„anders wachsen“ verlost ein bedingungsloses Grundeinkommen zum 10-jährigen Jubiläum

eingestellt am 03.06.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Foto: Philine Schlick

Die Initiative „anders wachsen“ der Johannes-Kreuz-Lukas-Gemeinde in der Johannstadt feiert am Sonnabend zehnjähriges Jubiläum mit einem Inspirationstag – analog in der Martin-Luther-Kirche Neustadt, digital weit darüber hinaus. Als besonderer Höhepunkt lockt die Verlosung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Höher, schneller, weiter? Im Gemeindegarten an der Fiedlerstraße lässt sich der Mangold Zeit, seine weiß-pinken Stängel in den Himmel zu recken. Bohnen, Radieschen, Bienenweide – alles hat seine Zeit. Der Garten, gemeinsam gepflegt und genossen, ist ein Sinnbild für „anders wachsen“: in Ruhe, gegenseitiger Unterstützung, guter Nachbarschaft und Wertschätzung.

Inspirationsräume im Break-Out-Room

Das gleichnamige Modellprojekt, mit dem sich Kirchen für einen ökologischen und sozialen Wandel engagieren, feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen am Global Degrowth Day. Am Sonnabend findet in der Neustädter Martin-Luther-Kirche ein Gottesdienst statt, der via Stream übertragen wird.

„Auf eine digitale Variante hatte ich eigentlich erst keine Lust“, sagt Juliane Assmann, die das Projekt in der Johannstadt seit eineinhalb Jahren koordiniert. Es waren Party, Tanz, Essen und Trinken, persönliche Begegnungen und Gespräche geplant. Diese finden jetzt online statt, inklusive eines Konzerts des Orchesters „Paradiesisch Musizieren“ und mit unterschiedlich gestalteten Inspirations-Räumen in Form von Break-Out-Rooms bei Zoom, zum Beispiel zum Thema „Wie wollen wir gelebt haben?“

Ein Jahr lang 1000 Euro pro Monat

„Ernsten Input gibt es bei einer Podiums-Diskussion“, kündigt Juliane an. Während diese sich bei der letzten Jubiläumsfeier noch der Tatsache widmete, dass die Vernutzung des Planeten durch den Menschen so nicht weitergehen kann, geht es in diesem Jahr konkret um das „Wie“.

Wie ist es möglich, die Transformation zu einer nachhaltigen Lebensweise zu gestalten? Postwachstumsökonom Niko Paech, Bundestagsmitglied Daniela Kolbe, Politikwissenschafts-Professor Ulrich Brand, sowie Clara Hanitzsch und Laura Kaiser von Fridays for Future werden unter der Moderation von Andreas Roth Möglichkeiten einer nachhaltigen Wirtschaftsweise diskutieren.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen bietet neue Perspektiven. In der Johannstadt wohnt ein glücklicher Gewinner. Foto: Anja Hilgert

Ein Höhepunkt ist die Verlosung eines bedingungslosen Grundeinkommens über 1000 Euro pro Monat. Die/der Gewinner wird um das Zugeständnis gebeten, sich ein Jahr lang begleiten zu lassen: „Das heißt einmal monatlich entweder eine Art Blogeintrag oder ein kurzes Video zu bekommen, in der die Person davon erzählt, wie es ihr mit dem Grundeinkommen geht. Was sich verändert. Ob sich etwas verändert.“ Finanziert wird der Gewinn aus Spenden und Fördermitteln des Projekts.

Erfolg beim Kirchentag 2011

Ins Leben gerufen wurde die deutschlandweit wirksame Initiative „anders wachsen“ in Leipzig von einer Gruppe Pfarrer*innen, darunter Tobias Funke. Ziel der Gründung war die Durchführung einer kirchlichen Kampagne zu alternativen, nachhaltigen Formen wirtschaftlichen Wachstums. „anders wachsen“ arbeitet schwerpunktmäßig an der Profilierung von Modellgemeinden, die die in der Projektarbeit gewonnenen Erkenntnisse  in Gemeindearbeit und -aufbau umsetzen.

Ein erster Etappen-Erfolg bei der Konstitution war die Kirchentagsresolution „Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum“, die die Initiative beim Deutschen Kirchentag in Dresden 2011 einbrachte. Ein Jahr später sammelte eine Petition zum Thema rund 3000 Unterschriften. Von Seiten der Evangelischen Kirche Deutschland wurde das Thema Wachstum im Themenjahr der Reformationsdekade 2014 „Reformation und Politik“ aufgegriffen.

