Wohnungsbau an der Florian-Geyer-Straße 13 — WiD lädt zur Bürgerbeteiligung

eingestellt am 28.05.2020 von Matthias Kunert (QM Johannstadt), Headerbild: Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

Wie organisiert man eine Bürgerinformation unter den aktuellen Coronaschutzauflagen? Mit dieser Frage musste sich die Wohnen in Dresden GmbH & Co KG (WiD) in den letzten Wochen intensiv auseinandersetzen, denn nach dem Stopp des Hochhausprojektes durch eine Anwohnerpetition und den darauf folgenden Stadtratsbeschluss im Jahr 2018 sind neue Überlegungen für die Bebauung des Grundstücks der ehemaligen Kita auf der Florian-Geyer-Straße 13 gereift. Eines war dabei klar: Dieses Mal sollte die Anwohnerschaft frühzeitig einbezogen werden. Am Montag erfolgte hierfür der gelungene Start.

Unter der Überschrift «Informationsveranstaltung mit aktiver Beteiligung zum Thema Quo vadis Florian-Geyer-Straße 13?'» hatte die WiD am Abend des 25. Mai in den Festsaal des Neuen Rathaus am Dr. Külz-Ring geladen. Obwohl die Räumlichkeiten unter normalen Bedingungen eine Großveranstaltung ermöglicht hätten, fanden unter Beachtung der derzeit geltenden Abstandsregeln nur rund 25 Personen im Raum Platz. Zu den Teilnehmenden gehörten sowohl Unterzeichnende der Petition und Vertreter*innen der benachbarten Grundstückseigentümer WGJ und Vonovia, als auch ausgewählte Stadtbezirksbeiräte und Vertreter*innen von Stadtbezirks-, Stadtplanungs- und Umweltamt. Auch Stadtteilverein und Quartiersmanagement waren vertreten, um die Informationen in den Stadtteil weitertragen zu können.

Anstelle des ursprünglich geplanten Hochhauses soll nun ein deutlich niedrigeres Gebäude errichtet werden. Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

WID-Geschäftsführer Steffen Jäckel rief einleitend die Auflagen des Stadtratsbeschlusses vom 22.11.2018 in Erinnerung, wonach das geplante Wohngebäude a) nicht ausschließlich Sozialwohnungen und b) eine Gebäudehöhe von 22 m nach Sächsischer Bauordnung nicht überschreiten sollte. Anschließend erläuterte er, wie diese Vorgaben eingehalten werden sollen. Im Hinblick auf die angestrebte soziale Durchmischung muss die WiD zunächst in die Lage versetzt werden, überhaupt Wohnungen ohne Mietpreis- und Belegungsbindung errichten zu dürfen. Eine entsprechende Beschlussvorlage, die nach dem Gremiendurchlauf am 16.7.2020 dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird, sieht vor, dass dies künftig bei Standorten mit mehr als 50 Wohneinheiten auf einem Anteil von 20-30% der vermietbaren Fläche möglich sein soll.

Im Hinblick auf den zweiten Aspekt — die Gebäudehöhe — hat die Landeshauptstadt mit dem unter breiter Bürgerbeteiligung entwickelten Hochhausleitbild neue Rahmenbedingungen geschaffen. Wie Stadtplanungsamtsleiter Stefan Szuggat ausführte, wurde für die Johannstadt dort die Empfehlung einer «Stadtreparatur mit der Option Rückbau» ausgesprochen, da die vorhandenen Hochhäuser nach Einschätzung vieler Beteiligter den Sichtbereich beeinflussten und zudem den Schutzbereich Elbwiesen tangieren. Entsprechend wird auch der nunmehr geplante Neubau die mit der Petition geforderte Höhe von 22 m nach Sächsischer Bauordnung nicht überschreiten, wobei — wie die anschließende Diskussion zeigte — der Teufel wie so oft im Detail steckt: Bei der Höhe im Sinne des im Stadtratsbeschluss zitierten Paragraphen handelt es sich nicht um die Gebäudeoberkante, sondern um die Fußbodenoberkante des letzten begehbaren Geschosses.

Auf der Grundlage der veränderten Rahmenbedingungen hat die WiD die Erstellung einer Studie zur städtebaulichen Erscheinung des Neubaus beauftragt. Herr Noack und Herr Hartmann vom beauftragten Büro NHzwo-Architekten stellten die mit Spannung erwarteten Ergebnisse vor.

Städtebauliche Figur des neuen Gebäudes. Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

Geplant ist ein aus zwei quaderförmigen Blöcken bestehendes Wohngebäude, dessen Grundfläche nur geringfügig größer als die des Bestandsgebäudes sein soll. Die Gebäudehöhe der beiden Quader soll zum Käthe-Kollwitz-Ufer hin abgestuft werden. Aufbauend auf einem durchgängigen Erdgeschoss sollen im niedrigeren Gebäudeteil sechs und im höheren Gebäudeteil sieben Geschosse realisiert werden. Insgesamt sollen so ca. 60-70 Wohneinheiten entstehen.

