Geschichte

Historischer Rundweg: Standort 7 – Stadtteilhaus, ehem. Blumenstraße

Vom Thomas-Müntzer-Platz laufen Sie die Florian-Geyer-Straße entlang bis zur Pfeifferhannsstraße, biegen dort kurz nach links und vor dem Einkaufszentrum wieder nach rechts in die ehemalige Blumenstraße. Hier erreichen Sie den Standort Nr. 7 des historischen Rundwegs.

Vor 1945: Von Blumen, Bällen und Betrieben

Plan von Dresden, Blatt 5, 1911. Vermessungsamt Dresden, Gerke. Der Tafelstandort (blau) und wichtige beschriebene Orte sind markiert.

Die Welt vor dem Ziegelschlag

Die Blumenstraße folgt einem alten Zufahrtsweg, der vom Blasewitzer Tännicht in die Stadt Dresden führte. Die vom Ziegelschlag / Eliasfriedhof ausgehende und am Vorwerk Lämmchen (Höhe heutige Neubertstraße) stadtauswärts führende Verbindung trug den Namen Jagd- oder Fürstenweg und wurde umgangssprachlich auch Lämmchenweg genannt. 1861 erhielt sie den Namen Blumenstraße nach der hier betriebenen Gärtnerei Lüdicke. Die Alte Apotheke Johannstadt an der Blumenstraße gilt als eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude des Stadtteils.

Links: Ansicht der Blumenstraße. Unbekannter Fotograf, um 1900.
Rechts: Alte Apotheke in der Blumenstraße. Foto: L. Stellmacher, 1988, SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Gewerbe in der Johannstadt

Begünstigt durch die Elbnähe und die erste Pferdebahn nach Blasewitz entwickelte sich die Blumenstraße bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Wohn- und Gewerbegebiet.

Ausgewählte Adressen:
– Nr. 18: Maccaroni- und Nudelfabrik Hermann Anschütz (1855–1920)
– Nr. 47: Ende 19. Jahrhundert von Hugo Fritzsche gegründetes Gasthaus Loschwitzer Hof
– Nr. 48: Blumensäle – Tanzlokal von August Ernst Binder
– Nr. 66: Dresdner Gardinen- und Spitzenmanufaktur AG (1884–1918),
dann Gläser Karosseriewerk
– Nr. 68/70: E. T. Gleitsmann – Chemische Farbenfabrik mit Fabrikantenvilla (Alte Apotheke)
– Nr. 80: Vereinigte Fabriken Photographischer Papiere,
seit 1948 Werkzeughändler C. H. Morgenstern & Co.

Links: Verwaltungsgebäude von C. H. Morgenstern, Blumenstraße 80. Unbekannter Fotograf, um 1948. Rechts: Werbeblatt der Nudelfabrik Anschütz. Urheber unbekannt, um 1900.

Binders Blumensäle

Die Blumensäle in der Blumenstraße 48 entstanden aus einer langen Tradition von Schankbetrieben an dieser Stelle. Am 31. Januar 1907 sprach in diesem Haus August Bebel letztmalig vor Dresdner Arbeiterinnen und Arbeitern. 1913 erwarb der erfahrene Hotelbesitzer August Ernst Binder (1870–1940) die Tanzsäle. Er führte sie äußerst erfolgreich. Die Werbung für sein Etablissement „Binder Ernst – und das genügt“ war stadtbekannt und zeugte von der Popularität des Lokals. Mitten im Tanz pausierte die Musik und es wurden zehn Tanzpfennige kassiert, ein Tanzbändchen für den ganzen Abend kostete zwei Mark. Das Lokal bestand aus zwei Hauptsälen und diversen kleinen Räumen. Nach Binders Tod führte seine Ehefrau Ida Selma die Blumensäle weiter.

Links: Ansichtskarte „Tanzpalast Blumensäle. Größter Saal Dresdens“. Unbekannter Fotograf, vor 1913. Rechts: „Hauskapelle Tanzpalast ,Blumensäle‘ Kapellmeister Walter Beil“. Unbekannter Fotograf, nach 1913.

