Letzte Stadtteilbeiratssitzung des Jahres leert die Töpfe

eingestellt am 12.11.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Foto: Philine Schlick

Bei seiner letzten Sitzung des Jahres kam der Stadtteilbeirat noch einmal live zusammen und schüttete Gelder für vier Projekte aus. Gefördert werden die künstlerische Gestaltung eines Vonovia-Hauses, ein frei nutzbares Lastenrad, Bienenwachskerzen für das Friedenslicht und der Johannstädter Advent.

Eine fast feierliche Stimmung herrschte bei der letzten Stadtteilbeiratssitzung für dieses Jahr. Frisch vor Ort getestet konnten die Beirät*innen noch einmal im Foyer der 101. Oberschule Johannes Gutenberg zusammenkommen. Die Anwesenheit von 12 Mitgliedern machte das Gremium beschlussfähig. Letztmalig dabei war Bernd Sauer vom Copyshop, der das Amt als treuer Vertreter des Stadtteils seit 2015 bekleidet. Er nahm von honorierendem Tischklopfen begleitet Abschied und zog eine positive Bilanz: “Ich bin relativ zufrieden mit dem, was wir bewirken konnten.” Die Wahl des neuen Beirats beginnt mit der Briefwahl am Freitag.

Bernd Sauer vom Copy Shop Sauer bei einer Stadtteilbeiratsszung. Foto: Philine Schlick

Märchenhafte Vonovia-Wand

Die Beirät*innen stimmten nahezu einstimmig für die Förderung der vier vorgestellten Projekte – kurz vor Schluss leerten sich so die Töpfe. Gegenüber des Bönischplatzes wird der Durchgang zum Wohnhof Pfotenhauer-/Elisen- und Hopfgartenstraße mit ornamentalen Märchenmotiven gestaltet. Dazu wird der Künstler Juan Miguel Restrepo sein Wissen in Workshops weitergeben und die Wände gemeinsam mit Bürger*innen schmücken. In einem ersten Treffen am 2. November zwischen Vonovia und Haussprecher*innen wurde bereits positiv über das Vorhaben abgestimmt. Der Stadtteilbeirat lieferte jetzt mit einem Zuschuss von rund 2200 Euro die finanziellen Voraussetzungen dafür.

Frau Pretzsch vom Stadtbezirksamt bat um den Verzicht auf Silber- und Goldfarben, da sich die im Bedarfsfalle nur schwer entfernen ließen – und um eine rechtzeitige Benachrichtigung zum Beginn der Maßnahme, damit Ordnungsamt und Polizei unterrichtet seien.

Foto: Vonovia SE

Ein Pionier bewährt sich

Dem guten alten Johann ist der Rahmen gebrochen. Deshalb beantragte VG-Chef Jacobi Gelder für die Anschaffung eines neuen Lastenrades. Mit dem Förderbeschluss von 2016 hatte der Stadtteilbeirat visionäres Gespür bewiesen: Das Lastenrad “Johann” war das erste kostenfrei zu nutzende seiner Art in Dresden und wurde allein über die Plattform Frieda&Friedrich an 700 Tagen gebucht. “Das Rad ermöglichte Familienausflüge mit Hund, einen Sekttransport zum Standesamt und auch eine Getränkelieferung für den Stadtteilbeirat”, ermöglichte Jacobi einen Blick ins Nähkästchen.

Der ADFC bestätigt: Es handele sich um eines der am häufigsten genutzten Lastenräder der Stadt. Instandgesetzt und gepflegt wird es vom Kollegium der Verbrauchergemeinschaft Elise in Johannstadt. Nun hat es der Lasten genug getragen. Gern bewilligte der Beirat für die Neuanschaffung rund 1800 Euro. Das neue Lastenrad, dessen Name noch gesucht wird, kann kostenlos ausgeliehen werden.

Foto: Kultur!ngenieur, Felix Liebig

Bio oder nicht bio?

… das war die Frage beim Antrag der Johannes-Kreuz-Lukas-Gemeinde. Pfarrer Tobias Funke möchte in Kooperation mit Kitas und Jugendtreffs gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Bienenwachskerzen selbst herstellen, um sie am Friedenslicht aus Bethlehem zu entzünden. Dass die Lichtmetaphorik eine interkulturelle Verbindung herstelle und gemeinsames Kerzenziehen die Gemeinschaft stärke, daran hatten die Stadtteilbeirät*innen keinen Zweifel – aber musste es dafür das teurere Bio-Bienenwachs sein? Natürlich, so stand schnell fest, unterscheiden die Bienen nicht zwischen Bioblume und Nicht-Bioblüte.

