Neue Straßen, neue Namen: Lili Elbe und Lea Grundig setzen sich durch

eingestellt am 15.04.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Die "ehemalige Stephanienstraße" soll einen klangvolleren Namen erhalten. Foto: Philine Schlick

In der Johannstadt entstehen zwei neue Straßen, die einen Namen brauchen. Bürger*innen beteiligten sich mit Vorschlägen an der Benennung. Am Mittwoch stimmte der Stadtbezirksbeirat darüber ab, welche Namen weiterkommen. Ein Bürgervorschlag setzte sich durch – er würdigt eine der bekanntesten Transgender-Frauen Europas. 

Am Mittwoch hat der Stadtbezirksbeirat über die Namen zweier neuer Straßen in der Johannstadt abgestimmt.

Zum einen ging es um die Verlängerung der Pfeifferhannsstraße über das Brachgelände bis zur Gerokstraße. Zum anderen um die verlängerte Elisenstraße, also die Verbindung zwischen Florian-Geyer-Straße und Käthe-Kollwitz-Ufer entlang des Geländes, an dem die WiD ein zweites Haus bauen wird.

Blick auf den Planweg verlängerte Elisenstraße in Richtung Käthe-Kollwitz-Ufer. Foto: Philine Schlick

Das Quartiersmanagement Johannstadt hatte in letzter Minute eine Bürgerbeteiligung angeregt.

Von Rolf Hoppe- bis Plattenwerkstraße

Vielfältig waren die Ideen, die beim Stadtbezirksamt eingingen. Erna Lincke, Hilde Rakebrand, Sabine Ball, König Johann, Rolf Hoppe, Ida von Lüttichau, Otto Ernst Faber, aber auch die Schokolade an sich oder das Plattenwerk wurden als Namenspatronen erwogen. Einige der Vorgeschlagenen waren noch nicht länger als fünf Jahre verstorben – das war aber als Bedingung zur Einreichung festgelegt. Andere erwiesen sich aufgrund ihres umfangreichen Namens als schwierig, weil entsprechende Straßenschilder überlang ausfallen würden. Bei wiederum anderen attestierte das Amt fehlenden Dresden-Bezug.

Die Benennung nach den vorhandenen Straßen wurde als verwirrend befürchtet, da beide nicht durchgängig sind. Das könne zu Problemen bei der modernen Navigation führen, argumentierte Amtsleiter André Barth. Besonders Zustelldienste könnten davon betroffen sein.

Bruno Clauß von Lili Elbe überstimmt

Das Stadtbezirksamt präsentierte den Beirät*innen zwei Favoriten. Für die verlängerte Elisenstraße war das Lea Grundig, für die verlängerte Pfeifferhannsstraße Bruno Clauß. Die Entscheidung lag aber letztendlich beim Beirat, der sich mit beiden nicht gleich einverstanden zeigte. Es wurden Änderungsanträge eingereicht, über die direkt abgestimmt wurde.

Während Lea Grundig sich bei der Abstimmung behaupten konnte, wurde Bruno Clauß, Erfinder der Blockschokolade und Gründer der Schoko-Fabrik, abgewählt. Auch Erna Lincke hatte das Nachsehen. Die meisten grünen Zettel gingen für Lili Elbe nach oben. Marko Beger (FDP) hatte sich mit seinem Änderungsantrag für sie stark gemacht.

Andrea Schubert (Grüne) sprach sich im Zuge der Debatte deutlich auch in Zukunft für eine Beteiligung von Bürger*innen bei der Wahl von Straßennamen aus.

Zwei Frauennamen für die Johannstadt

Zwei Frauennamen gehen also für die Johannstadt ins Rennen. Die Idee, Lili Elbe als Namenspatronin zu wählen, hatten Bastian und seine Mitbewohnerin aus der Johannstadt:

„Die Johannstadt ist ein aufblühender Teil Dresdens und am Puls der Zeit, warum nicht auch an diesem Puls? In Amerika werden die ersten Transmenschen Teil des Abgeordnetenhauses und des Senats. Bis wir in Deutschland oder Sachsen soweit sind, müssen wir sicherlich noch ein paar Tage warten, aber wir können trotzdem schon einen politischen Schritt gehen und die erste Straße in Deutschland nach einer queeren Persönlichkeit benennen“, warben sie.