„Arbeitsbedingungen ansprechen ist Nächstenliebe“

„Es gab die Grunderkenntnis, dass es so, wie es läuft, nicht weitergehen kann“, resümiert Juliane. Die Theologin arbeitete vor ihrer Projektstelle bei „anders wachsen“ für und mit Menschenrechtsorganisationen. Ihr geht es darum, dass das, was gepredigt wird, Umsetzung findet: Nächstenliebe, Achtung der Schöpfung, Gerechtigkeit. Sozialer Wandel und ökologische Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand, weiß sie. Nachhaltigkeit bedeute Fairness – gegenüber Mensch und Natur. Dem großen Ressourcenvernichter und Zeiträuber Kapitalismus müssen Alternativen entgegengesetzt werden, um die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Juliane Assmann vor der Saatguttauschbörse am Gemeindegarten Fiedlerstraße. Foto: Philine Schlick

„Mich hat bei der Stellenanzeige der kapitalismuskritische Ansatz gereizt“, sagt sie. „Die Wurzel für Umweltzerstörung und Ausbeutung besonders im geografischen Süden des Globus liegt auch in Deutschland.“ Sie ist froh darüber, dass sich die Kirche mit „anders wachsen“ ihren Aufgaben und ihrer Verantwortung stellen will.

„Bei großen Themen sind die Menschen schnell überfordert“, sagt sie. Was könne der/die Einzelne schon ändern? „Es geht darum, seine Gewohnheiten und mentale Infrastrukturen zu ändern. Das ist die größte Herausforderung.“ Aber nur so könnten Räume entstehen, in denen Alternativen erprobt und Visionen gelebt werden können. Dazu braucht es Engagement – und regen Austausch darüber, was an die Stelle von grenzenlosem Wachstum treten kann. Der christliche Grundgedanke sei dafür wie geschaffen: „Arbeitsbedingungen ansprechen ist Nächstenliebe.“

Das große Experiment Grundeinkommen

Ihr großer Traum ist, dass die Kirchgemeinde regelmäßig ein bedingungsloses Grundeinkommen verschenkt. „Zwischen 40-Stunden-Woche und Familiensorge ist kaum Zeit für ein Nachdenken über Wandel.“ Die hiesige Auffassung von Arbeit sei „wer viel beschäftigt ist, ist wichtig.“ Das Experiment des Grundeinkommens könnte zeigen, wie Menschen ihre Interessen wählen, wenn sie mehr Zeit haben. Wenn sich Raum für aktive  Gemeinschaft ergibt: „Mein Bild von Gott ist, dass wir zusammenarbeiten. Gott ist keine große Instanz, die uns willenlos lenkt. Wir müssen selber mitgestalten.“

In der Johannstadt versucht das „anders wachsen“ über Nachbarschaftlichkeit. Für viele Bürger*innen mit DDR-Vergangenheit bedeutet das die Suche nach Zukunft im Altvertrauten: wenn etwas kaputt geht, die Nachbarn fragen. Einen Beutel mit zum Einkaufen bringen. Brauchbares recyclen. Einkäufe vor Ort erledigen. „Wir als junge Generation können viel von den Älteren lernen“, sagt Juliane Assmann. Nun sei es wichtig, den Austausch lebendig zu halten.

Inspirationstag von „anders wachsen“ am 5. Juni

Dresdner Berufsschulzentrum gewinnt eku-Zukunftspreis 2020

eingestellt am 23.12.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Garten der Nachhaltigkeit. Quelle: Berufliches Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung

„Nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen auf dem Schulgelände Canalettostraße“ – Mit diesem Projekt hat das Berufliche Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung den Sächsischen eku Zukunftspreis für Energie, Klima und Umwelt 2020 gewonnen.

Den Sächsische eku Zukunftspreis hat das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft ausgelobt und mit 5000 Euro dotiert. Die Jury würdigt mit der Prämierung das Berufliche Schulzentrums für Agrarwirtschaft und Ernährung für seinen Einsatz für den Erhalt biologischer Vielfalt, Ressourcenschonung, regionale Wertschöpfung, Gewässerbelebung, Klimaschutz und Klimaanpassung in Sachsen. Mit dem Preisgeld soll die Bewässerungsanlage für das Hopfenfeld auf der Canalettostraße finanziert werden. Der Bau beginnt im Frühjahr 2021.

Seit 2020 Klimaschule

Das Berufliche Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung engagiert sich seit vielen Jahren für Umweltbildung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit, was wiederum der Ausbildung zukünftiger Fachkräfte zugutekommt. Im Jahr 2017 entstand am Standort Altroßthal der „Garten der Nachhaltigkeit“. Er begleitet den theoretischen Unterricht praxisnah und ermöglicht den Schülerinnen und Schüler einen Blick über die eigene Berufsausbildung hinaus. Darüber hinaus nimmt die Schulgemeinschaft regelmäßig an den sächsischen Klimakonferenzen teil und trägt seit 2020, als einziges Berufliches Schulzentrum in Sachsen, den Titel „Klimaschule“. Ein schuleigenes Klimaschulteam koordiniert die vielfältigen Projekte.

