Stadtteilverein Johannstadt » Fotowettbewerbe „Johannstädter Motive“ » Fotowettbewerb 2020 „Mein Lieblingsbaum in der Johannstadt“

eingestellt am 06.11.2020 von Bertil Kalex (Stadtteilverein), zuletzt geändert am 06.11.2020

Für den ersten Fotowettbewerb, den der Stadtteilverein Johannstadt ausgelobt hat, war die Zahl der Teilnehmer*innen sowie die Zahl eingesendeter Bilder erstaunlich hoch. 19 Personen haben mit ihren Fotos teilgenommen. Insgesamt gab es 45 eingesendete Bilder, aufgrund fehlender Nutzungsvereinbarungen können nur 42 hier präsentiert werden. Die Bildmotive, die für den Wandkalender ausgewählt wurden, sind in der Bildbeschriftung gekennzeichnet.

Den Jurymitgliedern Jasmin Pasternak, Marie Engelien und Kristin Franke fiel die Auswahl nicht leicht. Da gab es nicht nur ästhetische und Foto-technische Faktoren, insbesondere die Eignung für den Kalenderdruck, zu berücksichtigen, sondern auch die verhältnismäßig hohe Zahl fast identischer Motive. Andererseits ein Zeichen dafür, dass einige „(Baum)Fotomodelle“ bei den Johannstädter*innen besonders beliebt sind.

Die Jury (v.l.n.r. Jasmin Pasternak, Marie Engelien, Kristin Franke mit Tochter) konzentriert bei ihrer Arbeit.
Foto: Bertil Kalex
Auswahlprotokoll der Jury – komplett anonymisiert.
Quelle: (Scan) Bertil Kalex

Einige Teilnehmer*innen des Fotowettbewerbs haben zusätzlich zu ihrem Bild / ihren Bildern noch Texte, Beweggründe und Hintergrundgeschichten beigefügt, die hier im Text Erwähnung finden sollen. Kürzere Texte stehen als Bildunterschrift unter den Bildern.

Die Schülerin Elisa Schöne schreibt:

„Als in unserer Schule, dem Bertolt-Brecht Gymnasium, 2018 nach einem Sturm ein Baum umfiel, waren wir gleich fest davon überzeugt, einen eigenen Baum zu pflanzen. Wir pflanzten einen kleinen Walnussbaum und nannten ihn Sasha. Er wuchs sehr gut und schnell und eh wir uns versahen, war er schon ein richtiges, kleines Bäumchen. Im Jahr 2019 mussten wir ihn jedoch umpflanzen, da an seiner Stelle ein anderer, heute unser Klimaschulbaum, gesetzt werden sollte. Wir bedanken uns sehr bei denjenigen, die unseren kleinen Sasha auch in der Corona-Zeit gegossen haben und an alle fleißigen Helfer, die ihn mit uns umgepflanzt haben.

Elisa Schöne und Sandra Hammer, Schülerinnen“

Ferdinand Saalbach verbindet mit seiner Bilderserie „Burnout-Baum“ eine sehr emotionale, bewegende Geschichte die am Ende sehr zuversichtlich wird:

„Auch wenn uns das größte Leid widerfahren ist – das Leben findet immer einen Weg. 

Das symbolisiert dieser Baum für mich. Er ist ein Stück weit ein Symbol für das, was ich selbst erlebt habe. Ich habe ihn zum ersten Mal bewusst im November 2018 wahrgenommen. Als ich in meiner größten Lebenskrise war und als auch dieser Baum um sein Leben kämpfte. Er brannte. Menschen, die nicht über das nachdachten, was sie taten, hatten ihn angezündet. Und während sie lachend davon liefen, fraß sich die Glut durch seinen Stamm. Ich wusste nicht recht, was zu tun war und suchte nach Gefäßen, in die ich Wasser aus der nahe gelegenen Elbe füllen und damit versuchen wollte, zu löschen. Mit jedem bisschen Wasser, das ich auf den Brandherd schüttete, verschwanden die Flammen für einen Moment. Aber aus der sich immer weiter verbreitenden Glut entstanden schon wenige Sekunden später neue Flammen. Immer höhere, immer gefräßigere Flammen.