Das Grab von Lili Elbe auf dem Trinitatisfriedhof. Foto: Philine Schlick

Lili Elbe gilt als eine der bekanntesten Transgender-Persönlichkeiten Europas. Ihr Leben dient dem Film und dem Buch „The Danish Girl“ als Vorlage. Geboren wurde sie am 28.Dezember 1889 in Dänemark als Einar Wegener. Sie starb am 12.September 1931 an den Folgen ihrer vierten und letzten geschlechtsangleichender Operation in Dresden, wo sie auf dem Trinitatisfriedhof begraben liegt.

Lea Grundig war eine jüdische Künstlerin, die sich in ihrem Schaffen für mehr Humanität einsetzte. Am 23. März 1906 in Dresden geboren, musste sie ihre Heimatstadt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen. Als Jüdin und Kommunistin wurde sie verfolgt und inhaftiert. Sie ging ins Exil nach Palästina und kehrte erst knapp ein Jahrzehnt später wieder nach Dresden zurück, wo sie die erste Professorin für Grafik und Malerei an der HfBK wurde. Ihr Mann war Hans Grundig. Sie starb am 10. Oktober 1977 bei einer Mittelmeerreise und liegt auf dem Heidefriedhof begraben.

Das Ergebnis der Abstimmung wird jetzt dem Geo- und Katasteramt zur Prüfung vorgelegt. Die endgültige Entscheidung über die Namen der neuen Straßen liegt beim Stadtrat.

Stadtbezirksbeirat Altstadt/Johannstadt

Florian-Geyer-Straße: Das neue WiD-Haus bekommt eine Tiefgarage

eingestellt am 04.03.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Im Außenbereich des neuen Wohnhauses sollen Flächen zum Spielen entstehen. Foto: Philine Schlick

An der Florian-Geyer-Straße wird derzeit wie geplant der Boden für einen Neubau der Wohnungsbaugesellschaft Wohnen in Dresden (WiD) geebnet. Die Baumfällungen ermöglichen letzte Blicke auf die künstlerisch gestaltete Fassade der ehemaligen Kita. In ihren Bauplänen ist die WiD auf die Wünsche von Bürger*innen eingegangen und hat eine große Änderung vorgenommen.

Es kracht. Schwere Maschinen wühlen sich durch den Boden. Rund um die ehemalige Kita an der Florian-Geyer-Straße 13 hat sich das Dickicht gelichtet und übergroße bunte Gesichter schauen erstaunt in die Straßen. Sie zieren die Wände der ehemaligen Kita.

Blick auf die Fassade der ehemaligen Kita. Foto: Philine Schlick

Abriss der Kita wird vorbereitet

Auf deren Grundfläche entsteht nach das neue WiD-Wohnhaus, dessen Grundfläche nur geringfügig größer sein soll. Der Bau wird allen Planungen nach im dritten Quartal 2021 starten und zwei Jahre andauern.

Derzeit wird alles für den Abriss der Kita vorbereitet. Dazu gehören auch Baumfällarbeiten. Sträucher und Bäume mussten weichen.

Bäume und Sträucher sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben

„Auf dem Grundstück wurden bisher insbesondere notwendige Fällarbeiten und Arbeiten zur Befreiung vom Wildwuchs vorgenommen. Für den bevorstehenden Abriss der ehemaligen Kindertagesstätte wurde ein Bauzaun errichtet“, berichtet Claudia Herzog von der WiD.

„Alle Begrünungen, die in irgendeiner Form erhalten werden können, werden vor Beginn der Maßnahmen gesichert, so dass sie vor Einflüssen in Folge der Arbeiten geschützt sind. Außerdem werden nach Fertigstellung der Gebäudeteile auf dem Grundstück großzügige Ersatzpflanzungen vorgenommen.“

Bürgerbeteiligung: WiD baut niedriger

Nach dem Einbezug von Bürger*innen fällt der geplante Mehrgeschosser an der Ecke Bundschuh-/Florian-Geyer-Straße niedriger aus als einstmals angedacht. Außerdem werden nicht ausschließlich Sozialwohnungen angeboten, um eine Durchmischung des sozialen Gefüges zu erreichen. Von den 79 Wohnungen werden 62 mietpreisgebunden sein, besagt die Webseite der WiD.

