Jane’s Walk führt am Dienstag durch die Johannstadt

eingestellt am 18.09.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Kartenausschnitt: Stationen des Rundgangs, Quelle: Google Maps

Der Jane’s Walk lädt jedes Jahr dazu ein, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Am Dienstag führt ein lehrreicher Spaziergang entlang von acht Orten des bürgerlichen Engagements durch die Johannstadt. 

„Die Zeit fährt Auto“, konstatierte Erich Kästner. Was aber, wenn sie zu Fuß ginge? Dann blieben doch mehr Sekunden, Minuten, Stunden zum Umschauen und Nachsinnen übrig …? Am Dienstag lädt der Stadtteilverein gemeinsam mit dem Quartiersmanagement zu einem informativen Spaziergang durch das Viertel ein. Das geschieht im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche als „Jane’s Walk“.

Wandertag durch die Nachbarschaft

Die Route führt entlang von acht Orten des bürgerlichen Engagements, an denen jeweils Zeit für Erkundigungen und Gespräche sein wird. Der Jane’s Walk lädt dazu ein, seine Umgebung per pedes zu erkunden, frische Luft zu schnuppern, unbekannte Details zu entdecken und miteinander zu lauschen. Ein Wandertag in der Nachbarschaft.

Büchertauschschrank mit Leseecke am Bönischplatz, Foto: Matthias Kunert

Die Spaziergänge findet alljährlich zu Ehren der kanadischen Aktivistin und Autorin Jane Jacobs statt. Während der ausgehenden 1950er Jahre lebte sie in New York, wo gewachsene Stadtviertel zugunsten einer einheitlichen Fassadengestaltung abgerissen sollten und tausende Bewohner*innen Gefahr liefen, ihre Heimat zu verlieren. Jacobs regte Protest in Form einer Bürgerbewegung an, die 1962 Erfolg hatte. Zeit ihres Lebens setzte sich die Architekturkritikerin für organische Stadtstrukturen ein, die Vielfalt erhalten und durch selbst produzierte Produkte ökonomisch stabil wachsen können.

Jane’s Walk am 21. September

  • von 17.30 bis 20 Uhr, Treffpunkt am Büchertauschschrank auf dem Bönischplatz
  • Stationen:
  1. Bönischplatz
  2. Grundschule „Johanna“
  3. Johanngarten
  4. Bienengarten Johannstadt
  5. Trinitatisfriedhof
  6. Stadtteilladen Stadtteilverein Johannstadt
  7. Bönischgarten
  8. Johannstädter Kulturtreff / Quartiersmanagement

Interkultureller Tag der StadtNatur: Spazieren durch Johannstadt

eingestellt am 02.06.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Die Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) leuchtet noch spät im Jahr und setzt einen Akzent für den Schutz von Insekten aller Art, Hummeln, Schmetterlinge, Falter und Bienen, die in dieser Wiese eine Weide haben.  Foto: Anja Hilgert

Am Sonnabend und Sonntag feiert der BUND auch in Dresden den interkulturellen Tag der StadtNatur. Gemeinsam mit Wir sind Paten veranstaltet der Verein Willkommen in Johannstadt einen Spaziergang mit Natur-Kunst und Picknick – auch in Arabisch und Farsi. 

Stadt, das steht für viele Menschen, hohe Häuser, belebte Straßen, aktives Kulturleben, einkaufen und kurze Wege. Kurzum: Für Lebendigkeit und Vielfalt. Aber was wäre die Stadt ohne ihre Natur? Parks, Grünflächen, Wiesen, Wälder und Brachen bedeuten Erholung, Rückzugsort und Artenschutz. Niemand weiß das besser als die Johannstädter*innen, die mit den Elbwiesen ihre Oase direkt vor der Haustür genießen.

Ein Feiertag für die Natur in der Stadt

Der Tag der StadtNatur feiert mit vielen kleinen Einzelveranstaltungen im Stadtgebiet die wertvolle Flora und Fauna, die die Stadt grün und lebendig machen. In Dresden findet er seit 2015 statt. Er wurde nach dem Vorbild der Langen Nacht der Museen angelegt. Seinen Ursprung fand er 2007 in Berlin und entwickelt sich seitdem zusehends weiter. Workshops, Kräuterwanderungen, Vogelerkundungen: Die Palette der Veranstaltungen ist breit gefächert.

