Der Tag der Wahl im Elbtal

eingestellt am 26.09.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Es war Zeit zu wählen in der Johannstadt. Foto: Philine

Die Uhr tickte viele Wochen lang, am Sonntag war endlich der große Tag. Wie vielerorts in Deutschland strömten auch die Menschen in der Johannstadt ins Wahllokal – und im Anschluss an die Elbe, um die letzten warmen Sonnenstrahlen zu genießen.

Alles hat seine Zeit, sagt man. Und auch die Trinitatiskirche hat ihre seit einer Woche wieder. Die Uhr am imposanten Kirchturm tickt frisch saniert für die Johannstadt. Heute läutete sie einen besonderen Sonntag ein: Den der Wahl.

Wochen des Ringens und Kämpfens, der Debatten, Duelle und Diskussionen liegen hinter den Kandidat*innen, aber auch hinter der Wählerschaft. Es wurde gegrübelt und abgewogen, Wahlentscheidungshilfen bedient, gezankt auch. Wohl denen, die sich ihrer Entscheidung beizeiten schon sicher waren. Über vierzig Prozent der Stimmen, so sagte es morgens der Nachrichtensprecher im Deutschlandfunk, waren schon vor dem Tag der Tage in Briefform eingegangen.

Feierlich sein Kreuzchen machen

Und während am Johannstädter Biergarten die Ströme von Limo und Hopfengebräu mit der Elbe um die Wette fließen, zählen fleißige Wahlhelfer*innen die Berge eingegangener Stimmen aus, leuchten die Diagramme auf den Smartphonedisplays, bangen Wähler*innen und Gewählte. Fast fühlt es sich so an, als sei die Veränderung schon geschafft. Dabei geht nur der Tag zur Neige.

Es soll einer der letzten sommerlichen gewesen sein. Da wollten sich viele die laue Samstagnacht davor nicht entgehen lassen. Unter der Waldschlößchenbrücke begnügten sich die Königskinder der Nacht im Mondenschein damit, dicke Bässe zum anderen Ufer zu schicken und trotzten so der Stille vor dem Sturm. Nebel über den Wiesen ließ den Altweibersommer leuchten.

Nur wenige Stunden Ruhe waren den Elbwiesen gegönnt, dann flitzten schon wieder die Räder. Eile und Weile verbanden sich an diesem Sonntag zu der Festlichkeit, wie ich sie von meinen Altvorderen zum Wahltag kenne: Geblümt und geblust im Sonntagsstaat, ging man feierlich sein Kreuzchen machen.

Auf den Gehwegen in der Johannstadt war Begängnis. Nicht nur bei Bäcker Siemank bildeten sich die gewohnten Schlangen, auch in der 101. Oberschule gaben sich die Menschen die Klinke in die Hand. Ein ungewöhnliches Bild, auf den sonnigen Sonntag. Gesprächsfetzen verrieten, wie ernst allen die Entscheidung war. Vor dem Lokal wurden letzte Telefonate geführt: „Ich mach‘ das jetzt. Ja, ganz sicher!“

Spannender als Tatort

Viele verbanden den Weg zum Wählen mit einem Eis – oder einem Gang in die moosige Stille des Trinitatisfriedhofes. Dort verstecken die Eichhörnchen schon Kastanien unter der Grasnarbe und es riecht nach fallenden Blättern. Der Herbst hat sich angekündigt, das verriet auch das Johannstädter Drachenfest, das – so die Stimmen einiger gescheiterter Drachenreiter*innen – ruhig ein bisschen mehr Wind hätte abbekommen können. Die großen Luftmonster gingen frühzeitig zu Boden, während viele kleine bis in die späten Nachmittagsstunden zappelten.

Jetzt ist die Festlichkeit langsam der Spannung gewichen. Das Abendrot wird abgelöst vom bläulichen Schein der Bildschirme. Spannender als der Tatort ist heute nur eins …

Rückblick aufs 15. Johannstädter Drachenfest 2020

eingestellt am 05.10.2020 von Elisabeth Renneberg, Headerbild: So bunt war der Himmel über Johannstadt. Foto: Elisabeth Renneberg

Buntes Getümmel nicht nur auf den Elbwiesen, sondern auch am Himmel darüber: bei bestem Wetter wurde am Sonntag das 15. Johannstädter Drachenfest gefeiert. Groß und Klein kam zusammen, um verschiedenste Flugobjekte in die Lüfte steigen zu lassen und bei Eis, Bier und Musik den Tag zu genießen.

Organisiert wird das jährliche Drachenfest von der JohannstadtHalle. Der Verein war auch selbst vor Ort, mit einer gut besuchten Bastelstation, an der Flaggen bemalt werden konnten. Material, um Drachen zu bauen, gab es leider nicht – für die meisten, umfassend ausgestatteten Familien zum Glück kein Problem.

