Bäume für die Hertelstraße? Umfrage-Ergebnisse liegen vor

eingestellt am 13.09.2022 von Alexander Bernstein (NaJo2025), Headerbild: Die temporäre "grüne Oase" auf der Hertelstraße im Juli (Foto: Alexander Bernstein)

Sollen entlang der Hertelstraße Bäume gepflanzt werden? Diese Frage hat das Projekt „Nachhaltige Johannstadt 2025“ den Anwohner*innen der Hertelstraße (und der Burkhardtstraße) gestellt und dafür eine Umfrage mit begleitenden Aktionen durchgeführt. Die Ergebnisse der Umfrage liegen nun vor.

Mitte Juli hat die Nachhaltige Johannstadt (NaJo) eine Umfrage unter den Anwohner:innen der Hertelstraße durchgeführt. Ziel war es, ein Meinungsbild darüber einzuholen, wie die Anwohner:innen dazu stehen, ob perspektivisch Bäume in der noch komplett baumlosen Hertelstraße gepflanzt werden sollen. Die Fragestellung klingt einfach, aber ist so unkompliziert nicht, denn Baumpflanzungen würden (medien)technisch bedingt damit einhergehen, dass Parkplätze in der Hertelstraße wegfallen würden. Und das ist als Thema ja bekanntlich ein heißes Eisen in der Johannstadt, weshalb die Stadt Dresden bei der Entscheidung bzgl. Baumpflanzungen die Bedürfnisse der Anwohner:innen mitberücksichtigen möchte.

400 Fragebögen, 132 Rückmeldungen

Aus diesem Grund hat der Stadtbezirksbeirat Altstadt auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen das Projekt „Nachhaltige Johannstadt 2025“ beauftragt, im Rahmen einer Aktionswoche ein Meinungs- bzw. Stimmungsbild in der Hertelstraße einzuholen. Dass NaJo für die Umfrage angesprochen wurde, liegt auch darin begründet, dass das Projekt bereits zuvor eine Begrünung der momentan zu 100 Prozent versiegelten Hertelstraße angeregt hatte.

Für die Umfrage verteilte NaJo in den Briefkästen der Hertel- und Burkhardtstraße ca. 400 Fragebögen und richtete gleichzeitig eine temporäre „grüne Oase“ mit Bäumen, Blumenkästen und Sitzgelegenheiten auf der Hertelstraße ein. Insgesamt erreichten uns 132 ausgefüllte Fragebögen, was NaJo als großes Interesse an der Baumpflanz-/Parkplatz-Thematik interpretiert. Die meisten Umfragebögen wurden in einem Briefkasten an der „grünen Oase“ eingeworfen, aber einige erreichten das Projektteam sogar per klassischer Briefpost und einige Anwohner:innen brachten ihre Fragebögen sogar persönlich im NaJo-Büro bzw. im Stadtteiladen vorbei.

Ausgewertet wurde die nicht repräsentative Umfrage anonymisiert mit Google. Unter dem folgenden Link Auswertung Unsere Grüne Hertelstraße können alle Antworten und Ergebnisse eingesehen werden.

 

Fotoimpressionen von der “grünen Oase”, die Mitte Juli die Anwohner:innen-Umfrage in der Hertelstraße begleitete.

Ergebnisse und Erkenntnisse

In der Umfrage war das Hauptthema natürlich die Frage nach Baumpflanzungen und auch die Frage danach, wie sich die Anwohner:innen selbst unterstützend dafür einbringen könnten. Gleichzeitig hat NaJo die Umfrage auch genutzt, um Einschätzungen nach der Aufenthaltsqualität zu erfahren, herauszufinden, ob es beispielweise genügend Fahrradabstellmöglichkeiten gibt und natürlich abzufragen, wie persönlich die Parkplatzsituation vor Ort eingeschätzt wird. Einige der interessantesten Ergebnisse werden folgend kurz dargestellt.

Baumsituation: Überraschend war, dass über 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen sich explizit Bäume bzw. mehr Grün auf der Hertelstraße wünschen. Nur ca. fünf Prozent gaben an, dass ihnen Bäume nicht wichtig sind bzw. sie keine Bäume auf der Hertelstraße möchten. Für Bäume auf der Hertelstraße würden die Anwohner:innen auch einiges in Eigeninitiative in die Waagschale werfen: Fast 80 Prozent würden für Bäume spenden, mehr als Hälfte könnte sich vorstellen, Baum- und/oder Gießpatenschaften zu übernehmen.

Hitzestau: Ohne Bäume/Grün heizt sich die Hertelstraße im Sommer sehr auf. Auf die Frage, wie das den eigenen Alltag beeinträchtigt, gaben ca. 37 Prozent an, sich „stark beeinträchtigt“ zu fühlen, 50 Prozent gaben an, „mittel beinträchtigt“ zu sein. Nur knapp 14 Prozent fühlten sich durch die Aufheizung „nicht beeinträchtigt“.

