Beruf Stadtteilclownin – Neu in der Nachbarschaft: Madame Klimbim

eingestellt am 05.03.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Darf ich bekannt machen: Madame Klimbim, berufserfahrene Clownin, die ihr neues Domizil im Stadtteil bezogen hat Foto: Anja Hilgert

Der Tag an dem Frau Klimbim in unsere Nachbarschaft zog, ist es wert, im Kalender angekreuzt zu werden. Es war der zweite oder dritte durchgängig sonnige Tag im Jahr. Zwar eisekalt, aber der Himmel klar und blau und die Forsythien zeigten schon erste gelbe Spitzen. 

 

Frau Klimbim ist eine kleinere, energiegebündelte Person, die am liebsten gestreifte und geringelte Kleidung trägt. In mehreren Schichten übereinander. Je nachdem, wie sie sich dreht und wendet, lugt, immer an verschiedener Stelle, ein anderer Farbzipfel hervor. Frau Klimbim besitzt eine Quirligkeit, die kaum jemals still steht. Ihr knallrot leuchtender Mantel macht, dass man sie schon von Weitem sieht. Und sobald der Blick sie entdeckt, spielt sich ein Lächeln aufs Gesicht.

 

Die Neue in der Nachbarschaft

Auf einmal war sie da. Niemand wusste von ihr, bis sie einzog, bei uns im Viertel. Das war am Dienstag, einem ganz gewöhnlichen Wochentag. Alles im Viertel ging seinen normalen Gang. Sie kam vom anderen Ende der Welt. Sie kam ganz neu hier an und zog in eine kleine Wohnung, zentral in der Johannstadt. Ein Übergangsquartier, fürs Erste, bis sich vielleicht etwas anderes bietet. Sie wohnt mittendrin, ihre Hausadresse ist der kleine Container, der auf der Grünfläche zwischen den hohen Häuserblocks aufgestellt ist, hinter den Kaufhallen und dem Parkplatz an der Pfeifferhanns-Straße. 

 

Offenes Fenster mit Aussicht in den Stadtteil Foto: Meike Weid

 

Zum Einzug brachte sie gute Laune mit. Dadurch, dass sie davor viel gereist war in ihrem Leben, kannte sie manche Menschen schon von woanders her. Sie grüßte beinah jede und jeden, die vorbei kamen. Als sie beim Einzug zum ersten Mal ihr Fenster öffnete, machte sie die Flügel weit auf und beugte sich mit ganzem Oberkörper heraus, dass ihr Kopf mit den vielen Locken die ganze Straße überblickte.

Zwei Männern, die vorbei spazierten, warf sie einen Gruß zu und rief: „Ja, hallo! Auf ein schönes Miteinander!“ Wir lernten sie gleich beim Vornamen kennen: Ciboulette heisst sie, Ciboulette Klimbim. Etwas an ihr ist wohl ein bisschen wie französisch, aber darüber spricht sie nicht weiter. Sie ist einfach da. Und daraus macht sie das Beste, was in dem Moment jetzt gerade möglich ist.

 

Et voilà: Etwas Miteinander zum Mitnehmen Foto: Meike Weid

 

 

 

Stadtteilclownin in Johannstadt 

Frau Klimbim ist Yaëlle Dorison und sie ist Clownin und Zirkuspädagogin von Beruf. An der 101.Oberschule arbeitet sie als Schulclownin mit den Klassen. Zum Jahresbeginn 2022 kam sie durch das Kulturförderprojekt UTOPOLIS des Johannstädter Kulturtreff zur Stadtteilclownin beauftragt in die Johannstadt. 

 

Yaëlle Dorison gibt Sprechstunden für mehr Utopie Foto:Meike Weid

 

Erste Auftritte und Kontakte in der neuen Rolle machte Ciboulette Klimbim mobil in verschiedenen Einrichtungen des Stadtteils wie Kindertreff JoJo, Familientreff Mosaik und Café Halva sowie unterwegs auf dem Wochenmarkt am Bönischplatz.

