Grillhaus “Miran” eröffnet an der Pfotenhauerstraße

eingestellt am 23.11.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Das Miran-Team von der Pfotenhauerstraße. Foto: PS

In das ehemalige indische Lokal “Global Spicy” ist der Familienbetrieb “Miran” eingezogen. Mit orientalischen Spezialitäten, einem wechselnden Tagesgericht, Caterings und einem Bestellservice möchten Najat Khalil, Lukman Jummaa und ihre Mitarbeiter ihr Viertel bereichern. Auch einen Spätshop mit Fensterverkauf hat das Team eingerichtet.

In sattem Orange leuchten die Wände, Kerzen flackern in Gläsern auf den Tischen. Seit einigen Wochen bestätigte der Blick durch die großen Fensterscheiben: im ehemaligen “Global Spicy” regt sich etwas Neues. Vergangene Woche feierte das “Miran Grillhaus” mit einem kostenfreien Bufett Eröffnung. “Wir haben schon die ersten Stammgäste”, sagt Najat Khalil nicht ohne Stolz.

Tabloule-Salat. Foto: Miran

Restaurant und Spätshop

Die Johannstädterin und ihr Team träumten seit Jahren von einem Restaurant, erzählen sie. Auf der Alaunstraße betrieb die Familie eine Shisha-Bar – doch die ist jetzt bereits übergeben. Von ihrem Nachbarn, dem Inhaber des “Global Spicy”, erfuhren sie von der freien Gewerbefläche und wagten den Schritt. In der Fensternische neben der Tür richteten sie einen Spätshop ein, der täglich bis ein Uhr geöffnet ist. Im Angebot sind Snacks, Getränke, Tabak und hausgemachte Sandwiches. Die Idee hatte Lukman Jummaa, ihr Ehemann. “In Syrien behalten die Frauen nach der Hochzeit ihren Nachnamen”, erklärt Frau Khalil.

Zwischen 17 und 1 Uhr ist der Spätshop geöffnet. Foto: PS

“Bei den Schichten wechseln wir uns ab”, sagt sie. Drei Mitarbeiter sind im Miran beschäftigt. Ebenso wie ihr Service-Mitarbeiter Mahmoud Darwish, arbeitet Najat Khalil parallel als Dolmetscherin für Ämter, Gerichte und verschiedene Einrichtungen in Dresden und Umgebung. “Ich kenne ihn, seit er 16 ist”, sagt sie lächelnd und knufft ihn in die Seite. “Kennengelernt haben wir uns, als ich für ihn gedolmetscht habe – jetzt arbeiten wir im selben Büro.” Bereits in der Shisha-Bar half Mahmoud dem Ehepaar aus.

Miran bedeutet Frieden

Die Familie führte Anfang der 2000er einen Döner-Imbiss und ab 2015 eine Fladenbrot- und Yufka-Bäckerei. In der Johannstadt wird der Traum vom eigenen Gastro-Betrieb nun Wirklichkeit. Alle Gäste erhalten einen starken, süßen Tee mit selbstgebackenen Keksen. Sie schmecken nach Gewürzen, ein bisschen nach Lebkuchen. “Ein kurdisches Rezept”, sagt Najat Khalil.

Burger im Miran-Grillhaus. Foto: Miran

Auf der Karte steht “ein Mischmasch”. Kalte und warme Vorspeisen, Salate, Burger, Fleischspieße, Sandwiches, Kebap, Suppen, Bowls … Die verschiedenen indischen, arabischen und syrischen Köstlichkeiten ließen sich am besten unter dem Begriff “orientalisch” zusammenfassen, erklärt sie. Täglich gibt es ein indisches oder ein arabisches Mittagsgericht. Zur Zeit arbeitet mit Husein Yassin erst ein Koch im Miran, aber es sollen mehr werden. Das breite Spektrum an Speisen erfordert viele Handgriffe und Küchengerätschaften, denn seinem Namen nach wird im Miran auch gegrillt – Fleisch und Gemüse.

Teller mit Gegrilltem, Hummus, Salat, Käse … Foto: Miran

Der Name Miran bedeutet “Frieden” auf kurdisch und ist zu Ehren des erst sechs Monate alten Enkelchens so gewählt. Strahlend zeigt das Großelternpaar Fotos. “Wir wollen eigentlich in Frieden arbeiten, aber Corona macht das schwer”, bedauert Frau Khalil. Derzeit hat das Restaurant verkürzte Öffnungszeiten: Zwischen 20 und 22 Uhr können Speisen nur zum Mitnehmen bestellt werden. Das Team ist dabei, einen Lieferservice einzurichten. Besonders als Anlaufstelle für den Mittagstisch solle das Lokal noch bekannter werden, sagt Mahmoud Darwish. Und auch Senior*innen möchte er für die Küche begeistern: “Wir erklären gern jedes Gericht!”

