Halloween-Konzert von Banda Internationale im Bönischgarten: „Bevor wieder nichts mehr geht“

eingestellt am 01.11.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Ein letztes Leuchten vor dem Teil-Lockdown in der Johannstadt. Foto: Anja Hilgert

Beitrag von Anja Hilgert und Philine Schlick

Am Halloween-Sonnabend bewies die Dresdner Band Banda Internationale, welche Ahnung sie von Tuten und Blasen hat. Gefolgt wurde der Auftritt von den Steaming Animals. Ein Konzert, getanzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war für die kommenden Wochen das letzte unter freiem Himmel.

Halloween 2020: Am schaurigsten sind jene Gesichter ohne Maske. Deshalb herrschte auch unter freiem Himmel beim Konzert von Banda Internationale und den Steaming Animals im Bönischgarten Maskenpflicht. Ein ausreichend großes Areal wurde auf der Wiese hinter dem Konsum-Aldi-Gebäude gewählt, um Platz für etwa 100 Gäste und ihren Sicherheitsabstand zueinander zu gewährleisten. Das Ziel: Ein letztes Konzert vor dem Teil-Lockdown.

Balkone wurden zu Tanzflächen

Möglich machte es – mit Unterstützung des Grünen-Stadtrats Thomas Löser und den fleißgen Technikern – die bunte Gruppe der Banda Internationale, die sich selbst mit Menschen aus der ganzen Welt aus der Banda Comunale wiedergebar. Die Sehnsucht türkischer Liebeslieder, die Poesie persischer Weisen, der Rhythmus von Trommeln aus Burkina Faso: Die Banda Internationale schaffte es, die ganze Welt durch die Lautsprecher strömen zu lassen. Eine akustische Abenteuer-Reise, bei der das Publikum tanzend etliche Kilometer auf der Stelle zurücklegte.

Gardinen wurden zurückgezogen, Fenster geöffnet, so mancher Balkon wurde zur Tanzfläche, während sich im Hof das Publikum wiegte. Dazwischen geisterten kleine Hexen, Vampire, Skelette und Monster durch die hereinbrechende Dunkelheit.

Gruseliger als der Halloween-Sonnabend droht der Montag zu werden. Wie befürchtet ist er da, der Teil-Lockdown. Wesentlich sachter als der im März, aber besonders für Kultur, Tourismus und Event-Branche ein herber Rückschlag. Trotz streng eingehaltener Hygiene-Konzepte fällt für mindestens einen Monat lang in Dresden der Vorhang für Bühnen und Säle.

Umso hoffnungsvoller war das Zeichen, das die Bands am Sonnabend setzten: Tanz und Lebensfreude mit Abstand und Respekt. Blasmusik ist was für Bierzelte? Nicht so diese hier. Hiphop, Tango, Salsa, Klezmer – die Banda spielte in den Sprachen der Welt, für die es kein Wörterbuch braucht.

Weitere Konzerte sind geplant

Im Anschluss tanzte sich die Dresdner Band Steaming Animals musikalisch mit sphärischem Funk-Rock auf die Bühne – die fünf sympathischen Jungs bauten mit Schlagzeug, Keyboard, Bass, zwei E-Gitarren und Lead-Gitarre schwelend Druck auf, der in Füße und Knie einging. Das Publikum war dankbar, und bei Laune, tanzen zu können. Im respektvollen Abstand drehten Einzelne im Eigenschwung, übernahmen den Klangteppich in die Bewegung.

Der Leadsänger landete seine Stimme Radiohead-like wie von oben aus anders dimensionierten Höhen auf der jazzigen Fläche und sorgte für die nötige Disbalance zum drängenden Set der Band. Zum Steam kam der Dream dazu, und es war einfach eine schöne Show.

Eine Stunde lang beehrten die Steaming Animals mit ihrem Konzert und zum Teil ganz neuen Songs die Johannstadt. Schnell war es nächtlich dunkel, der Abend wurde beendet mit Dank und Grüßen, alles Gute nach Hause mitzunehmen für die nächsten Tage und Wochen.

Im Schlusswort sprach Thomas Löser die vom Publikum mitgetragene Vision aus, das Event im nächsten Jahr im Bönischgarten ähnlich oder in anderer Form wiederkehren zu lassen. Die Bühne war schnell wieder abgebaut, der Tross der Musiker zog aus der Johannstadt und die große Laterne am Himmel übernahm das Bild: Zum Abschluss stieg der volle Mond übers Plattengebäude.

