Sprache auf 64 Feldern: Der Schachverein „Ran an’s Brett!“ in der Johannstadt

eingestellt am 02.11.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Dirk Jordan hat zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen Freund und Meister Wolfgang Uhlmann eine dessen französischen Eröffnungen angeordnet. Foto: Philine Schlick

Der Verein „Ran an’s Brett“ bringt Schach, das „Spiel der Könige“,  in die Johannstadt. Besonders an Kinder und Jugendliche richtet sich das Angebot, bei dem sich Laien, Fortgeschrittene und Meister beim offenen Spiel auf den legendären 64 schwarz-weißen Feldern messen können. Im Vordergrund steht bei aller Taktik und Siegeswillen die Freude am Spiel.

Schach? Das ist doch nur was für mathematische Genies, für alte Herren und Großmeister! Dirk Jordan, Schach-Experte aus Dresden schüttelt den Kopf. Er weiß es besser. Er spielt Schach seit seinem sechsten Lebensjahr, war Turnierdirektor der Schacholympiade 2008 in Dresden und entwickelt Methodiken, um jungen Menschen Schach beizubringen. Schach ist aktueller denn je – und ein Kinderspiel! Für Jungen und Mädchen.

Dirk Jordan, Initiator des Schachtreffs in der Johannstadt.Foto: Philine Schlick
Dirk Jordan, Initiator des Schachtreffs in der Johannstadt.Foto: Philine Schlick

Die Kunst der unblutigen Attacke

Die Umgebung ist an diesem Mittwoch für die Spieler von „Ran ans Brett“ eine ungewohnte: Man spielt heute ausnahmsweise nicht im Seminarraum des Johannstädter Kulturtreffs, sondern in der großen Werkstatt in Gesellschaft von Keramikfiguren und bunten Farbtöpfen. Im Fokus stehen für die nächsten Stunden jedoch die „Nicht-Farben“ Schwarz und Weiß. Drei Herren sind bereits da und warten auf zwei Jungen, die sich etwas verspäten.

Unterschiedliche Generationen spielen gegen- und lernen voneinander. Foto: Philine Schlick
Unterschiedliche Generationen spielen gegen- und lernen voneinander. Foto: Philine Schlick

Auch Dirk Jordan ist knapp dran. Er kommt aus einer ganz anderen Welt. Einer virtuellen. Er ist nicht nur Schach-Experte, sondern Geschäftsführer von „7th Space“ im Elbepark, wo Besucher*innen mit Virtual-Reality-Brillen Museen besuchen, tauchen, bergsteigen und in Trickfilmen spazieren gehen können. „Es ist unglaublich, was da alles geht.“ Seine Augen leuchten. Manche ziehen es auch vor, erzählt er, in die Schrecken einer Zombie-Apokalypse abzutauchen. In den Räumen des Johannstädter Kulturtreffs dagegen wird die Kunst der unblutigen Attacke gepflegt. Die beiden jüngsten Teilnehmer des heutigen Turniers sind gerade eingetroffen und es kann losgehen.

Eine Schach-Aufgabe zum Tüfteln. Foto: Philine Schlick
Eine Schach-Aufgabe zum Tüfteln. Foto: Philine Schlick

Der Schach-Verein bringt unter sachkundiger Anleitung spielend unterschiedliche Generationen an einen Tisch. Dirk Jordan ist Ideengeber und Leiter des zweiten geförderten Sportprojekts der Johannstadt – nach dem Dresdner Nachtsport. Seit Juni finden die Turniere donnerstags auch im Bundschuhtreff statt. Die Vorbereitungen für das Projekt dauerten lange. Als es im März 2020 endlich in den Startlöchern stand, folgte unmittelbar der Lockdown. Nichtsdestotrotz hat sich über den Sommer ein kleiner „harter Kern“ gefunden. „Im Kulturtreff sind es vier, im Bundschuhtreff fünf Jugendliche“, berichtet Andreas Schneider, der bei den Treffen anleitet.

