Weihnachtsstimmung im Oktober: Anne Schikora organisiert den Johannstädter Advent 2020

eingestellt am 01.10.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Anne Schikora organisiert den Johannstädter Advent 2020. Foto: Philine Schlick

Die Kinder tun es, die Lebkuchenproduzent*innen tun es und auch Anne Schikora denkt im Herbst an Weihnachten. In ihrem neuen Amt als Organisatorin des Johannstädter Advents muss sie das auch. Aus ihrer Perspektive steht der Advent quasi vor der Tür. Die ersten Anmeldungen für den lebendigen Kalender sind bereits eingegangen.

Anne Schikora hat das Zepter von Torsten Görg übernommen und wird 2020 den Johannstädter Advent planen. Sie wohnt mit ihrer Familie in der Johannstadt, hat während des Corona-Lockdowns ihre Masterarbeit fertig geschrieben und möchte sich jetzt eine Pause gönnen. Diese sieht anders aus, als man sich gemeinhin eine Pause vorstellt. Denn Anne möchte sich in dieser Zeit engagieren und unter „selbst gemachtem Druck arbeiten.“

Als Praktikantin des Quartiersmanagements das Viertel mitgestaltet

Sich einzubringen sei ihr immer wichtig gewesen. Durch Studium und Familie sei das besonders in der stressigen Corona-Zeit etwas zu kurz gekommen. Als Andrea Schubert vom Stadtteilverein sie bei der vergangenen Ideenwerkstatt fragte, ob sie den Johannstädter Advent organisieren wolle, war ihre Freude groß, erzählt Anne. „Ich musste nicht lange überlegen.“

Mal "eine Pause machen" - und den Johannstädter Advent organisieren, dachte sich Anne Schikora. Foto: Philine Schlick
Mal „eine Pause machen“ – und den Johannstädter Advent organisieren, dachte sich Anne Schikora. Foto: Philine Schlick

Im Stadtteil ist sie keine Unbekannte: Vor zwei Jahren absolvierte sie im Rahmen ihres Master-Studiums „Raumentwicklung und Natur-Ressourcen Management“ an der TU Dresden ein Praktikum im Quartiersmanagement. Sie bereitete die erste Sitzung der Stadtteilbeirät*innen mit vor und lernte viele Akteur*innen im Viertel kennen, so neben Matthias Kunert auch Andrea Schubert und Torsten Görg.

Das Herz hing an der Johannstadt

Nun ist Anne Schikora dem Stadtteilverein beigetreten und wird Torsten Görg bei der Organisation des Johannstädter Advents ablösen. Als Grundlage dienen die bereits geknüpften Kontakte. Anne Schikora hofft, noch mehr Bürger*innen für den lebendigen Adventskalender zu gewinnen. „Man muss ja nichts Riesiges planen“, wirbt sie. Es gehe darum, kleine nachbarschaftliche Zusammenkünfte in der erfahrungsgemäß getriebenen Adventszeit zu ermöglichen.

Poster des Johannstädter Advents. Grafik: Grit Koalick
Poster des Johannstädter Advents. Grafik: Grit Koalick

Vorstellen kann sie sich Balkonkonzerte oder öffentliche Musikproben. „Bei uns im Hinterhof hört man es immer, wenn jemand ein Instrument spielt“, erzählt sie. „Wenn man das zeitlich einfach ein bisschen abstimmt …“

Anne Schikora wohnt an der Heinrich-Beck-Straße. Zuvor hatte die Familie eine Wohnung in einem der Hochhäuser an der Florian-Geyer-Straße. „Wir sind dann vor der Sanierung geflohen“, sagt Anne. Das Viertel sollte es aber unbedingt bleiben. „Das Herz hing an der Johannstadt.“

Anne Schikora ist es deshalb eine Herzensangelegenheit, den Johannstädter Advent auf die Beine zu stellen. „Vor dem verglasten Essenssaal der Pro Seniore Residenz könnte man ein Chor-Konzert stattfinden lassen“, teilt sie ihre Überlegungen. So könnten sowohl Bewohner*innen, als auch Passant*innen teilhaben.

