Live und in Farbe: Die zehnte Stadtteilbeiratssitzung fand hybrid statt

eingestellt am 13.11.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Die JohannStadthalle bot ausreichend Platz für die neun physisch anwesenden Beirät*innen. Weitere drei waren online zugeschaltet. Foto: Philine Schlick

Die letzte Stadtteilbeiratssitzung des Jahres stand im Zeichen von Corona. Übertragen wurden dank vieler umsichtiger Vorkehrungen allerdings nur Bild, Ton und viele Informationen. Neun Beirät*innen waren vor Ort, drei an den Bildschirmen anwesend.

Die Vorbereitungen für die analog-digitale Sitzung waren aufwendiger als sonst. Im Bild: Matthias Kunert vom Quartiersmanagement und Andrea Schubert. Foto: Philine Schlick

Die Krise stellt vor Herausforderungen, so auch die zehnte, letzte Beiratssitzung in der Johannstadt in diesem Jahr. Die JohannStadthalle stellte ihre Räume zur Verfügung, in der ausreichend Platz für alle Teilnehmer*innen und ihren Sicherheitsabstand war.

Corona grätschte dazwischen

«Die Vorbereitungen liefen etwas angespannt ab», sagt Andrea Schubert vom Stadtteilverein zur Eröffnung. Bis zum Beginn der Sitzung wurde noch eifrig verkabelt und getestet. Die erste hybride — also gleichzeitig analog und digital abgehaltene Sitzung — war eine Premiere, die mit letztendlich überwundenen Zerrgeräuschen und Knacken in der Leitung erfolgreich über die Bühne ging. Auch die Abstimmung über die Projektanträge gelang mit den zugeschalteten Teilnehmer*innen. Allen eingereichten Anträgen wurde stattgegeben.

Die letzte Stadtteilbeiratssitzung 2020 war die erste hybride überhaupt. Foto: Philine Schlick

Corona beeinträchtigte im Sommer und Herbst die Durchführung etlicher Projekte. Das Fest des Friedens und das Weihnachtsschauturnen des TSV Rotation müssen entfallen. Man wolle dennoch, so Daniela Tonk vom Johannstädter Kulturtreff, «weihnachtliche Signale» ins Viertel senden. Zum Beispiel mit einem gemeinsamen Balkon-Singen mit dem Johannstädter Plattenchor. Genaueres wird noch bekannt gegeben.

Daniela Tonk vom Johannstädter Kulturtreff: «Trotz Corona weihnachtliche Signale senden». Foto: Philine Schlick

Die Johannstädter Baum-Kalender kommen im Advent

Das Projekt Grüne Seife von Anzhelika Dementyeva konnte bislang nur an der 113. Grundschule durchgeführt werden. Dann kam Corona. Deshalb fließt der Großteil der Mittel zurück in den Stadtteilfonds. Die gute Nachricht: Mit den Restmitteln können neue Projekte finanziert werden.

Mein Lieblingsbaum — Detail.
Foto: Barbara König
— ausgewählt für den Wandkalender

Der dritte Johannstädter Lieblingsbaum-Spaziergang mit Interessierten und Expert*innen musste aufgrund von Krankheit entfallen. Er wird nach dem Teil-Lockdown nachgeholt. Der Kalender, den prämierte Baum-Motive aus dem Baum-Fotowettbewerb zieren, befindet sich derzeit im Druck und wird pünktlich im Advent auf Spendenbasis zu erwerben sein. Wiederholung ist für das beliebte Projekt angekündigt — womöglich befinden sich unter den kürzlich im Gewerbehof Blumenstraße gepflanzten Bäume ein neuer Liebling.

Futter und Herberge für Insekten und Vögel

Erfolgreich durchgeführt wurden die Kinder-Basteltage von Luise Schaller und Susi Jaeschke, die terminlich nach vorn verlegt wurden, um kurz vor dem Teil-Lockdown noch stattfinden zu können. Insgesamt nahmen 65 große und kleine Menschen daran teil. Gebastelt wurden Vogel- und Fledermaushäuser, Kerzen und eine Schlange aus Filz. Zugleich wurde den Kindern Wissen zu den jeweiligen Tieren vermittelt. Susi Jaeschke ist derzeit Initiatorin für zahlreiche weitere Ideen rund um die Themen Umwelt und Basteln.

Grüner und lebendiger wurde es dank ihr und ihrem Partner Robert Arndt auch an der Waldschlößchenbrücke und auf dem Trinitatisfriedhof. Blumenzwiebeln, Insektenhotels, Nistkästen und Futterstationen für Vögel und Eichhörnchen sollen die Artenvielfalt fördern.

Die beiden beantragten am Donnerstag jeweils Geld für fortführende Projekte: Neue Bewässerungsbeutel sollen Jungbäume auf dem Trinitatisfriedhof sprießen lassen, Kobel und Kästen Eichhörnchen und Fledermäusen Unterschlupf bieten. Unterstützt werden die Vorhaben von der Naturschutzjugend (NAJU) und dem Friedhofspersonal. Die Blumenwiese an der Waldschlößchenbrücke wird in Absprache mit der Stadt mit noch mehr sich selbst vermehrenden einheimischen Wildblumen bepflanzt.

