Samstagnachmittag. Ein auffällig großer Pulk Menschen und Fahrräder vor der Nicolaistraße 18 und 20. Was gibt es hier?
Graffiti an der Giebelwand und im unteren Bereich des Hauses deuten es bereits an: Ich stehe vor keinem gewöhnlichen Wohnhaus! Bei dem „House of Colors“ (Haus der Farben) handelt es sich um einen Projekt der Hip-Hop Szene für Kunst, Kultur und urbanes Arbeiten. Dabei sind die Tage des Gebäudes, und somit des Projektes, gezählt, denn das Haus soll zum Jahresende abgerissen werden. Die Initiative, den Leerstand vor dem Abbruch noch einmal mit Leben zu füllen, kam vom HOUC, dem „House of Urban Culture“ Dresden.
„HOUC befähigt junge Menschen und Communities durch urbane Kultur zu kreativer Selbstwirksamkeit und gesellschaftlicher Teilhabe – glaubwürdig, authentisch und professionell.“
Quelle: https://www.houc.de/startseite
Ich bin total fasziniert und beginne meinen Rundgang durch die vielen Räume. Jeder Raum ist anders, ich lese, schaue, staune. Es ist ein ganzes Universum aus Kreativität, die hier auf unterschiedlichste Weise ihren Ausdruck findet. Mal sind „nur“ die Wände bunt, mal finden sich Objekte in den Räumen, auch Ton und Licht kommen zum Einsatz. Es gibt viel zu Lesen über die Kunstschaffenden und zahllose Botschaften in den Graffitis zu entdecken. Dazwischen erzählen abgenutzte Böden die Geschichten der früheren Bewohner, und hin und wieder beschleicht mich Unwohlsein, hier in ihrem Privatraum zu stehen. Ganz schön viel Andrang herrscht hier. „Appreciate the art as fast as you can!“, sagt ein Besucher im Vorbeigehen. Zu Deutsch: „Genieße die Kunst so schnell du kannst!“. Ich freue mich, Englisch zu hören.
Wieder draußen angekommen spreche ich die Mitgründerin des HOUC Ellen Demnitz-Schmidt an, weil mich interessiert, was sie dazu bewogen hat, sogar eine GmbH zu gründen. Sie erzählt mir, dass es in der HipHop Kultur sehr stark um Kreativität und Gemeinschaftssinn geht, und darum, einen gemeinsamen Nenner zu finden, selbst wenn unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen. Ganz besonders fasziniert sie die Ressource, die diese Gemeinschaft bildet. Für kaum jemanden sei das nur ein kurzes Hobby. Viel mehr seien es Lebenswege, die entstehen. Die Hip-Hop Kultur sei etwas, was die Menschen ergreift, sie empowern und in der Selbstfindung unterstützen könne.
„Wenn man die Berufszweige sieht, in denen Graffitisprüher sind, das würden Sie mir nicht glauben“, sagt sie.
Was Menschen, die gemeinsam etwas entwickeln und dann für die Gesellschaft öffnen, für die Stadt tun, wird am Beispiel des House of Colors ganz deutlich. Auf einer Fläche und in einem Gebäude, das ansonsten über Monate leer gestanden hätte – was für eine Verschwendung! – ist ein Ort entstanden, der einen bunten, vielfältigen Querschnitt der Bevölkerung zusammenbringt.
Ein Raum für Dialog und für kreative Entfaltung.
Ein Projekt, das zeigt, wie Kunst und Kultur Wert schaffen, wo vorher Leere war.
Öffnungszeiten vom House of Colors in der Johannstadt bis Ende September
Mittwoch 14 – 18 Uhr
Samstag 11 – 17 Uhr
In eigener Sache:
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