Zur Sicherheit: Outdoor-Veranstaltungen

Über allem schwebt die Corona-Pandemie. „Unser Fokus liegt auf offenen Räumen“, sagt Anne. „Wer weiß, wie es mit den Beschränkungen im Dezember aussieht.“ Sie hoffe auf rege Beteiligung. „Vielleicht geben sich die Menschen ja gerade wegen Corona einen Ruck und sagen sich ‚Jetzt erst recht!'“

Das Glasfoyer der 101. Oberschule verwandelt sich in einen Adventskalender mit 24 Türchen

Die ersten Anfragen sind bereits eingetrudelt, bevor Anne Schikora die große Werbetrommel rührte. Aber es dürfen mehr werden. „Der Idealfall wäre natürlich, wenn es für jeden Tag fünf Ideen gibt, aus denen ich auswählen kann“, sagt Anne Schikora lachend.

Der Johannstädter Advent wurde 2016 durch das Quartiersmanagement ins Leben gerufen. Seit 2018 wird er vom Stadtteilverein organisiert. Vom ersten bis zum 24. Dezember öffnen sich Haus- und Hoftüren im Viertel. Zu erleben gibt es Überraschungen vom Brotbacken bis zum aufgeführten Sketch. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Johannstädter Advent 2020

  • Veranstaltungen können bis zum 20. Oktober angemeldet werden
  • Kontakt: advent@johannstadt.de

Fair klicken: Die selbst verlötete Zuckerrohrmaus

eingestellt am 14.12.2019 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Mein ganzer Stolz: Eine selbst gebaute faire PC-Maus. Foto: Philine Schlick

Der Advent ist nicht nur die Zeit der inneren Einkehr, sondern auch der technischen Herausforderungen. Pyramiden-Konstruktion, Beleuchtungs-Installation, Lebkuchenhaus-Errichtung: Alles kein Zuckerschlecken. Mein persönliches Feinmototrik-Erlebnis ist das 12. Türchen des Johannstädter Adventskalenders. Die selbstgebaute Computer-Maus!

Beim Löten ist Fingerspitzengefühl gefragt. Foto: Philine Schlick

Im Büro des Projektes „Nachhaltige Johannstadt 2025“ (kurz: NaJo 2025) rauchen an diesem Abend nicht die Köpfe, sondern Lötkolben. Kleine Dampfwölkchen steigen auf und kriechen in gerümpfte Nasen. Es riecht nach Opas Eisenbahnplatte. „Hat jemand die Lupe gesehen? Kann ich noch mehr Lötzinn haben? Wie herum muss ich die LED anlöten?“ Der Hinterraum des Büros hat sich in eine Elektrowerkstatt verwandelt.

Heimeliges Löten im Advent. Foto: Philine Schlick

Mehr Smartphones als Menschen

Unser Anleiter heißt Thomas Peterberns und ist Maschinenbauingenieur. Die PC-Maus, die wir heute aus einem Bausatz der Firma Nager IT zusammenbauen werden, ist zu zwei Dritteln fair. „Die haben wirklich Pionierarbeit geleistet seit der Gründung 2009“, sagt Thomas. Das fehlende Drittel Fairness ist den unaufgeschlüsselten Lieferketten geschuldet. Thomas erklärt es am Beispiel Smartphone, von denen es mittlerweile 7,5 Milliarden auf der Welt gibt. Mehr als Menschen.

Eine der Lötstationen geht im Anschluss an den Workshop an den LeihLaden über. Foto: Philine Schlick

Damit weltweit Finger über immer neue Mobiltelefone gleiten, atmen in China Fließbandarbeiter bis zu 80 Stunden pro Woche giftige Dämpfe ein, schuften im Kongo Kinder in Kobaltminen, sterben vor der indonesischen Küste Korallenriffe. Eigentlich verbieten Verträge großen Abnehmern, Rohstoffe wie Gold, seltene Erden, Lithium, Kupfer, Aluminium, Silicium aus „Konfliktregionen“ zu beziehen. Den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und den fatalen Umweltverschmutzungen wird damit kein Riegel vorgeschoben.

