Orte » Historischer Rundweg: Standort 1 – Trinitatisplatz

eingestellt am 12.12.2019 von Matthias Kunert (QM Johannstadt), zuletzt geändert am 01.03.2021

Der historische Rundweg beginnt am Trinitatisplatz mitten in der Johannstadt. Sie erreichen den Trinitatisplatz mit der Straßenbahnlinie 6 aus Richtung Postplatz oder Niedersedlitz.

Vor 1945: Mitten in Johannstadt

Stadtplan von 1911. Quelle: SLUB Dresden / Deutsche Fotothek. Der Tafelstandort ist markiert.

Trinitatisfriedhof

Durch Schließung des alten Johannisfriedhofes im Jahr 1814 musste ein neuer Begräbnisplatz außerhalb der Stadt gefunden werden. Die Wahl fiel auf die Grundstücke der kurz zuvor zerstörten Gaststätte „Engelhardts“ und das Spittelholz. Die Gestaltung der Anlage übertrug die Stadt 1815 dem Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer. 1816 konnte die Anlage in Nutzung gehen und erhielt 1834 mit der Erweiterung den Namen Trinitatisfriedhof. In der Folgezeit wurden hier viele bekannte Persönlichkeiten bestattet, so u.a. der Arzt Carl Gustav Carus, der Bildhauer Ernst Rietschel und die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient. Nähere Informationen dazu sind beim Friedhof erhältlich. Neben dem Trinitatisfriedhof befindet sich der Neue Israelitische Friedhof, der ebenfalls zugänglich und offen ist.

Weitere Informationen zur Geschichte des Trinitatisfriedhofs finden Sie hier.

In seinem Gemälde „Der Friedhof“ setzte der Maler Caspar David Friedrich auffällig ähnliche Torpfeiler wie die des Trinitatisfriedhofes romatisierend in Szene. Quelle: Albertinum, GNM, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: J. Karpinski

Trinitatiskirche

[lat. trinitatis] steht in der christlichen Kirche für die Dreifaltigkeit von Gottvater, Gottes Sohn (Jesus) und Heiligem Geist.

Bedingt durch die Kriegsentschädigungen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, die fortschreitende Industrialisierung und die geänderten Bauvorschriften setzte in Dresden eine spürbar verstärkte Bautätigkeit ein. Dies betraf auch die bis dahin ländlich geprägte Gegend der späteren Johannstadt. Felder und Gärten verschwanden zugunsten großer Karrees mit Wohnbebauung und Kleingewerbe in den Hinterhöfen, Fabriken siedelten sich an.

Ansicht der Gerokstraße mit der Trinitatiskirche. Foto: A. Hartmann. Aus der Sammlung JohannStadtArchiv
Innenansicht der Trinitatiskirche. Foto: P. Heine. Aus der Sammlung JohannStadtArchiv

Die neuen Einwohner dieses Gebietes gehörten zur 1878 gegründeten Johannesgemeinde, die ursprünglich ihren Sitz an der Johanneskirche am heutigen St. Benno Gymnasium hatte und bei der Weihe der Kirche 23 000 Gläubige zählte. Sechs Jahre später zählte die Gemeinde 40 000 Mitglieder – dafür war die Kirche viel zu klein. Mit dem Beschluss, der Johannstadt eine eigene Gemeinde zuzuordnen, entstand der Wunsch nach einem Kirchenneubau an einem zentralen städtebaulichen Punkt. Für diesen Zweck schenkte der Stadtrat der 1888 neu gegründeten Trinitatisgemeinde ein Grundstück am Trinitatisfriedhof. Nach mehreren vorausgehenden Planungen erhielt der ortsansässige Architekt Karl Barth den Zuschlag für die Planung eines Kirchenneubaues auf diesem Flurstück. 1894 konnte die Kirche im Stil der Neo-Renaissance mit dem 65 m hohen stadtbildprägenden Turm nach dreijähriger Bauzeit feierlich eingeweiht werden.

Weitere Informationen zur Geschichte der Trinitatiskirche finden Sie hier.

