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Sprache auf 64 Feldern: Der Schachverein „Ran an’s Brett!“ in der Johannstadt

Der Verein „Ran an’s Brett“ bringt Schach, das „Spiel der Könige“,  in die Johannstadt. Besonders an Kinder und Jugendliche richtet sich das Angebot, bei dem sich Laien, Fortgeschrittene und Meister beim offenen Spiel auf den legendären 64 schwarz-weißen Feldern messen können. Im Vordergrund steht bei aller Taktik und Siegeswillen die Freude am Spiel.

Schach? Das ist doch nur was für mathematische Genies, für alte Herren und Großmeister! Dirk Jordan, Schach-Experte aus Dresden schüttelt den Kopf. Er weiß es besser. Er spielt Schach seit seinem sechsten Lebensjahr, war Turnierdirektor der Schacholympiade 2008 in Dresden und entwickelt Methodiken, um jungen Menschen Schach beizubringen. Schach ist aktueller denn je – und ein Kinderspiel! Für Jungen und Mädchen.

Dirk Jordan, Initiator des Schachtreffs in der Johannstadt.Foto: Philine Schlick
Dirk Jordan, Initiator des Schachtreffs in der Johannstadt.Foto: Philine Schlick

Die Kunst der unblutigen Attacke

Die Umgebung ist an diesem Mittwoch für die Spieler von „Ran ans Brett“ eine ungewohnte: Man spielt heute ausnahmsweise nicht im Seminarraum des Johannstädter Kulturtreffs, sondern in der großen Werkstatt in Gesellschaft von Keramikfiguren und bunten Farbtöpfen. Im Fokus stehen für die nächsten Stunden jedoch die „Nicht-Farben“ Schwarz und Weiß. Drei Herren sind bereits da und warten auf zwei Jungen, die sich etwas verspäten.

Unterschiedliche Generationen spielen gegen- und lernen voneinander. Foto: Philine Schlick
Unterschiedliche Generationen spielen gegen- und lernen voneinander. Foto: Philine Schlick

Auch Dirk Jordan ist knapp dran. Er kommt aus einer ganz anderen Welt. Einer virtuellen. Er ist nicht nur Schach-Experte, sondern Geschäftsführer von „7th Space“ im Elbepark, wo Besucher*innen mit Virtual-Reality-Brillen Museen besuchen, tauchen, bergsteigen und in Trickfilmen spazieren gehen können. „Es ist unglaublich, was da alles geht.“ Seine Augen leuchten. Manche ziehen es auch vor, erzählt er, in die Schrecken einer Zombie-Apokalypse abzutauchen. In den Räumen des Johannstädter Kulturtreffs dagegen wird die Kunst der unblutigen Attacke gepflegt. Die beiden jüngsten Teilnehmer des heutigen Turniers sind gerade eingetroffen und es kann losgehen.

Eine Schach-Aufgabe zum Tüfteln. Foto: Philine Schlick
Eine Schach-Aufgabe zum Tüfteln. Foto: Philine Schlick

Der Schach-Verein bringt unter sachkundiger Anleitung spielend unterschiedliche Generationen an einen Tisch. Dirk Jordan ist Ideengeber und Leiter des zweiten geförderten Sportprojekts der Johannstadt – nach dem Dresdner Nachtsport. Seit Juni finden die Turniere donnerstags auch im Bundschuhtreff statt. Die Vorbereitungen für das Projekt dauerten lange. Als es im März 2020 endlich in den Startlöchern stand, folgte unmittelbar der Lockdown. Nichtsdestotrotz hat sich über den Sommer ein kleiner „harter Kern“ gefunden. „Im Kulturtreff sind es vier, im Bundschuhtreff fünf Jugendliche“, berichtet Andreas Schneider, der bei den Treffen anleitet.

Das Ziel sei nicht Masse, sondern Teamgeist. Eine „dufte Truppe“ soll aus den regelmäßigen Schachtreffen entstehen. „Wir spielen eine Sprache“ – der Slogan der Schacholympiade  trifft auch auf die Treffen des „Ran an’s Brett“-Vereins zu.

Schach als Kinderspiel

Für Kinder hat Dr. Dirk Jordan eigene Methodiken zum Erlernen des komplexen Schach-Spiels entwickelt. Er stellt den König auf das Spielfeld: „Es war einmal ein König, der suchte nach einer neuen Beschäftigung …“ So beginnt die Entstehungslegende des Schach-Spiels in seiner Heimat Nordindien. Ein Ratgeber empfiehlt dem König Schach, wovon dieser begeistert ist. Aber er möchte, dass seine Königin an seiner Seite steht. Im weiteren Verlauf des Märchens füllt sich das Spielbrett mit Figuren.

