Johannplasto: Joghurtbecher zu Lampenschirmen!

eingestellt am 02.01.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Thomas Peterberns stellt Lampen aus recyceltem Plastik her. Foto: Philine Schlick

Plastik ist zwar nicht beliebt. Aber viel in Benutzung. Es ist billig in der Produktion und praktikabel in der Verwendung. Es tut klaglos seine Dienste und wenn es bricht oder nicht mehr gebraucht wird, fliegt es in den Müll – oder daneben. Und hier liegt das Problem, für das Thomas Peterberns in seiner Ein-Mann-Design-Werkstatt Johannplasto Lösungen sucht und findet.

In der kleinen Keller-Werkstatt unter dem Wahlkreisbüro von Thomas Löser hängt ein Schild über dem Schreibtisch von Thomas Peterberns. Es zeigt zwei tote Seevögel. Aus ihrem Inneren quellen bunte Plastikteilchen wie aus einem gerissenen Gelben Sack. „Recycle Plastik, bevor es hier landet“, lautet der Slogan.

Johannplasto – Recycling-Vorreiter in der Johannstadt

Diesem Motto folgt Thomas Peterberns nun schon seit knapp drei Jahren. Seinen Anfang nahm das kleine Recycling-Unternehmen „Johannplasto“ in einer Wohnung auf der Blumenstraße. Hier tüftelte Thomas an Maschinen und Methoden zur Weiterverarbeitung von Plastik. Er ist Teil des Netzwerkes „Precious Plastic“, das international Ideen und Konstruktionspläne zur Plastikverarbeitung austauscht.

Fünfhundert Gramm recyceltes Plastik pro Lampe

„Hier ist mein erster Schredder“, sagt Thomas und hält einen elektrischen Hobel hoch. Die Werkstatt am Bönischplatz ist gleichzeitig ein Betriebs-Museum. Andächtig hält Thomas eine der ersten Pressungen aus geschmolzenem Plastik hoch, die eher an einen verunglückten Keks erinnert. „Da habe ich noch zu wenig Plastik genommen“, resümiert er.

Mittlerweile hat Thomas Peterberns sein „Rezept“ gefunden. Mit einem selbstgebauten Schredder hobelt er Plastik sortenrein in Granulat, füllt es in eine Presse und drückt die warme Masse in eine Metall-Form. Es entstehen fünfeckige Platten, die zu einem Lampenschirm zusammengesetzt und verlötet werden. Die Lampen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen.

Etwa ein halbes Kilo Plastik stecken in jeder von ihnen. Drei Stunden braucht Thomas im Schnitt, um eine Lampe herzustellen. „Die Kabel zu den Lampen kommen von der Lebenshilfe. Sie stammen von alten elektronischen Geräten“, erklärt Thomas. Recycling bis ins kleinste Detail.

Von der Leidenschaft zum Beruf

Rund zehn Stunden in der Woche verbringt Thomas in der Werkstatt, um Einweg-Plastik zu einem längeren Leben zu verhelfen. Zugunsten seiner Selbstständigkeit tritt er bei seinem Job als Maschinenbau-Konstrukteur kürzer. Wissen und Erfahrung aus seinem Studium hat er ausgebaut und weiterentwickelt. Aus einer früheren Anstellung im Bereich Leichtbau und Kunststofftechnik ist er gewechselt – aus ethischen Gründen: „Recycling und Nachhaltigkeit spielen in diesem Bereich so gut wie keine Rolle“, sagt Thomas. Es werden massiv Ressourcen in den Bau von Flugzeugen und Autos gesteckt und damit Raubbau an der Natur vorangetrieben. Nachhaltige Weiterverwendung oder Entsorgung sind kein Kriterium.

Thomas Peterberns macht diese Faktoren zur Grundlage seiner Produktionskette. Seine Lampen bestehen zu 100 Prozent aus wiederverwendetem Plastik. Schraubdeckel, Joghurtbecher, zersplitterte Babybadewanne – alles wird mithilfe des eingeprägten Siegels auf der Unterseite nach Sorten und Farben sortiert und geschreddert. Die Sortierung ist nicht immer leicht, denn nicht jeder Artikel ist sortenrein produziert. Wenn Plastik „gepanscht“ wurde, kann man es auch nicht mehr wiederverwenden, weil die Aufspaltung in seine Bestandteile nicht mehr möglich ist, führt Thomas aus. Informationen wie diese sind auf seiner Webseite zusammengestellt.

