Vorschläge für Kunst- und Förderpreise 2021 gesucht

eingestellt am 28.10.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Inspiration und Eingebung in der Johannstadt gesucht Foto: Anja Hilgert

Passend dazu, dass die Landschaft sämtlicher Freien Künste enorm unter Mitleidenschaft gezogen ist, wo Kontakt-,  Ausgangs- und Veranstaltungssperren das kulturelle Leben bis unters Daseinsminimum reduziert halten, ergeht jetzt der Aufruf vom Amt für Kultur und Denkmalschutz an die Dresdner Bevölkerung, mitzuwirken, hinzuweisen und publik zu machen, wo in der Stadt frische, helle, wache, engagierte Talente an Kunstschaffenden tätig und verborgen sind. Die Landeshauptstadt vergibt insgesamt drei dotierte Preise für Kunstschaffende, die in Dresden produktiv künstlerisch tätig sind und will wissen, wer gilt bei den Dresdnern und Dresdnerinnen als wirklich schöpferischer Kopf oder kreativ begabte Truppe? 

Dresdner*innen können Kulturschaffende empfehlen

Sei es Theater, Film, Tanz, Performance, Installation und Musikkonzert oder was die Bühne und das Ausstellungswesen lebendig hält – gesucht sind Hinweise auf Künstler und Künstlerinnen vor allem der Off-Szene, die sich in den Kreisen von Dresdner Bevölkerungsschichten einen Ruf und Namen erworben haben. Wen würdest Du vorschlagen für einen Kunstpreis oder Förderpreis der Landeshauptstadt? Wer hat es endlich oder längst verdient, gewürdigt zu werden?

Mit dem Kunstpreis würdigt die Landeshauptstadt Dresden jährlich Kreative, Kulturschaffende oder Ensembles, die in der Landeshauptstadt einen Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit hatten oder haben, deren Werk von großer Bedeutung für die Stadt ist und überregionale Anerkennung findet. Bis zu zwei Förderpreise können an Dresdner Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende oder Ensembles vergeben werden, die nach ihrer Persönlichkeit und ihren künstlerischen Leistungen eine herausragende Entwicklung erwarten lassen.

Jetzt gilt’s

Dresdnerinnen und Dresdner können bis Sonnabend, 31. Oktober 2020, Künstler*innen für den Kunstpreis und zwei Förderpreise der Landeshauptstadt Dresden für das Jahr 2021 vorschlagen.

Die Beigeordnete für Kultur und Tourismus Annekatrin Klepsch unterstützt das Forschen nach Mitbürgern und Mitbürgerinnen, die Kunst schaffen und mit ihren Werken künstlerisch in der Gesellschaft wirksam sind: „Ob Tanz, Literatur, Musik, Videoinstallation oder Fotografie, Dresden hat enormes kreatives Potenzial. Die Dresdnerinnen und Dresdner haben die Möglichkeit, Vorschläge für die einzelnen Preiskategorien einzureichen und dadurch den Fokus auf versteckte Diamanten in der Dresdner Kunst- und Kulturlandschaft zu lenken.“ 

Womöglich unter uns in der Johannstadt?!

Auch in der Johannstadt arbeiten Künstler*innen verschiedenster Genres in ihren  Werkräumen und Ateliers. Wer förderlich beitragen mag, Menschen, die ihre Lebensaufgabe der Kunst widmen, zu honorieren, und zu fördern, dass sie auch in Zukunft ihrer Arbeit produktiv nachgehen können, hat noch bis Sonnabend 31.10 Zeit für Vorschläge.

Vorschläge können bis Sonnabend, 31. Oktober eingeschickt werden an:

  • per Post  :

Landeshauptstadt Dresden
Amt für Kultur und Denkmalschutz
Postfach 12 00 20
01001 Dresden 

  • per E-Mail  :
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Für die Vorschläge bitte unbedingt das Formblatt nutzen, das unter www.dresden.de/kunstpreis heruntergeladen werden kann. 

Eine Ausstellung öffnete den kurzen Blick in eine andere Welt

eingestellt am 09.07.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Kunterbunte Ausstellungsfläche für Bilder am Spielplatzzaun

Für kurze Zeit den Blick in eine andere Welt aufleuchten zu lassen, ist in einer Sonntagsausstellung einer kleinen Gruppe ganz junger Künstler*innen geglückt, die ihre Kunstwerke entlang eines Spielplatzzauns für die Öffentlichkeit in der Johannstadt ausstellten.

