Salsa-Picknick und Parking Day laden zum Mitmachen ein

eingestellt am 14.09.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Parking Day 2020 in der Hertelstraße. Foto: Philine Schlick

Diesen Freitag heißt es weltweit in unzähligen Städten und Metropolen: Es ist Park(ing) Day. Dieser wird auch in der Johannstadt gefeiert. Dieses Jahr sind Bürger*innen zur Selbstorganisation aufgerufen. Besonders fulminant soll er mit einem nachbarschaftlichen Picknick und einer Salsa-Nacht auf dem Bönischplatz ausklingen. 

Im vergangenen Jahr rollte eine verwegene Fahrrad-Kolonne in die Johannstadt, wurde Schach gespielt, gesungen, geschlemmt und getratscht auf der Hertelstraße zum alljährlichen Park(ing) Day. An jedem dritten Freitag im September verwandeln Visionär*innen zugeparkte Straßen in Park-Paradiese für Menschen.

Konzentrierte Schachspieler. Foto: Philine Schlick

Den Parkplatz vor der Tür gestalten

Mit dabei ist wie jedes Jahr im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche (16. bis 22. September) die Nachhaltige Johannstadt 2025 (NaJo): „Zum Park(ing) Day werden temporär Parkplätze ‚zurückerobert‘ und für nachbarschaftliche Aktionen genutzt, zum Beispiel für eine Plauderecke mit Sofa, für gemeinsame Brettspiele, für eine Kaffee-Tafel, für kulturelle Kleinstaktionen wie Lesungen oder Musikauftritte… Der Fokus liegt dabei auf Improvisation und Spontanität“, erklären die Organisator*innen.

Update: U.a. könnt Ihr Parking-Day-Luft schnuppern an der:

Pfotenhauerstraße 66 bei der Nachhaltigen Johannstadt mit Premiere der Konsumtonne, Klimacoaching to go, uvm.
Pfotenhauerstraße 30 beim Verkehrsclub Dresden mit Mobilitätsinfos, 160 Matchboxautos und Infos zur Verkehrswende
Bundschuhstraße mit dem Café für alle & Open-Air-Quatschen

Der Plattenchor beim Parking Day 2020. Foto: Philine Schlick

Anders als 2020 wird der Park(ing) Day 2021 jedoch keine einzelne Straße am Stück belegen. Eigeninitiative ist gefragt, denn Bürger*innen sollen die Parkfläche ihres Herzens selbstständig bespielen und dafür bei der Stadt anmelden: „Das entspricht dem eigentlichen Sinn des Parking Day“, erklärt Alexander Bernstein von der NaJo. Das bunte Treiben wird also um einiges dezentraler ausfallen, hofft das Team, das selbst vor dem Stadtteilladen an der Pfotenhauerstraße 66 diverse Spiele und Aktionen anbieten wird. Der Verkehrsclub Deutschland wird dieselbe Straße auf Höhe des Konsum-Marktes bespielen. Um ca. 17.15 Uhr führt eine Lastenräder-Show auf der Pfotenhauerstraße von der Ecke Hertelstraße bis zum Bönischplatz, wo im Anschluss das Salsa-Picknick als krönender Abschluss in den Abend leiten wird.

Schmaus und Tanz auf dem Bönischplatz

Hier ist ein Beisammen-Sein an einer langen Tafel angedacht, zu dem jede*r nach etwas nach ihrem/seinem Geschmack beisteuern darf. Der Abend wird live begleitet mit karibischer Musik von der Salsa Band Leyenda Latina. „Um auch Anfänger*innen die Chance zu geben ein paar Schritte zu lernen, wird es zwischendurch einen kleinen Tanzworkshop geben“, so Veranstalter Lutz Hoffmann.