Das WiD-Haus bekommt jetzt doch eine Tiefgarage. Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

Vergangenes Jahr gab es eine Bürgerbeteiligung, die aufgrund von Corona auf 25 Teilnehmer*innen begrenzt war. Ihrer Wirksamkeit hat das keinen Abbruch getan. Auch im Nachhinein könnten Bürger*innen ihre Gedanken und Bedenken äußern. Die WiD hat reagiert.

Nun doch: Eine Tiefgarage

„Eines der relevantesten Themen aus der Bürgerbeteiligung haben wir aufgenommen, das Thema Parkplätze“, so Claudia Herzog. „Wir haben intensiv mit unseren Planern dazu beraten und schlussendlich unsere Planung dahingehend noch einmal angepasst.“

Jetzt wird doch eine Tiefgarage gebaut. Im ursprünglichen Entwurf war diese Option wegen zu hoher Kosten nicht enthalten. Alle Parkplätze sollten auf der Fläche um das Haus angeordnet werden.

„Dann wäre aber das gesamte Grundstück zum Parkplatz geworden, so dass wir nochmal alle Zahlen auf den Prüfstand gestellt haben und nun doch eine Parkebene ins Untergeschoss gebracht haben“, führt Herzog aus.

Farbenprächtig grüßt der Tukan – nur noch kurze Zeit. Foto: Philine Schlick

Zusätzliches Geschoss für Keller und Stellplätze

Für alle Nebenflächen wie Mieterkeller, Kinderwagen-, Rollatoren- und Fahrradstellplätze hatte die WiD ohnehin ein Untergeschoss geplant. Jetzt geht es noch ein Stockwerk tiefer unter die Erde: Unter den Kellerbereich wird die Tiefgarage gebaut.

„Somit können wir einen Großteil der Stellplätze in der Tiefgarage abbilden, und nur eine geringfügige Anzahl im Außenbereich, so dass wir mehr Platz für Grün- und Spielflächen vorsehen können“, begründet Claudia Herzog.

Die WiD baut an der Florian-Geyer-Straße

Pfeifferhannsstraße: Keine Querung für Räder, aber abgesenkte Bordsteine

eingestellt am 15.02.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Blick vom langen Ende der Florian-Geyer-Straße über die Pfeifferhannsstraße auf das kurze Ende. Foto: Philine Schlick

Die Florian-Geyer-Straße wird von der Pfeifferhannsstraße in ein langes und ein kurzes Ende geteilt. Die Stelle, wo die Straßen aufeinandertreffen, birgt Gefahren für Radverkehr und Fußgänger*innen. Der Stadtbezirksbeirat hatte dem Oberbürgermeister einen Lösungsvorschlag gemacht, auf den nun die Antwort folgte. Der Radverkehr hat aus baulichen Gründen das Nachsehen, aber sicherer soll die Gefahrenstelle werden.

Die Florian-Geyer-Straße ist auf Höhe des neuen WGJ-Spielplatzes in ein langes und ein kurzes Ende geteilt. Das kurze Ende mündet, vom Thomas-Münzer-Platz kommend, in einer Sackgasse mit Parkplätzen und einer Grünfläche mit Bäumen. Von der Sachsenallee kommend, trifft der längere Abschnitt der Florian-Geyer-Straße an ebendieser Stelle auf die Pfeifferhannsstraße. Diese verbindet das Käthe-Kollwitz-Ufer mit der Pfotenhauerstraße.

Blick vom kurzen Ende der Florian-Geyer-Straße in Richtung Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick
Blick vom kurzen Ende der Florian-Geyer-Straße in Richtung Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick

Gefahrenstelle für Fußgänger*innen und Radverkehr

Diese Stelle birgt für Fußgänger- und Radverkehr Risiken. Die parkenden Autos am Straßenrand machen die Stelle für Personen, die die sich auf der Florian-Geyer-Straße bewegen und die Pfeifferhannsstraße queren wollen, unübersichtlich. Radfahrer*innen und Fußgänger*innen müssen sich zwischen den Autos „durchquetschen“. Durch Kurven ist die Straße schlecht einzusehen, deshalb ist Tempo 30 geboten. Im aktuellen Schulwegeplan wird die Einmündung als Gefahrenstelle ausgewiesen.