“Durch das Programm ‘RefLAct’ begegneten sich viele junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturen indem sie sich gemeinsam für unsere Umwelt einsetzten. Wir hoffen, dass auch Familien beim Interkulturellen Tag der StadtNatur dabei sind, in denen nicht hauptsächlich deutsch gesprochen wird,” so Hannes Herrmann, Projektreferent beim BUND. Die Veranstaltung ist der Abschluss des Projekts “Refugees Lead Action”, bei dem interkulturelle Begegnung durch Umweltbildungsseminare ermöglicht wurde. Gefördert wurde es durch die Aktion Mensch und die GLS Treuhand.

Kulturelle Vielfalt in Dresden trifft also auf die Artenvielfalt der Dresdner Natur. “Wir freuen uns über die vielen Partner, die zum Programm beitragen,” so Herrmann.

Ein vielsprachiger Spaziergang

In Johannstadt veranstaltet der Verein Willkommen in Johannstadt gemeinsam mit Wir sind Paten am Sonnabend und Sonntag einen Familienspaziergang durch’s Viertel, bei dem aus Naturmaterialien ein Kunstwerk gestaltet wird. Zum Abschluss winkt ein gemeinsames Picknick. „Die Tour kann man mit Hilfe einer App auch alleine absolvieren“, erklärt Marie-Charlotte Lukas. „Sowohl die digitale als auch die geführte Tour werden auf Arabisch und Farsi angeboten. Samstag mit einer arabischen Dolmetscherin, Sonntag dann auf Farsi.“

Familien-Spaziergang zum Interkulturellen Tag der StadtNatur

Stadtteilrunde entwirft Rätsel-Spaziergang durch’s Viertel

eingestellt am 05.05.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Das Schaufenster des Stadtteilladens an der Pfotenhauerstraße 66 ist eine Station des Rundgangs. Foto: Philine Schlick

Die Stadtteilrunde hat einen Familien-Spaziergang entworfen, bei dem an den Stationen Fragen über die Johannstadt locken. Wissen und Wandern werden so verknüpft. Die Aktion läuft noch bis April 2022 und führt in einer großen Runde zu verschiedenen wichtigen Anlaufstellen.

Spazierengehen – eine Freizeitbeschäftigung, die durch die Pandemie unsagbar an Bedeutung gewonnen hat. Ziellos flanieren ist allerdings nicht jedermenschs Sache. Manche schätzen Abenteuer und Unterhaltung. Eine Kombination von beidem hat die Stadtteilrunde mit ihrem Spaziergang durch die Johannstadt versucht. Das Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und ihre Familien.

Die entworfene Route umfasst neun Stationen, die in beliebiger Reihenfolge angesteuert werden können. An jeder wartet eine Reihe kniffliger Fragen, die gut sichtbar nach außen angebracht sind. Ob diese korrekt beantwortet wurden, lässt sich anhand des Ergebnisses einer finalen Rätselfrage überprüfen. Es empfiehlt sich, das Smartphone einzustecken.

Die Aktion soll über ein Jahr lang bis zum April 2022 laufen und kann zu jeder Zeit durchgeführt werden. Neben Bewegung an der frischen Lust und Beobachtungen in der Nachbarschaft, bringt der Spaziergang Wissenswertes über die Johannstadt, ihre Organisation und Veranstaltungen zutage.

Die Stationen müssen nicht an einem Tag „abgearbeitet“ werden, sondern können auch unabhängig voneinander aufgesucht werden. Um Abwechslung zu garantieren, werden die Stationen mindestens einmal umgebaut.

Stadtteilspaziergang der Stadtteilrunde

Stationen:

  • 102. Grundschule „Johanna“ – Pfotenhauerstraße 40
  • Jugendtreff Trini – Dürerstraße53 (Eingang Permoserstraße)
  • Streetwork City – Park Holbeinstraße Fußballkäfig
  • Dinglingerschule – Schulzaun Ecke Dinglingerstraße/Georg-Nierlich-Straße
  • Jugendhaus Eule – Marschnerstraße 33
  • Johannstädter Kulturtreff – Elisenstaße 35
  • Kindertreff JoJo -Elisenstaße35
  • Wir sind Paten / Willkommen in Johannstadt e.V. – Bundschuhstraße 2 (Seiteneingang links)
  • Stadtteilbeirat Johannstadt – Pfotenhauerstraße 66