Der rollende Verkehr wird für die Aktionen nicht unterbunden. Das sollte bei den Planungen beachtet werden, gibt die NaJo zu bedenken. „Damit die Aktionen rechtlich auf der sicheren Seite bleiben, empfehlen wir, eine Versammlung bei der Dresdner Versammlungsbehörde anzumelden. Eure Park(ing) Day Aktion ist dann quasi eine stationäre Kundgebung.“

Park(ing) Day 2021 am 17. September

  • Infos, Hinweise und Anleitungen zur Veranstaltung hier entlang
  • Fotos nimmt die NaJo gern unter najo2025@johannstadt.de entgegen; sie können aber auch unter folgenden Hashtags gepostet werden: #najo2025 #ParkingDayDD2021 #Johannstadt #JTownrulez
  • Salsa-Picknick von 18 Uhr bis 22 Uhr auf dem Bönischplatz, alle Infos hier entlang

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Die Johannstadt als Kulisse im Musik-Video von „Lasse Reinstroem“

eingestellt am 27.11.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Lasse Reinstroem kurz vor Drehbeginn. Foto: Philine Schlick

Die Band Lasse Reinstroem hat mithilfe des Stadtteilfonds ein Video zu ihrem Song „Ferry Of the Common (Wo)Man“ gedreht. Dafür wurde zum Parking Day eine Fahrt von Neustadt nach Johannstadt organisiert. Schwere Klänge, rotierende Reifen und coole Typen würdigen das Fahrrad als Transportmittel. Heute kam das Video heraus.

„Ich war ziemlich nervös“, sagt Christian Brähler von Lasse Reinstroem rückblickend über den Videodreh. Eine zusammengetrommelte Radfahrer-Horde radelte von der Neustadt über die Albertbrücke in die Johannstadt und traf dort zum Parking Day 2020 auf der Hertelstraße ein.

Hymne an den Drahtesel

„Wir hätten locker die dreifache Menge an Leuten zusammen kriegen können“, sagt Christian. Aber wegen Corona habe man Vorsicht walten lassen. Der Stadtteilfonds förderte dem Projekt Film-Ausrüstung, Flyer und den Schnitt des Videos. Der Film ist – ganz altmodisch – auch auf DVD erhältlich. Der Song „Ferry Of The  Common (Wo)Man“ ist eine Hymne an den Drahtesel. Er ist im Album „Rasputiza“ erschienen, das auf Bandcamp zu hören und auf CD und Vinyl zu kaufen ist.

Der nächste Dreh ist geplant

Nach dem Dreh im September sind die Schnitt-Arbeiten jetzt geschafft, die Nervosität hat sich gelegt. Das amerikanische Label Mr. Doom 666 hatte sich bereit erklärt, den Clip am Freitag über seinen Youtube-Kanal zu veröffentlichen. Dort ist eine große Fangemeinde des Stoner- und 70er-Jahre Rock vereint.

„Die haben 200.000 Follower“, sagt Christian. Das erzeuge auf jeden Fall eine Menge Aufmerksamkeit – bis weit über die Grenzen der Johannstadt hinaus.

Der nächste Videodreh ist bereits geplant. „Wir arbeiten gerade an neuen Songs“, sagt Christian Brähler. „Deutschsprachig, in die Richtung Neue Deutsche Welle.“ Diesmal werde aber in einer Telefonzelle an der Königsbrücker Straße in der Neustadt gedreht. „Eine Frau fotografiert sich mit ihrem Telefon selbst und wird von immer skurrileren Passanten abgelenkt“, verrät Christian.

Der Song wirft in zwei Minuten einen kritisch-düsteren Blick auf soziale Medien und die voranschreitende Digitalisierung. „Der ist ziemlich zackig“, sagt Christian. „Und auf jeden Fall kein Mainstream.“

Lasse Reinstroem

  • Lokalmatadore aus Dresden, aktuelles Album: Rasputiza
  • Lasse Reinstroem werden aller Voraussicht nach bei der (virtuellen) Eröffnung des Bönischplatzes dabei sein

Der PARK(ing) Day 2020 auf der Hertelstraße: Leben auf dem Kopfsteinpflaster

eingestellt am 19.09.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Parking Day 2020 in der Hertelstraße. Foto: Philine Schlick

