Gastbeitrag: “Gedanken zu unserer verrückten Zeit”

eingestellt am 02.04.2022 von Anja Hilgert, Headerbild: Mit Blick aus der 11.Etage über den Stadtteil - Sichtweise einer Johannstädterin. Foto: S-M. Wiedemann

 

In einem Gastbeitrag meldet sich eine Johannstädterin zu Wort, um in den täglichen Widersprüchen, die uns bedrängen, ihren Standpunkt zu erörtern. Sylvia-Manorita Wiedemann schildert aus eigener Sicht, wie die Themen Krieg, Migration und Umweltzerstörung im eigenen Leben Raum greifen und stellt kritische Fragen.

 

Verrückte Zeit …

… trifft es das? Ich schildere hier meine Sichtweise. Die einer Johannstädterin, die sich über unsere Zukunft Gedanken macht.

Vor fast sieben Jahren nahmen wir einen Kriegsflüchtling aus Libyen bei uns zuhause auf. Einmal lud er den jungen Mann ein, der im Asylantenheim den Asylant*innen Deutsch vermittelte. Wir saßen beim Kaffee und unterhielten uns nett. Da meinte der junge Mann, dass es in Zukunft Seuchen und Krieg geben würde…  Ich fand diese Prognose einfach unmöglich! Und war der Meinung, dass der junge Mann uns in Zukunft nicht wieder besuchen sollte. Heute muss leider oft reuevoll an seine Worte denken.

War er ein Seher? Wir leben jetzt weltweit über zwei Jahre mit Corona und jetzt ist Krieg in Europa!

Mit weiter Sicht über die Johannstadt Foto: S-M.Wiedemann

Unter der Lupe

Was unsere Umwelt betrifft, sollten wir alle schon lange unsere Lebensbedingungen sehr kritisch unter die Lupe genommen haben. Es ist ein Gefühl von Machtlosigkeit, wenn man die Warenfülle unter dem Gesichtspunkt der Armut in der Welt betrachtet. Was wird mit den Klamotten, all den Konsumgütern, den Lebensmitteln, die wir gar nicht kaufen?  

Meine erste Ausstellung mit Metall-Kunstwerken aus Schrott hatte ich im Wertstoffhof in der Heidestraße, betrieben von der “Grünen Liga”. Man gab dort kostenlos ab, was man nicht mehr brauchte und etwas davon gern haben wollte, konnte es kostenlos mitnehmen. Nur für Großgeräte und Möbel benötigte man den Dresden-Pass. Daran könnte sich der Wertstoffhof am Tatzberg ein Beispiel nehmen.

Wasser für Hummeln

Täglich erreichen uns Meldungen, dass Wasser immer kostbarer werden wird. Sollte man da nicht propagieren Maß zu halten? Vor einiger Zeit war in einer Frauenzeitschrift ein Artikel, der mir schon damals mehr als übertrieben erschien. Wöchentliches Fensterputzen? Wöchentlicher Bettwäschewechsel? Wer hat dazu Zeit und Lust. Von der Wasserverschwendung ganz abgesehen! Auch wenn es für viele ein Horror ist, auf das tägliche Duschen zu verzichten. Ich tue es. 

Heute kam ein Beitrag, dass zum Beispiel auch unsere Hummeln darauf angewiesen sind, dass wir ihnen auf einer Schale mit Steinchen und Moos Wasser anbieten. Das werden wir in Zukunft ebenso wie unser russischer Bienenhalter uns gegenüber im Garten tun.
Ist Ihnen das zu läppisch? Der Fortbestand unserer Insekten wird unser Leben in Zukunft wesentlich beeinflussen! 

Leuchten der Lichter

Frank-Ole Haake, in der Johannstadt lebender Künstler, hat auf einer seiner Postkarten stehen, “Wir brauchen wieder eine Intelligenz, die in Verbindung mit der Schöpfung wirkt“. Diese Intelligenz ist zur Zeit in so vielen Bereichen verloren gegangen. Viele Umweltsünden sind natürlich unserem Wohlstand geschuldet. Von der elften Etage schaue ich immer voll Verwunderung auf die nächtlich hell erleuchtete Gerokstraße. Würde jede zweite Lampe leuchten, wäre es nach meinem Ermessen durchaus mehr als genug. Das Problem kenne ich jedoch schon aus der Zeit, als wir in Blasewitz gegenüber dem Ärztehaus wohnten. Dort erleuchteten 58 Lampen den Parkplatz. Mein Appell an die Ärzt*innen blieb ohne Resonanz.

In einer kostenlosen Wochenendzeitung stand nun die Stellungnahme zur „Earth Hour“ – „Stunde für die Erde“ in Dresden. Weltweit setzt man ein Zeichen für Klima- und Umweltschutz! Doch in Dresden nur an der Martin-Luther-Kirche… Da die Stadt Dresden doch LEDs verwendet… so die Begründung! Entschuldigung – es geht darum für eine Stunde ein Zeichen zu setzen! Was sind das für Argumente?
So machen wir die Welt nicht besser! 

Ich wünsche uns, dass wir versuchen, die Welt besser zu machen.
Dass wir in dieser komplizierten Zeit trotzdem glücklich sind und uns Liebe geben.

 

Ihre Sylvia-Manorita Wiedemann 

 

Redebedarf: Palaver in der Johannstadt

Am 21. jeden Monats findet ab 16 Uhr in der Johannstädter ZEILE Palaver statt – unter dem Dach des Pavillons an der Sachsenallee machen wechselnde Themen, gesellschaftliche Fragen, Bedürfnisse von Bewohner*innen, Redebeiträge der Johannstadt die Runde …
Begegnung und freie Rede in nachmittäglicher Begleitung durch das Stadtteilmagazin ZEILE und das Café für alle mit Keks und Kaffee!

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