Temporäre Ausstellung des Malwettbewerbs „Deine Welt“

Die Bildwerke der Kinder – Zeichnungen und Malereien –  sind in der Zeit entstanden, als Schulen und Kindertageseinrichtungen ihre Türen geschlossen hatten aufgrund der Corona-Pandemie. Und immer noch ist der schulische Rahmen zeitlich eingegrenzt und nach Hygienevorschriften streng bemessen. Der Spielraum frei und unbefangen aktiv zeigen zu können, was sie beschäftigt, ist für Kinder klein.

In der brisanten Zeit im Frühjahr hatte das ESF-Projekt der Städtischen Bibliotheken Dresden „Kulturlots*innen – Brücken zwischen Kulturen“ die Initiative ergriffen und mit einem Malwettbewerb Kinder im Stadtteil aufgerufen, „ihre Welt“ zu malen. Das Team der vier Kulturlots*innen baut Brücken in kulturelle Beteiligung und soziale Interaktion auf englisch, arabisch, russisch und rumänisch. Begegnungen und gegenseitiges Kennenlernen der unterschiedlichen Johannstädter*innen werden gefördert und das nachbarschaftliche Zusammenleben gestärkt.

Der Malwettbewerb verstand sich als ein Angebot, Weite in die entstandene Enge zu bringen und auf Fragen zu antworten, die nach Begleitung verlangen und bestenfalls Momente von Orientierung zu stiften, wenn die Ausrichtung fehlt. Fast 30 Kinder sind dieser Einladung zum Malwettbewerb gefolgt.

Puppenspielerin Sonja Grußer mischt sich mit Kasperle unter die Künstler*innen der Ausstellung Foto: Christian Steinert

In einer Ausstellung wurden jetzt am Sonntag 5. Juli 2020 alle Einsendungen präsentiert. Für das Projekt war es ein Glücksfall, dass die Vonovia kooperierte, kurzerhand das Spielplatzgelände Florian-Geyer-Straße 48 zur Verfügung stellte und die Erlaubnis erteilte, dort eine Ausstellung unter den besonderen Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen.

Entlang des Spielplatzzauns war reichlich Ausstellungsfläche, dass die Kinder und ihre Eltern und Gäste die entstandenen Bilder vieler möglicher Welten bewundern konnten.
Die kleinen Künstler*innen erhielten ein Dankeschön in Form eines Buches und konnten eine Puppentheater-Aufführung mit Sonja Grußers Kasperle und seinen Puppenfreunden genießen.

 

Weiterführende Informationen

  • Rückfragen beantworten die Veranstalter per E-Mail unter kulturlotsen.johannstadt@gmail.com
  • Das Projekt Kulturlots*innen lädt für Sonntag, den 2. August 2020 von 10 und 12 Uhr in den Garten des Johannstädter Kulturtreffs, Elisenstraße 35 zu einem „Familientreffen“ ein mit Spaß und Spiel, Überraschungen und Aktivitäten für die ganze Familie. Anmeldung ist nicht notwendig.

Die Irdene – Die Keramik-Künstlerin Sigrid H.-Artes

eingestellt am 21.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Sigrid Claude Hilpert-Artes arbeitet und lebt in der Dresdner Johannstadt. Foto: Philine Schlick

Die Künstlerin Sigrid Claude Hilpert-Artes erlernte Zeichnen und Malen schon früh von ihrer gleichnamigen Mutter. Sie blieb dem Pinsel treu, allerdings auf Keramik. Künstlerisch betrachtet einer Mischform aus Bildhauerei und Malerei. Ein Atelier-Gespräch.

Noch bevor mir das Schaufenster des Ateliers von Sigrid H.-Artes ins Auge fiel, tat es der Hinterkopf der Künstlerin vor einigen Jahren. Die Brille auf der Nase, das Haar korallig-rot, saß Frau H.-Artes nicht selten noch zur nachtschlafenen Stunde unter weißem Licht an einem Arbeitstisch, betätigte sich an etwas, das offensichtlich höchste Konzentration erforderte und inspirierte mich dazu, mich auch noch an den Schreibtisch zu setzen.

Sigrid H.-Artes trägt denselben Namen wie ihre Mutter, die – bekannt als Dresdner Malerin – im Jahr 2016 verstarb. Foto: Philine Schlick

Sigrid H.-Artes „vor die Linse zu bekommen“ brauchte Zeit, denn sie führt derzeit ein teilnomadisches Leben. Der Grund ist ein erfreulicher: Die Liebe. Indem sie ihr Weg wieder nach Brandenburg führt, schließt er einen Kreis. Denn hier verbrachte Sigrid C. Artes nach dem Studium an der Burg Giebichenstein ein Dutzend Jahre ihres (Künstler-)Lebens und trifft wieder auf die Künstler Ursula Zänker und Karl Fulle, mit denen sie zusammen lebte und arbeitete.