Das Ziel sei nicht Masse, sondern Teamgeist. Eine „dufte Truppe“ soll aus den regelmäßigen Schachtreffen entstehen. „Wir spielen eine Sprache“ – der Slogan der Schacholympiade  trifft auch auf die Treffen des „Ran an’s Brett“-Vereins zu.

Schach als Kinderspiel

Für Kinder hat Dr. Dirk Jordan eigene Methodiken zum Erlernen des komplexen Schach-Spiels entwickelt. Er stellt den König auf das Spielfeld: „Es war einmal ein König, der suchte nach einer neuen Beschäftigung …“ So beginnt die Entstehungslegende des Schach-Spiels in seiner Heimat Nordindien. Ein Ratgeber empfiehlt dem König Schach, wovon dieser begeistert ist. Aber er möchte, dass seine Königin an seiner Seite steht. Im weiteren Verlauf des Märchens füllt sich das Spielbrett mit Figuren.

„Zu Beginn spielen wir einfach kleine Spiele mit den Kindern, die gar nicht viel mit Schach zu tun haben“, sagt der Schachpädagoge. Zum Beispiel sollen die Könige um die Wette über das Feld laufen. Gewinner ist, wer als erstes an der gegnerischen Grundlinie ankommt. So lernen junge Spieler*innen das Brett und die Figuren kennen. „Mit allen Figuren gleichzeitig kommen die Kinder erst nach etwa drei Monaten in Berührung“, so Jordan.

Diskussionen rund um's Brett. Foto: Philine Schlick
Diskussionen rund um’s Brett. Foto: Philine Schlick

Ruhe und Disziplin – Schach als Lehrmeister für’s Leben

Schach stärke nicht nur kognitive Kompetenzen, sondern auch soziale, erklärt er. Er zitiert russische und schwedische Studien: Beim Schach lernen Kinder Entscheidungen zu treffen, sich zu konzentrieren, selbstbewusst zu handeln. Schachspielende Schulklassen sind im Vergleich zu anderen ruhiger, wurde festgestellt. „Natürlich ist Schach kein Allheilmittel“, räumt Jordan ein. Aber die positiven Effekte seien, ganz zu schweigen vom Spielspaß, nicht zu übersehen. Eine der wichtigsten Erfahrungen, die Schach vermittelt, ist das Verlieren-Können. Das ist gerade auch Tom passiert. Er erträgt die Niederlage gegen Andreas Schneider wacker und setzt sich dem nächsten Gegner gegenüber.

Eine wichtige Kompetenz: Verlieren-Können und Nicht-Aufgeben. Foto: Philine Schlick
Eine wichtige Kompetenz: Verlieren-Können und Nicht-Aufgeben. Foto: Philine Schlick

Schach zählt zu den beliebtesten Brettspielen Europas. Seine Faszination ist ungebrochen. „Menschen, die in den 90er und 2000ern die ‚Siedler von Catan‘ für sich entdeckt und die Baller-Spiel-Phase übersprungen haben, machen heute regelmäßig Spieleabende“, teilt Dirk Jordan seine Beobachtungen mit. Geselligkeit, Herausforderung und Strategie lautet das Erfolgsrezept wohl auch beim Schach.

Das Ziel des Vereins „Ran an’s Brett“ ist es nicht, Spieler*innen für Mannschaften anzuwerben. Alles ist frei und offen. Wer sein Spiel vertiefen möchte, kann dies in den ebenfalls angebotenen geschlossenen Gruppen tun. Die Schachtreffen des Vereins werden vom neuerlichen Teil-Lockdown im November Schach gesetzt, aber ein Matt bedeutet das längst nicht. Der Verein freut sich im Dezember auf eine zweite „Johannstädter Eröffnung.“

Schachtreff „Ran an’s Brett“

  • Ansprechpartner: Andreas Schneider
  • mittwochs 10 bis 12 Uhr (für Jugendliche und Erwachsene), 14 bis 15.30 Uhr (für Kinder bis 14 Jahre), 15 bis 17.30 Uhr (für jedermann) im Kulturtreff, Elisenstraße 35, Seminarraum I
  • donnerstags 10 bis 11.30 Uhr (für Jugendliche und Erwachsene), 16 bis 17.30 Uhr (für Kinder bis 14 Jahre) im Bundschuhtreff, Bundschuhstraße 13
  • Angebot auf der Webseite des Kulturtreffs
  • Webseite des Vereins „Ran ans Brett“

Kassettenrekorder für Projekt zum Weltkindertag gesucht

eingestellt am 13.07.2020 von Philine Schlick

Für das Projekt „Goldene Kassette der Kinderrechte“ zum Weltkindertag am 20. November werden alte Radios, Ghettoblaster und Walkmen gesucht. mit den ungewöhnlichen Mitteln der analogen Kassettentechnik soll das Thema Kinderrechte verknüpft sein. 