Auch ich brannte zu dieser Zeit. Auch in mir hatten Menschen ein vernichtendes Feuer gelegt, das lange Zeit gar nicht als solches erkennbar war. Auch ich versuchte immer wieder, dieses Feuer zu löschen, wenn die Flammen sichtbar wurden. Mit einem viel zu kleinen Eimerchen. Und immer nur so, dass die Flammen zwar verschwanden, die Glut sich aber weiter durch mich durch fressen konnte. 

Als ich erkannte, dass ich mit meinem Eimerchen hier nicht weiterkommen würde, rief ich die Feuerwehr. Nach noch nicht einmal 10 Minuten war sie da. Der Baum stand inzwischen lichterloh in Flammen. Als ich ihn so sah, wurde mir klar, dass ich diesen Brand niemals allein hätte löschen können. Die Feuerwehrmänner spritzten minutenlang Wasser mit hohem Druck in die Flammen und das brachte den Brand dazu, noch größer zu lodern. Das aber war nur der Anschein. Es sah aus, als würde der Brand viel größer werden, aber genau das war nötig, um die Glut zum Ersticken zu bringen. 

In meiner Psychotherapie war das genauso. Tiefe Wunden wurden aufgedeckt und der Schmerz wurde viel größer als er jemals zuvor gewesen war. Es sah so aus, als würde mir die Therapie selbst Schmerzen zufügen, aber in Wirklichkeit löschte sie auf ganz langsame Weise, was schon lange in mir brannte. Und beim Löschen kam die ganze Tragweite der Flammen zum Vorschein. 

Wie beim brennenden Baum waren dazu aber Experten notwendig. Die in mir glimmende Glut konnte genauso wenig wie der brennende Baum mit einem Eimerchen gelöscht werden. Es brauchte Spezialisten. Es brauchte Menschen, die verstehen, wie das geht. Menschen, die wussten, dass mehr Flammen nicht unbedingt mehr Schaden bedeuten, wenn man weiß, was man tut. 

Diese Spezialisten gibt es, auch wenn wir sie oft nicht sehen. Sie sind bereit, uns zu helfen. Und sie sind oft schneller da als man denkt. Hätte ich den Baum weiter vor sich hin brennen lassen, hätte ich weiter mit meinem Eimerchen Wasser drauf gekippt, dann wäre heute nichts als Asche von ihm übrig. Aber ich habe die Spezialisten gerufen. Ich habe eingesehen, dass diese Aufgabe größer ist, als sie zunächst aussieht und dass es dafür Menschen braucht, die sich damit auskennen. Ich habe staunend daneben gestanden, als ich gesehen habe, mit wie viel Einsatz und Fachwissen dieses Team an diese Aufgabe herangegangen ist. Ich aber habe nichts weiter tun können als zuschauen. Dieser Moment hat mich demütig gemacht und gleichzeitig glücklich. Es ist wichtig, zu erkennen, wo man helfen kann und wo die eigenen Grenzen liegen. Und manchmal ist die größte Hilfe, die man geben kann, das Eingeständnis, dass man selbst an seinen Grenzen angekommen ist und jemanden hinzubitten muss. Und dass man nicht mehr tun kann, als staunend daneben stehen. 

Heute ist der Baum Grundlage für neues Leben. Immer wieder komme ich ihn besuchen, schaue mir an, wie es ihm geht und freue mich, wenn ich sehe, wie es um den ausgehöhlten Stamm herum grünt und blüht. Er ist ein Symbol. Für so vieles. Und auch und gerade für mich. Denn auch ich blühe heute, anders und schöner als ich es früher getan habe. Weil ich Experten dazu geholt habe, die das repariert haben, was andere in mir kaputt gemacht haben.“

Wir finden es spannend (und wichtig), wenn die Teilnehmer*innen der Fotowettbewerbe neben ihren Fotos auch ihre Beweggründe mitteilen, die wir neben den Bildern mit veröffentlichen dürfen. Das sorgt für ein besseres Verständnis voneinander im Stadtteil.

Der Kalender wird gerade durch das lokale Gestaltungsbüro BLAO gestaltungsraum für den Druck vorbereitet und wir warten mit großer Spannung darauf, dass wir die Kalender an Euch Johannstädter*innen verteilen können.
Im Anschluss die Bildergalerie. Viel Freude beim Betrachten!

Marie Engelien und Bertil Kalex,
Projektverantwortliche