Sigrid H.-Artes wohnt und arbeitet in der Blumenstraße in der Johannstadt. Foto: Philine Schlick

Wir sitzen bei einer großen Kanne süßem Schwarztee mit Milch im Atelier. Sigrid H.-Artes zieht an einer Zigarette. Das Koralllenrot der Haare ist Silberfuchsweiß gewichen – es leuchtet aber noch auf Lippen und Wangen.

Herrscherinnen, weise Frauen, Tänzerinnen? Die Identität der mythischen Geschöpfe zu erkennen, bleibt jedem selbst überlassen. Foto: Philine Schlick

Eine gewisse Ähnlichkeit mit den von ihr geschaffenen Nixen, Göttinnen und Sphinxen ist nicht zu übersehen. Prächtig, prunkvoll, üppig an Farbigkeit und Details sind die Werke der Künstlerin. Echte Erbstücke.

Fayence heißt die Technik, nach der Sigrid H.-Artes ihre Gefäße und Figuren gestaltet. Sie wurde schon immer genutzt, um chinesische Porzellanmalerei zu imitieren. Dazu werden die Stücke nach dem ersten, dem Schrühbrand, in eine weiße Glasur aus Zinnoxid getaucht. Er wird später beim zweiten Brand schmelzen, die Oberfläche versiegeln und die aufgetragenen Oxid-Farben zum Leuchten bringen.

Malen wie auf Löschpapier

Die Farben werden aus Farbkörpern angerührt und nach dem Glasurbad aufgetragen. Das geschieht mit einem speziellen Pinsel, aus dem einige Borsten – ähnlich einem Zeigefinger aus der Faust –  weiter hervorstehen. So speichert der Pinsel genug Wasser, gibt aber wie bei einer Feder nicht zu viel Flüssigkeit auf einmal ab.

„Ich male wie auf Löschpapier“, beschreibt es Sigrid H.-Artes. Jeder Strich muss sitzen. Sonst sickert die Farbe in die saugfähige, trocknete Glasur und diese müsste nach einem Fehler komplett abgetragen werden. Je nach Objekt nimmt die aufwendige Bemalung bis zu einen kompletten Tag in Anspruch. Dann folgt der zweite Brand. „Ich bin immer noch jedes Mal aufgeregt“, sagt Sigrid C. Artes.

Ein fertig bemalter und gebrannter Deckel auf noch einer geschrühten Urne. Foto: Philine Schlick

Für die Keramik entschied sich Sigrid C. Artes auf den Rat ihrer Mutter hin. Als Malerin hatte sie stets um ihr Fortkommen zu kämpfen. Sie riet der Tochter, Kunst und Handwerk zu kombinieren.

C als Unterscheidungsmerkmal

Geboren im Thüringischen Melkers, absolvierte Sigrid H.-Artes ihr Abitur in Dresden. Mit Malen und Zeichnen beschäftigte sie sich von Kindheit an, angeregt durch ihre Mutter und befreundete Künstler*innen.

Aus übergroßer Liebe zu ihrer Mutter, erzählt sie, ließ ihr Vater kurz nach der Entbindung für sie ebenfalls den Namen „Sigrid“ eintragen. Ihre Mutter war darüber empört, aber ändern ließ es sich nicht mehr. Deshalb gab ihr ihre Mutter den zusätzlichen Namen „Claude“. „Es entzog sich der Kenntnis meiner Mutter, dass es sich um einen männlichen französischen Vornamen handelt“, sagt Sigrid H.-Artes lächelnd. Das „C“ wurde in der Konversation zum nützlichen Unterscheidungsmerkmal.

„Das sind Erbstücke“, sagt Sigrid C. Artes über ihre Kunst. Foto: Philine Schlick

An der Burg Giebichenstein übertrug Sigrid C. Artes ihr zeichnerisches Können auf das irdene Material. In einem Zusatzstudium widmete sie sich anschließend der Bildhauerei. „Wir bauten lebensgroße Figuren auf“, berichtet sie. Die erlernten Fähigkeiten kommen ihr beim Aufbau ihrer Figuren bis heute zugute.