Auf der Wiese am Parkplatz an der Waldschlösschenbrücke sollen Blumenzwiebeln gesteckt und ein großes Insektenhotel aufgebaut werden. (Foto: Torsten Görg)

Auch Susi Jaeschkes Projekt Johannstädter Apfelsaft fand viel Zuspruch und ruft nach einer Wiederholung im neuen Jahr. Viele Menschen fragten nach einer Kaufmöglichkeit für den Saft, der aus gemeinsam gesammeltem Obst an der Elbe gepresst wurde.

Ein kleiner Igel auf der Suche nach einem WInterquartier (Foto: Torsten Görg)

Stellvertretend für die an diesem Donnerstag verhinderte Antragstellerin Claudia Riedrich stellte Susi Jaeschke ein Projekt für Igel vor. Gerade im Herbst werden durch Gartenarbeiten häufig Igelnester aufgeschreckt. Claudia Riedrich ist das «Igel-Taxi» und holt verwaiste, schwache oder verletzte Tiere ab. Sie werden in der «Igel-Kita» aufgepäppelt. Das beantragte Geld soll für Starterpakete für Igel-Pflegefamilien verwendet werden. Darin enthalten sind Nagerboxen, Katzenfutter und Medikamente.

Dämpfer durch Anwohner-Krach

Einen befremdlichen Dämpfer erhielt Susi Jaeschke, als sie Werbung für einen von ihr initiierten Keramik-Zirkel machte. Für die Keramikmalerei, geleitet von einer Töpferin, brachte Jaeschke mit Klebestreifen Hinweiszettel an Haustüren an. Ein Anwohner vom Thomas-Müntzer-Platz behauptet nun, an seiner Tür sei dadurch ein Schaden in Höhe von 500 Euro entstanden. Juristischen Beistand konnte der Johannstädter Kulturtreff vermitteln.

181 Teilnehmer*innen bemalten insgesamt 121 Tassen und Becher beim Keramikmalkurs. Foto: Maria Pfennig

Susi Jaeschke hatte den Zettel kurz nach Eingang der Beschwerde entfernt. Die vorhandenen Schäden stimmten nicht mit der Position der Klebestreifen am betreffenden Hinweiszettel überein, erklärt Torsten Görg. «Wir hoffen, dass die Sache beigelegt werden kann», so Daniela Tonk. «So etwas ist wirklich überflüssig.»

AG’s und ein Kulturvermittler bringen Ordnung und Austausch in den Wohnhof

Das Initial zur Verbesserung der Lebensqualität im Wohnhof Pfotenhauer-/Hopfgarten-/Elisenstraße ist gelungen. Obwohl das geplante Hof-Fest im September ebenso wie das Bundschuhstraßenfest ins Wasser fiel, fand man sich alternativ drinnen zu Kaffee und Kuchen zusammen.

Mittlerweile engagieren sich 50 Bewohner*innen in sieben Arbeitsgemeinschaften. Am ersten Müllworkshop nahmen 20 Anwohner*innen teil. Die Treffen seien meist erst einmal von starken Emotionen geprägt, berichtet die Projektverantwortliche Anne Richter. «Doch schnell stellt sich heraus: Es gibt hier einen gemeinsamen Schmerz. Man geht aufeinander zu.»

Anne Richter möchte die Erfolge der Arbeitsgruppen im Wohnhof Pfotenhauer-/Elisenstraße weiter ausbauen. Foto: Philine Schlick

Auch hat sich ein erster Kulturmittler unter den Bewohner*innen gefunden, der gut übersetzen kann, so Anne Richter. Sie beantragte weitere Fördermittel, um das Projekt fortzuführen. Mit dem Schwerpunkt «Ordnung und Sauberkeit» sollen die jeweiligen AG-Leiter*innen das Geleistete dokumentieren und präsentieren. In begleiteten Gesprächen sollen die Ergebnisse vertieft und Perspektiven für das weitere Zusammenarbeiten geschaffen werden.

Neue sportliche Markierungen in «Claras Abenteuerland»

Ein neues Gesicht gab es unter den Antragsteller*innen: Jakob Osman setzte sich als Elternbeirat der Kita «Claras Abenteuerland» auf der Neubertstraße für neue Bodenmarkierungen in der Turnhalle der Einrichtung ein.

Jakob Osman brachte den Antrag für neue Markierungen in der Turnhalle der Kita «Claras Abenteuerland» vor. Foto: Philine Schlick

«Durch viele Sonderveranstaltung sind die Markierungen kaum noch sichtbar», erläutert er. Die Halle werde nicht nur von Kindern und Betreuer*innen, sondern auch von Vereinen genutzt. Auch werden Café-Treffen in dem großen Raum abgehalten. Die neue Bodenfarbe soll wieder Abwechslung in die Nutzung der Turnhalle bringen, denn mit den Markierungen sind mehr Spiele möglich.

Stadtteilbeiratssitzungen in der Johannstadt