Plastik als Rohstoff, nicht als Müll denken

Fein säuberlich sortiert wartet das Granulat in der Johannplasto-Werkstatt in Boxen auf seine Weiterverwendung – oder seinen Verkauf. Denn im Netzwerk „Precious Plastic“ wird aufgearbeiteter Kunststoff in Flocken als Ausgangsstoff angeboten. Wäre das nicht auch eine Idee für die Großen der Industrie? „Weltweit werden nur 15 Prozent des Plastiks recycelt“, sagt Thomas. „Der Rest neben den 15 Prozent wird entweder nur thermisch recycelt oder gar nicht. Zehn Millionen Tonnen Plastik landen pro Jahr im Meer. Die Hälfte des produzierten Plastiks ist Single-use Plastik.“

Johannplasto zeigt, wie es anders gehen kann und ist damit nicht allein. Gemeinschaften zum Recycling von Plastik und Elektroschrott sind im Freistaat auch in Leipzig und Chemnitz vertreten. In Dresden ist neben Johannplasto die Kunststoffschmiede des Konglomerat e.V. in Löbtau ein Ansprechpartner.

Plastik repräsentiert wie kein Material die herrschende Konsum- und Wegwerfkultur auf dem Globus, erklärt Thomas. „In den letzten zehn Jahren hat die Menschheit so viel Plastik produziert wie in den vergangenen 100 Jahren“, sagt er. Die Geister, die ich rief – denn wir finden es als Mikroteilchen im Wasser, im Boden und in der Luft wieder. Thomas Peterberns stellt mit Johannplasto nicht nur dekorative Lampen her, sondern arbeitet an einem Image-Wandel des Plastiks. Es soll weniger als Müll und mehr als Rohstoff wahrgenommen werden, um seine Verschwendung zu vermeiden.

Zentrale Lage für ein zentrales Anliegen

Um auf das Thema aufmerksam zu machen, gibt Thomas Peterberns Workshops und Kurse. Im vergangenen Jahr fand im Büro der NaJo an der Pfotenhauerstraße ein Kurs zum Löten einer nachhaltig produzierten Computermaus statt. Für Aktivitäten dieser Art bietet das Wahlkreisbüro zukünftig mehr Platz, freut sich Thomas.

Die Suche nach einer geeigneten Werkstatt dauerte lange. Thomas ist froh, dass er mit seiner Produktion nicht in eine Garage ziehen musste, sondern den Standort am Bönischplatz gefunden hat. „Hier habe ich auch Fenster!“ Die sind nicht nur wegen des Lichts gut, sondern auch für den Abluftschlauch. Im Schaufenster kann Johannplasto seine Produkte präsentieren. Eine zentrale Lage für ein zentrales Anliegen.

Für das kommende Jahr ist geplant, Plastik-Sammelbehälter in der Johannstadt aufzustellen, z.B. am NaJo-Büro oder am Bönischplatz. Hier können Bürger*innen gesäuberte Plastik-Artikel einwerfen und so am Recycling-Kreislauf teilhaben. Thomas Peterberns kann sich gut vorstellen, Johannplasto eines Tages als alleinigen Beruf auszuüben. Allzu weit scheint dieser Traum nicht entfernt zu sein: „Die Bestellungen häufen sich!“, verrät er.

Johannplasto – Plastik und Elektroschrott Recycling Johannstadt

Bringt Ideen in die Werkstatt! – Das bot die Ideenwerkstatt des Stadtteilvereins

eingestellt am 15.09.2020 von Anja Hilgert, Headerbild: Ideen sind gefragt für die Johannstadt, die der Zukunft entgegen geht Foto: Anja Hilgert

Eine Werkstatt feierte Eröffnung am Donnerstagabend 10.09.2020 in der Johannstadt. Hobelspäne, Funkenflug, Geruch nach Schweiß und Arbeit lagen hier anders in der Luft als in traditionellen Handwerksbetrieben. Die Türen öffneten sich nämlich in eine Ideenwerkstatt: Damit lud der Stadtteilverein Johannstadt e.V. Bürger*innen in die JohannStadthalle ein, konstruktive Ideen für ein vitaleres Stadtteilleben vorzustellen, um bald darauf Taten folgen zu lassen. Zeit also für eine Inspektion! Es war eine Suchanzeige, in den Stadtteil geschaltet, um herauszufinden, wo etwas gärt oder schon reif ist, um ins Leben gerufen zu werden. Für diesen Sprung in die Umsetzung bot der Stadtteilverein Mittel und Wege zur Unterstützung an.