Kunst in der Roßschlächterei

„Natürlich wollten viele Studenten nach dem Studium an der Burg in Halle bleiben“, erinnert sich Sigrid H.-Artes. „Hier war der Lebensmittelpunkt, Freunde und Kontakte.“ Aus Wohnungsmangel war das schlicht nicht möglich und die Künstler*innen wurden ersucht, sich ein Plätzchen über Land zu suchen. Im Kollektiv wurden Sigrid Artes, Ursula Zänker und Karl Fulle in Neuruppin fündig.

In einer ehemaligen Roßschlächterei wurde das Atelier eingerichtet. Über zwölf Jahre arbeitete und lebte das Trio gemeinsam. „So eine Zeit schafften nicht alle“, sagt Sigrid H.-Artes. Für die friedliche Koexistenz brauchte es „das ein oder andere freundliche Gespräch“, aber es gelang. Und das fruchtbar. Es wäre wohl weiter gegangen, wäre die Wende nicht gekommen.

Wenden und Enden

Mit der Wende wollte sich die Gemeinde das sanierungsbedürftige Gebäude, in dem sich die Werkstatt befand, entledigen und legte dem Trio den Kauf nahe. Nach langem Zaudern wurde dafür privates Geld zusammen gekratzt. „Wir hatten keinen Pfennig mehr“, entsinnt sich Sigrid H.-Artes. Das Haus war gekauft – da stand der rechtmäßige Besitzer plötzlich vor der Tür. Sigrid H.-Artes: „Er sagte: ‚Ihr habt ohnehin keine Chance, weil ihr nicht im Grundbuch steht.'“ So wurde der Kauf rückabgewickelt.

Zeichnung der Mutter Sigrid Artes. Ihre Tochter verwaltet deren umfangreichen Nachlass. Foto: Philine Schlick

Das Kollektiv wurde auseinander gerissen. Jeder suchte sein Obdach woanders. Ursula Zänker baute sich ein Wochenendgrundstück aus, Karl zog Fulle zu einem Freund. Sigrid H.-Artes zu ihrer Mutter nach Dresden zurück. Diese war beteiligt an den Rekonstruktionsarbeiten in der zerstörten Stadt, auch in der Sempergalerie Alte Meister. Damals, so Sigrid Artes, beteiligten sich zahlreiche Künstler*innen in diesem Bereich. Hilfe war nötig und eine eigene Ausbildung für die rekonstruktiven Arbeiten nicht erforderlich.

Sigrid H.-Artes bekam schnell eigene Aufträge. Sie restaurierte unter anderem in der Therese-Malten-Villa, dem Dinglinger Schloss, Ballhaus Watzke und Pfund’s Molkerei. Sie schloss sich mit einem Restaurator zusammen. Für zehn Jahre lebte und arbeiten beide gemeinsam in Loschwitz. Dann folgte eine private Wende, die Sigrid Artes in die Johannstadt führte.

Der Rythmus der Erde

Sigrid H.-Artes verlagerte sich wieder auf das eigene Schaffen mit Ton. An der Blumenstraße fand sie einen dafür geeigneten Raum, den sie allerdings mit aufwendigen Umbauten nutzbar machen musste. „Hier sollte eigentlich eine Bäckerei aus Pirna einziehen“, erzählt sie. Atelier und die heutigen Wohnräume dahinter waren eine große Fläche. Sigrid H.-Artes zog mit der Hilfe von Freunden Wände hoch und richtete sich ein.

Auf die saugfähige Glasurschicht werden haarfeine Linien aufgetragen. Nach dem Brand leuchten die Oxid-Farben. Foto: Philine Schlick

Im vorderen „Ladenteil“ der Werkstatt stehen wie Fabelwesen ihre Keramiken dicht an dicht. Hier können im Winter Minustemperaturen herrschen. Im Sommer dient der Raum gelegentlich als Gästezimmer. Über allem liegt eine feine Schicht aus Erd-Staub. Im Ton kommen alle Elemente zusammen: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Die Arbeit geht auf die Knochen: Das Sitzen an der Drehscheibe, die gebeugte Haltung beim hochkonzentrierten Bemalen.

Blick in den Laden an der Blumenstraße. Foto: Philine Schlick

Man müsste ja so viel mehr für den Körper machen, kommen wir im Gespräch überein. Aber die Regelmäßigkeit ist so eine Sache. Dazwischen funken stets die Arbeit und das Leben. Und so viele neue Dinge zum Ausprobieren. Oder eben die Liebe, die unerwartete Spagate erfordert.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.