Der PARK(ing) Day 2020 auf der Hertelstraße: Leben auf dem Kopfsteinpflaster

eingestellt am 19.09.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Parking Day 2020 in der Hertelstraße. Foto: Philine Schlick

Gekürzt um die Silbe „ing“, wird aus dem englischen Wort für „Parkplatz“ der „Park“. Ein Ort zum toben, ausruhen, gesellig sein. Einen solchen hat die Nachhaltige Johannstadt (NaJo) am Freitag der Hertelstraße beschert. Wo sonst Autos die Straße beanspruchen, standen Bänke, gab es Musik, Kaffee und Gesang. Eine Ausnahmesituation mit Modell-Charakter. Am späten Nachmittag stieß das Fahrrad-Rudel des Musikvideodrehs der Band „Lasse Reinström“ dazu. 

Das Projekt NaJo 2025 des Stadtteilvereins Johannstadt hat am Freitag den grünen Teppich ausgerollt und aus Parkplätzen einen Park-Platz gemacht. Für den internationalen Parking Day wurden Parkbuchten für Autos gesperrt und boten Raum für nachbarschaftliche Begegnungen. Liegestühle, Spieltische, ein Kinderflohmarkt, Kaffee und Kuchen vom Café für alle – für einige Stunden war die Hertelstraße nicht wieder zu erkennen.

Polka, Kuchen, Schach und Knöllchen

Die Straße für die Menschen, anstatt für Autos, lautete das Motto, unter dem sich Erwachsene, Kinder und Topfpflanzen auf dem Kopfsteinpflaster versammelten. Am Stand von „Plattenwechsel – Wir in Aktion“ konnte das blaue Glücksrad der Fragen gedreht werden. Luftgefüllte Sitzmöbel luden zum lungern ein und eröffneten ganz neue (Frosch-)Perspektiven auf die Johannstadt.

Nur ein Auto parkte im Parkverbot, das zwischen 15 und 20 Uhr verhängt worden war.  Es wurde schmuck in das Geschehen einbezogen. Die Polizei kontrollierte die Bespielung der genehmigten Flächen. Mit dem Voranschreiten des Nachmittags hatte es der Durchfahrtsverkehr zusehends schwerer – die allermeisten Fahrer*innen nahmen es gelassen.

Immer mehr Menschen versammelten sich, kamen miteinander ins Gespräch oder nutzen das Pflaster für ein Tänzchen. Die Polka-Band Maschu Maschu gab eine öffentliche Probe, bei der die Hüften geschwungen wurden. Eine Kostprobe gab auch der Plattenchor unter der Leitung von Ellen Muriel. Binnen kurzer Zeit war ein vierstimmiges Lied einstudiert, das sanft von den Wänden widerhallte.

Musikvideodreh in der Johannstadt

Lasse Reinström, Noise-Rockband mit Johannstädter Wurzeln, bekamen aus dem Stadtteilfonds Equipment und Personal für den Dreh eines Musikvideos gesponsert. Ihr neuer Song heißt „Ferry of the common Man“ und ist eine Hymne an den Drahtesel. Für das Video radelten etwa 40 Menschen vom Fuß der Albertbrücke in der Neustadt über den Sachsenplatz und die Pfotenhauerstraße bis zur NaJo-Veranstaltung. Der Bandname wurde zum Imperativ, als die klingelnde, radelnde Meute in die Hertelstraße strömte.

Wegweiser in eine lebenswerte Zukunft

Der Parking Day soll die Möglichkeiten der Straßennutzung jenseits des motorisierten Verkehrs aufzeigen. Fahrradständer, Grünflächen, Bäume können eine Straße entschleunigter, leiser, sauberer und lebendiger machen. Die NaJo setzt sich seit Längerem für eine dauerhafte Umnutzung einzelner Parkbuchten auf der Hertelstraße für diese Zwecke ein.

Seit 2005 wird der Parking Day am dritten Septemberwochenende auf der ganzen Welt gefeiert. Bürger*innen verwandeln Gehsteige und Straßen temporär in Spielwiesen und demonstrieren damit, wie sich mehr Platz zum freien Gestalten auf die Nachbarschaft auswirkt.