Hohe Bordsteinkanten erschweren die Querung an der Schnittstelle Florian-Geyer-/Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick
Hohe Bordsteinkanten erschweren die Querung an der Schnittstelle Florian-Geyer-/Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick

Der Bereich vor dem Wohnhaus Pfeifferhannsstraße 24 verfügt über einen Fußweg, der von Passant*innen legal, aber von Radfahrer*innen notgedrungen illegal genutzt wird, um dem Verlauf der Florian-Geyer-Straße zu folgen. Hinderlich sind dabei die hohen Bordsteinkanten nicht nur für den Radverkehr, sondern auch für Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren.

Abgesenkte Bordsteine werden geprüft

Im vergangenen November hat der Stadtbezirksbeirat dem Oberbürgermeister einen Vorschlag gemacht, um eine durchgängige Verbindung der Florian-Geyer-Straße zu schaffen. Man berief sich dabei auf bereits das Radverkehrskonzept. Die Idee war, eine sichere Querung über die Pfeifferhannsstraße zu schaffen, Bordsteine abzusenken und das Tempo-30-Schild am Eingang der Pfeifferhannsstraße so anzubringen, dass es für Autofahrer*innen besser sichtbar wird.

Grünfläche zwischen Florian-Geyer- und Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick
Grünfläche zwischen Florian-Geyer- und Pfeifferhannsstraße. Foto: Philine Schlick

Kurz vor Weihnachten erfolgte nun die Antwort der Stadt. Der Einbau von abgesenkten Bordsteinen werde befürwortet, heißt es von Baubürgermeister Stephan Kühn. Ebenso soll geprüft werden, das Tempo-30-Schild zu versetzen, damit es besser sichtbar ist.

Fußweg kann kein Radweg werden

Für den Radverkehr sieht es allerdings schlecht aus: Das vorgesehene Radverkehrsnetz werde im Zuge der Pfeifferhannsstraße nur gekreuzt und habe im Hauptroutennetz keine besondere Priorität, heißt es.

Da bislang keine legal nutzbare Verbindung für den Radverkehr bestehe, könne auch keine sichere Querung errichtet werden, so die Begründung. Bei dem Weg vor dem Haus Nummer 24 handelt es sich um einen Fußgänger-, keinen Radweg. Eine Nutzung als Radweg sei deshalb nicht zulässig. Die begrenzte Gehwegbreite, die unmittelbare benachbarten Hauseingänge und die Sichteinschränkungen an dieser Stelle ließen das nicht zu.

Caravan-Tourismus auf Zeit in der Johannstadt

eingestellt am 02.07.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Caravan-Camping am Käthe-Kollwitz-Ufer: Funktioniert ohne Anmeldung und ohne Luxus, aber nicht auf die Dauer Foto:Anja Hilgert

Es wird Ferienzeit und Dresden gilt bei Kurzurlauber*innen und Städtereisenden schon immer als ein attraktives Ziel. Reisebeschränkungen und eine gemischte Gefühlsanlage, was das Fernreisen generell angeht, mögen Dresden in dieser Saison die Besucher*innen zurückbringen, die die Stadt im Frühjahr einbüßen musste. Nun gibt es Ideen, besonders Caravan-Tourist*innen für einen Stopp in Dresden zu begeistern.

Johannstädter Caravan-Romantik

Für ein, zwei Nächte sparsam im städtischen Grün am Johannstädter Rand Foto: Anja Hilgert

Um den Tourismus anzukurbeln und damit Gastronomie und Handel in der Corona-Krise zu stärken, erweitert die Landeshauptstadt ihre Stellflächen für Caravans und Wohnmobile. „Corona hat dem ohnehin boomenden Caravan-Tourismus in Deutschland noch einmal einen kräftigen Schub gegeben. Wir reagieren auf diesen Trend und laden die europäischen Camper in die Elbmetropole ein!“, sagt Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG).

Was ab 15.Juli 2020 als lockendes Angebot auf den neu geschaffenen 40 Stellplätzen auf einem weiträumigen Parkplatz an der Pieschener Allee gilt, hat sich am Johannstädter Elbufer in den vergangenen Jahren bereits fest eingespielt: Hier stehen regelmäßig Nummernschilder aus S, DA, FR oder WI und aus ganz NRW und bleiben für ein, zwei Nächte stehen.

