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Heiligabend 2020 – Ein Gottesdienst aus der Johannstadt über Menschwerdung unter den Menschen

 

Nachdem auch an der Elbe kein Präsenzgottesdienst stattfinden darf, hat die Johanneskirchgemeinde einen Videogottesdienst produziert, der in Kooperation mit Willkommen in Johannstadt, Mission Lifeline und Paradiesisch Musizieren der Evangelischen Hochschule nicht nur das Format bisheriger Gottesdienste übersteigt, sondern auch der Weihnachtsbotschaft einen live-Charakter verleiht, der zu den Menschen bis nach Hause dringt  :  Ein Wort zu dem anderen Weihnachten 2020 –  Interview mit Pfarrer Tobias Funke.

 

Sie können Weihnachten in Ihrer Gemeinde nicht mit einem festlichen Gottesdienst feiern: Was tun Sie als Pfarrer und was machen die Menschen, die sich in der Kirche nicht versammeln dürfen?

Pfarrer Tobias Funke: Es ist ja nicht so, dass die Gotteshäuser zu sind. Das ist ja der Unterschied zu Ostern, als Gottesdienste verboten waren, Präsenzgottesdienste muss man ja sagen. Es gibt ja jetzt auch viele andere Formen von Gottesdiensten. Das haben wir im letzten Jahr gelernt und immer wieder auch gesehen, dass der Gottesdienst auch gut zu Hause stattfinden kann. Bei der Hausandacht, vor dem Fernseher, dem Bildschirm, man auch zu Hause den Gottesdienst miterleben kann. In einer kleinen Hausgemeinschaft oder auch alleine, was jetzt nicht nur durch Corona gekommen ist.
Ich mache ja viele Hausbesuche, dann kommen wir gemeinsam ins Gespräch und dann erzählen mir auch ältere Leute, „Ach ja, der Fernsehgottesdienst, das gibt mir doch mehr, da verstehe ich alles und dann bin ich auch mehr mit dabei als wenn ich in die Kirche gehe. Das war schon vor Corona so und das verstärkt sich jetzt natürlich noch mehr.

Licht verwandelt – Foto: Torsten Görg


Wie gestalten Sie Weihnachten jetzt in Ihrer Kirchgemeinde?

Pfarrer Tobias Funke: Die Sächsische Landeskirche hat es den einzelnen Kirchgemeinden frei gestellt oder an die Beauftragten übertragen, selbst zu entscheiden. Das ist eine große Verantwortung, die jede*r da hat.
Wir haben uns dafür entschieden, die Präsenzgottesdienste ausfallen zu lassen. So wie die letzten Jahre gibt es das sowieso nicht: Wir dürfen nicht singen, wir dürfen uns nicht lange versammeln, es müssen alle Kontakte aufgeschrieben werden. Daher wird es in der Johannstadt nur den offenen Kirchsaal im Gemeindehaus geben, dass man kurz, vielleicht für 10min sich da hinsetzen kann, die Weihnachtsgeschichte hören kann und dann zur anderen Seite wieder geht und im Stall, im Gemeindegarten dann sich das Licht von Bethlehem holt. Das ist die Form, die wir jetzt für verantwortbar halten, um Ansteckung zu vermeiden.
In der letzten Verantwortung muss das natürlich jede*r selber entscheiden, ‚gehe ich da jetzt hin oder gehe ich nicht dort hin’. Das obliegt jeder und jedem Einzelnen.

Licht verwandelt – Foto: Torsten Görg

 

Welche Angebote gibt es für Leute, die unter den Umständen nicht kommen können?

Pfarrer Tobias Funke: Deshalb gibt es in der Kirchgemeinde auch verschiedene online-Angebote, in drei verschiedenen Formaten: Eins für Kinder, ein Kinder-Krippenspiel, das die Gemeindepädagoginnen einstudiert und aufgenommen haben. Dann wird es ein Krippenspiel geben, das die Erwachsenen eigentlich auf der Fiedlerstraße draussen gespielt hätten, so hatten wir es geplant. Das wird es auch online geben, mit dem Gospelchor, das wird auch eingestellt sein. Und auch das, was wir dieses Jahr Weihnachten an der Elbe gefeiert hätten, zusammen mit Mission Lifeline und Willkommen in Johannstadt, wo wir gerade auch das Thema Flucht nochmal thematisieren. Das haben wir jetzt vorproduziert und wird dann auch auf unserem you tube-Kanal abrufbar sein. Ich kann so viel verraten, daß es sich um ein beeindruckendes, für mich sehr beeindruckendes Gottesdienstvideo handelt.

 

Wer hat an diesem Videodreh für den Heiligabendgottesdienst alles mitgewirkt?

Pfarrer Tobias Funke: Wir haben den Christoph Müller Paul Hoorn, der auch hier in der Johannstadt bekannt ist mit dem Paradiesorchester der Evangelischen Hochschule EHS gewinnen können, der die Musik macht.
An der Elbe singt er auch mit seiner Tochter und einem Musiker aus Syrien, der die Oud spielt, das Lied Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, als Sinnbild: Wir haben Platz, es ist Platz in der Herberge, nicht nur Platz in der Herberge von Bethlehem, sondern es ist auch bei uns Platz. 