Frühling und Geschichte: Der Innenhof des Universitätsklinikums Dresden

eingestellt am 16.05.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Blick in den Hof des Uniklinikums. Foto Alexandra Jentsch

Alexandra Jentsch ist für die Stadtteilredaktion von johannstadt.de auf dem Gelände des Uniklinikums umher spaziert und hat den Innenhof, ehemals Standort einer Kapelle, näher betrachtet. Ein seltsames Gefühl, das Krankenhaus mit Corona-Station zum Flanieren, nicht zum Arbeiten oder Genesen aufzusuchen …

Die Atmosphäre und die Gestaltung des Innenhofs des Universitätsklinikums sind einen Spaziergang und ein Verweilen wert – vorausgesetzt man verbindet mit einem solchen Ort keine schmerzhaften Erinnerungen, sondern vielleicht eher etwas Heilsames.

Beseelender Platz am Brunnen

Jetzt in diesem Frühling mag es etwas entrückt wirken, auf der Blasewitzer Straße die historischen Mauern aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts an der Stelle der Corona-Ambulanz zu passieren und mit einer Sonnenbrille auf der Nase nur aus Interesse am begrünten Innenhof durch den Haupteingang zu schlendern.

Gerade weil ich im Gesundheitswesen arbeite, tut es gut, diesen Ort nicht von der Pflicht- und Sorgenseite zu betrachten. Mir wird nur kurz der immense Lageplan gewahr, vor dem ein kleiner graubärtig-hängeschultriger Mann lange das Gesuchte nicht zuordnen kann. Er suche die Corona-Ambulanz “nur falls man da mal hinmüsste“. Ein Fingerzeig war zum Glück genug, um den fragenden Blick von der großen abstrakten Karte abzuwenden.

Duft nach Stiefmütterchen

Nicht weit vom Haupteingang zwischen einigen historischen Gebäuden treffe ich auf einen beseelenden Platz am Brunnen unter der Blutbuche. Eine schwarze Krähe kramt unverschreckt im Mülleimer und “fischt“ eine leere Assiette heraus – vielleicht ein Relikt eines nun fernab der Kollegenrunden, dafür aber im Grünen mittagspausierenden Mitarbeitenden der Klinik.

Friesstücke des Westgiebels der Kirche mit ornamentaler Jugenstil-Gestaltung. Foto Alexandra Jentsch
Friesstücke des Westgiebels der Kirche mit ornamentaler Jugenstil-Gestaltung. Foto Alexandra Jentsch

Im Hintergrund sitzt ein kräftiger Herr in brauner Lederjacke und weißem Mundschutz, die Tauben gurren, es riecht nach frisch gepflanzten Stiefmütterchen und die hellgrünen Blatttriebe wirken vor dem blauen Himmel neben den Blutbuchen-Trieben wie ein Goa-Outfit. Hinter den Verzweigungen lugt der lange Schornstein des Heizhauses hervor, den man von fast jeder Stelle des Geländes wie eine Art Markierung herausragen sieht.

Aus Kapelle wurde Seelsorgezentrum

Für eine Minute zerrt der gelbe ADAC-Hubschrauber an der friedlichen Ruhe dieser Gartenanlage und erinnert daran, dass hier Tag für Tag Menschenleben gerettet bzw. an Menschenleiden gemindert werden.

Bild der neoromanischen Kapelle, von der heute nur noch Ruinen sichtbar sind. Quelle: http://www.dresdner-stadtteile.de/Zentrum/Johannstadt/Universitatsklinikum/universitatsklinikum.html

Mein spontaner Weg zeigt weitere Relikte auf, die lange schon Geschichte erzählen: Verzierte Bruchstücke einer neoromanischen Kapelle, die hier 1901 eingeweiht, 1945 zerstört und kurz darauf abgerissen worden war. Was hier als übrig liegt, wirkt in seinen gewundenen Formen und Friedenssymbolen anmutig und bewegt mich ein weiteres Mal im Hinblick auf die vielen Kriegswunden, welche die Johannstadt birgt.
Heute hat den Platz und die Bedeutung der Kapelle das Seelsorge-Zentrum eingenommen, welches seit dem Jahr 2000 an ebendieser Stelle eröffnet ist.