Füße hochlegen im Quartier

Am Käthe-Kollwitz-Ufer, anschließend an die künftige Bebauungsfläche der FlüWo Bauen Wohnen eG werden Stellplätze sowohl für PKW als auch Caravan angeboten. Gegen eine Parkgebühr von 12€/Tag findet sich hier unter hohen Bäumen und frischer Elbbrise ein schattiges Plätzchen fürs Wohnmobil. Es gibt weder Strom noch Wasser, doch zum Auspacken der Campingsstühle ist reichlich Raum und zum Füße hochlegen im Freien genügt auch die sparsame Atmosphäre.

Gerahmt vom gründerzeitlichen Hintergrund der Florian-Geyer-Straße hat der Platz seinen Ausschnitt an angenehm städtischem Flair. Schließlich ist es zur Elbe und ihren grünen Wiesen nicht weit, Altstadt und Neustadt sind zu Fuß bzw über die öffentlichen Verkehrsmittel aus der Johannstadt ohne Aufwand zu erreichen und vielfache Einkaufsmöglichkeiten gibt es über die Pfotenhauerstraße gleich um die Ecke…Und wer sich vom Platz nicht mehr weg bewegen möchte, bekommt die Brötchen an die Bustür geliefert, wie das Inserat von Bäcker Henschel auf der Parkplatz-Stellwand verspricht.

Stellplatz-Angebot mit Minimal-Komfort       Foto: Anja Hilgert

Der Aufenthalt funktioniert ganz ohne Anmeldung, per Kasse vor Ort. In und um die Landeshauptstadt Dresden gibt es damit nun über 1.000 städtische und private Caravan-Parkplätze mit unterschiedlichem Service.

Campingidylle auf Zeit

Erwähnenswert ist allerdings, das die Nutzung in der Johannstadt aus städtischer Sicht definitiv eine zwischenzeitliche ist: Die Campingidylle wird nicht mehr lange anhalten. Die auswärtigen Großstadtnomaden in ihren voll ausgestatteten mobilen Bleiben werden ihrer Wege ziehen müssen, wenn der Platz seiner Bestimmung gemäß bebaut wird. Die Fläche ist für Menschen bestimmt, die in Dresden sesshaft sind und werden wollen.

Der Bebauungsplan Nr.079 sieht die Wiederherstellung der gründerzeitlichen Bebauung vor. Die Flächen wurden vom Stadtrat als Vorbehaltsflächen für sozialen Wohnungsbau ausgewiesen.

 

Weiterführende Informationen

Kein neuer Spielplatz zum Kindertag, aber ein dickes Danke

eingestellt am 01.06.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Bis zur Öffnung müssen alle Wirbelwinde noch ein wenig Geduld haben. Foto: Philine Schlick

Die Hoffnung, der neue Spielplatz an der Ecke Pfeifferhannsstraße/Florian-Geyer-Straße könne pünktlich zum Kindertag am 1. Juni eröffnen, wird leider enttäuscht. Julia Grotjahn von der WGJ vertröstet auf das Ende des Monats. Von Seiten der Stadt kommt zum Kindertag ein großes Danke und eine Mitmachaktion, um Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben.

Im März gab es großen Wirbel um gefällte Bäume im Innenhof der Pfeifferhanns-/Florian-Geyer-Straße. Bürger*innen hatten in Initiative der Anwohnerin Angela Schubert eine Petition gestartet, um die Baumfällungen zu verhindern. Die WGJ ihrerseits setzte ein lang vorbereitetes Bauvorhaben zur Modernisierung der Hauseingänge um, um die Zugänge barrierefrei und sicher zu gestalten.

Sandkasten und Bocciabahn

Als Reaktion auf den Unmut plante die WGJ schließlich einen neuen kleinen Spielplatz gleich gegenüber. Ebenfalls schattig gelegen, soll er die gefällten „Spielbäume“ ersetzen. Auf dem Spielplatz haben im Normalfall 10 bis 12 Kinder Platz, doch derzeit gelten natürlich Hygiene- und Abstandsvorschriften.