Nach 1945: Teilung, Typen und Treff

Stadtplan von 2020. Der Planausschnitt ist identisch mit dem umseitig abgebildeten historischen Stadtplan. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan, Landeshauptstadt Dresden, Amt für Geodaten und Kataster

Verlust und Teilung

In der Bombennacht des 13. Februar 1945 fielen alle Gebäude im westlichen Teil der Blumenstraße einschließlich der Blumensäle der Zerstörung zum Opfer. 1973 entschieden sich die Stadtplaner mit dem Bau der Wohnblocks an der Pfeifferhannsstraße, die historische Blumenstraße zu trennen. Der westliche Teil der Blumenstraße vom Güntzplatz bis zum Bönischplatz wurde in Elsasser Straße umbenannt. Der als Blumenstraße fortbestehende östliche Abschnitt beginnt entsprechend heute für den Geschichtsunkundigen verwirrend mit der Hausnummer 60.

Markante Wohnbebauung an der Blumenstraße Ecke heutige Alfred-Schrapel-Straße vor und nach der Bombennacht 1945. Unbekannte Fotografen.
Links: Mit einem Wohnblock überbauter Verlauf der ehemaligen Blumenstraße an der Pfeifferhannsstraße. Der frühere Verlauf ist blau markiert. Foto: G. Gonschorek, um 2000. Rechts: Funde aus der Baugrube des Einkaufsmarktes am früheren Standort der Blumensäle. Foto: G. Hammermüller, 2019

Kindergärten und Poliklinik als Typenbauten

Mit Bezug der umliegenden Plattenbauten im April 1974 öffneten auch zwei bis heute bestehende Funktionsgebäude ihre Pforten: der Kindergarten auf der Blumenstraße 60 und die Poliklinik an der Bundschuhstraße 2. Beide Gebäude wurden als sogenannte Typenbauten geplant und errichtet. Die Projektierung erlaubte es, schneller und kostengünstiger zu bauen. Per Serienkatalog konnten die Gebäude nach einem Standardschema zusammengestellt werden. Bei dem Gebäude Blumenstraße 60 handelt es sich um einen Typenbau in Raumzellenbauweise HTP216/12. Seit der Wende führt die Landeshauptstadt Dresden die Kindertagesstätte mit rund 160 Krippen- und Kindergartenplätzen. Die Poliklinik wird als Ärztehaus weitergeführt.

Links: Typenbau Kindertagesstätte Blumenstraße 60. Foto: B. Kalex, 2016
Rechts: Bau der Palettenmöbel und Hochbeete am Bönischgarten. Foto: A. Schubert, 2017

Stadtteilhaus Johannstadt

Mit der Errichtung des Stadtteilhauses Johannstadt in den Jahren 2023-26 erhält die ehemalige Blumenstraße zwischen Bönischplatz und Pfeifferhannsstraße einen neuen Impuls.  Das Gebäude bietet Raum für gemeinnützige Vereine, Initiativen und nachbarschaftliche Angebote und lädt ein zur Gestaltung eines neuen Ortes für Kunst, Kultur, Beratung und Begegnung. Bis 2024 betrieb eine Bewohnerinitiative auf der angrenzenden Freifläche den Bönischgarten. Die Grünfläche und der 2027 neugestaltete Abschnitt der ehemaligen Blumenstraße verbinden das Stadtteilhaus mit dem Bönischplatz.

Text: Matthias Erfurth, Matthias Kunert, Henning Seidler
Redaktionsschluss: Januar 2026

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Fußnoten:

  1. Der Stadtteilverein Johannstadt e. V. ist Träger der Webseite www.johannstadt.de und wird der Einfachheit halber nur Stadtteilverein benannt. ↩︎
  2. Zugangsberechtige sind Mitarbeiter*innen des Stadtteilvereins, Redakteur*innen der Stadtteilredaktion sowie Dritte, die in der Dresdner Johannstadt gemeinwohlorientierte Veranstaltungen durchführen und/oder andere gemeinwohlorientierte Angebote vorhalten. ↩︎
  3. Bezieht sich auch auf Angebotsdarstellungen gemeinnütziger sowie gewerblicher Akteure, die in der Johannstadt aktiv bzw. niedergelassen sind. ↩︎
  4. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎
  5. Entsprechend den Angaben in Formularen bzw. Mitteilungen per E-Mail. ↩︎

Stand: 06/2026