Die Werkstattausstattung

Es ist nicht wenig, was der Stadtteilverein Johannstadt e.V. im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden an Ausstattung und Know How bereithält, um eigeninitiierte Vorschläge von Johannstädter Bürger*innen zu fördern. Was vielen nur unzureichend bekannt ist, wurde mit der Ausrichtung dieser Ideenwerkstatt gezielt in die Öffentlichkeit gerückt und aktiv beworben: Mit dem Werkzeug des Stadtteilfonds steht dem Stadtteilverein jetzt zum zweiten Mal ein Topf an Fördergeldern im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden zur Verfügung, mit denen Bürger*innen ihre Ideen für ein nachhaltig lebenswertes Leben im Stadtteil selbst umsetzen können.

Auch in diesem Jahr hat der Stadtbezirksbeirat Altstadt die Arbeit des Johannstädter Stadtteilfonds wieder mit 37.618 Euro unterstützt, und ein Großteil der Gelder ist noch nicht ausgeschöpft. Es stehen also reichlich Mittel zur Verfügung und müssten bestenfalls im Oktober/November beantragt werden, um selbstbestimmten Bürger*innen-Projekten zufließen zu können.

Wer also die Glocken des Stadtteilfonds hat läuten hören, war zur Ideenwerkstatt gekommen.
30 Anmeldungen waren eingegangen und etwa 50 Menschen waren über den frühen Abend versammelt, um am Ideenaustausch teilzuhaben. Einige, aber längst nicht alle hatten eine Idee im Gepäck, die sie teilen oder gar schon konkret in die Umsetzung steuern wollten. Die meisten, die gekommen waren, zeigten sich zunächst aber zurückhaltend, zögerten, sich mit konkreter Ideenbekundung vorzustellen und äußerten erst einmal generell Interesse an den Ideen überhaupt und den Möglichkeiten, in der Werkstatt für Ideen Hilfe und Unterstützung für ein eigenes Thema zu bekommen.

Ideen-Gesuch für das gute Johannstädter Leben
Foto: Anja Hilgert

Wer eine zündende Idee hat, der melde sich

Lang gehegte Träume, plötzlicher Einfall oder nur so gemunkelt – einen diffusen Gedanken, was es mal noch geben oder was man mal noch machen oder besser machen könnte, hegt jede*r irgendwann mehr oder weniger deutlich für sein Umfeld. Meist bleibt es im Dunst und der Himmel voller Sterne. Und die Johannstadt ist zum allgemeinen Bedauern immer noch ohne den Treffpunkt einer Gastronomie, wie sie sich die Leute wünschen.

Es braucht Ermutigung, so die Erfahrung, aufzustehen für eine eigene Idee, denn schließlich ist es nicht leicht und die wenigsten sind geübt, sich ganz auf eigene Füße und mit persönlichem Anliegen vor die Gruppe zu stellen. Das eigene Café eröffnen, die eigene Werkstatt oder den Laden mit Selbstgemachtem – in jedem Traum steckt im Keim die Idee vom selbstbestimmten Handeln, vom kreativen Potential, das nach Ausdrucksmöglichkeiten sucht. 

Das genau wollte die Ideenwerkstatt bei den Einzelnen ab und in den Stadtteil hinein holen:
Den Spaß am Engagement, Begeisterung teilen, Gleichgesinnte treffen und die Lust mehren, gemeinsam etwas zu tun im Wohnumfeld.

Torsten Görg blickte als Projektleiter des Stadtteilfonds zuversichtlich auf eine eingereichte Zahl von Ideen, die dem Stadtteil aus dem Herzen sprechen: Eine gemeinschaftliche Reparatur-Werkstatt wurde angeregt, für die ein Raum zu finden wäre, Johannplasto, der aus recyceltem Plastik neue Gebrauchsgegenstände schafft, benötigt Bekanntmachung, ein Bildungsangebot mit den Johannstädter Bienen sucht Anschluss an Kitas und Schulen, Lebensmittel möchten fairteilt werden, die Einkaufshallen sollen einen eingebauten Baum erhalten mit wiederverwendbaren Tragetaschen, junge Leute möchten sich an einem Pizzaofen treffen, Jugendliche U18 wollen am Wahlgeschehen beteiligt sein – reichlich engagierte Impulse und Vorschläge standen zur Diskussion.