Die Kinder- und Jugendbeauftragte der Landeshauptstadt Dresden Anke Lietzmann bittet die Dresdnerinnen und Dresdner um Technikunterstützung für ein Mitmach-Projekt zum Weltkindertag.

Mit dabei: coloRadio Dresden

Der jährlich am 20. November begangene Jahrestag der Unterzeichnung der UN Kinderrechtskonvention soll gefeiert werden. Viele Träger der Jugendhilfe planen für Kinder und Jugendliche Aktionen zum Thema Kinderrechte, so auch das Büro der Kinder- und Jugendbeauftragten. Gemeinsam mit „Junges Radio“ von coloRadio soll die „Goldene Kassette der Kinderrechte“ entstehen. Dazu benötigen die Initiatoren Technik aus „alten Zeiten“.

Anke Lietzmann freut sich auf dieses besondere Projekt: „Für viele ist die Zukunft digital. Die Corona-Pandemie beschleunigt diesen Prozess. Wir aber machen für unser Projekt zum Weltkindertag einen Schritt zurück – zunächst! Mit den ungewöhnlichen Mitteln der analogen Kassettentechnik wollen wir das Thema Kinderrechte verknüpfen.“

Historisches ausprobieren

Kinder und Jugendliche sollen sich mit ihren Rechten im Rahmen der UN Kinderrechtskonvention auseinander setzen. Gleichzeitig bestehe die Möglichkeit, ein quasi historisches Aufnahmeverfahren ausprobieren.

„Das Ergebnis ist eine produzierte Kassette, die ‚Goldene Kassette der Kinderrechte‘, die wir in unterschiedlichen öffentlichen Einrichtungen mit dem dazugehörigen Abspielgerät zum Anhören bereitlegen wollen. Interessierte können so ganz analog erfahren, was für Rechte Kinder und Jugendliche haben und wie sie diese umsetzen wollen“, so Anke Lietzmann.

Das Büro der Kinder- und Jugendbeauftragten will die Technik für das Projekt nicht neu anschaffen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen gebrauchte Geräte zum Einsatz kommen.

Möglich sind:

  • Kassettenaufnahmegeräte mit Mikrofoneingang
  • Kassettenabspielgeräte mit eingebautem Lautsprecher (Ghettoblaster)
  • Walkmen

Weiterführende Informationen

  • Wer ein Gerät kostenfrei für dieses Projekt zur Verfügung stellen möchte, wende sich bitte an die Kinder- und Jugendbeauftragte der Landeshauptstadt Dresden, Telefon: 0351-4882150 oder E-Mail: kinderbeauftragte@dresden.de

Eine Ausstellung öffnete den kurzen Blick in eine andere Welt

eingestellt am 09.07.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Kunterbunte Ausstellungsfläche für Bilder am Spielplatzzaun

Für kurze Zeit den Blick in eine andere Welt aufleuchten zu lassen, ist in einer Sonntagsausstellung einer kleinen Gruppe ganz junger Künstler*innen geglückt, die ihre Kunstwerke entlang eines Spielplatzzauns für die Öffentlichkeit in der Johannstadt ausstellten.

Temporäre Ausstellung des Malwettbewerbs „Deine Welt“

Die Bildwerke der Kinder – Zeichnungen und Malereien –  sind in der Zeit entstanden, als Schulen und Kindertageseinrichtungen ihre Türen geschlossen hatten aufgrund der Corona-Pandemie. Und immer noch ist der schulische Rahmen zeitlich eingegrenzt und nach Hygienevorschriften streng bemessen. Der Spielraum frei und unbefangen aktiv zeigen zu können, was sie beschäftigt, ist für Kinder klein.