Bunte Fahnen waren auch ohne Leine sehr begehrt. Foto: Elisabeth Renneberg
Bunte Fahnen waren auch ohne Leine sehr begehrt. Foto: Elisabeth Renneberg

Auch Wale können fliegen

Und so starteten Kinder wie Eltern ihre von unterschiedlichem Erfolg gekrönten Flugversuche. Ein Mädchen verhedderte mehrmals hintereinander seine Drachenschnur in immer demselben Baum, während die Fähigkeiten einer Altersgenossin ziemlich schnell von deren Vater als unzureichend eingestuft wurden, wobei er selbst sich als kein Stück geschickter herausstellte.

Trotz diverser Herausforderungen, bei Lenkdrachen übrigens besonders groß, flatterten bald um die 50 bunte Tupfen im ansonsten strahlend blauen Himmel. Ein ganzer Zoo aus Meerestieren, Schmetterlingen, verschiedenen Vögeln, Katzen und Füchsen ließ sich weder von Piraten noch vom Grüffelo einschüchtern. Wer keinen Drachen dabei hatte, ließ stattdessen eben Fußbälle oder Barbiepuppen durch die Luft fliegen.

Selbst Pauli tauschte dunkle Gänge gegen luftige Höhen. Foto: Elisabeth Renneberg
Selbst Pauli tauschte dunkle Gänge gegen luftige Höhen. Foto: Elisabeth Renneberg

Ein spannendes Rennen lieferten sich eine Biene und ein Pferd, beide angefeuert von ihren jeweiligen Besitzerinnen: „Meiner fliegt besser, weil er größer ist!“ – „Meiner fliegt besser, weil er leichter ist!“ Trotz lückenhafter physikalischer Kenntnisse herrschte allgemein eine ausgelassene und lustige Stimmung.

Highlights verschiedener Formen

Weder lustig noch auskunftsfreudig zeigte sich „der Dräsdner“. Immerhin aber steuerte er besonders spektakuläre Flugtiere bei; der meterlange und sanft dahingleitende Riesenrochen war zweifellos der Höhepunkt unter den an der Leine schwebenden Kreationen.

Star unter den Fliegern: der Riesenrochen des Dräsdners. Foto: Elisabeth Renneberg
Star unter den Fliegern: der Riesenrochen des Dräsdners. Foto: Elisabeth Renneberg

Einen programmatischen Höhepunkt bot der Auftritt des Liederesels, der – selbst hin und wieder fälschlich als solches identifiziert – von hüpfenden Häschen sang, thematisch passend untermalt vom fröhlichen Gekreisch auf der Hüpfburg. Mehr oder weniger textsichere Kinder sangen begeistert die Klassiker mit und taten dem musizierenden Esel sogar den Gefallen, den Reiter „Plumpf“ machen zu lassen, weil sich das schließlich viel besser auf „Sumpf“ reimt als „Plumps“.

Liederesel und Hüpfburg sorgen für die Unterhaltung der Kleinen. Foto: Elisabeth Renneberg
Liederesel und Hüpfburg sorgen für die Unterhaltung der Kleinen. Foto: Elisabeth Renneberg

Abgelöst wurden der langohrige Kinderlied-Interpret von einem DJ mit unverhohlener Vorliebe für Schlager. „Drachen steigen gegen dem Wind“, schmetterte Roland Kaiser seinen Beitrag zum Fest. Sein Kollege Wolfgang Ziegler kam mit „Verdammt, und dann stehst du im Regen“ der Wahrheit weniger nah: so warm und sonnig war der Herbsttag, dass mit der Softeis-Lieferung beauftragte Eltern die Wiese mit klebrigen, weiß-blau überzogenen Händen erreichten.

Versorgung für Leib und Leben

Neben dem Eisstand profitierte der Fährgarten vom Fest, indem er reichlich Bier und ein paar Bratwürste an den Mann oder die Frau bringen konnte. Auch das Café für alle war dabei und verteilte Kaffee und Kuchen auf Spendenbasis mit dem Ziel, Menschen in Dialog zu bringen und damit zu einer offenen Gesellschaft beizutragen.

Kaffeetrinken für Solidarität. Foto: Elisabeth Renneberg
Kaffeetrinken für Solidarität. Foto: Elisabeth Renneberg

Ebenfalls in Mission für das Wohl der Gemeinschaft stand das Rettungsteam des DRK bereit, um eventuelle Opfer uneinsichtiger (also nicht wie gebeten abgestiegener) Radfahrer*innen oder unkontrollierter Lenkdrachen-Abstürze zu versorgen.

Glücklicherweise kam es aber weder zu Un- noch zu sonstigen Zwischenfällen, und das Drachenfest endete, wie es begonnen hatte, mit heiterem Himmel und heiterer Atmosphäre.