Unübersehbar: QueerePlatte feiert Vernissage im Kulturtreff

eingestellt am 02.09.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Betty D. Fort bei der Performance. Foto: Philine Schlick

Die QueerePlatte feierte am Mittwoch die Vernissage der Fotoausstellung UNSICHTBAR im Garten des Johannstädter Kulturtreffs. Das Fest mit Sekt, Paradiesvogelgesang und Gesprächen war gleichzeitig der Abschied von Initiatorin Frederike von Bothmer. 

„Hallo, ihr süßen Hasen!“, schnurrt Milla Montag ins Mikrofon. Schon beim Sektempfang läutete sie den feierlichen Abend mit schillernder Eleganz ein. Im Trio mit ihren kessen Schwestern Chamandra Schamlos und Betty D. Fort drehen die drei Drag Queens später auf der Bühne richtig auf: Gesangseinlagen folgen auf Frotzeleien. Die drei Paradiesvögel repräsentierten in Paillettenkleidern, Tüll und Federn die wohl pompöseste Spielart der queeren Szene, die in diesem Sommer in ihrer Vielfalt ein Podium in der Johannstadt erhielt.

Milla Montag und Charmandra Schamlos bei der Moderation. Foto: Philine

Jenseits der Heteronormativität

„Queer-Sein hat so viel mehr Spektren als lesbisch, schwul und bi“, erklärt Frederike von Bothmer in ihrer Moderation. Die FSJlerin des Kulturtreffs initiierte das Projekt QueerePlatte und leistete damit Pionierarbeit im Viertel. Das Herzstück der Veranstaltungsreihe ist die Fotoausstellung, die am Mittwoch im gut gefüllten Garten hinter dem Kulturtreff enthüllt wurde. Vor Ort waren auch die jungen Künstler*innen, die sich intensiv mit dem Thema queeres Leben auseinandergesetzt hatten. Die Fotografien erzählen von Zuneigung, Einsamkeit, Schmerz, Unsichtbarkeit, der Suche nach Identität, Sexualität, Partnerschaft und Liebe.

Mari Mauermann im Gespräch über ihre Arbeiten. Foto: Philine Schlick

Frei zugängliche Kunst

Das Ergebnis sind berührende, intime Einblicke in das Leben jenseits der Heteronormativität. Sinnbilder der Verletzlichkeit, der Ohnmacht, aber auch des Aufbegehrens und der Entfaltung sind mit hohem ästhetischen und technischen Anspruch umgesetzt worden. „Bevor wir nach außen getreten sind und uns sichtbar machten, haben wir uns einen Schutzraum geschaffen“, erzählt Frederike. In einer Gesellschaft, in der die klassische Mann-Frau-Kind-Beziehung als Normalität gilt, werden abweichende Identitäten und Modelle schnell zur Zielscheibe.

Milla Montag beim Sektempfang. Foto: Philine Schlick

Deshalb sei es im Vorfeld wichtig gewesen, über die Gestaltung der Ausstellung zu diskutieren. „Wir sind eine tolle Truppe geworden“, resümiert Frederike. Es sei gelungen, eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Voller Stolz stehen die Künstler*innen an diesem Abend neben ihren Werken und erklären ihre Motivation.

Frederike van Bothmer organisierte die Veranstaltungsreihe während ihres FSJ im Kulturtreff. Foto: Philine Schlick

Besonders wertvoll sei es, sagt Frederike Bothmer, dass die Bilder frei zugänglich im Johannstädter Kulturtreff zu sehen sind. „Von hier wandern sie vielleicht an andere Orte und werden dort ausgestellt“, hofft sie. Ihr Projekt solle dazu dienen, queeres Leben sichtbar zu machen: „Queers gab es schon immer und wird es immer geben.“ Das soll insbesondere ein Stadtspaziergang „queer“ durch Dresden am 25. September zeigen, der historischen Spuren folgt. Am 14. September gibt ein Vortrag Einblicke in die Abenteuer und Herausforderungen einer queeren Reise. „Es ist wichtig zu verstehen, dass Rassismus und Postkolonialismus unweigerlich mit der Unterdrückung von Queers verknüpft sind“, betont die Organisatorin.

Blick in den Sommergarten. Foto: Philine Schlick

Mit diesen beiden Programmpunkten verabschiedet sich Frederike von Bothmer vom Kulturtreff, auch wenn sie noch bis zu ihrem Studienbeginn in Dresden verweilen wird. An diesem Abend klingen die Sektgläser und es regnet Konfetti – für das erste, unübersehbare queere Event in der Johannstadt, das hoffentlich eine bunte Regelmäßigkeit einläutet.

Das Plakat zur Ausstellung.

Fotoausstellung UNSICHTBAR

  • ab 1. September in den Räumen des Johannstädter Kulturtreffs