Mittel und Wege des Stadtteilfonds

Für Bürger*innen, die es zu Taten für das Gemeinwohl drängt, wird der Stadtteilfonds vermittelnd tätig: Torsten Görg steht beratend in der Planungsphase zur Seite, berät bei der Antragstellung der Fördergelder, motiviert die Präsentation des Projektes vor dem Stadtteilbeirat und ist begleitender Ansprechpartner bis zur Umsetzung des Projektes. Das alles geschieht unter Schirmherrschaft der Zukunftsstadt Dresden. Deren Moderatoren übernahmen in der Werkstatt das Management der vorgebrachten Ideen, die erstaunlich konkret und, wie sich später zeigte, in vielerlei Hinsicht durchaus anschlussfähig waren.

Der Mehrwert einer Idee ist letztlich das Überzeugende. Die Zukunftsstadt verlangt nach innovativen Ideen, die für eine allen gemeinsame Zukunft nachhaltig wirksam sein sollen, so das Hauptkriterium für eine Kooperation.

In der Johannstadt ist es die Vielzahl unterschiedlichster kultureller Inseln, die von Lebendigkeit und Lebensqualität zeugen. Das Engagement Einzelner, das hier Früchte trägt, kommt dem Stadtteil insgesamt stärkend zugute. Mit seinen schon umgesetzten Projekten hat der Stadtteilfonds bereits maßgeblich die Szenerie des Viertels bereichert: Ob Hofflohmarkt-Fest, Hochbeete für einen gemeinschaftlich genutzten Hinterhof, ein Holz-Bau-Workshop für Jugendliche, ein Kalender und Fotowettbewerb zum schönsten Baum der Johannstadt oder die Generationen-Riksha, die jetzt die Johanneskirchgemeinde beherbergt und viele andere Einzelprojekte – sie alle bilden Bedürfnisse und kreative Visionen der Johannstädter*innen ab. Auch das online-Stadtteilmagazin, in dem gerade aktuell dieser Artikel vorliegt, ist eine durch den Stadtteilfonds geförderte Projektidee.

Johannstädter Ideenträger*innen in der Werkstatt des Stadtteilvereins Johannstadt e.V. Foto: Torsten Görg

Über den Mehrwert einer Idee

Mit den beiden Werkzeugen, die der Stadtteilverein im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden verwaltet, dem Stadtteilfonds einerseits und dem entscheidungstragenden Stadtteilbeirat andererseits, entsteht ein Weg für engagierte Menschen, sich direkt zu involvieren und das Leben im Stadtteil selbstbestimmt mitzugestalten. Damit kann vielfältige Beteiligung unmittelbar dort entstehen, wo die Menschen wohnen und leben. Menschen finden aus passiver Betroffenheit in verwandelnde Teilnahme und aktive Verwirklichung.

Der Slogan des Stadtteilvereins zur ersten Ideenwerkstatt 2017 hieß dementsprechend: Du bist die Johannstadt! Dort wurden vor drei Jahren die Ideen geboren zu den Strukturen, die heute das Wesen des Vereins ausmachen. Daraus resultierend sind im Stadtteil heute die Organe des Stadtteilfonds, des Stadtteilbeirats und der Stadtteilredaktion wirksam.

Deshalb bestimmen über die letztendliche Förderung von Projekten in der Johannstadt auch die Menschen, die es betrifft, selbst: In der Johannstadt gründete sich der erste Dresdner Stadtteilbeirat.

Der erste Dresdner Stadtteilbeirat in der Johannstadt

20 Bürger*innen bilden das Gremium, das über die Förderanträge abstimmt. Die Entscheidungsgewalt liegt damit in den eigenen Reihen: 10 aktive Vertreter*innen aus Einrichtungen der Stadtteilarbeit werden berufen und 10 weitere Mitglieder werden aus der Mitte der Bevölkerung gewählt: Je ein*e Vertreter*in sämtlicher Bevölkerungsgruppen im Stadtteil kommen zusammen: Jugendliche, Senior*innen, Vertreter*innen mit und ohne Migrationsbiografie, Ladenbesitzer*innen, Freiberufler*innen – Jede*r Johannstädter Bürger*in kann kandidieren und sich zur Wahl aufstellen lassen! Aktuell läuft die Amtszeit des derzeitigen Stadtteilbeirats zum Jahresende ab, in der Johannstadt werden im November Wahlen durchgeführt. Die Chance, aktiv zu werden für den Stadtteil besteht gerade jetzt: Wer sich berufen fühlt, meldet sich und kann sich aufstellen lassen!