Aus dem Schriftzug „Soli deo gloria“ (Gott allein die Ehre), der einst das Turmuntergeschoss bekrönte. Foto: Alexandra Jentsch

Terminlose Langsamkeit

Einige Meter weiter Richtung Pfotenhauer Straße erinnert eine sehr massiv und entschieden wirkende Mutterfigur an den Ursprung der Klinik und des Namensgebers Carl Gustav Carus'(1789-1869) fortschrittliches Wirken in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Ursprünglich war sie jedoch vom in Dresden studierten und ebenda 1942 verstorbenen Bildhauer Ludwig Godenschweg gefertigt worden. Auch hier laden ein ebenso geformter Brunnen und schattenspendende Bäume zum Erholen und Atmen ein.

Ludwig Godenschweg „Mutter mit Kindern“ Sandstein 1920. Foto: Alexandra Jentsch
Ludwig Godenschweg „Mutter mit Kindern“ Sandstein 1920. Foto: Alexandra Jentsch

Mein Weg aus den Grünanlagen mündet allmählich wieder in Glasfassaden und Metallgeländer, Rampen und Rangierwege. Während ich noch in terminloser Langsamkeit mit der vogelbezwitscherten Parkstille zum Ausgang spaziere, hebt der Hubschrauber zum nächsten Einsatz ab. Vor den Toren rauschen die Fahrzeuge über die Fetscherstraße, vor denen man sich also mit nur einem kurzen Abzweig hinter die historische Mauern verkriechen kann.

Schaukeln ins Frühlings-Himmelblau

eingestellt am 19.04.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Magisches Geschenk an Ruhe und Glückseligkeit: Die selbstgebaute Schaukel am Elbestrand. Foto: Anja Hilgert

 

Erfindung macht die Meister*in! In Zeiten, da Spielplätze gesperrt und bewacht sind und jeglicher Zutritt untersagt, ja, Spielen auf Spielplätzen streng verboten ist, streunen und stromern kleine und große Menschen vom Drang nach Spiel und Bewegung angetrieben draußen in den Gefilden der Natur. Vor allem die Lust zum Spielen lässt sich nicht so einfach deckeln, sie bricht sich an unvorhergesehenen Stellen neue Wege.

 

Spielen erlaubt in Wind und Sonne am Elbestrand

Nicht nur, dass sich breit lagernde und vom Biber abgebissene Bäume zum Klettern und Balancieren anbieten. Betreuende Väter machen ihre Klimmzüge an Bäumen, entspannte Mütter lehnen an Stämmen und Junggebliebene spannen bunte Hängematten in der Obstbaumwiese auf.

Großzügig wie sie ist, bietet die große Mutter Natur variantenreiche Möglichkeiten an.
Manch eine*r wird darüber erfinderisch, spannt slaglines und Kletterseile. Andere werden dabei sogar selbst großzügig und stiften ihrerseits Spiel-Möglichkeiten, die offen für alle sind.

In der Elbaue auf dem Johannstädter Ufer hängt ein liebevoll handgemachtes Geschenk für alle, die der Spieltrieb noch nicht im Stich gelassen hat: Eine Schaukel!

Aus hohem Ast einer Weide abgelassen, hängt noch an Land und bald schon über Wasser ein Tau. Daran, mit fachmännischem Knoten gesichert, ein Stück Holz, das lang und stabil genug ist, um jeglichem Po einen Sitz zu bieten. Es kann losgehen, an den Verbotsauflagen vorbei, täglich, ohne Einschränkung und Unterlass. Jetzt darf in der Johannstadt geschaukelt werden! Wer sich bei Tage noch scheut, probiere es unter Sternen!