Trinitatisstraße

In der Trinitatisstraße (heutige Fiedlerstraße) befanden sich eine Reihe interessanter Bauwerke und Einrichtungen. So diente das Haus Nr. 2 als Bildhaueratelier der Kunstgewerbeschule, in dem unter anderem der Dresdner Bildhauer Selmar Werner (Trägerfiguren am Ständehaus, Schillerdenkmal auf dem Albertplatz, Kreuzigungsgruppe an der ehemaligen Englischen Kirche u.a.) tätig war. Auch die Dresdner Zigarettenindustrie hatte in dieser Straße zwei große Werke. Die Zigarettenfabrik „Kios“ und „Josetti“ erreichten deutschlandweite Bekanntheit. Lippolds Kofferfabrik produzierte in der Trinitatisstraße. Dieses kleine Werk hat vor allem durch seine Erwähnung in Erich Kästners 1957 veröffentlichtem Roman „Als ich ein kleiner Junge war“ Bekanntheit erlangt – hier war Kästners Vater angestellt. Der Grundstein für das nach 1945 gegründete VE Backwarenkombinat Dresden bestand in der hier ansässigen Brotfabrik. Der Großteil der Fabriken wurde bei der  Bombardierung 1945 zerstört. Nur eine Fabrikantenvilla in der Blasewitzer Straße 9ist noch erhalten.

Weitere Informationen zur Geschichte der Trinatisstraße finden Sie hier.

Werbeschild „Josetti“. Quelle: unbekannt. Aus der Sammlung JohannStadtArchiv
Werbeschild „Lippold´s Kofferfabrik“. Quelle: unbekannt. Aus der Sammlung JohannStadtArchiv

Nach 1945: Von der Ruine zur Jugendkirche

Stadtplan von 2017. Der Planausschnitt ist identisch mit dem oben abgebildeten historischen Stadtplan. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan, Landeshauptstadt Dresden, Amt für Geodaten und Kataster

Trinitatiskirchruine

Bei den Bombardierungen im Februar 1945 brannte das Kirchenschiff der Trinitatiskirche nach nur 51 Jahren Nutzung völlig aus. Schwere Beschädigungen erlitten die Umfassungsmauern und das gegenüberliegende Gemeindehaus. Dachstuhl und Innenausstattung der Kirche gingen verloren. Einzig der Turm überstand den Bombenangriff relativ unbeschadet. Mit Beginn der Großflächenenttrümmerung in der Johannstadt Mitte der 1950er Jahre beräumte man das ehemals dicht bebaute, jetzt aber völlig zerstörte Umfeld der Kirche. Im wieder aufgebauten Gemeindehaus fand ein kirchlicher Kindergarten Platz.

Um den drohenden Abriss der Ruine Ende der 1960er Jahre zu verhindern, entwickelten die Gemeindemitglieder ein Projekt für einen Gottesdienstraum und eine Tagungsstätte. Sie enttrümmerten mit den primitivsten Mitteln in ihrer Freizeit die Ruine, sicherten die Mauerreste und den Turm. Bedingt durch fehlende finanzielle Mittel für den Abriss und den schließlich darin befindlichen kirchlichen Bauhof blieb die Ruine erhalten. Heute finden hier gelegentlich Gottesdienste und Konzerte sowie kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. Die Räume werden seit 1992 aber vor allem durch das Jugendzentrum Trinitatiskirche genutzt, in dem die Kirchgemeinde mit Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden offene Jugendarbeit betreibt. Seit einiger Zeit engagiert sich der Förderverein für den schrittweisen Ausbau der Ruine.


Vogelperspektive auf die Trinitatiskirche mit Bebauung um 1930. Etwa an Stelle des einzelstehenden Gebäudes rechts befinden sich jetzt die beiden Hochhäuser. Die von Bildmitte nach rechts unten wegführende Straße ist die Gerokstraße. Foto: unbekannt. Aus der Sammlung JohannStadtArchiv
Ruine der Trinitatiskirche mit Trümmerbahn, ca. 1950. Foto: unbekannt. Aus der Sammlung Gonschorek
Innenraum der Kirche, 2017. Foto: G. Hammermüller

Jugendzentrum „Jugendkirche Dresden“

In Trägerschaft der Ev.-Luth. Kirchenbezirke Dresden Mitte und Dresden Nord entstehen mit dem Jugendzentrum „Jugendkirche Dresden“ in der Trinitatiskirchruine ab 2020 inspirierende Erlebnis- und Erfahrungsräume für Jugendliche aus dem Quartier und dem gesamten Stadtgebiet. Jugendliche sollen hier bald selbst gestalten, miteinander diskutieren, eigene Ausdrucksformen finden und natürlich Konzerte erleben und feiern können. Das bereits bestehende „Jugendzentrum Trinitatiskirche“, ein Jugendcafé und die Geschäftsstelle der Evangelischen Jugend Dresden finden im neuen Haus neben einem großen multifunktionalen Veranstaltungsraum ebenfalls ihren Platz.

Visualisierung der Jugendkirche Dresden. Abbildung: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden-Mitte / Code Unique Architekten

Weitere Informationen zur Jugendkirche finden Sie hier.

Text: Matthias Erfurth, Matthias Kunert, Henning Seidler