Im Gegenteil: Der Schmuggel gedeiht. Offiziell kommt Kobalt dann eben aus Nigeria …. Einsichtbare Lieferketten schützen Menschen und Umwelt vor Ausbeutung. Diese aufzudröseln erfordert einen langen Atem und viel Kooperation. Nager IT haben mit zwei Dritteln also schon einiges bewegt, urteilt Thomas.

Fairness durch Transparenz

Thomas hat sich mit dem Thema beschäftigt und umgedacht. Er ist nicht der einzige. Das bayrische Unternehmen Nager IT stellt PC-Mäuse her, deren Gehäuse aus Zuckerrohr besteht. Mit transparenten Lieferwegen nehmen sie Anbieter in die Verantwortung und sorgen so für fairere Produktionsbedingungen. Ebenso wie die Hersteller von Fairphone liefern sie Ersatzteile und Bauanleitungen und sorgen damit für Nachhaltigkeit, weil die Geräte leichter vom Verbraucher repariert werden können.

Thomas schaut den Teilnehmer*innen helfend über die Schulter. Foto: Philine Schlick

Das zweite Verbrechen nach der Gewinnung der Rohstoffe ist nämlich der Umgang mit Elektroschrott. Der landet zu 76 Prozent in China, Ghana, Indien oder Brasilien, wo er von den ärmsten der Armen mit archaischen Methoden wieder in seine wertvollen Einzelteile zerlegt und verschachert wird. In Deutschland fallen pro Kopf rund 23 Kilo Elektroschrott pro Jahr an.

"Die dritte Hand" hilft hitzeunempfindlich. Foto: Philine Schlick
„Die dritte Hand“ hilft hitzeunempfindlich. Foto: Philine Schlick

Eine Maus ist eine Maus, aber ein Anfang. Die Polizei in Niedersachsen, weiß Thomas zu berichten, bestellte 20.000 Stück in der Farbe schwarz. Wir können beim Workshop zwischen verschiedenen rot-schwarz-Kombinationen unterscheiden.

So ein Lötzinn!

Die Frage der Fragen lautet „Hast du schon mal gelötet?“ Die stellt Thomas nach dem einleitenden Vortrag. Einige heben die Hand, die anderen sind schon ganz kribbelig. Die Motivation zur fairen PC-Maus ist deutlich zu spüren. Das Lötzinn liegt bereit, ebenso „die dritte Hand“ – eine Halterung mit zwei Klemmen -, die Lötstationen sind angeschaltet. Jetzt geht’s löt!

Du musst doch nur den Nippel durch die Lasche zieh’n … Foto: Philine Schlick

An einer Modellplatine dürfen wir, die sechs Teilnehmer*innen, Probe-Löten. Die Platine ist zusammengebastelt aus Elektroschrottteilen, die aus Werkstätten der Lebenshilfe stammen. Dort wurden sie aus anderen Geräten ausgebaut. „Zwei Mikrochips, vier LEDs, zwei Quarze“, bestimmt Bastler Eric. Für mich sieht das aus wie ein winziges Siedler-Spielbrett.

Die Übungsplatine. Foto: Philine Schlick

Das Lötzinn der Marke Stannol – ein im Sinne der transparenten Lieferkette faires Produkt – schmilzt auf der Spitze des Lötkolbens, der an den zu verlötenden Draht gepresst wird. Von der anderen Seite hält das Lötzinn dagegen und mit Geschick – schwupp! – fließt eine winzige Silber-Lache in das Löchlein auf der Platine und erkaltet glänzend.

„Das klickt sich super!“

Mit einer Bauanleitung, Thomas und den zwei studierten Helferlein Friedrich und Matthias löten sich Giacomo, der Mäusesammler, Eric, der Hobbyreparateur und seine interessierte Begleitung Jenny, Tobias, die Lötstation, Luise, die Bühnenbildnerin und ich auf der Jagd nach „positiven Erlebnissen mit Technik“ (und Weihnachtsgeschenken) durch den Abend, regelmäßig unterbrochen vom Ploppen der Entlötungs-Pumpe.