Mobilitätsverhalten: Abgefragt wurde auch, wie bzw. womit sich die Anwohner:innen in ihrem Alltag bewegen (PKW, Fahrrad, ÖPNV, etc.). Hierbei zeigte sich, dass die große Mehrheit den privaten PKW nur selten nutzt. Vielmehr ist das Gros der Anwohner:innen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV unterwegs. Gleichzeitig besitzen über 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen einen PKW, nur ca. 16 Prozent haben kein eigenes Auto.

Parkraumsituation: Das wohl überraschendste Ergebnis lieferte die Frage, ob ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Genau 50 Prozent meinten, dass diese ausreichend sind. Und genau 50 Prozent verneinten dies. In diesem Kontext gab mehr als die Hälfte an, immer „ein paar Minuten“ nach einem Parkplatz zu suchen. Ein Fünftel der Teilnehmer:innen gab an, immer „auf Anhieb“ einen Parkplatz zu finden. Ein Viertel meinte, „immer endlos“ nach einem Parkplatz zu suchen. Ebenso interessant sind die Antworten bzgl. der akzeptierten Parkplatzentfernung: Für 35 Prozent sind bis 500m akzeptabel, 45 Prozent möchten max. 250 Meter bis zu ihrem Auto laufen.

Fahrradsituation: Die große Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer:innen beurteilt die Fahrradinfrastruktur in der Hertelstraße als „schlecht“  und „weniger gut“. Bzgl. sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder ist die Meinung geteilt. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer:innen gab an, dass es diese (ausreichend) gibt, die andere Hälfte verneinte dies. Etwas mehr als die Hälfte gab an, sich Fahrradständer vor den Häusern zu wünschen.

Aufenthaltsqualität: Gefragt wurde auch nach der Aufenthaltsqualität auf der Hertelstraße (allg. bzgl. Begrünung, Parkraum, Luftqualität, Verkehrssicherheit, etc.). Hier zeigte sich ein eindeutiges Bild: Mehr als die Hälfte beurteilt die Aufenthaltsqualität als „weniger gut“, ein Drittel sogar als „schlecht“.

Diese Schlaglichter geben nur einen Teil der Umfrage wieder. Die vollständigen und detaillierten Ergebnisse sind online unter Auswertung Unsere Grüne Hertelstraße einsehbar. Dort sind selbstverständlich auch alle Anmerkungen, Hinweise und Vorschläge der Anwohner:innen einsehbar, die in der Umfrage mit „Freitext“-Feldern abgefragt wurden – und von denen sehr gut Gebrauch gemacht wurde.

Erwähnt sei an dieser Stelle noch, dass die Umfrage in Verbindung mit der „Grüne-Oasen-Aktion“ eine ganz besondere Erkenntnis brachte: Entgegen mancher Befürchtung wurde die „grüne Oase“ weder ein Lärm-Hotspot noch wurde sie vermüllt oder demoliert. Ebenso wurden keine der Sitzgelegenheiten oder Deko-Elemente gestohlen.

So geht es weiter

Die Umfrageergebnisse wird NaJo dem Stadtbezirksbeirat Altstadt bzw. den Stadtbezirksbeiräten übergeben. Diese können dann die Ergebnisse und auch die gesammelten Anregungen dafür nutzen, um das Thema der Begrünung der Hertelstraße weiterzuverfolgen. Grundsätzlich wäre von städtischer Seite eine Bepflanzung mit Bäumen in der Hertelstraße mittelfristig möglich – auch in kostentechnischer Hinsicht.  Das Projektteam der Nachhaltigen Johannstadt 2025 hofft, mit dem eingeholten Meinungs- bzw. Stimmungsbild eine Grundlage bzgl. der Beteiligung der Anwohner:innen und der kommenden Schritte geschaffen zu haben. Nachfragen beim Stadtbezirksamt bzw. bei den Stadtbezirksbeiräten von Seiten der Anwohner:innen zum Stand der Dinge können sicher nicht schaden.

Das NaJo-Team bedankt sich herzlichst bei allen Menschen, die die Durchführung der Umfrage und die Schaffung einer temporären (beispielhaften) „grünen Oase“ in der Hertelstraße ermöglicht haben. Besonderer Dank geht hierbei an Thomas Löser, Martin Sicker und Andrea Schubert, an „Willkommen in Johannstadt“ und an alle Anwohner:innen, die im Juli fleißig beim Gießen der „grünen Oase“ geholfen und diese belebt haben.

3 Gedanken zu „Bäume für die Hertelstraße? Umfrage-Ergebnisse liegen vor“

  1. Diese Umfrage ist im besten Fall blauäugig, im schlimmsten Fall manipulativ.

    Vielleicht habe ich es ja übersehen, aber ich konnte nichts über die Kosten der Pflanzung eines einzigen (Straßen-)Baumes lesen. Diese liegen zwischen 5.000 und 7.000 Euro: https://pieschen-aktuell.de/2022/in-der-overbeckstrasse-werden-bis-jahresende-36-manna-eschen-gepflanzt/

    Wer soll das denn eurer Meinung nach bezahlen? Der Stadtbezirksbeirat aus seinem Budget?

