Ob Nachbarschaftsfest, Proberaum, Bastelangebot oder die ZEILE – der Stadtteilbeirat Johannstadt entscheidet über die Förderung von Projekten im Stadtteil, berät über die Stadtteilentwicklung und macht sich für die Johannstadt stark. Seit 2019 kommen die Mitglieder dafür viermal im Jahr an einem Abendtermin zusammen. Am 8.11.2026 wird der Stadtteilbeirat zum vierten Mal für eine Mandatszeit von zwei Jahren neu zusammengesetzt. Dabei sind neun Plätze per direkter Wahl zu vergeben.
Erstmals werden die Beiratswahlen 2026 gemeinsam mit Schüler*innen der achten Klassen der 101. Oberschule „Johannes Gutenberg“ organisiert. Die Jugendlichen sprechen Kandidierende an, drehen kurze Filme, hängen Plakate auf und verteilen Flyer. Sie bereiten die Briefwahl vor, organisieren eine Infoveranstaltung und den Wahltag und lernen ganz nebenbei, wie Demokratie und bürgerschaftliches Engagement im Stadtteil funktionieren. Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Dresden durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.
Für die Schüler*innen bedeuten die Beiratswahlen „Demokratie zum Mitmachen“: Statt demokratische Grundrechte und das Wahlsystem nur im trockenen Gemeinschaftskundeunterricht zu erlernen, dürfen sie die Wahlen selbst mit organisieren. So wurden in dieser Woche bereits Plakate mit dem Kandidaturaufruf und Flyer in Johannstadt verteilt. Auf dem Johannstädter Drachenfest am 27.9. haben die Schüler*innen zudem Besucher*innen angesprochen und auf die Wahlen und die Möglichkeit zur Kandidatur aufmerksam gemacht.

Wir haben die Schülerinnen Samira und Hadiseh gefragt, wie sie ihre Mitwirkung bei den Beiratswahlen und ihren Einsatz beim Drachenfest fanden:
„Wir hatten schon mal im Gemeinschaftskundeunterricht das Thema Wahlen, aber eine Wahl selbst zu organisieren ist besser als Schule. Ich finde es gut, dass wir Verantwortung haben.“ (Samira, 13 Jahre)
„Ich finde es gut, dass wir so mit reingewickelt werden. Wir wissen jetzt, wie hart es ist, Leute zu finden, die kandidieren oder wählen wollen. Es ist auf jeden Fall besser als Mathe oder so, dass wir Verantwortung übernehmen und ein bisschen mehr über Johannstadt erfahren.“ (Hadiseh, 14 Jahre)
Die 101. Oberschule „Johannes Gutenberg“ ist selbst von Beginn an Mitglied im Stadtteilbeirat. Schulleiterin Juliana Dressel-Zagatowski erklärt, warum die Schule dem Stadtteilbeirat den Vorschlag unterbreitet hat, die Wahlen mit Schüler*innen zu gestalten:
„Wir haben überlegt, wie wir trotz der immer knapperen Mittel für die Stadtteilarbeit die Wahlen hinbekommen. Da entstand die Idee zu prüfen, ob sich Schüler*innen an einem solchen Projekt beteiligen können, um ganz praktische Demokratieerfahrungen zu machen. Bundestag, Stadtrat, Stadtbezirksbeirat sind relativ abstrakte Themen. Aber so ein Stadtteilbeirat in dem Gebiet, in dem sie wohnen, ist greifbarer. Die Jugendlichen haben sehr schnell verstanden, dass Demokratie auch Mitwirkung generiert außerhalb von der Parteienlandschaft und dass der Stadtteilbeirat ein Beispiel ist für bürgerschaftliches Engagement.“

Gemeinschaftskundelehrer Hagen Domaschke erklärt die Wirkungen auf den Gemeinschaftskundeunterricht:
„Der Gemeinschaftskundeunterricht wird praktischer und realitätsnaher und wir ermöglichen unseren Kindern, die ja auch noch Erfahrungen aus anderen Ländern mitbringen, zu lernen, wie in Deutschland demokratische Teilhabe stattfinden kann.“
Bis zu den Herbstferien werden die Schüler*innen noch weiter Flyer verteilen, Menschen im Stadtteil ansprechen und Interviews mit Kandidierenden führen. Bis 24.10. können sich Menschen, die in Johannstadt leben oder arbeiten und älter als 16 Jahre sind, für eine Mitwirkung im Stadtteilbeirat bewerben.
Nach den Herbstferien wird es dann richtig spannend: Am 29.10. organisieren die Schüler*innen eine kleine Infoveranstaltung im Stadtteilhaus Johannstadt, bei der alle Kandidierenden die Gelegenheit erhalten, sich vorzustellen. Und am selben Tag beginnen auch schon die Briefwahlen, für die in der Bibliothek der 101. Oberschule ein eigenes Briefwahlbüro eingerichtet wird. Am 8.11. öffnen dann von 13-17 Uhr die Wahlbüros im Stadtteilhaus und in der JohannStadthalle. Und am 9.11. wird es dann richtig spannend, wenn alle Stimmzettel aus Briefwahlen und beiden Wahlbüros ausgezählt werden.
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