Der Unterschied aber, so konnten Charlotte Döbrich und Torsten Görg erklären, liegt in der Haltung der lebenswichtigen Insekten. Ein Bio-Imker nimmt den Tieren weniger von ihrem Honig und sorgt dadurch für eine wesensgemäße Ernährung. Zudem enthalte das Wachs vermutlich weniger Schadstoffe, weil die Bienen beispielsweise nicht unter dem Einfluss von Chemikalien gehalten würden. Schließlich gab man dem Antrag über rund 1450 Euro ohne Änderungen statt: “Für die Gesundheit der Kinder”, sagte Bernd Sauer.

Die Tradition, das Friedenslicht aus Bethlehem weiterzugeben, gibt es schon seit 1986. (Foto: Oliver Hallmann)

Johannstädter Advent beweist Mut zur Lücke

Lange hätten die Überlegungen gedauert, sagte Torsten Görg. “Unter Corona-Bedingungen war der Johannstädter Advent im letzten Jahr ein Riesenaufwand.” Ständige Änderungen, Umplanungen und Unsicherheiten bilden kein sonderlich festes Fundament. Jedoch: Seit 2016 gehört das Angebot zu Weihnachten in die Johannstadt und soll stattfinden! Anders als in den vergangenen Jahren ausschließlich als Online-Variante. Längst seien nicht alle Fensterchen gefüllt – doch statt eines kompletten Ausfalls wollen die Organisator*innen Mut zur Lücke beweisen, so Görg. Rezepte, Gedichte, Bilder, Witze sollen sich hinter den einzelnen digitalen Türchen verbergen, für die keine Aktionen oder Veranstaltungen von den Bewohner*innen und Einrichtungen im Stadtteil eingereicht werden. Man suche langfristig Mitstreiter*innen, Ideen für die Zukunft seien willkommen.

Das Glasfoyer der 101. Oberschule bewirbt auch dieses Jahr den Johannstädter Advent und bietet sicher so manche Überraschung.

Schulleiterin Juliana Dressel-Zagatowski erbat sich trotz aller Widrigkeiten die alljährliche Bekanntmachung an der gläsernen Fassade der 101. Oberschule: “Das war für unsere internationale Schülerschaft jedes Jahr eine interkulturelle Aktion, die der Bekanntmachung von Bräuchen und der Manifestation von Kultur diente.” Bernd Sauer war schnell zur Stelle: Zwar gingen er und seine Frau Ende des Monats in den wohlverdienten Ruhestand, vorher wolle er allerdings die Drucker für ein 30 Meter langes Banner anschalten. Tusch!

Foto: Philine Schlick

14. Stadtteilbeiratssitzung

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Elblounge “johann”: Hoffen auf 2021

eingestellt am 24.11.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Laura Girke vom Restaurant "johann". Foto: Philine Schlick

Im Mai eröffnet, im November geschlossen: Der “johann” steht dieser Tage leer. Wann wieder geöffnet werden kann, ist derzeit unklar. Es gibt Absagen und Verschiebungen. Laura Girke ist dennoch zuversichtlich, denn der Kalender 2021 ist gut gefüllt. “Wir schaffen das. Aber es wird hart”, sagt die Chefin.

Ein wenig gespenstisch wirken die weitläufigen Räume des im Mai neu eröffneten “johann” an diesem blassen Nachmittag. Die Stühle sind hoch gestellt, kein Licht brennt, es ist still und kein Essensduft ist zu erschnuppern. Mit der Schließung der Gastronomie seit Anfang November bleiben auch die Türen des lang herbei gesehnten Restaurants mit Elbblick geschlossen. Kein Tagesgeschäft, keine Hochzeiten – und der Weihnachtsbetrieb steht in den Sternen. Alle 25 Mitarbeiter*innen sind in Kurzarbeit. Wie verkraftet der junge Betrieb diese Härteprobe?