Der Plan des neuen Spielplatzes Pfeifferhanns-/Florian-Geyer-Straße. Foto: WGJ
Der Plan des neuen Spielplatzes Pfeifferhanns-/Florian-Geyer-Straße. Foto: WGJ

Der Spielplatz bietet einen Sandkasten, eine Balancierstrecke und eine Boccia-Bahn und wird von Sträuchern und Sitzgelegenheiten umgeben sein. Momentan ist er noch abgesperrt. WGJ-Sprecherin rechnet mit einer Öffnung Ende Juni.

„Als Wohnungsgenossenschaft möchten wir, dass sich die Menschen im Viertel wohlfühlen. Dazu gehört natürlich auch entsprechende Freizeitmöglichkeiten“, so Alrik Mutze von der WGJ. Die Modernisierungsmaßnahmen am Wohnhaus Pfeifferhannsstraße werden voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein. Dann ist auch der dortige Spielplatz wieder benutzbar.

Kinder- und Jugendbeauftragte sagt Danke zum Kindertag

Der Kindertag ist für Dresdens Kinder- und Jugendbeauftrage Anke Lietzmann Anlass, um in einem Brief Danke zu sagen. Das Schreiben wird am 1. Juni auf der städtischen Facebookseite veröffentlicht. Sie möchte auf Kinderrechte aufmerksam machen. Dies sei besonders im Angesicht der Corona-Krise von großer Wichtigkeit.

„Die Bedürfnisse der Kinder kamen dabei zu kurz.“ Das untermauert auch die bundesweite Studie JuCo zu Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen. Der Befragung zufolge beklagen Kinder und Jugendliche ein großes Defizit an Einbeziehung in der Zeit der Pandemie.

Sorgen und Nöte von Kindern und Jugendlichen zu wenig wahrgenommen

Jugendliche wollen demnach nicht nur auf die Rolle als „Homeschooler“ reduziert werden. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorge werden kaum wahrgenommen. Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden, die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest. Die jungen Menschen hätten den Eindruck, dass gegenwärtig die Erwachsenen allein entscheiden, wie sie in der Corona-Krise ihren Alltag zu gestalten haben.

Ideen und Vorschläge an die Kinder- und Jugendbeauftragte senden

Anke Lietzmann ruft Kinder und Jugendliche auf, sich mitzuteilen: „Um eure Wünsche ging es selten. Trotzdem habt ihr durchgehalten und mitgemacht, was von euch verlangt wurde. Ich bin mir sicher, dass das nicht immer leicht war. Dafür zolle ich euch großen Respekt und sage DANKE! Und ich möchte euch ermutigen, den Erwachsenen zu sagen, was euch bedrückt oder was ihr wollt! Viel wurde in den letzten Wochen über euch gesprochen. Aber kaum jemand hat mit euch gesprochen.“

Kinder und Jugendliche sollen ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge zum Umgang mit der Krise einsenden und Vorschläge machen, z.B: wie man die Bedingungen in Schule, Kita, auf dem Hof, in der Freizeit ändern kann. Anke Lietzmann appelliert, dass dies auch die Eltern für ihre Kinder tun können.

Die Mails werden an folgende Adresse erbeten:

kinderbeauftragte@dresden.de

Konzert in Hausschuhen – Die Hochhausmelodien verzücken mit Weitblick und Intimität

eingestellt am 03.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Begängnis in der "Platte". Die Hochhausmelodien lockten zahlreiche Besucher*innen. Foto: Philine Schlick

Der Andrang war groß bei den zweiten Hochhausmelodien des Kunsthaus Dresden im Mehrgeschosser Florian-Geyer-Straße 15. Kulturradio und Lokalzeitungen hatten sie fleißig beworben, die Hausbegehung der besonderen Art, und so pilgerten zahlreich Menschen zu Fahrstuhlmusik und Couch-Konzert. Zwischen den Inszenierungen fand sich so manche reale Begebenheit, die im Kontext skurril anmutete …

Die Organisation war eine logistische Meisterleistung. Foto: Philine Schlick

„Das fühlt sich an wie vierhundert“, sagt Frieder Zimmermann. Gemeinsam mit Caterina Other und Jessica Jäckel bildet er die Band Tworna, die gerade nach ihrem Auftritt im Wohnzimmer von Frau Thielemann im vierten Stock zwischen Wohnküche und Schrankwand ihren Applaus entgegennimmt. Tatsächlich brandet dieser ähnlich gewältig wie die Wogen unter dem Schiff auf dem Bild an der Wand. Etwa zehn Zuschauer*innen sind in große Filzlatschen geschlüpft und haben sich auf Sofas und Stühlen breit gemacht. Eine halbe Stunde lang durften sie lauschen, dann wartete schon die nächste Besatzung.