    Außerdem spricht der Denkmalschutz der anliegenden Häuser aller Wahrscheinlichkeit nach gegen eine Pflanzung von Bäumen auf dem nördlichen Teil der Hertelstraße: https://stadtplan.dresden.de/?permalink=2kP6OvUb

    Mit eben dieser Begründung wurden (große) Bäume vor dem Kulturpalast abgelehnt

    In der Umfrage werden die Gefühle der Menschen angesprochen, weil sich wohl nur sehr schwer nachweisen ließe, wie einzelne Bäume in einer Straße die Temperatur an heißen Tagen (großflächig) senken ließe.

    Ja, Bäume spenden Schatten und verdunsten Wasser, wenn sie denn ausreichend gegossen werden. Eben das dafür nötige Geld hat die vor wenigen Tagen aus dem Amt geschiedene grüne Umweltbürgermeisterin nicht (ausreichend) aufgebracht und der Stadtrat tat dies auch nicht.

    In den Jahren 1996 bis 2018 sammelte der “Fonds Stadtgrün” durchschnittlich sage und schreibe knapp 10.000 Euro pro Jahr an Spenden ein. Damit lassen sich (stadtweit) maximal zwei Straßenbäume pro Jahr pflanzen: https://docs.google.com/spreadsheets/d/19qDzVkfMM-keJ3lKd_f326vmnjJ5R3gMoxVYLlnsguY/edit#gid=0

    Mit dieser Umfrage bzw. deren Ergebnispräsentation werden Gefühle abgefragt, Bedürfnisse geweckt, die aller Voraussicht nach nicht erfüllt werden können, und es wird gegen private PKW Stimmung gemacht, die in vielen Fällen benötigt werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Grüße vom Fahrrad fahrenden Fidel, der seit 15 Jahren kein Auto mehr besitzt und euch dazu auffordert, die “Erfolgsbilanz” der beiden grünen Beigeordneten Eva Jähnigen und Stephan Kühn kritisch zu hinterfragen, statt sich von deren Versprechungen einlullen zu lassen.

    1. Hallo Fidel,

      danke für den deinen Kommentar und auch die diversen Hinweise und Links.

      Zuallererst möchte ich festhalten, dass die Umfrage nicht repräsentativ angelegt war, sondern nur ein Meinungsbild eingeholt hat bzw. einholen sollte. Dafür hatte sich der Stadtbezirksbeirat Altstadt ausgesprochen bzw. NaJo damit beauftragt. Hintergrund ist nämlich nach den Erkenntnissen aus mehreren zuvor geführten Gesprächen mit Ämtern, Referent:innen sowie Stadt- und Beiräten, dass es nicht unbedingt daran liegt, dass für Baumpflanzungen per se kein Geld vorhanden ist. Eher besteht das „Problem“ bzw. die Intention der Stadt darin, bei Baumpflanzungen die Bedürfnisse der Anwohner:innen zu berücksichtigen – gerade im Hinblick darauf, wenn mit Begrünung ein evtl. Wegfall von Parkplätzen einhergehen könnte.

      Das gewonnene Meinungsbild spricht da eine deutliche Sprache: Wie im Artikel beschrieben, sprach sich die große Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer:innen für Bäume aus. Ob und wann diese dann gepflanzt werden könnten, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Sehr deutlich ist aber der Wunsch der Anwohner:innen nach Bäumen/Begrünung geworden.

      Bzgl. Denkmalschutz: Wie erwähnt, gab es zuvor mehrere Gespräche mit Amtsvertreter:innen. Ebenso befasste sich der Stadtbezirksbeirat im Februar mit dem Thema. Ich denke, wenn der Denkmalschutz Baumpflanzungen entgegenstehen würde, wäre dies garantiert schon kommuniziert wurden.

      Bzgl. Bezahlung/Finanzierung: Hier wird mit dem Rückenwind der Umfrage gerade geprüft, ob im Stadthaushalt bereits Mittel dafür eingestellt sind. Sind sie es nicht, würden diese beantragt werden – auf Stadtratsebene.

      Unabhängig davon noch etwas Grundsätzliches: Gerade in den heutigen Zeiten (Hitzewellen, Klimawandel, etc.) ist eigentlich ein Unding, dass es bei Baumpflanzungen in Straßen oftmals nur darum geht, was alles NICHT geht bzw. was dagegen sprechen KÖNNTE.
      Ich denke, es ist mindestens an der Zeit, die Perspektive zu wechseln hin zu: „Was sollte eigentlich gehen und wie kann das (zusammen mit den Bürger:innen) ermöglicht werden?“

      Grüße
      Alexander vom NaJo-Team

  2. Ich fand die Aktion toll und danke für die Initiative.
    Eine sehr interessante Auswertung!
    Es ist dringend Zeit für einen Perspektivwechsel. Dies hat die Aktion anschaulich verdeutlicht.

    Wir haben den entstandenen Freiraum sehr genossen und wünschen uns, dass die Stadt die Umfrage zum Anlass nimmt, Bäume zu pflanzen.

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