Gekürzt um die Silbe „ing“, wird aus dem englischen Wort für „Parkplatz“ der „Park“. Ein Ort zum toben, ausruhen, gesellig sein. Einen solchen hat die Nachhaltige Johannstadt (NaJo) am Freitag der Hertelstraße beschert. Wo sonst Autos die Straße beanspruchen, standen Bänke, gab es Musik, Kaffee und Gesang. Eine Ausnahmesituation mit Modell-Charakter. Am späten Nachmittag stieß das Fahrrad-Rudel des Musikvideodrehs der Band „Lasse Reinström“ dazu. 

Das Projekt NaJo 2025 des Stadtteilvereins Johannstadt hat am Freitag den grünen Teppich ausgerollt und aus Parkplätzen einen Park-Platz gemacht. Für den internationalen Parking Day wurden Parkbuchten für Autos gesperrt und boten Raum für nachbarschaftliche Begegnungen. Liegestühle, Spieltische, ein Kinderflohmarkt, Kaffee und Kuchen vom Café für alle – für einige Stunden war die Hertelstraße nicht wieder zu erkennen.

Polka, Kuchen, Schach und Knöllchen

Die Straße für die Menschen, anstatt für Autos, lautete das Motto, unter dem sich Erwachsene, Kinder und Topfpflanzen auf dem Kopfsteinpflaster versammelten. Am Stand von „Plattenwechsel – Wir in Aktion“ konnte das blaue Glücksrad der Fragen gedreht werden. Luftgefüllte Sitzmöbel luden zum lungern ein und eröffneten ganz neue (Frosch-)Perspektiven auf die Johannstadt.

Nur ein Auto parkte im Parkverbot, das zwischen 15 und 20 Uhr verhängt worden war.  Es wurde schmuck in das Geschehen einbezogen. Die Polizei kontrollierte die Bespielung der genehmigten Flächen. Mit dem Voranschreiten des Nachmittags hatte es der Durchfahrtsverkehr zusehends schwerer – die allermeisten Fahrer*innen nahmen es gelassen.

Immer mehr Menschen versammelten sich, kamen miteinander ins Gespräch oder nutzen das Pflaster für ein Tänzchen. Die Polka-Band Maschu Maschu gab eine öffentliche Probe, bei der die Hüften geschwungen wurden. Eine Kostprobe gab auch der Plattenchor unter der Leitung von Ellen Muriel. Binnen kurzer Zeit war ein vierstimmiges Lied einstudiert, das sanft von den Wänden widerhallte.

Musikvideodreh in der Johannstadt

Lasse Reinström, Noise-Rockband mit Johannstädter Wurzeln, bekamen aus dem Stadtteilfonds Equipment und Personal für den Dreh eines Musikvideos gesponsert. Ihr neuer Song heißt „Ferry of the common Man“ und ist eine Hymne an den Drahtesel. Für das Video radelten etwa 40 Menschen vom Fuß der Albertbrücke in der Neustadt über den Sachsenplatz und die Pfotenhauerstraße bis zur NaJo-Veranstaltung. Der Bandname wurde zum Imperativ, als die klingelnde, radelnde Meute in die Hertelstraße strömte.

Wegweiser in eine lebenswerte Zukunft

Der Parking Day soll die Möglichkeiten der Straßennutzung jenseits des motorisierten Verkehrs aufzeigen. Fahrradständer, Grünflächen, Bäume können eine Straße entschleunigter, leiser, sauberer und lebendiger machen. Die NaJo setzt sich seit Längerem für eine dauerhafte Umnutzung einzelner Parkbuchten auf der Hertelstraße für diese Zwecke ein.

Seit 2005 wird der Parking Day am dritten Septemberwochenende auf der ganzen Welt gefeiert. Bürger*innen verwandeln Gehsteige und Straßen temporär in Spielwiesen und demonstrieren damit, wie sich mehr Platz zum freien Gestalten auf die Nachbarschaft auswirkt.