Fertig zum ersten Funktionstest! Foto: Philine Schlick

Doch am Ende winkt das Erfolgserlebnis: Die ersten Mäuse huschen über den PC-Bildschirm. Letzte Korrekturen, doch letztendlich klappt es. „Das klickt sich super!“ Alle Teilnehmer*innen verewigen sich mit mit dem Malprogramm auf dem Bildschirm. Heureka-Stimmung macht sich breit. Nach Hause nehme ich nicht nur eine Maus, sondern auch einen anderen Blick auf Technik und Nachhaltigkeit.

Interesse an weniger Schrott? Hier geht es zum RepairCafé.

Filmtipp: Welcome to Sodom

Der diesjährige Adventskalenderbeitrag des Vereins „Willkommen in Johannstadt e.V.„, wurde in Kooperation mit NaJo 2025 organisiert und über den Stadtteilfonds Johannstadt unterstützt.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.

Johannstädter Advent: Das erste Türchen öffnet sich am Sonntag

eingestellt am 30.11.2019 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Jeden Adventstag eine neue Geselligkeit (Quelle: Philine Schlick)

Alle Jahre wieder … öffnet sich seit 2016 jeden Adventstag in der Johannstadt ein Türchen. Dieses Jahr leiht die 101. Oberschule „Johannes Gutenberg“ die Scheiben ihres Foyers für die großformatige Bewerbung des Ereignisses aus.

Ein Adventskalender versüßt das Warten auf Weihnachten. Der Johannstädter Advent kann mehr als Schokolade: Seine 24 Türchen öffnen sich als Haustüren und gewähren einen Blick hinter die Kulissen des Viertels. Dieses Jahr wird die Aktion besonders groß-artig beworben.

Das Glasfoyer der 101. Oberschule verwandelt sich in einen Adventskalender mit 24 Türchen

Der Adventskalender ist Teil der Johannstadt

Knapp, aber noch rechtzeitig kam er, der Beschluss des Stadtteilbeirats zum Druck von 24 großformatigen Plakaten. Diese zieren nun die Scheiben des Foyers in der 101. Oberschule „Johannes Gutenberg“. Die Idee ging von Schulleitung und Schüler*innen aus und konnte mit Fördergeldern des Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt realisiert werden, die aufgrund des Abbruchs eines anderen Projektes zur Verfügung standen.

Das Motiv des Adventskalenders entwarf die 2017 die Künstlerin Grit Koalick.

„Die Organisation des Adventskalenders, der Druck des 2017 von Grit Koalick gestalteten bunten Kalenders sowie der Aushang in Geschäften und Einrichtungen des Stadtteils wird in diesem Jahr erstmals über den Stadtteilfonds gefördert, da sich die Angebote auf die gesamte Johannstadt und nicht nur auf das Soziale-Stadt-Gebiet ‚Nördliche Johannstadt‘ beziehen“, führt Matthias Kunert vom Quartiersmanagement aus.

Torsten Görg, der den Adventskalender seit zwei Jahren für den Stadtteilverein Johannstadt e.V. zusammenträgt, betont die Bedeutung des Adventskalenders im Stadtteil: „Der Adventskalender ist zu einem Teil der Johannstadt geworden.“ Das schließt er aus der regen Teilnahme. Erste Anfragen zur Mitgestaltung des „Johannstädter Advents“ erreichten ihn schon im März.

Fensterscheiben werden zu 24 Türchen

Eine weithin sichtbare Idee zur Bewerbung brachte die 101. Oberschule „Johannes Gutenberg“ ein: An den Fensterscheiben des gläsernen Foyers kleben seit Freitag 24 großformatige Plakate. Sie stellen die 24 Türchen und ihre Aktionen vor: Vom Kerzenziehen bis zur Beobachtung des nächtlichen Winterhimmels. Der Schriftzug darüber wurde von Schüler*innen im Kunstunterricht gestaltet und weist auf den lebendigen Adventskalender im Viertel hin.

Bereits zum vierten Mal vermittelt er in der Adventszeit nachbarschaftliche Begegnungen, praktische Fähigkeiten, Zeit zum Innehalten und außergewöhnliche Erlebnisse. Zum Beispiel das Basteln einer umweltfreundlichen Computermaus.

Hier geht es zum Online-Adventskalender.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes „Online-Stadtteilmagazin“ erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der/die Autor*in verantwortlich.