 

Auszug Fassadenstudie aus zwei Blickrichtungen, Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

Anschließend gab es reichlich Gelegenheit zur Diskussion. Ein Schwerpunkt war dabei die Gestaltung der Pkw-Stellplätze. Wie das Architekturbüro ausführte, sind 26 normale und 2 Behindertenstellplätze geplant, was den Mindestanforderungen nach der Stellplatzverordnung entspricht. Auf den Wunsch, mittels einer Tiefgarage zusätzliche Stellplätze zu schaffen, machte Herr Jäckel deutlich, dass Aufgabe der WiD der Wohnungsbau sei und nicht die Lösung des Stellplatzproblems für die Johannstadt. Allerdings werde die WiD versuchen, CarSharing-Stellplätze zu integrieren. In die Prüfung mitnehmen wollte er zudem die Anregung, die Anordnung der Stellplätze (bislang zum Hochhaus Florian-Geyer-Straße 15 hin) und der Zufahrt (bislang von der Florian-Geyer-Straße) in Richtung Elbe zu verschieben, um den Lärmschutz für die Anwohner*innen zu verbessern.

Städtebauliche Einordnung und geplante Pkw-Stellplätze. Quelle: WiD Wohnen in Dresden GmbH & Co KG

Auch das Thema der Kaltluftströme war erwartungsgemäß ein Diskussionsgegenstand. Wolfgang Socher, Leiter des städtischen Umweltamtes, erläuterte anhand der synthetischen Klimafunktionskarte und des Fachleitbilds Stadtklima im öffentlich einsehbaren Themenstadtplan Dresden, dass Kaltluft zwar in klaren Nächten mit wenig Wind der Schwerkraft folgend über die Bachtäler und entlang der Elbe in die Stadt hineinfließt, aber an der Bebauung schnell gestoppt würde. Oberstes Ziel sei es deshalb, die Täler von Bebauung freizuhalten. Im unmittelbaren Umfeld des geplanten Bauvorhabens gebe es jedoch bereits heute nur im unmittelbaren Elbtal messbare Kaltluftströme. Für die bebauten und teilweise bereits von Überwärmung betroffenen Bereiche der Johannstadt komme es deshalb in erster Linie darauf an, durch Erhaltung und Ausbau des Stadtgrüns und Maßnahmen wie Dachbegrünung das Mikroklima zu verbessern. Seitens des Planungsbüros wurde ausgeführt, dass eine Dachbegrünung geplant sei, jedoch von den auf dem Grundstück vorhandenen 17 Bäumen sieben für das Bauvorhaben weichen müssten und durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzt würden. Zusätzlich werde jedoch pro geschaffenen sechs Stellplätzen ein Baum gepflanzt. Wie Christoph Mann vom Stadtplanungsamt erläuterte, würden die Ersatzpflanzungen im Rahmen der Begrünung einer ehem. Gewerbefläche im Bereich der Johannstädter Friedhöfe realisiert, was sich wiederum positiv auf das Johannstädter Stadtklima auswirke.

Auszug aus der Synthetischen Klimafunktionskarte des Themenstadtplans: Die blauen Kaltluftströme entlang der Elbe sind gut zu erkennen. Je röter der Farbton, desto wärmer. Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Themenstadtplan, mit nachträglich gekennzeichnetem Standort des Bauvorhabens.

Weitere Anregungen aus der Diskussion waren Ladestationen für E-Bikes und Elektrofahrzeuge sowie überdachte Fahrradstellplätze — allesamt Themen, die auch seitens der WiD bereits angedacht wurden.

Abschließend stellte Steffen Jäckel die Zeitschiene für den weiteren Planungs- und Bauprozess vor. Sollte am 16.7. der Stadtrat der Vorlage zur Ermöglichung der sozialen Durchmischung zustimmen, könne umgehend der Planungsauftrag erteilt werden. Mit einem Baubeginn sei jedoch nicht vor 2021 zu rechnen. Allerdings sei es möglich, dass der Rückbau des ehemaligen Kitagebäudes bereits eher erfolge. Außerdem plane die DREWAG die Verlegung der Fernwärmeleitungen bereits im Vorfeld.

Nachdem zur Informationsveranstaltung aufgrund der Corona-Schutzvorkehrungen nur 25 Personen teilnehmen konnten, hat die WiD für die weitere Bürgerbeteiligung eine Internetseite eingerichtet. Unter https://www.wid-dresden.de/information_florian-geyer-str-13.html finden Interessierte die vollständige Präsentation zur Informationsveranstaltung. Anregungen und Hinweise können der WiD über das Kontaktformular auf der Website übermittelt werden. Quartiersmanagement und Stadtteilverein rufen die Anwohnerschaft dazu auf, diese Möglichkeit auch umfassend zu nutzen.