 

Zum Schaukeln braucht es nicht viel: Ein Strick und ein Stock und beides miteinander verbunden
Foto: Anja Hilgert

Schaukeln erzeugt ein Wohlbehagen, das unergründlich tief im Körper wachgerufen wird und dort eine Menge Glücksgefühl freisetzt – schwerelos werden, sich im Wind wiegen und fliegen, lässt einen die Zeit vergessen und die Dimensionen des Raums überwinden – astronautisch, völlig losgelöst vom Boden und von irdischen Sorgen und Nöten, dem Himmel entgegen. Der lockt derzeit in seinem strahlenden Blau in grenzenloser Weite.
Blau ist weitend. Blau ist himmlisch, Blau ist königlich und Blau ist tröstlich. Eine wunderbare Wirkungsweise, sich einfach da hinein zu schwingen

Den Frühlingsgefühlen die Bahn brechen – das gelingt beim Schaukeln allemal

Die Schaukelbewegung erzeugt Wohlbefinden im ganzen Körper:
Arme und Beine ausholen lassen, alles im Körper lang strecken und wieder beugen, die Fußspitzen voraus in den weiten Raum schieben bis sie kribbeln, den Kopf in den Nacken hängen und die Haare fliegen lassen!
Das ist Freude, der sich nicht nur Kinder, sondern genauso Erwachsene freiwillig gern hingeben, bis es die Kehle zum Jauchzen öffnet, vor Lust und Vergnügen!

Ein uraltes, uns alle verbindendes Gefühl ist das Schaukelgefühl.
Vom Gang der Mutter mitbewegt, auf dem Arm geschaukelt, als Wiegenlied gesungen, im Kinderwagen gewippt, auf dem Schaukelpferd erprobt, im eigenen ersten Gehen schwankend erlebt – das Schaukelgefühl ist eines der ältesten und ersten, das der menschliche Körper kennt.

 

Schwingende Einladung, für Momente vom Boden der Tatsachen abzuheben
Foto: Anja Hilgert

Eine Schaukel kennt keinen Stillstand

Sobald Gewicht auf ihr sitzt, fängt sie schon an, sich zu bewegen.
Dies Schwingen in tändelndem unbestimmten Hin und Her, leise kreiselnd, aufzunehmen, wird dem Menschen von Kindesbeinen an beigebracht: Jedes Kind will es gern lernen.

Und welcher Jubel, wenn es irgendwann, ganz von selbst, den Kniff heraus hat und vor, zurück, vor, zurück, wie von selbst und ohne Mühe ins Schwingen kommt. Solche Leichtigkeit!

Die streifende Luftströmung durchspült den ganzen Körper und schickt ihn in einen Kanal von Unendlichkeit – Schaukeln macht frei, Schaukeln macht glücklich, Schaukeln wirkt ganzkörperlich beruhigend und entspannend. Schon nach wenigen Minuten auf einer Schaukel kehrt innerlich Ruhe ein, in Körper und Geist.

 

In Nepal z.B., wo zu einem hohen Fest riesige Schaukeln aus langen Bambusstäben und Kokosseilen, oft nah an Abgründen im Gebirge aufgestellt werden, sagt man, dass beim Abschwingen mit der Schaukel alle schlechten Gefühle fortgenommen und durch neue, lebenspendende Gefühle ersetzt werden.

Mögen noch viele Schwung mit Dir aufnehmen, Du feine Schaukel ins Himmelblau an der Elbe!

 

 

 

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Trost bei Urgroßmutter Weide – Ein Weidenlied

eingestellt am 14.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Wie eine in der Drehung erstarrte Tänzerin: Die betagte Weide am Johannstädter Elbufer. Foto: Philine Schlick

Jeder Mensch hat in schwierigen Zeiten seine Trostpflaster. Etwas, das Hoffnungen wach kitzelt und genug Raum für Klagen bietet. Das kann ein Lied sein, ein Genussmittel, eine Person, ein Ort. Ich habe einen Baum. Er steht am Johannstädter Elbufer, ist eine Weide und zwischen 80 und 120 Jahren alt. Mit viel Glück bleiben uns noch zehn gemeinsame Jahre. 

Wenn alle anderen Bäume noch schlafen, kündet die Weide mit einer Ahnung von Grün vom Frühling. Foto: Philine Schlick

Wenn die Elbwiesen noch zerzaust und ausgeblichen daliegen, alle Baumkronen blattlos und monochrom braun sind, leuchtet oberhalb des Elbstrandes zwischen Bootshaus und Waldschlösschenbrücke ein ockergelber Fleck am Käthe-Kollwitz-Ufer. Das ist das Haar von Urgroßmutter Weide. Ihr Haupt kündet vor allen anderen vom Gelb der Osterglocken, vom klebrigen Puder der Kätzchen, von platzenden Knospen, vom neuen Frühling.

