Himmel im Johanngarten

eingestellt am 18.08.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Im Johanngarten flimmern immer mittwochs Filme für Jugendliche. Foto: Plattenwechsel

Im Rahmen der jährlichen Sommerferienaktion “Johannstars” werden im Johanngarten jeden Mittwoch Filme für junge Menschen ab 16 Jahren gezeigt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Nach der Krise locken frische Luft und Kultur ganz besonders. Im Sommerkino unter freiem Himmel im Johanngarten an der Hopfgartenstraße kann beides verbunden werden. Jeden Mittwoch ab 20 Uhr wird ein Film gezeigt, der sich besonders an Jugendliche ab 16 Jahren richtet. Noch zweimal findet das Event dieses Sommer statt.

Luisa Kolb von Streetwork City: “Das Sommerkino wurde bisher sehr gut angenommen, an jedem Mittwochabend waren ca. 30 Zuschauer*innen vor Ort.”

Der Eintritt ist frei, zudem gibt es ab ca. 19 Uhr kostenlos Popcorn. Eigene Sitzgelegenheiten können gern mitgebracht werden.

Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt von Streetwork City, Jugendhaus Eule, Jugendzentrum Trini, Wir sind Paten, DRK YoCo und Johannstädter Kulturtreff. Das Sommerkino ist Teil der jährlich stattfinden Sommerferienaktion Johannstars und wird finnanziert von Utopolis – Soziokultur im Quartier.

Sommerkino im Johanngarten

  • 19. August: “Der Junge und die Wildgänse”, FR/NOR 2019
  • 26. August: “Homevideo”, D 2011

Die 8. Stadtteilbeiratssitzung bringt Geld für sechs neue Projekte

eingestellt am 23.07.2020 von Philine Schlick

Unerwartet viel Beteiligung brachte die achte Stadtteilbeiratssitzung am vergangenen Donnerstag. Es kamen mehr Beirät*innen als angekündigt und beschieden nahezu einstimmig sechs neue Projekte für die Johannstadt. Darunter Mosaik-Sitzbänke für den Bönischplatz, Gymnastikkurse für muslimische Frauen und einen ungewöhnlichen Videodreh zu einem besonderen Anlass. Den Auftakt gab eine gute Botschaft. 

Lange währten sie, die Planungen für das Bönischplatzfest alias Bundschuhstraßenfest. Corona grätschte dazwischen, dann wurde ein neuer Organisator gesucht. Stadtteilbeirat Lutz Hoffmann übernahm das Zepter von Katja Hilbert und machte sich an die Partyplanung: Am 26. September wird das Straßenfest nun gefeiert. Zwischen 12 und 22 Uhr wird die Bundschuhstraße bespielt mit einem Programm, das sich insbesondere dem Tanz verschrieben hat.

Gastgeber der achten Stadtteilbeiratssitzung war die Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas. Sie stellte das Gemeindezentrum an der Fiedlerstraße zur Verfügung. Foto: Philine Schlick
Gastgeber der achten Stadtteilbeiratssitzung war die Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas. Sie stellte das Gemeindezentrum an der Fiedlerstraße zur Verfügung. Foto: Philine Schlick

Tanz, Tanz, Tanz zum Bundschuhstraßenfest

Neben Musik der Banda Internationale wird es einen Tanzauftritt der 102. Grundschule geben. Selbst getanzt werden kann bei einem Latin-Tanzkurs ab 18 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt werden die Stände bereits wieder abgebaut, um die Straße freizugeben. Im Anschluss darf frei getanzt werden. Einstimmend für den Tanz-Tag wird Aga Becker ab 12 Uhr zum Yoga anleiten. Um 22 Uhr ist Zapfenstreich.

Gymnastik für Muslimas

“In Bewegung” sollen muslimische Frauen mit einem gleichnamigen Gymnastikkurs bleiben. Die Soziale Dienste und Jugendhilfe gGmbH mit ihrem Projekt Wir sind Paten stellten den Antrag. Das Bestreben ist, acht muslimischen Teilnehmerinnen einen Schutzraum frei von Ressentiments zu bieten, um sich sportlich zu betätigen.

Antragsteller*innen für "In Bewegung - Gymnastikkurs für muslimische Frauen." Foto: Philine Schlick
Antragsteller*innen für “In Bewegung – Gymnastikkurs für muslimische Frauen.” Foto: Philine Schlick

Eine Ergotherapeutin wird den einmal pro Woche angebotenen Kurs anleiten. Die monatliche Gebühr beträgt zwei Euro. Im Anschluss an die geförderten drei Monate soll der Kurs in Eigenregie weiter laufen und sich nach Möglichkeit auch für andere weibliche Interessierte öffnen.

Mosaik-Bänke für den Bönischplatz

Die Bauarbeiten am Bönischplatz, so konnte Anke Ostermeyer vom Stadtplanungsamt bestätigen, verlaufen immer noch nach Plan und werden pünktlich zum 31.10.2020 abgeschlossen sein.

Anke Ostermeyer: "Wir haben die richtige Baufirma für den Bönischplatz gewählt." Foto: Philine Schlick
Anke Ostermeyer: “Wir haben die richtige Baufirma für den Bönischplatz gewählt.” Foto: Philine Schlick

Für das Wohlgefühl auf dem Platz sollen Sitzbänke mit Keramik-Mosaiken von Bürger*innen gestaltet werden. Der Johannstädter Kulturtreff e.V. plant hierfür einen offenen Workshop an zwei Terminen. Zum ersten Termin werden die Keramiken nach eigenem Gusto geformt. Bis zum zweiten Termin werden sie im Töpfer-Ofen gebrannt, um schließlich glasiert und an den Sitz-Bänken angebracht zu werden. Platz ist für sechs bis acht Teilnehmer*innen, willkommen sind Jung und Alt.