Die Bühne: Ein Wohnzimmer im vierten Stock. Foto: Philine Schlick

Lohnende Hürden

Bis zum ersten Konzert galt es für die Gäste, etliche Hürden zu nehmen: Anmeldung im Vorfeld für je nur eine Veranstaltung pro Person, rechtzeitige Abholung der reservierten Karten vor Ort (mit persönlicher Unterschrift!), Eintragung in die Warteliste bei weiteren Konzertwünschen. Dann das Warten auf den goldenen Gong und Abfahrt mit dem Fahrstuhl in die entsprechende Etage pünktlich zehn Minuten vor Konzertbeginn. Puh, geschafft! Der meisterhaften Logistik war es letztendlich zu verdanken, dass der „Sturm aufs Wohnheim“ gesittet und reibungslos verlief.

Blick durch ein Guckloch in der verfinsterten Flurscheibe. So abwechslungsreich kann der Fußweg bis in den 15. Stock sein. Foto: Philine Schlick

Doch, Moment mal, warum dürfen diese zwei Herren hier eigentlich ohne Ticket vorbei? Ach so, ein Umzug. Höflich aneinander vorbei gedrängelt konnte sogar noch dieser inmitten des Ausnahmezustands gemeistert werden. Und dann war da noch die Dame, die im ungewöhnlichen Getümmel ihre Wohnung nicht wiederfand und bei ihrer Suche durch alle Stockwerke von allen Seiten eskortiert wurde …

„War das jetzt echt?“

Und der Ruf „Können Sie mal ein bisschen leiser machen im sechsten Stock!“ – gehörte der jetzt zur Inszenierung oder war er echt? Vorsichtshalber auf leisesten Sohlen erklimmen wir den 15. Stock, um auf der Fahrt nach unten die angepriesene Fahrstuhlmusik zu genießen. Nur zwei Personen auf einmal sind erlaubt bei diesem intimen Konzert.

Tigernde Sängerin im installierten Flur. Foto: Philine Schlick

Die Geige von Emily Yabe fiedelt sich in höchste Höhen, aber die Fahrt geht abwärts – die Sinne geraten durcheinander. Die Fahrstuhl- wird zur Raumfahrt. Siehe da, ein Stück Himmel zittert auf dem Bauch der Violonistin. Die Musik steigert sich zu einem nervenzerfetzenden Crescendo – die Türen öffnen sich. Wie ertappt sitzt man da – im falschen Stockwerk. Die Türen schließen sich wieder und beim nächsten Halt ist die wohl kurzweiligste Fahrstuhlfahrt der Welt schon vorüber.

Das Café für Alle versorgte mit Getränken und Kuchen. Lecker Thai-Gemüse mit Reis gab es nebenan. Foto: Philine Schlick

Draußen vor dem Café für Alle ist das Gitarristen-Duo von verträumter Lounge- zu süffiger Blues-Musik übergegangen. Das mag mit dem rauer gewordenen Wind zusammenhängen. Die Musikusse spielen tapfer weiter. Auf dem Kuchenbuffet lockt schon wieder eine neue Kreation und „frischer Kaffee ist fertig!“

Im Hochhausflur gab es akustische und optische Abwechslungen. Foto: Philine Schlick

Die Wartezeit lässt sich angenehm vertreiben. Ein paar Meter weiter scheint sogar die Sonne. Blinzelnd und mit in den Nacken gelegtem Kopf klettert der Blick am Hochhaus hinauf, auf dessen Balkonen Menschen ins Land zeigen auf ihrer Pause von der Wanderung durch das Hochhaus.

Sie haben dieselbe Veranstaltung besucht und alle etwas anderes gesehen.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Ärger um gefällte Bäume im Innenhof Pfeifferhanns-/Florian-Geyer-Straße

eingestellt am 26.02.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Blick in den betreffenden Innenhof am Mittwoch. Die Arbeiten laufen. Foto: Philine Schlick

Im Innenhof Pfeifferhanns-/Florian-Geyer-Straße sorgen Baumfällarbeiten für Aufregung. Da die WGJ das anliegende Wohngebäude barrierefrei gestaltet und breitere Feuerwehrzufahrten schafft, müssen zehn Bäume weichen. Anwohner*innen sehen den schattigen Spielplatz in Gefahr. Eine kurzfristig eingereichte Petition erhielt zahlreiche Unterschriften. Die WGJ zeigt sich verwundert.