In der brisanten Zeit im Frühjahr hatte das ESF-Projekt der Städtischen Bibliotheken Dresden „Kulturlots*innen – Brücken zwischen Kulturen“ die Initiative ergriffen und mit einem Malwettbewerb Kinder im Stadtteil aufgerufen, „ihre Welt“ zu malen. Das Team der vier Kulturlots*innen baut Brücken in kulturelle Beteiligung und soziale Interaktion auf englisch, arabisch, russisch und rumänisch. Begegnungen und gegenseitiges Kennenlernen der unterschiedlichen Johannstädter*innen werden gefördert und das nachbarschaftliche Zusammenleben gestärkt.

Der Malwettbewerb verstand sich als ein Angebot, Weite in die entstandene Enge zu bringen und auf Fragen zu antworten, die nach Begleitung verlangen und bestenfalls Momente von Orientierung zu stiften, wenn die Ausrichtung fehlt. Fast 30 Kinder sind dieser Einladung zum Malwettbewerb gefolgt.

Puppenspielerin Sonja Grußer mischt sich mit Kasperle unter die Künstler*innen der Ausstellung Foto: Christian Steinert

In einer Ausstellung wurden jetzt am Sonntag 5. Juli 2020 alle Einsendungen präsentiert. Für das Projekt war es ein Glücksfall, dass die Vonovia kooperierte, kurzerhand das Spielplatzgelände Florian-Geyer-Straße 48 zur Verfügung stellte und die Erlaubnis erteilte, dort eine Ausstellung unter den besonderen Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen.

Entlang des Spielplatzzauns war reichlich Ausstellungsfläche, dass die Kinder und ihre Eltern und Gäste die entstandenen Bilder vieler möglicher Welten bewundern konnten.
Die kleinen Künstler*innen erhielten ein Dankeschön in Form eines Buches und konnten eine Puppentheater-Aufführung mit Sonja Grußers Kasperle und seinen Puppenfreunden genießen.

 

Weiterführende Informationen

  • Rückfragen beantworten die Veranstalter per E-Mail unter kulturlotsen.johannstadt@gmail.com
  • Das Projekt Kulturlots*innen lädt für Sonntag, den 2. August 2020 von 10 und 12 Uhr in den Garten des Johannstädter Kulturtreffs, Elisenstraße 35 zu einem „Familientreffen“ ein mit Spaß und Spiel, Überraschungen und Aktivitäten für die ganze Familie. Anmeldung ist nicht notwendig.

Kulturlotsen laden zum Kinder-Malwettbewerb ein

eingestellt am 14.04.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Jean hat die Einladung zum Malwettbewerb digital gestaltet. Foto: Kulturlotsen

Kunst überwindet Grenzen – auch in Corona-Zeiten. Die Kulturlotsinnen der Kita Zöllnerstraße und des Hortes Johannaschule rufen Kinder unter dem Motto „Meine Welt“ zum Malen und Zeichnen auf. Die besten Bilder werden prämiert.

Schulen, Horte und Kitas sind geschlossen. Die Arbeit der Kulturlotsen, einem Projekt der Städtischen Bibliotheken Dresden, geht weiter. „Da der soziale Kontakt jetzt nur online möglich ist, haben wir uns einen Malwettbewerb für Kinder ausgedacht“, sagt Gabriele vom Projekt.

„Erzählt auf diesem Bild etwas von eurer Welt und sendet es an den ‚Kunterbunten Hortplanet‘, Hort in der 102.Grundschule, Pfotenhauer Str. 40. Kennwort ‚Malwettbewerb'“, heißt es in der Einladung. Bitte nicht vergessen, die Bilder mit Namen, Adresse und Alter zu versehen, damit die Sieger*innen ermittelt werden können.

Belohnt werden die besten Einsendungen mit Theater- und Kinogutscheinen sowie Büchern. Also, schwingt die Pinsel, spitzt die Stifte, klickt die Maus – die Kulturlotsen freuen sich auf Bilder eurer Welt!

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.