Gefiederter Erstbezug bei der WGJ: Der Falke ist im Kasten!

eingestellt am 28.05.2021 von Philine Schlick, Headerbild: Die WGJ erwartet Nachwuchs: In einem Falkenkasten wird gebrütet.

Wenn alles gut läuft, piept es bald bei der WGJ. Zumindest versprechen das die vier braun gesprenkelten Eier auf dem Dach eines Wohnhauses. Hierin wachsen kleine Turmfalken heran. Die WGJ hatte zusammen mit der Wildvogelauffangstation acht Falkenkästen auf den Dächern verschiedener Wohnhäuser installiert. Jetzt nahmen die Raubvögel einen davon erstmalig an. 

Die Scheu ist überwunden! Turmfalken haben sich auf dem Dach eines WGJ-Wohnhauses in der nördlichen Johannstadt niedergelassen. Vier Eier ruhen in ihrem Bett aus Spänen und Federn in einem Falkenkasten an der Florian-Geyer-Straße. Tobias Röllig, Teamleiter für Hausmeister, Grün-und Außenanlagen bei der WGJ, hatte bei einer seiner regelmäßigen Kontrollen der Dachlüfter „regen Flugverkehr“ festgestellt und einen Blick auf das Gelege werfen können.

Der Falke: Ein Taubenschreck

Die Wildvogelauffangstation hatte 2017 im Auftrag der WGJ acht Nistkästen für Falken auf verschiedenen Hochhausdächern in Johannstadt platziert. „Wir haben in den Wohngebieten zusätzlich auch Fledermauskästen und Nistmöglichkeiten für Mauersegler und viele verschiedene Singvögel angebracht“, ergänzt Julia Grotjahn von der WGJ. Da in den Städten immer weniger natürliche Nistmöglichkeiten bestehen, bieten die Quartiere den Tieren eine sichere und ruhige Alternative.

„Es dauert häufig ein paar Jahre, bis die Vögel die neuen Brutstätten annehmen. Zukünftig können wir uns jedoch öfter über Falkennachwuchs freuen, denn es ist zu erwarten, dass die Vögel zu ihrem Nistplatz zurückkehren,“ berichtet Tobias Röllig.

Die Ansiedlung von Turmfalken helfe auch dabei, Tauben fernzuhalten. Der Raubvogel ist ein natürlicher Fressfeind der Taube, der ebenso wie der verwilderte Hausvogel in der Stadt auf Vorsprüngen und in Nischen nistet. Allerdings steht die Taube aufgrund ihrer Größe nicht so häufig auf seinem Speiseplan, wie es die Bezeichnung „Taubensperber“ vermuten lässt. Anders ist das beim Wanderfalken, der zu den größten Vertretern der Familie zählt. Er ernährt sich maßgeblich von anderen Vögeln.

Rüttelflug über den Elbwiesen

Der Turmfalke ist ein Anpassungskünstler, der sowohl im Wald, als auch in der Steppe und im Gebirge zu finden ist. Seine Art ist in Europa, Asien und Afrika in nahezu allen Klimazonen verbreitet. Zum Jagen braucht der Turmfalke freie, ebene Flächen mit wenig Bewuchs.

Über den Elbwiesen ist er oft bei seinem typischen „Rüttelflug“ zu beobachten. Dabei stehen die Tiere heftig mit den Flügeln flatternd lautlos an einem festen Punkt in der Luft, um sich in einem günstigen Moment auf Beutetiere wie Mäuse herabzustürzen. Charakteristisch ist sein spitzer Ruf „ti ti ti“, der ihm wohl auch seinen lateinischen Namen Falco tinnunculus eingebracht hat, was „schellend“ oder „klingend“ bedeutet.

Von den Balkonen aus können Bewohner*innen nun beobachten, wie die Turmfalken Nest und Küken pflegen. „Die Brutzeit der Vögel beträgt ca. 28 Tage. Wir erwarten deshalb, dass der Nachwuchs innerhalb des nächsten Monats schlüpft. Nach weiteren 33 Tagen werden die Kleinen dann flügge,“ sagt Tobias Röllig.

Vogelprojekte in der Johannstadt