„Zu Beginn spielen wir einfach kleine Spiele mit den Kindern, die gar nicht viel mit Schach zu tun haben“, sagt der Schachpädagoge. Zum Beispiel sollen die Könige um die Wette über das Feld laufen. Gewinner ist, wer als erstes an der gegnerischen Grundlinie ankommt. So lernen junge Spieler*innen das Brett und die Figuren kennen. „Mit allen Figuren gleichzeitig kommen die Kinder erst nach etwa drei Monaten in Berührung“, so Jordan.

Diskussionen rund um's Brett. Foto: Philine Schlick
Diskussionen rund um’s Brett. Foto: Philine Schlick

Ruhe und Disziplin – Schach als Lehrmeister für’s Leben

Schach stärke nicht nur kognitive Kompetenzen, sondern auch soziale, erklärt er. Er zitiert russische und schwedische Studien: Beim Schach lernen Kinder Entscheidungen zu treffen, sich zu konzentrieren, selbstbewusst zu handeln. Schachspielende Schulklassen sind im Vergleich zu anderen ruhiger, wurde festgestellt. „Natürlich ist Schach kein Allheilmittel“, räumt Jordan ein. Aber die positiven Effekte seien, ganz zu schweigen vom Spielspaß, nicht zu übersehen. Eine der wichtigsten Erfahrungen, die Schach vermittelt, ist das Verlieren-Können. Das ist gerade auch Tom passiert. Er erträgt die Niederlage gegen Andreas Schneider wacker und setzt sich dem nächsten Gegner gegenüber.

Eine wichtige Kompetenz: Verlieren-Können und Nicht-Aufgeben. Foto: Philine Schlick
Eine wichtige Kompetenz: Verlieren-Können und Nicht-Aufgeben. Foto: Philine Schlick

Schach zählt zu den beliebtesten Brettspielen Europas. Seine Faszination ist ungebrochen. „Menschen, die in den 90er und 2000ern die ‚Siedler von Catan‘ für sich entdeckt und die Baller-Spiel-Phase übersprungen haben, machen heute regelmäßig Spieleabende“, teilt Dirk Jordan seine Beobachtungen mit. Geselligkeit, Herausforderung und Strategie lautet das Erfolgsrezept wohl auch beim Schach.

Das Ziel des Vereins „Ran an’s Brett“ ist es nicht, Spieler*innen für Mannschaften anzuwerben. Alles ist frei und offen. Wer sein Spiel vertiefen möchte, kann dies in den ebenfalls angebotenen geschlossenen Gruppen tun. Die Schachtreffen des Vereins werden vom neuerlichen Teil-Lockdown im November Schach gesetzt, aber ein Matt bedeutet das längst nicht. Der Verein freut sich im Dezember auf eine zweite „Johannstädter Eröffnung.“

Schachtreff „Ran an’s Brett“

  • Ansprechpartner: Andreas Schneider
  • mittwochs 10 bis 12 Uhr (für Jugendliche und Erwachsene), 14 bis 15.30 Uhr (für Kinder bis 14 Jahre), 15 bis 17.30 Uhr (für jedermann) im Kulturtreff, Elisenstraße 35, Seminarraum I
  • donnerstags 16 bis 17.30 Uhr (für Kinder bis 14 Jahre) im BundschuhTreff, Bundschuhstraße 13
  • Angebot auf der Webseite des Kulturtreffs
  • Webseite des Vereins „Ran ans Brett“

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Fußnoten:

  1. Der Stadtteilverein Johannstadt e. V. ist Träger der Webseite www.johannstadt.de und wird der Einfachheit halber nur Stadtteilverein benannt. ↩︎
  2. Zugangsberechtige sind Mitarbeiter*innen des Stadtteilvereins, Redakteur*innen der Stadtteilredaktion sowie Dritte, die in der Dresdner Johannstadt gemeinwohlorientierte Veranstaltungen durchführen und/oder andere gemeinwohlorientierte Angebote vorhalten. ↩︎
  3. Bezieht sich auch auf Angebotsdarstellungen gemeinnütziger sowie gewerblicher Akteure, die in der Johannstadt aktiv bzw. niedergelassen sind. ↩︎
  4. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎
  5. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎

Stand: 06/2026