Es war am Montag, als der Sohn von Angela Schubert nicht wie gewohnt auf seinem Kletterbaum spielen konnte, denn dieser war nicht mehr da. Von den Arbeitern, die im Innenhof zugange waren, erfuhr die erschrockene Anwohnerin, dass für die laufende Woche Baumfällarbeiten geplant seien. Angela Schubert startete umgehend die Petition „Rettet den Spielplatz und die Bäume“, die innerhalb von 24 Stunden über 200 Unterschriften zählte.

Gefällte Bäume im Innenhof des WGJ-Wohnhauses. Foto: Philine Schlick

Sorge um den schattigen Spielplatz

Traurig und machtlos habe sie sich gefühlt, erzählt Angela Schubert am Telefon. Sie ist keine direkte WGJ-Anwohnerin, sondern Anrainerin des Innenhofes. Wie viele nutzte sie den hügeligen Spielplatz mit ihrer Familie. „In der Johannstadt gibt es wenige schattige Spielplätze“, beklagt sie. Bei sommerlichen Temperaturen sei es nicht möglich, den „Piratenspielplatz“ an der Elbe zu nutzen. Er liegt in der prallen Sonne. „Familien aus der ganzen Johannstadt nutzten den Spielplatz im Innenhof als Alternative“, weiß sie zu berichten. Die Fällung der Bäume schmerzt sie.

Auch die Nadelbäume auf der dem Spielplatz gegenüberliegenden Gebäudeseite wurden gefällt. Foto: Philine Schlick

Die WGJ indessen zeigt sich erstaunt über die Petition. Bereits 2018 seien die Modernisierungsmaßnahmen am Wohnblock Pfeifferhannsstraße 22 bis 24 angekündigt gewesen, so Pressesprecherin Julia Grotjahn. Das Wohnhaus soll, besonders für ältere Bewohner oder Bewohner mit Behinderung, barrierearm umgebaut werden. Dazu wird eine größere Feuerwehrzufahrt- und Aufstellfläche benötigt, was die Baumfällungen bedinge.

WGJ sichert Erhalt des Spielplatzes zu

Persönliche Gespräche im Innenhof vor Ort mit dem WGJ-Vorstand und verantwortlichen Mitarbeitern im Jahr 2018, Begehungen jeder einzelnen Wohnung und Beantwortung individueller Fragen im Jahr 2019 hätten stattgefunden, heißt es von Seiten der WGJ. Eine offizielle Modernisierungsankündigung mit detaillierter Beschreibung der Baumaßnahmen im Jahr 2019 und eine Mieterinformationsveranstaltung im Januar 2020 hätten zusätzlich auf das Vorhaben aufmerksam gemacht.

Am 26. Februar wurden Bäume gefällt und entkront. Foto: Philine Schlick

Für die zehn gefällten Bäume sichert die WGJ in Absprache mit dem Umweltamt Ersatzpflanzungen zu. „Wir als Genossenschaft haben den Anspruch, möglichst nachhaltig und umweltfreundlich zu agieren. So pflanzen wir jedes Jahr mehr Bäume und Sträucher, als notwendig. Zu weiteren, umweltfreundlichen Maßnahmen der WGJ zählen z.B. der Erhalt von Schmetterlingen und Wildbienen in Form von Schmetterlingswiesen und das Aufstellen einer Skulptur, die Wildbienen ein Zuhause bietet“, argumentiert Grotjahn.

Der Spielplatz und die dazugehörigen Bäume blieben erhalten und seien nach den Baumaßnahmen wieder zugänglich, so die WGJ. Ein genaues Datum wurde allerdings nicht genannt.

Angela Schubert zeigte Verständnis für Baumfällungen in Fassadennähe, kritisiert aber, dass auch mindestens zwei Bäume weiter im Innenhof weichen mussten. „Wenn man gewollt hätte, hätte man das anders gestalten können“, ist sie überzeugt.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.