Die Weide hat so einige Vögel im Oberstübchen. Foto: Philine Schlick

Die Weide steht wie eine in der Drehung erstarrte Tänzerin. Je nach Perspektive ändert sie ihre Dramatik. Von Weitem aus betrachtet ist sie ein mächtiger, kraftstrotzender Baum. Bei näherer Betrachtung offenbart sie ihre Verletzlichkeit: Sie ist innen hohl. So leer, dass sich ein Mensch ganz hineinstellen kann. Die Energie, mit der sie ihre tausenden grünen Blättchen entfaltet, erscheint wie ein Wunder.

Die mächtige Weide ist innen hohl. Wenn niemand mehr zündelt, bringt sie es noch auf zehn Lebensjahre, schätzt das Umweltamt. Foto: Philine Schlick

Zweimal fühlten sich im vergangenen Jahr Menschen bemüßigt, in ihrem Kern Feuer zu entfachen. Seitdem ist ihr Inneres schwarz verkohlt und riecht nach Brand. Bäume, so haben Forscher*innen herausgefunden, senden bei Schmerz akustische Signale aus. Ich wünsche den Menschen, die einen lebenden Baum anzünden, einen nächtlichen Tinnitus mit diesen Schmerzensschreien.

Das Umweltamt sagt: Ohne Pflege bleiben der Hängeweide noch zehn Jahre – wenn sich wieder jemand an ihr vergreift, noch nicht einmal das. Mit einer regelmäßigen Sicherungspflege wären es zwanzig.

Blick durch die brüchige Borke in Richtung Elbe. Foto: Philine Schlick

Namen stehen in ihre Rinde geritzt, Beschimpfungen, Liebesbekundungen. Zerknüllte Verpackungen liegen in ihrem Schoß und Scherben. Abgeworfener Ballast. Die Weide steht und schweigt. Sie trotzt Sabrina, Xaver, Eberhard, Mortimer und wie sie alle heißen, die schneidenden Stürme, ihr bleibt ja nichts anderes übrig.

Sie steht in den Bruchstücken ihrer eigenen Borke und hält ihr Haupt den Meisen zugeneigt, die zwischen den Blattknospen Käferchen picken. Sie steht, als lausche sie dem Fluss. Als habe sie Sehnsucht nach anderen Orten. Der Wind spielt mit ihren Ästen wie mit seidigem Haar. Zu ihren Füßen knabbert der Biber nachstrebendes Holz. Das ihre ist zu morsch, zu trocken – sie bleibt verschont.

Die Hängeweide entstand 1815 in Frankreich – dieses Exemplar wurde gepflanzt oder aber angespült. Foto: Philine Schlick

Und sie hält auch meine Klagen noch aus, macht sie klein, steckt sie in die Tiefen ihrer Runzeln und Risse, schwitzt sie durch die Wurzeln. Ich muss lange sitzen, damit sie mich überhaupt bemerkt. Gemessen an ihren Jahren sind meine Minuten flüchtig, so wie meine Sorgen.

Die Weide lehrt mich etwas – ich kann nicht sagen, was. Eine Mischung aus Geduld, Ertragen, Widersetzen, Träumen. In zehn Jahren wird die Weide 90 sein, oder 100, möglicherweise auch 130 Jahre alt. Die Differenz ihrer geschätzten Jahre entspricht meiner derzeitigen Lebensdauer. Ich kann mich nicht in sie hineinver-, nur daneben setzen und staunen. Und meine Sorgen zu Käfern werden lassen, die die Meisen picken.

Schräg steht sie, doch sie steht: Die Weide am Johannstädter Ufer. Foto: Philine Schlick

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Die Fetscherstraße

eingestellt am 18.01.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Fetscherstraße in Blickrichtung Norden. Foto: Alexandra Jentsch

Gastbeitrag von Alexandra Jentsch

Dresden ist keine Großstadt. Eher eine Ansammlung mehrerer kleinerer Städte, die sich für ein gediegenes Stelldichein im Elbtal getroffen haben. Wenn einmal so etwas wie ein Gefühl von Großstadt aufkommt, ist es auf den großen Straßen. Auf der Fetscherstraße zum Beispiel. Ein kommentierter Spaziergang. 