Sie bringt mit, was zwanzig Jahre Berufserfahrung ihr an Clownerie, Kontaktmöglichkeiten und sozialer Kompetenz an die Hand gegeben haben. Clownin zu sein bedeutet, in jeglicher Situation die vermittelnde Brücke zu sein. Mit der Magie der Improvisation lassen sich die Qualitäten jeder Situation federleicht oder mit Ach und Krach entkleiden und verwandeln. Bei Madame Klimbim stehen die Antennen etwas anders und damit betreibt sie in der Johannstadt auf unnachahmlich sympathische Art Stadtteilclownerie de luxe.

 

Nähe schaffen ist eines der Clownstalente, die Frau Klimbim mit in die Johannstadt bringt Fotos: Meike Weid

 

Die neue Nachbarin

Zum ersten März war es soweit für die Einzugsparty von Frau Klimbim an ihrer jetzigen festen Wohn-Adresse im Stadtteil. Alle, die sie schon getroffen hat, hat sie gleich auch zu sich nach Hause eingeladen. Viele sind gekommen und bevölkerten ihre Terrasse vor dem Fenster zum Garten, die leere Mitte zwischen den hoch ragenden Häusern. Viele Kinder mit ihren Eltern, junge Jugendliche und andere bunt Interessierte, die das schöne Wetter nach draussen, an der Nase lang und in unersättliche Neugier zog. 

Lustig war es in jedem Fall: Eine Einzugsrede, auf der aufgewickelten Klorolle notiert, wurde mit viel Herz und Humor vom Podest verlesen und blattweise unter die Leute verteilt. Stich- und Schlagworte – heissen die wirklich so? – standen darauf:
Verteilt wurde Hoffnung, Freude und Glücklichsein, das schon erwähnte Miteinander, auch Leichtigkeit war dabei und ganz groß geschrieben: Utopie. Ciboulette Klimbim fordert mit heiteren Gesten ernsthaft auf, Fragen zu stellen und dem Wohnen in der Johannstadt auch mit unbequemen Themen auf den Zahn zu fühlen. 

 

Foto: Meike Weid

 

Das genau ist die Rolle der zeitgenössischen Närrin: Naiv, tollpatschig und dreist genug, um die Leute (über sich selbst) zum Lachen zu bringen – zugleich intelligent, mutig, fokussiert und weitsichtig genug, um an einem geheimen roten Faden Menschen auf Neuland zu führen, vor dem sie vielleicht sogar mächtig Angst haben. In unseren Zeiten Zukunft zu gestalten ist keine leichte Herausforderung. Im permanenten Spiel zwischen Ernst und Leichtigkeit gelingt es Yaëlle Dorison in ihrem Clownswesen Ciboulette Klimbim spontan, auf jeden Fall, überall Zwischenräume zu schaffen, Raum zu geben, um zu träumen, etwas aufplatzen zu lassen, zu lachen und überhaupt Emotionen ihren Platz und den passenden Ausdruck zu geben.

 

Mercis und ein offenes Ohr

Im Plattenwechsel-Container ist sie ab jetzt zu regelmäßigen Zeiten zuhause und lädt zu sich ein: Madame Klimbim, Ciboulette, mag Gesellschaft und würde sehr gern zu ihren Sprechstunden Besuch empfangen oder auch auf einen Spaziergang mitgenommen werden. Ansonsten liebt sie Post in ihrem Briefkasten am Container und wünscht sich Zuschriften mit allen möglichen Fragen, Wünschen, Sorgen – sie hat ein offenes Ohr für ihre Nachbarschaft. 

 

Viel Post bitte direkt hier :
Madame Klimbim
Container Pfeifferhannsstraße
Johannstadt
Foto: Meike Weid

 

Zum Schluss ihrer Party gab es ganz viele handgeschriebene Mercis zum Mitnehmen, den Klopapiercharme und das lachergreifende KlimBim. Kinder hatten Marshmallows am Lagerfeuer gegrillt und die Erwachsenen hatten ihr Gespür wieder offen für das, was Menschen verbindet und mutig macht fürs Leben und ein gelingendes Miteinander.