Noch ist die Frist nicht abgelaufen: Für Mitbeteiligung gibt es kein Zu-Spät
Foto: Anja Hilgert

Expert*innen am Werk

Eine Ideen-Werkstatt hat nicht mit demselben handfesten Material zu tun was sonst im klassischen Handwerk zählt. In der gegenwärtigen Zeit verschiebt sich der Begriff der Arbeit ins Geistige.

Vielleicht lässt sich im Nachgang zu der Veranstaltung sogar besser nach-denken, was es bedeutet, Ideen in eine Werkstatt einzuladen. Die Idee hütet ein inniges Anliegen, das, oft nur in einer Ahnung liegend, entwickelt werden möchte. Aus nur eigenen Kräften ist das nur bedingt möglich.

In einer Werkstatt, so das Aushängeschild, sind Expert*innen am Werk. Und was mit Verstand und viel Geschick und Sorgfalt hergestellt wird, hat den Charakter von etwas Besonderem, Neuem, vielleicht so noch nicht Dagewesenem, denn es ist ein Werk und nicht bloß Ware. In dem Falle das Herzensanliegen eine*r kompetenten Bürger*in.

Andrea Schubert als Stadtteilvereinsvorsitzende bedankte sich in ihrer Schlussrede vor allem bei denen, die den Mut hatten, allein nach vorne zu gehen und ihre Idee vorzustellen. Letztlich ist die Unterstützung durch den Stadtteilfonds, den die Zukunftsstadt Dresden ermöglicht, eine Würdigung dieses gelebten Vertrauens in die je eigenen Fähigkeiten, etwas wirklich Neues zu vermögen. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit bildet schließlich das Fundament für reife demokratische Entscheidungsprozesse und sozialen Zusammenhalt überhaupt.

Den Stadtteil im Gespür haben

In der Abschlussrunde bedankten sich die meisten für Impulse und Anstöße, die sie durch die anderen Teilnehmenden erhalten hätten. Dabei ging es nicht so sehr um die eigene Idee und diese durchzubringen, sondern mehr um auch emotionale Motive, persönlich aktiv zu werden und sich zu vernetzen, um gemeinschaftlich Lebensraum zu gestalten. 

Die eigentliche Geburtshilfe für den Schritt in die aktive Mitbeteiligung erfolgte in der Ideenwerkstatt durch den Austausch und die Öffnung der Leute füreinander und untereinander. Dieses Zusammenkommen hätte stärker gewichtet und fließender moderiert sein können, um mehr Zeit und Erleben für den Prozess des Miteinanders zu geben.

In der Johannstadt braucht es Zuhörer*innen und Offenheit für noch Ungesprochenes, damit die Bedürfnisse wirklich gefunden werden, die sich im Stadtteil unter der Last des Alltags ansonsten noch weiter zurückziehen und stauen oder andere, auch kriminelle Wege bahnen, um nach aussen zu kommen. Es wird im Stadtteil oft genug und von Kindesalter an mit Gewalt operiert und randaliert gegen das, was als bremsend oder einfach nur unverstanden empfunden wird. Kleinste Schnittmengen, in denen Verständigung sich anbahnen und eine verbindende Erfahrung sich machen lässt, sind tatsächlich wertvoll für das Zusammenleben jetzt und für zukünftige Entwicklung.

Auch nach der Ideenwerkstatt ist es keinesfalls zu spät. Wer sich angesprochen fühlt, mit seiner Idee das Stadtteilleben zu bereichern, kann unmittelbar mit dem Stadtteilverein in Kontakt treten.

Ein Beitrag von Dresden Fernsehen über die Ideenwerkstatt findet sich unter www.sachsen-fernsehen.de/ideen-gesucht-fuer-eine-nachhaltige-johannstadt-770604.

Ideenwerkstatt Johannstadt

  • Stadtteilverein Johannstadt e.V., Projekt Stadtteilfonds und Stadtteilbeirat Johannstadt, Ansprechpartner Torsten Görg, Pfotenhauerstraße 66
    01307 Dresden
  • Telefon 0351 – 41 88 16 67
  • E-Mail email hidden; JavaScript is required
  • Beratung und Hilfestellung bei Projektentwicklung und Antragstellung/Abrechnung jeden Freitag 15-17 Uhr nach telefonischer Vereinbarung