Dresdner Philharmoniker*innen geben 1:1- Konzerte in der ehemaligen Schokofabrik

eingestellt am 10.06.2020 von Philine Schlick (Stadtteilredaktion), Headerbild: Luftbild der ehemaligen Schokofabrik. Quelle: Stadt Dresden

Lange mussten Konzert-Liebhaber*innen darben. Mit den Lockerungen sprießen die ersten zarten Versuche der Wiederbelebung von Sälen und Bühnen. In der Johannstadt stehen Konzerte besonderer Natur an: Musiker*innen der Dresdner Philharmonie bespielen je eine*n Zuhörerin für 15 Minuten. Von Angesicht zu Angesicht – kostenlos. An einem ungewöhnlichen Ort.

Noch ist der östliche Teil der ehemaligen Schokofabrik an der Hopfgartenstraße eine Brache. Das soll sich ändern: Vergangenes Jahr beschloss der Stadtrat auf Antrag des Stadtplanungsamtes hin, aus dem Industriebau ein integratives Zentrum des Deutschen Kinderschutzbundes zu verwandeln. Dieser hat sich nun als ungewöhnlicher Konzertsaal für die ebenso ungewöhnliche 1:1-Konzertreihe der Dresdner Philharmonie beworben. Streicher und bröselnder Putz – in der alten Schokofabrik erleben die Besucher*innen einen intimen Musikgenuss in unvergleichlichem Ambiente.

Kinderschutzbund hat sich als Gastgeber beworben

„Wir haben uns vor einer Woche als Gastgeber bei der Philharmonie beworben“, erzählt Andreas Blume vom Deutschen Kinderschutzbund Dresden. „Der Intendant war begeistert bei der Besichtigung.“ Zum einen biete die ehemalige Schokofabrik eine spannungsreiche Umgebung, zum anderen sei der Auftrittsort regensicher und ausreichend vor Lautstärke geschützt.

So werden am kommenden Freitag und dem folgenden Dienstag je vier Mini-Konzerte am Stück stattfinden. Welches Instrument die/den Zuhörer*in erwartet, bleibt eine Überraschung. „Das kann alles sein: Vom Horn zur Violine, Tuba oder Oboe …“, macht Andreas Blume neugierig.

Intime, kostenfreie Konzerte als Zeichen der Solidarität

In Wohnzimmern, Hinterhöfen, Arbeitsräumen: Je eine*e Musiker*in sitzt einem Konzertgast im angemessenen Sicherheitsabstand gegenüber und gibt ein privates Konzert. Bewerbungen sind jederzeit willkommen. Die Plätze sind streng limitiert: Interessierte müssen ein kostenloses Ticket buchen, um sich anzumelden. Das ist auf der Webseite der Philharmonie möglich. Die Musiker*innen verzichten auf ihr Honorar, sodass die Konzerte kostenfrei angeboten werden. Spenden sind gern gesehen.

Erdacht hat sich das Konzert der 1:1-Konzert die Dresdner Philharmonie. Die intimen Auftritte sollen ein Zeichen der Solidarität mit der freischaffenden Musikszene setzen, die durch die Corona-Krise schwere finanzielle Verluste erlitten hat. Die Philharmonie möchte, dass „Dresdens Kulturlandschaft wieder erstrahlt wie zuvor.“

Konzerte mit Musiker*innen der Philharmonie Dresden in der Johannstadt

  • jeweils in der Industriebrache ehemalige Schokofabrik an der Hofgartenstraße (nicht barrierefrei, tragen Sie festes Schuhwerk)
  • Freitag, 12. Juni um 11 Uhr, 11.15 Uhr, 11.30 Uhr und 11.45 Uhr
  • Dienstag, 16. Juni um 16 Uhr, 16.15 Uhr, 16.30 Uhr und 16.45 Uhr
  • Hier geht es zu den Tickets
  • Spendenkonto Deutsche Orchester-Stiftung, Kennwort: 1_1Concerts Stuttgart, IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05, BIC: COBADEFFXXX
  • Spendenkonto Freunde des HSKD e.V.. Spendenzweck: Spende Honorarlehrkräfte, 1to1Concerts, IBAN: DE11 8505 0300 3120 2168 51, BIC: OSDDDE81XXX