Kompetenzzentrum der Ernährungsberufe

„Ich freue mich sehr, dass wir so aktive Schulen in Dresden haben, die mit großem Engagement Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz in den schulischen Alltag integrieren. Die kleinen und großen Unternehmen der Region werden von dieser in Altroßthal ausgebildeten Schülergeneration profitieren, sei es bei der Erzeugung von Lebensmitteln oder bei der regionalen Vermarktung“, kommentiert Bildungsbürgermeister Jan Donhauser.

Für die Landeshauptstadt Dresden ist das Berufliche Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung als Kompetenzzentrum der Ernährungsberufe und der grünen Berufe eine herausragende Bildungseinrichtung. Es wird wichtig sein, mit weiteren Planungsmitteln die Weichen zur Sanierung des traditionsreichen Standortes Altroßthal zu stellen. Die Erweiterung der mobilen Raumeinheiten ist in Auftrag gegeben und soll in Kürze umgesetzt werden.

Berufliche Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung

Das neue Möhrchenheft für die Grundschule ist da

eingestellt am 03.09.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Das kostenfreie Hausuafgabenheft für Grundschüler namens Möhrchenheft. Foto: Stadt Dresden

Das „Möhrchenheft“, ein kostenfreies orangefarbenes Hausaufgabenheft, soll Dresdner Grundschüler zum Schulstart begleiten und täglich beim Klimaschutz helfen. Ein Umwelt-Quiz im Heft lockt mit einem klimafreundlichen Gewinn: Einer Fahrt mit der Kinderstraßenbahn „Lottchen“. 

„Tu mal lieber die Möhrchen“, mahnte schon die singende Herrentorte Helge Schneider. Möhren gelten als gesund und praktisch – nicht nur als Wurzelgemüse in der Brotbüchse, auch als Hausaufgaben-Planer begleitet die Möhre als „Lotti Karotte“ Dresdner Schüler*innen in ihre Grundschulzeit und gibt Tipps für den alltäglichen Schutz des Klimas.

Kostenfrei und kindgerecht

Das kostenfreie Heft soll über Nachhaltigkeit informieren und zu einem umweltfreundlichen Leben motivieren. Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen: „Das neue Möhrchenheft bringt die Themen Energie und Klimaschutz spielerisch und kindgerecht in die Klassenzimmer.“

Projektkoordinatorin Christine Mantu von der Lokalen Agenda Dresden erläutert: „Die Anregungen und praktischen Tipps beziehen sich konkret auf die Lebenswelt der Kinder in unserer Stadt und sind sofort umsetzbar. Weil das nachhaltige Hausaufgabenheft im letzten Jahr gut angekommen ist, haben wir jetzt die Auflage erhöht.“

Das Konzept des Möhrchenheftes stammt aus Weimar, regionale Ausgaben gibt es inzwischen auch in anderen Städten Thüringens sowie in Leipzig, Berlin und Hannover. Die beiden ersten Dresdner Ausgaben sind zum Thema Klimaschutz erschienen.

Eine Fahrt mit dem „Lottchen“ zu gewinnen

Das Maskottchen Kiki Karotte führt die Kinder durch das Heft. Neben vielen Infos, Tipps und Anregungen für den Alltag enthält das Möhrchenheft auch Geschichten und Bastelanleitungen. Es regt die Kinder auf zehn illustrierten Themenseiten zum Ausprobieren und Nachfragen an.

Mit seiner Hilfe können die Kinder sogar ganz praktisch etwas für das Klima tun. Dafür müssen sie nur das Umwelt-Quiz im Heft ausfüllen und die Lösung an die Lokale Agenda Dresden senden. Mit etwas Glück gewinnt eine Schulklasse eine Fahrt mit der Kinderstraßenbahn „Lottchen“.

DVB, DREWAG, Stadtreinigung, Stadtentwässerung und die Landeshauptstadt Dresden haben das Dresdner Möhrchenheft inhaltlich gefüttert und finanziert. Ein Heft kostet rund fünf Euro, die von den Projektpartnern übernommen werden. Die Projektleitung sowie die Redaktion und Gestaltung lagen in den Händen der Kreativetage in Weimar. Die Annahme der Bestellungen und die Auslieferung haben die DVB übernommen.

Möhrchenheft mit Lotti Karotte

  • kostenfrei erhältlich an 37 Grundschulen in Dresden
  • für Exemplare bitte folgende Mailadresse der DVB kontaktieren: marktbearbeitung@dvbag.de
  • www.moehrchenheft.de