Als gut zwei Kilometer langer, präziser Schnitt trennt sie die Johannstadt von Striesen. Als eine der Hauptadern des östlichen Dresdens verbindet sie den Großen Garten mit der Waldschlösschenbrücke und dem jenseitigem Elbufer. Auf ihren gedachten Nullpunkt, das Palais, wies auch die einstige Benennung als Fürstenstraße hin, die sich heute noch in der Fürstenallee des Großen Gartens wiederfindet. 1946 erfolgte die Umbenennung nach dem im Vorjahr ermordeten Rainer Fetscher, dessen Biographie zwischen Eugenik und antifaschistischem Widerstand zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung einlädt.

Lückenschließung Nummer 33 bis 37. Foto: Alexandra Jentsch

Bebauung als Spiegel der Geschichte

Gegenwärtig empfindet man zumindest den Lautstärkepegel als sehr urban, wenn man sich aus der Fürstenallee kommend in den fließenden Autoverkehr einreiht und durch das gescheckte Spalier der Platanen schnurstracks gen Elbe radelt. Die vorüber ziehende Bebauung durchmisst die Dekaden weniger gradlinig. In unmittelbarer Nähe des Platzes, der passenderweise nach dem tschechischen Pädagogikreformer Johann Amos Comenius benannt ist, steht ein Gebäude, welches heute die 6. Grundschule beherbergt. Der 1957/58 errichtete Bau steht als ein frühes Beispiel der Pavillonschule, deren offene Bauweise eine Abkehr vom einschüchternden Kasernencharakter gründerzeitlicher Schulgebäude darstellt, unter Denkmalschutz.

Wirkt die Bebauung in diesem südlichen Bereich noch nach dem verhältnismäßig einheitlichen Prinzip der Sachlichkeit errichtet, beginnt je weiter man Richtung Fetscherplatz vordringt ein Zickzackkurs durch die Zeit. Auf der Striesener Seite ducken sich gründerzeitliche Villen vor den konfettibunten Neunziger Jahren der Johannstadt in den Schatten der Baumkronen. Etwas weiter stehen sich mit dem Arthushof und dem Wohngebäude der Nummern 33 bis 37 wiederum zwei recht unterschiedliche Protagonisten gegenüber, die jedoch beide der Zeit der Jahrhundertwende entstammen. Bei der Wohnzeile handelt es sich allerdings bereits um eine Reinkarnation aus Nachkriegszeiten.

Herbst an der Fetscherstraße. Foto: Alexandra Jentsch

Brodelnde Kreuzungen, stille Wiesen

An der brodelnden Kreuzung Blasewitzer Straße knickt die Straße nach Norden ab. Hier eröffnet sich der charakteristische Blick gen Waldschlösschenbrücke. Im Sommer flirrt die Luft in der Ferne über dem Asphalt und lässt die silbrig graue Blechkarawane am Horizont wie eine Fata Morgana aus einem Hollywoodstreifen wirken, der die Freiheit der Straße besingt. Man radelt dem Blick hinterher, vertieft sich in das Bild und kann erst im letzten Moment einer sich vom Parkstreifen her plötzlich öffnenden Fahrertür ausweichen. Man flucht leise und fährt, nun wieder aufmerksamer, weiter Richtung Pfotenhauerstraße. Hier finden sich drei Institutionen, in deren Ballung, wer mag, mehr als nur räumliche Zusammenhänge hinein interpretieren kann.

Der Artushof. Foto: Alexandra Jentsch

Rechterhand liegt die weitläufige Anlage des traditionsreichen Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, welches seit 1901 hier untergebracht ist. Linkerhand folgt auf den Jüdischen Friedhof, dessen Außenmauern sich von der Straße abkehren und mit dessen Innerem sich ein anderer Artikel beschäftigt, der Ostflügel des Pflege- und Seniorenheimes Clara-Zetkin, als denkmalgeschütztes Überbleibsel eine wesentlich größeren Komplexes, dessen Nordflügel komplett zerstört wurde.

Einen versöhnlichen, kreierenden Abschluss bildet der Standort der Hochschule für bildende Künste an der Pfotenhauerstraße, wo sich seit 1910 der Bildhauerei gewidmet wird und wo man entscheiden kann, ob man dem Sog der Großstadt auf die Brücke und über die Elbe folgt oder sich von ihr abwendet und in die ruhigen Elbwiesen flüchtet.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.