Frau Klimbims Sprechstunde für mehr Utopie 

am Container hinter Aldi (Pfeifferhannsstraße)

  • 9.März 10 bis 12 Uhr
  • 15./22./29.März 15 bis 17 Uhr

www.yaelledorison.de
www.plattenwechsel.com

Advent in der Johannstadt 2021

eingestellt am 01.12.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Adventsrätsel: Zu welchem Schaufenster gehört diese fantastische Dekoration? Foto: PS

Am Sonntag hat sich auch in der Johannstadt der Advent angekündigt. Am heutigen Mittwoch öffnen sich die ersten Türchen. Bei so manchem Kind zu Hause mit Süßem, aber auch digital im Viertel: Die Schulclowns der 102. Grundschule überraschen mit 24 Videos für jedermensch. Wie jedes Jahr startet auch der Johannstädter Advent auf johannstadt.de.

Kalter Bindfäden-Regen, Sturm und Dunkelheit – der Advent gibt sich alle Mühe, das Leben nach drinnen zu verlagern. Die Fronten der Hochhäuser in der Johannstadt leuchten bereits seit einigen Tagen selbst wie bunte Kalendertürchen und auf so manchem Balkon steht schon angelichtelter Weihnachtsbaum. Weihnachten kommt herangebraust. In der aktuellen Situation sind hoffnungsvolle Lichter im Advent nötige Begleiter.

Mit Schminke nicht immer ein Herz und eine Seele: Die Schulclowns. Foto: Philine Schlick

Das dachten sich auch die Schulclowns der 102. Grundschule Johanna und haben einen frei zugänglichen Adventskalender in’s Internet gestellt und dabei sogar nicht einen drauf gesetzt:  “Die lieben Schulclowns und viele Kolleg*innen aus dem Schul-Team haben sich letzte Woche und diese Woche Zeit genommen und haben 25 (!) kleine Videos gedreht, damit wir uns und den Kindern die Adventszeit ein wenig versüßen können. Und ihr könnt die Clowns begleiten, wie sie sich auf Weihnachten vorbereiten mit allen was dazu gehört oder auch gehören könnte.”

Grafik: Grit Koalick

Auch der Johannstädter Advent wird traditionellerweise wieder umgesetzt. Viele Online-Türchen sind noch frei und warten auf kreative Ideen. Willkommen sind Beiträge aller Art: Rezepte, Videos, Fotos, Rätsel, Selbstgemaltes, Selbstgeschriebenes, Bastelanleitungen, Gedichte, Besinnliches. Vielleicht auch Fotos von geschmückten (Schau-)Fenstern der Johannstadt? Einsendungen sind herzlich willkommen an advent@johannstadt.de.

Advent in der Johannstadt 2021

Der Funke Anarchie – Die Schulclowns der “Johanna”

eingestellt am 25.02.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Den Clowns machen die Auftritte mindestens so viel Spaß wie den Kindern. Foto: Philine Schlick

Nichts ist für die bestehende Ordnung so wichtig wie ein Funken Anarchie. Monatlich beweisen das die Auftritte der Schulclowns Elisabeth Gröschel und Hendrik Müller an der 102. Grundschule “Johanna”. Ihre unerwarteten Auftritte platzen in den Schulalltag und sorgen für helle Begeisterung. Und siehe da: Plötzlich verwandeln sich Kinder in ziemlich strenge Erwachsene.

“Papierverschwendung!”, ruft es aus der ersten Reihe. “Teamarbeit!”, fordert der Kinderchor. “Aufräumen!”, pflichten die Schüler*innen der Klasse 2c ihrer Lehrerin bei. Was ist passiert? Vor der Klasse stehen, in weiten karierten Hosen, “Herr und Frau Clown”. So heißen die Lehrerin Elisabeth Gröschel und der Schulsozialarbeiter Hendrik Müller, wenn sie sich ihre Gesichter weiß schminken und die rote Kugelnase aufsetzen. Manchmal aber auch “in Zivil” auf den Gängen.

“Prima, Herr Clown!”

