Sonnengruß aus der Nachbarschaft

eingestellt am 07.06.2022 von Philine Schlick, Headerbild: Natalie Trotzki ist ausgebildete Erzieherin und Yoga-Lehrerin.

Für Natalie Trotzki war es eine glückliche Fügung: Im Hinterhof ihrer neuen Wohnung an der Pfotenhauerstraße befindet sich die Hebammenpraxis Adebar. Hier baut die ausgebildete Erzieherin ihren Traum auf: Den Familien-Raum. Gefragt sind jetzt schon ihre Kinder-Yogastunden. 

“Jetzt spring ich!”, dachte sich Natalie Trotzki und tatsächlich muss es sich wohl ein bisschen wie auf dem Zehnmeter-Turm angefühlt haben, als sie die Stadt wechselte und den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Der Lockdown war das Initial, um Leidenschaft und Beruf miteinander zu verknüpfen. Die Europa-Erzieherin ließ sich zur Kinder-Yogalehrerin ausbilden und erlangte 2021 ihr Zertifikat. Gemeinsam mit ihrem Partner zog sie von Ingolstadt zurück in dessen Studienstadt Dresden – und in die Johannstadt.

Giraffenhälse und Affensprünge

“Ich möchte mich in den Stadtteil einbringen”, sagt die junge Frau, die bisher Kinder in den vier Sprachen Englisch, Französisch, Arabisch und Isländisch betreut hat. “Das Kita-Konstrukt ist mir zu eng geworden”, resümiert sie. In ihren Familienangeboten sieht sie ihre persönliche Erfüllung und die Möglichkeit, “spielerisch und fantasievoll” Angebote zu machen. Zum Beispiel ihre regelmäßigen Yogastunden für Grundschulkinder. “Ich erzähle jedes Mal eine Geschichte, zum Beispiel von einem Besuch in den Zoo”, erklärt sie. Dann strecken sich die Kinder wie Giraffenhälse, hüpfen wie Affen oder müssen sich ganz langsam bewegen – wie das Faultier.

“Ich habe mich bewusst für kleine Gruppen von maximal sechs bis acht Kindern entschieden, um auf jedes individuell eingehen zu können”, sagt Trotzki. In den Kursen lernen die Kinder, so schildert sie, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern, eigene und andere Grenzen zu respektieren. “Manche sitzen zu Beginn einfach ganz lange am Rand und beobachten. Das ist völlig ok. Ich möchte einen Raum ohne Zwang und Druck schaffen, an dem sich alle wohlfühlen.”

Ein Raum für die ganze Familie

Nach der “Auftau-Phase” gehe es dann meistens umso enthusiastischer zu. Jedes Kind, so Trotzkis Credo, hat seinen eigenen Rhythmus, den es in einer Welt voller Stundenpläne und Regeln entfalten lernen darf. Zur Ruhe kommen – das bedeutet in diesem Fall “aktive Ruhepausen” zu haben, so Trotzki. Traumreisen, Atem-Übungen, Massagespiele – im Kontakt mit sich und anderen lernen die Kleinen abzuschalten und sich zu fokussieren.

In Planung ist auch ein Angebot, das vom Stadtteilfonds gestützt werden soll. “Das ist aber noch geheim”, sagt Trotzki lächelnd. Sie wird ihr Konzept zur nächsten Stadtteilbeiratssitzung am 30. Juni vorstellen. Ihr ganz großes Ziel ist die Etablierung eines ganzheitlichen Familienzentrums – mit Kursen, Workshops, Beratungen.

Familie ist ein breites Spektrum

“Ich möchte nicht auf Probleme schauen, sondern auf die Eigenheiten und Chancen jeder Familie. Meine Herangehensweise ist die Frage: ‘Wo darf ich unterstützen’?” Sie beide Unterstützung beim Einschlafen, Familienrituale, Begleitung in kribbeligen Umbruchphasen an. Die Regenbogenfarben in ihrem Logo, so erzählt Trotzki, sind als Einladung zu verstehen: “Bei mir sind alle willkommen, die sich als Familie fühlen. Familie ist ein buntes Spektrum.”

In der Johannstadt heimisch werden und netzwerken wolle sie behutsam, “Stückchen für Stückchen. Das würde sonst dem Yoga-Gedanken auch nicht gerecht.”  Dass ihre neue Wohnstatt und ihre Arbeitsstelle so dicht benachbart sind, sei wie eine glückliche Fügung gewesen. “Ich freue mich auf neue Ideen und Einflüsse.”

Familien Raum Natalie Trotzki