Blick auf den Bönischplatz. Foto: Christina Eppers

johannstadt.de berichtet weiter – gedruckt und online

Fördergelder aus dem Stadtteilfonds wurden dem Online-Stadtteilmagazin johannstadt.de für das zweite Halbjahr 2020 beschieden. Die bewilligten Gelder werden für Honorare – also Artikel wie diesen -, den Umbau der Internetseite und die Bewerbung des Portals eingesetzt. Beispielsweise sollen die Artikel auf der Startseite künftig mit Beitrags-Bildern angezeigt werden. Tipps und Hinweise für eine bessere Lesbarkeit sind stets unter redaktion@johannstadt.de willkommen.

In diesem Zusammenhang wurde bei der Sitzung die Idee einer Druck-Version des Stadtteilmagazins vorgestellt. Die Fördermittel für die kostenlose Zeitung kommen aus dem Projekt Utopolis, das sich mit künstlerischen Initiativen wie dem Plattenchor oder der Postkartenwerkstatt “Komm’ rum” für die soziokulturelle Belebung der Johannstadt einsetzt.

Anja Hilgert (Stadtteilredaktion) präsentierte gemeinsam mit Meike Weid (Utopolis) die Idee eines gedruckten Stadtteilmagazins für die Johannstadt. Foto: Philine Schlick
Anja Hilgert (Stadtteilredaktion) präsentierte gemeinsam mit Meike Weid (Utopolis) die Idee eines gedruckten Stadtteilmagazins für die Johannstadt. Foto: Philine Schlick

Das Print-Magazin soll bestehende Artikel – insbesondere Porträts von Menschen und Orten – angereichert mit vielen Bildern, Rätseln und Mitmach-Aktionen für Bürger*innen analog lesbar machen. Die erste Ausgabe soll schon im Dezember im Stadtteil ausliegen.

Holzbau für Jugendliche und ein Gottesdienst für Menschen mit Handicap

Menschen, die von einer gesellschaftlich konstruierten Norm abweichen, werden “Menschen mit Behinderung” genannt. Doch ist es nicht die Gesellschaft, die diese behindert? Der Gottestdienst zum Thema “Wer behindert mich?” der ev.-luth. Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas soll dieser Frage nachgehen.

Blick in die Runde bei der 8. Stadtteilbeiratssitzung am 15. Juli an der Fiedlerstraße. Foto: Philine Schlick
Blick in die Runde bei der 8. Stadtteilbeiratssitzung am 15. Juli an der Fiedlerstraße. Foto: Philine Schlick

Der Gottesdienst soll dazu dienen, Berührungsängste abzubauen und Ideen für mehr Teilhabe zu sammeln. Eingeladen sind Menschen mit Handicap, ihre Angehörigen, Lobby-Vertreter*innen, Pädagog*innen, Bewohner*innen und alle sonstigen Interessierten. Sollten die dann geltenden Abstandsregeln nicht allen Besucher*innen eine Teilnahme ermöglichen, soll der Gottesdienst mit einem digitalen Streaming übertragen werden.

Pfarrer Tobias Funke stellte auch noch einen zweiten Antrag der Gemeinde vor: Er möchte einen Holzworkshop für Jugendliche anbieten, um mit den erlangten Kenntnissen den Gemeinschaftsgarten des Gemeindehauses zu verschönern. Entstehen sollen Sitzbänke, Beschattungen und schützende Zäune für spielende Kinder.

Film ab für Lasse Reinstroem zum Parking Day

Zu erleben wird im September ein weiteres Projekt der Kirchgemeinde in Aktion sein: Die Generationen-Rikscha. Christian Bähler ist Musiker der Band “Lasse Reinstroem” und möchte auf besondere Weise Werbung für Lebensqualität in der Johannstadt machen. Er beantragte Fördermittel für einen Videodreh zum neuen Song “Ferry of the common man”. Das Lied ist eine Hymne an das Fahrrad, das auch im Fokus des alljährlichen Parking Day steht. Für das Video sucht Lasse Reinstroem Johannstädter*innen mit emissionsfreien Zwei- und Dreirädern aller Art, um einen Tross von Albertbrücke bis Hertelstraße zu sammeln. Die Generationen-Rikscha soll auch dabei sein.

Esther Heinke zeigte die Ziele und Pläne des Projektes "Nachhaltige Johannstadt", das Klimaschutz und Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen vorantreibt. Foto: Philine Schlick
Esther Heinke präsentierte die Ziele und Pläne des Projektes “Nachhaltige Johannstadt”, das Klimaschutz und Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen vorantreibt. Foto: Philine Schlick

Der Parking Day wird am 18. September auf der Hertelstraße gefeiert, indem drei bis vier Parkplätze frei von Autos geräumt werden. An ihre Stelle rücken Sofas, Spiele und Picknicks. Es soll gezeigt werden, wie sich die Atmosphäre einer Straße wandelt, wenn auf ihr Platz für Freizeit und Geselligkeit ist. Der Aktionstag wird gestaltet vom Projekt NaJo2025, das sich mit zahlreichen Initiativen wie einem Tauschschrank, sicheren Fußgängerquerungen, Fahrrad-Bügeln und Fair-Teilern für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Viertel einsetzt.

Bernd Sauer vom Copy Shop Sauer bei der Stadtteilbeiratsszung. Foto: Philine Schlick
Bernd Sauer vom Copy Shop Sauer bei der Stadtteilbeiratsszung. Foto: Philine Schlick

 

Weitere Informationen