Gerade ist das Clowns-Duo in das Klassenzimmer gestolpert. “Hallo! Salam Aleikum”, kräht die Klasse begeistert. Nicht fehlen darf die mit Sternen verzierte Kiste. Nicht nur Lachen provozieren die beiden Clowns bei ihren Auftritten, sondern auch erhobene Zeigefinger. Die Kinder beobachten peinlich genau, was schief läuft und posaunen ihre Kritik laut heraus. Papier auf den Boden geworfen? Den anderen geschubst? Etwas einfach weggenommen? Die Klasse legt ihr Veto ein. Wenn die Clowns artig sind, gibt es auch mal ein Lob: “Prima, Herr Clown!”

Warmmachen für große Faxen: Hendrik Müller und Elisabeth Gröschel. Foto: Philine Schlick

Am heutigen Donnerstagmorgen absolvieren die Schulclowns drei Auftritte hintereinander. Eine schweißtreibende Angelegenheit – trotz winterlicher Temperaturen und einer “eher bewegungsarmen Nummer”. An manchen Tagen sind es sechs hintereinander. Elisabeth Gröschel und Hendrik Müller haben sich im Sozialarbeits-Büro umgezogen und geschminkt. Sich gegenseitig knuffend und schnatternd eilen sie zum ersten Klassenraum. “Wir müssen jetzt noch ganz viel reden”, erklärt Elisabeth. Denn als Clowns agieren sie stumm. Die Vorfreude ist ihnen deutlich anzumerken. Elisabeth hebt die Faust und klopft polternd an die Tür.

Die Schulclowns – geschafft nach dem Auftritt. Foto: Philine Schlick

Für die Kinder kommt das Klopfen an der Tür unerwartet. Die Lehrerin schmunzelt schon. Sie wurde lange im Vorfeld über den Besuch der Clowns unterrichtet und weiß, dass sie im Anschluss die ungestüme Klasse bändigen muss. Aber der Spaß, die Abwechslung und das Lachen sind es wert.

“Alleine schafft man das nicht”

“Der Schulalltag ist geprägt von Regeln und Struktur”, sagt Elisabeth Gröschel im Anschluss an die Auftritte. “Deshalb wollten wir für etwas Leichtigkeit sorgen.” Seit 2018 tut sie das mit ihrem Kollegen Hendrik Müller. Lehrstunden nahmen sie beim Baba-Jaga-Darsteller Rainer König . Die Schneiderei der Staatsoperette war so freundlich, die weiten Clownshosen passgerecht anzufertigen – die Kosten trug der Förderverein der Grundschule. “Wir haben vier Punkte festgelegt”, erklärt Hendrik Müller. “Erstens: Alle lachen gemeinsam. Zweitens: Die Kinder sollen kulturell gebildet werden. Drittens: Ein soziales Thema wird angesprochen. Viertens: Die Clowns sollen zu Identifikationsfiguren der Schule werden.”

Mit Schminke nicht immer ein Herz und eine Seele: Die Schulclowns. Foto: Philine Schlick

Zurück im Klassenzimmer: “Die Clowns!” Mit diesem Ruf reißt es nahezu alle Schüler*innen von den Sitzen. Während der Darbietung fällt es schwer, die Kinder auf Distanz zu halten. “Aber das ist etwas, dass sie lernen sollen”, erklärt Elisabeth Gröschel. “Dass man einem Künstler mit Respekt begegnet. Deshalb fordern wir am Ende auch einen Applaus ein.” Bewusst spielen die Clowns miteinander im Duo – die Kinder bleiben Zuschauer. “Alleine schafft man das nicht”, sagt Elisabeth Gröschel und meint damit die Mammutaufgabe, mit einer ganzen Klasse zu interagieren.

Nicht nur bei Kindern wirken die Clowns als lebendige Stimmungsaufheller: Auch die Weihnachtsfeier des Lehrerkollektivs lockerte das Clowns-Duo auf. Zwei Jahre ist das Projekt knapp alt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Hendrik Müller möchte deshalb im zweiten Schulhalbjahr mit Fragebögen Schüler, Eltern und Lehrer um eine Bewertung der Schulclownerie bitten, um das Projekt auszubauen oder anzupassen. Ziel ist es, die Schulclowns auch an anderen Schulen auftreten zu lassen.

Hier können die Schulclowns im Video erlebt werden.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.