Grillhaus & Spätshop Miran

  • Pfotenhauerstraße 59, 01307 Dresden
  • geöffnet täglich von 11 bis 23 Uhr, Spätshop von 17 bis 1 Uhr
  • Telefon für Vorbestellungen und Reservierungen: 30918011
  • Miran bei Facebook

Alles Gute zum Geburtstag, Café Kardamom!

eingestellt am 23.12.2019 von Philine Schlick, Headerbild: Hasan Dibo vom Café Kardamom. Foto: Philine Schlick

Das Café Kardamom auf der Pfotenhauerstraße wird heute zwei Jahre alt. Das ist eine frohe Botschaft, an die sich eine traurige anschließt: Hasan Dibo und seine Geschäftspartnerin Jana Petzold suchen eine neue Lokalität. “Das Geschäft läuft gut”, sagt Hasan. “Aber nicht sehr gut.” Auf das “sehr” käme es aber an, wenn es auf Dauer reichen soll.

Vor drei Jahren, Anfang 2017, war das Café Kardamom nichts als eine Idee – auf die zwei Menschen jedoch ganz fest setzten und hinarbeiteten. Jana Petzold und Hasan Dibo wollten sie verwirklichen, die Vorstellung von einem orientalischen Baklava-Bistro. “Wir haben uns Geld von Freunden geborgt”, erinnert sich Hasan. “Und dann haben wir angefangen.”

Zwischen fünf und sechs Kilo fassen die eckigen Bleche. Foto: Philine Schlick

Die Suche nach einem geeigneten Lokal gestaltete sich langwierig. In der Neustadt erhielten die beiden Suchenden keine Antwort, in Friedrichstadt wurden sie nicht fündig, am Postplatz machte ihnen – nachdem mit dem Vermieter alles abgesprochen war – der Brandschutz einen Strich durch die Rechnung. Schließlich landeten die beiden in der Johannstadt. “Wir haben zuerst den Brandschutz gefragt, als wir den Raum gefunden haben”, sagt Hasan lachend.

Irgendwo zwischen Bäcker und Konditor

Als auch die Hygiene ihr OK gab, war es plötzlich da, das Café Kardamom. An die drei Monate dauerte allein die Vorbereitung. Für Firmen hatten Hasan und Jana kein Geld, deshalb strich Hasan die Wände, bezog Stühle mit neuem Stoff, baute die Kühltheke ein.

Baklava zu backen hat Hasan in seiner Heimatstadt Aleppo gelernt. Dort ist die Ausbildung nicht institutionalisiert, sondern personenabhängig. Lehrlinge suchen sich ihren Meister*in und “laufen mit”, bis sie das Handwerk erlernt haben. Bei Hasan dauerte es 1,5 Jahre, bis er die Herstellung des knusprig-süßen Gebäcks beherrschte. “Ich bin irgendwo zwischen Bäcker und Konditor”, sagt er. Einmal, berichtet er, hat er einen Baklava-Kurs gegeben. “Aber 15 Treffen sind nicht genug, um alles beizubringen”, sagt er und lächelt.

Das Café Kardamom bietet auch Kaffee und Tee an. Foto: Philine Schlick

Hasan musste aus Syrien fliehen, wegen des Krieges. Mit Dresden hat er die beste Wahl getroffen, findet er. “Ich war in Dortmund, Berlin und Frankfurt. Ich bin froh, in Dresden zu sein.” Auch wenn er feststellen musste, dass die bürokratischen Abläufe hier länger dauern als in jeder anderen sächsischen Stadt. Auf seinen Reisepass musste er ein Jahr warten – in Zwickau hätte das nur vier Wochen gedauert, sagt er.

In der neuen Stadt überlegte er, wovon er zukünftig leben sollte. Er begann eine Bäcker-Ausbildung in Leuben, brach jedoch nach vier Monaten ab, weil der verschobene Schlaf/Wach-Rythmus ihn fertig machte. “Warum nicht machen, was ich kann?”, dachte sich Hasan. In Jana fand er eine Mitstreiterin. Nächste Station: Ein eigenes Café.

Blick ins Innere des Café Kardamom. Foto: Philine Schlick

Gut, aber nicht sehr gut

Der Tag der Eröffnung, der 23. Dezember 2017, war aufregend, die erste Zeit schwer als Baklava-Café im Kuchenland. “Deutsche Kunden kaufen ein Stückchen, arabische kiloweise”, macht Hasan die Dimensionen klar.

Hasan kreiert neben Baklava ein syrisches Eis aus Milch, Mascarpone, Mastix-Pistanzie, Orchideen-Aroma und Butter. Im Angebot des Café Kardamom ist auch ein Mittagsmenü: Eintopf aus Foul-Bohnen zum Beispiel, Suppen mit Käse und Spinat oder gefüllte Weinblätter und Teigtaschen.  “Ich lerne immer dazu”, erzählt Hasan.

Die Geschäfte laufen gut, sagt er. Aber nicht sehr gut. Am Monatsende sei über die laufenden Kosten hinaus nicht viel übrig. Deshalb ist ein Plan für 2020, eine neue Adresse zu suchen, näher zum Zentrum hin.

Zwar sei der Standort Pfotenhauerstraße angenehm ruhig, aber das sei eben auch das Problem. Zu wenig Laufkundschaft macht am Kardamom Halt. Darum bedeutet wohl das neue Jahr einen Aufbruch für das Café – gesetzt den Fall, es findet sich ein geeignetes neues Lokal natürlich.

Café Kardamom

  • Pfotenhauerstraße 67
  • geöffnet Montag bis Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag und Feiertag 14 bis 18 Uhr
  • www.kardamom-dresden.de

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.