Nachhaltige Johannstadt (NaJo) 2025

Was tun mit 30.000 Euro? Die Ideenwerkstatt am Donnerstag

eingestellt am 07.09.2020 von Philine Schlick

Die Ideenwerkstatt am Donnerstag ist eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres, wenn es um die Verwirklichung von Projekt-Ideen geht. Hier erklären Stadtteilverein, Quartiersmanagement und Zukunftsstadt, wie Anträge gelingen. Die Teilnahme lohnt sich auch ohne eigene Projekt-Idee. Zur Verfügung stehen noch 30.000 Euro. 

Marthy und Lars vom Stadtteilfondsprojekt "Grüne Pfote 66" (Foto Torsten Görg)
Marthy und Lars vom Stadtteilfondsprojekt „Grüne Pfote 66“ (Foto Torsten Görg)

Ein Kinderzirkus auf den Elbwiesen, ein Hochbeet im Hinterhof? Bunt gestaltete Papierkörbe, Bienenwiesen, Reparatur-Workshops…? Es sind die kleinen Ideen, die Menschen zusammenbringen und das Viertel lebenswerter machen. Sie zu haben ist eine Sache, sie umzusetzen eine andere. Wie das geht, erklären Macher*innen der Johannstadt am Donnerstag von 18 bis 21 Uhr in der JohannStadthalle an der Holbeinstraße.

Eine Zukunftsidee ist nur einen Antrag weit entfernt

Vertreter*innen der Zukunftsstadt, des Stadtteilvereins und des Quartiersmanagements geben Einblicke helfen dabei, eigene Ideen zu verwirklichen. Bereits 15 externe Teilnehmer*innen sind angemeldet, so Torsten Görg vom Projekt Zukunftsstadt.

Die Stadtteilbeiräte lauschen den Antragsteller*innen. Foto: Philine Schlick
Die Stadtteilbeiräte lauschen den Antragsteller*innen. Foto: Philine Schlick

Um eine Förderung für Ideen zu erhalten, sind ein Kostenplan und ein Projektantrag nötig. Wie diese erstellt und ausgefüllt werden, wird in der Ideenwerkstatt erklärt. In seinen nächsten Sitzungen am 8. Oktober und 12. November entscheidet dann der Stadtteilbeirat in seinen öffentlichen Sitzungen über die Förderung. Je vier Wochen vor der nächsten Sitzung müssen die Anträge eingereicht sein.

NaJo2025: Das Bönischplatzfest 2019. Foto: E.Heinke
NaJo2025: Das Bönischplatzfest 2019. Foto: E.Heinke

In der letzten Sitzung im Juli waren z.B. ein Gymnastikkurs für muslimische Frauen, Mosaik geschmückte Sitzbänke für den Bönischplatz, ein Holzbauworkshop für Jugendliche und ein Videodreh mit der Band Lasse Reinstroem zum Parking Day am 18. September beschlossen worden. Zum Parking Day verwandelt das Projekt Nachhaltige Johannstadt 2025 die Hertelstraße für einige Stunden in einen autofreien Lebensraum.

Zwei Euro pro Einwohner können frei verwaltet werden

Mit Geld aus dem Stadtteilfonds wurden seit 2019 bereits 27 Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität in der Johannstadt gefördert. Rund 37.000 Euro wurden im Januar per Beschluss aus dem Budget des Stadtbezirks Altstadt zur Verfügung gestellt. Das entspricht einem Anteil von 2 Euro pro Einwohner, die selbst verwaltet werden können.

Darüber hinaus hat die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) 12.000 Euro gespendet, die abzüglich einer Verwaltungspauschale ebenfalls in den Stadtteilfonds fließen. Zudem hält der Verfügungsfonds „Nördliche Johannstadt“ weitere 3.700 Euro bereit. Aktuell stehen für das Jahr 2020 insgesamt noch reichlich 30.000 Euro zur Verfügung und warten auf mutige Macher*innen.

Ideenwerkstatt am 10. September