Wir fordern, dass die Situation gerade in Moria und auf den Fluchtbooten eine Änderung braucht. Gerade jetzt zu Weihnachten. Deswegen gibt es auch die Zusammenarbeit mit Mission Lifeline, die eine Institution hier aus Dresden sind. Einer der letzten Crew von Mission Lifeline, hat uns ein Video zur Verfügung gestellt aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, das ist da jetzt mit eingebaut.
Mit dabei ist auch eine Syrerin, die in Johannstadt lebt, das hat uns WIJ übermittelt, die ihre Fluchtgeschichte erzählt, wie sie hier nach Dresden gekommen ist.
Und dann haben die Konfirmanden die Weihnachtsgeschichte eingelesen und Juliane Asmann und ich haben eine Art Predigt, eine Verkündigung dazu beigetragen. So dass das ein Gottesdienst ist, der geht 40 Minuten lang, den man zu Hause sich anschauen und mitfeiern kann. Wie es an der Elbe hätte sein sollen.

 

Licht verwandelt – Foto: Anja Hilgert

 

Was ist eigentlich Gottesdienst?
Pfarrer Tobias Funke: Der Gottesdienst ist für mich das, was passiert, wenn Menschen zusammenkommen – da ist der Gemeinschaftsaspekt ganz wichtig –  und die überlegen, wie kann ich mich darauf konzentrieren: Auf meine Beziehung zu Gott, aber auch: Was bedeutet das in meiner Beziehung zu Gott und der Welt. Deswegen kann ich da Glauben und Handeln schwer auseinandernehmen, die bedingen sich jeweils gegenseitig.
Weil ich an Gott glaube, weil ich von Gott geliebt bin und Verschiedenes geschenkt bekommen habe, meine Begabungen, auch mein Leben, deswegen engagierte ich mich für Gerechtigkeit, für eine bessere Welt. Nicht aus mir heraus, das kann ich selber nicht leisten, das ist diese Gnade, die mir da zukommt, die geschenkt ist. Das finde ich auch die zentrale Weihnachtsbotschaft, dass dieses Licht, das von Bethlehem ausgeht, auch im Dunkelsten immer wieder leuchtet. Und dass das mich befähigt, da auch gegen Dunkelheiten etwas auszurichten, ein bisschen Licht zu spenden.

Licht verwandelt – Foto: Anja Hilgert

 

Welche Bedeutung hat dann das Zusammenkommen der Menschen an Weihnachten?

Pfarrer Tobias Funke: Ich kenne viele Menschen, denen ist es ganz wichtig, da in Gemeinschaft zu sein. Glaube hat ja immer auch mit Zweifel zu tun und da ist es wichtig, sich gegenseitig auch immer zu bestärken. Denn so etwas wie die gemeinsamen Lieder oder die gemeinsamen Texte, aber auch der gemeinsame Austausch, also Gottesdienst, ist für mich keine Einbahnstraße: Einfach da vorne zu reden und die anderen hören alle zu, sondern das ist ein Kommunikationsgeschehen, das diese drei Ebenen hat: Die Beziehung zu Gott, also die Kommunikation zwischen mir und Gott, aber auch die Beziehung zwischen mir und meinem, meiner Nächsten, indem ich da auf die Not schaue und die Probleme der Mitmenschen wahrnehme. Aber auch als dritter Aspekt die Kommunikation in der Gemeinschaft, das verleiht gegenseitig Stärke.
In einem guten Gottesdienst passieren für mich diese drei Dinge. Und das ist dann eben nicht nur der Sonntagsgottesdienst früh, mit Glockengeläut, sondern das passiert auch im Alltag, dass ich Gott diene, dass Gott sich mir zeigt und ich daraus handeln kann. Und da kann Gott auch Mensch werden, indem ich mich um Andere kümmere. Da wird Weihnachten auch Wirklichkeit.

Woher kommt gerade jetzt die Kraft, dafür den Raum zu öffnen?
Pfarrer Tobias Funke: Das ist natürlich schwerer jetzt und besonders für das Singen, dass das wegfällt. Ich bin in Leipzig an der Thomaskirche aufgewachsen, da hat das Singen gerade auch der Weihnachtslieder einen ganz großen Stellenwert. Aber wir singen in der Familie natürlich trotzdem jetzt auch, und da würde ich auch alle einladen, in Familie, im kleinen Kreis oder alleine – am Telefon kann man auch singen.
Es gibt ausserdem verschiedene Aktionen: Am Weihnachtsabend kurz nach 18 Uhr, nach dem Abendgeläut soll „Stille Nacht, Heilige Nacht“  in ganz Deutschland gesungen werden, dass die Menschen auf die Balkone oder auch vors Haus treten und in großer Gemeinschaft singen. 

 

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Fußnoten:

  1. Der Stadtteilverein Johannstadt e. V. ist Träger der Webseite www.johannstadt.de und wird der Einfachheit halber nur Stadtteilverein benannt. ↩︎
  2. Zugangsberechtige sind Mitarbeiter*innen des Stadtteilvereins, Redakteur*innen der Stadtteilredaktion sowie Dritte, die in der Dresdner Johannstadt gemeinwohlorientierte Veranstaltungen durchführen und/oder andere gemeinwohlorientierte Angebote vorhalten. ↩︎
  3. Bezieht sich auch auf Angebotsdarstellungen gemeinnütziger sowie gewerblicher Akteure, die in der Johannstadt aktiv bzw. niedergelassen sind. ↩︎
  4. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎
  5. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎

Stand: 06/2026