Nachhaltige Johannstadt (NaJo) 2025

Was tun mit 30.000 Euro? Die Ideenwerkstatt am Donnerstag

eingestellt am 07.09.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Bunte Mosaike für die Sitze am Bönischplatz

Die Ideenwerkstatt am Donnerstag ist eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres, wenn es um die Verwirklichung von Projekt-Ideen geht. Hier erklären Stadtteilverein, Quartiersmanagement und Zukunftsstadt, wie Anträge gelingen. Die Teilnahme lohnt sich auch ohne eigene Projekt-Idee. Zur Verfügung stehen noch 30.000 Euro. 

Marthy und Lars vom Stadtteilfondsprojekt "Grüne Pfote 66" (Foto Torsten Görg)
Marthy und Lars vom Stadtteilfondsprojekt „Grüne Pfote 66“ (Foto Torsten Görg)

Ein Kinderzirkus auf den Elbwiesen, ein Hochbeet im Hinterhof? Bunt gestaltete Papierkörbe, Bienenwiesen, Reparatur-Workshops…? Es sind die kleinen Ideen, die Menschen zusammenbringen und das Viertel lebenswerter machen. Sie zu haben ist eine Sache, sie umzusetzen eine andere. Wie das geht, erklären Macher*innen der Johannstadt am Donnerstag von 18 bis 21 Uhr in der JohannStadthalle an der Holbeinstraße.

Eine Zukunftsidee ist nur einen Antrag weit entfernt

Vertreter*innen der Zukunftsstadt, des Stadtteilvereins und des Quartiersmanagements geben Einblicke helfen dabei, eigene Ideen zu verwirklichen. Bereits 15 externe Teilnehmer*innen sind angemeldet, so Torsten Görg vom Projekt Zukunftsstadt.

Die Stadtteilbeiräte lauschen den Antragsteller*innen. Foto: Philine Schlick
Die Stadtteilbeiräte lauschen den Antragsteller*innen. Foto: Philine Schlick

Um eine Förderung für Ideen zu erhalten, sind ein Kostenplan und ein Projektantrag nötig. Wie diese erstellt und ausgefüllt werden, wird in der Ideenwerkstatt erklärt. In seinen nächsten Sitzungen am 8. Oktober und 12. November entscheidet dann der Stadtteilbeirat in seinen öffentlichen Sitzungen über die Förderung. Je vier Wochen vor der nächsten Sitzung müssen die Anträge eingereicht sein.

NaJo2025: Das Bönischplatzfest 2019. Foto: E.Heinke
NaJo2025: Das Bönischplatzfest 2019. Foto: E.Heinke

In der letzten Sitzung im Juli waren z.B. ein Gymnastikkurs für muslimische Frauen, Mosaik geschmückte Sitzbänke für den Bönischplatz, ein Holzbauworkshop für Jugendliche und ein Videodreh mit der Band Lasse Reinstroem zum Parking Day am 18. September beschlossen worden. Zum Parking Day verwandelt das Projekt Nachhaltige Johannstadt 2025 die Hertelstraße für einige Stunden in einen autofreien Lebensraum.

Zwei Euro pro Einwohner können frei verwaltet werden

Mit Geld aus dem Stadtteilfonds wurden seit 2019 bereits 27 Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität in der Johannstadt gefördert. Rund 37.000 Euro wurden im Januar per Beschluss aus dem Budget des Stadtbezirks Altstadt zur Verfügung gestellt. Das entspricht einem Anteil von 2 Euro pro Einwohner, die selbst verwaltet werden können.

Darüber hinaus hat die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) 12.000 Euro gespendet, die abzüglich einer Verwaltungspauschale ebenfalls in den Stadtteilfonds fließen. Zudem hält der Verfügungsfonds „Nördliche Johannstadt“ weitere 3.700 Euro bereit. Aktuell stehen für das Jahr 2020 insgesamt noch reichlich 30.000 Euro zur Verfügung und warten auf mutige Macher*innen.

Ideenwerkstatt am 10. September