“Ich weiß genauso viel wie Sie”

Laura Girke empfängt trotz aller Widrigkeiten mit einem zuversichtlichen Lächeln. “Es war gut, dass wir im Sommer öffnen konnten”, sagt sie. Zwar erforderten die Umstände mehr Personal und damit mehr Kosten, aber Terrasse und Säle waren gut besucht. Auch Hochzeiten fanden statt. “Eigentlich werden solche Feiern ja lange voraus geplant, aber manche waren wirklich entspannt. Dann haben wir innerhalb von drei Wochen eine Hochzeit gezaubert”, sagt Laura Girke.

Im Gastraum des “johann” sind wegen des Teil-Lockdown die Stühle hochgestellt. Foto: Philine Schlick

Die letzten Tage vor dem Teil-Lockdown nutzen etliche Besucher*innen für ein Essen im “johann”. “Aber viele Gesellschaften kamen in der aufgrund der Bestimmungen anstatt mit den 30 angekündigten Gästen eben nur zu zehnt”, sagt Laura Girke. Planungssicherheit sei nicht möglich in dieser Zeit. Dazu kommen die sich schnell ändernden Regeln. “Wenn Gäste bei mir anrufen und sich nach der Lage erkundigen, kann ich immer nur sagen: ‘Ich weiß genauso viel wie Sie.”

Derzeit nicht im Fluss

Das große Martinsgans-Essen konnte nicht stattfinden, aber ein Großteil der Gäste, die reserviert hatten, nahmen das Angebot der “Gans to go” an. “Wir haben die Portionen in Vakuumbeutel verpackt, damit man sie gut erwärmen kann und noch was Süßes aus der Patisserie dazu gelegt”, erzählt Girke. Viele Gäste hätten aus Gründen der Solidarität nicht storniert, das habe sie zu schätzen gewusst. Auch zu Weihnachten soll ein Menü zum Abholen kreiert werden. Weitere Aktionen sind nicht geplant.

Im Sommer soll auf der Terrasse des “johann” wieder Betrieb sein. Foto: Philine Schlick

“Ich möchte nicht aus Aktionismus heraus handeln”, erklärt die Chefin. “Das würde mich platt machen.” Kosten und Nutzen müssen gut abgewogen werden. Schließlich müsse man dafür den ganzen Betrieb wieder hoch fahren. “Wir sind zur Zeit nicht im Fluss”, stellt sie fest. Nicht nur die Kasse, auch Kopf und Herz spielen da eine Rolle. Immer wieder planen und hoffen und dann absagen – das schlaucht. Bevor sie halbe Sachen beginne, wolle sie das Restaurant lieber geschlossen lassen.

Die Hoffnung liegt im neuen Jahr

Laura Girke nutzt die verordnete Betriebsruhe um die Buchhaltung zu erledigen, Pläne zu schmieden, zu koordinieren. Sie ist überzeugt: “Wir schaffen das. Aber es wird hart.” Der Dezember sei ein Monat, in dem man für das Frühjahr einen Puffer erarbeite. Auch seien mit dem Stillstand die hart erarbeiteten Errungenschaften des ersten halben Jahres passé. Sie versuche das Positive zu sehen: Es bleibt mehr Zeit für die Familie – ein wirklich ungewöhnlicher Zustand für eine Gastronomin in der nahenden Weihnachtszeit.

Die Hoffnung liegt auf einer Entspannung der Lage 2021. Foto: Philine Schlick

Auch sei der Gebäude-Eigentümer verständnisvoll und am Fortbestehen des “johann” interessiert. Von dieser Seite sei kein Druck zu befürchten. Außerdem, sagt Girke, sei sie überzeugt, dass nach dieser Krisen-Prüfung ihr Team so schnell nichts mehr erschüttern kann.

Das Telefon klingelt. Laura Girke ruft aus: “Vielleicht ist es ein Gast!” Die Kundin am anderen Ende der Leitung wünscht eine Verschiebung. Schon jetzt, sagt Girke bedauernd, würden etliche ihre Feierlichkeiten vom Frühling in den Herbst verlegen. Das bereite ihr Bauchschmerzen. Aber dann sagt sie: “Heute Nachmittag kommen noch zwei Pärchen, die an einer Hochzeitsfeier im nächsten Jahr interessiert sind.” Es gibt also einen Lichtstreifen am Horizont.

johann – Elblounge & Restaurant

  • www.johann-elblounge.de
  • Reservierungen und Anfragen via 0351 45699950 oder info@johann-elblounge.de
  • Für Weihnachten 2020 gibt es ein Menü außer Haus:
    https://www.johann-elblounge.de/Speisen-ausser-Haus/