Johannstadt entdecken: unser Eisenwarenladen

eingestellt am 19.12.2025 von Nadine Kadic (Stadtteilredaktion), Headerbild: Welche Säge sägt am besten? Foto: Anja Hilgert

Dieser Artikel ist in der Zeile 8 erschienen. Autor: Gerd Hammermüller

Eisenwaren Johannstadt

Es sind so oft die kleinen Dinge und Begebenheiten im Leben, welche so unwahrscheinlich glücklich machen. Und wie sagte Erich Kästner einmal sarkastisch:

„Das meiste auf der Welt geht nicht durch Gebrauch kaputt, sondern durch Putzen.“

Und genau so sollte es einmal wieder bei mir der Fall sein und ich musste eine Verschraubung am Wasserhahn ersetzen. Und dies sehr dringend.

Bei einigen Projekten plane ich mir zeitaufwändige Fahrten zum Baumarkt ein, doch in diesem Fall war ich mir ganz sicher, dass mir der nette Herr Klein in seinem mir so schön nostalgisch erscheinenden Eisenwarenladen mit dem umfangreichen Sortiment sachkundig und unbürokratisch helfen können wird. Denn wie viele andere Menschen, mit denen ich über den Eisenwarenladen sprach, war auch ich der Meinung, dass dies „ein Laden ist, der alles an Heimwerkerartikeln hat“ – zumindest aus allen Baumarktrubriken ein Utensil, was völlig ausreichend ist. Ohne lange Recherchen im Internet machte ich mich also direkt auf den Weg, ich wusste ja, was ich wollte und hatte zur Not das defekte Teil einstecken.

Ich bog in die Pfotenhauerstraße ein und überlegte beim Laufen so vor mich hin. Auf einmal beschlich mich ein mulmiges Gefühl, denn zu viele kleine, mir lieb gewordene Läden sind in den letzten Jahren verschwunden. Meistens waren es altersbedingte Gründe und es gab keinen Nachfolger. Oder die Konkurrenz durch die neue digitale Welt wurde zu groß, leider! 

Der Schriftzug ist noch vom Vorgänger – eine Institution in der Johannstadt ist der Eisenwarenladen noch immer Foto: Anja Hilgert

Die Gedanken verflogen schnell, als ich die Ladentür öffnete. Ich strahlte bei dem vertrauten Anblick: Herr Klein hatte gerade Kundschaft und war ins Gespräch vertieft, doch ich wusste, wo ich nach der Verschraubung schauen musste. Ich fand das Teil im Sanitärbereich, dachte ich zumindest. Andere Geschäftsleute hätten mir den Artikel einfach abkassiert, doch nicht der liebe Herr Klein. Er fragte mich, wofür genau ich dieses Teil benötigte – und siehe da, ich lag falsch. Weil M24 nicht immer gleich M24 ist.

Aus einer großen, gut sortierten Kiste zog er mir ein kleines, beschriftetes Plastiktütchen heraus. Ich nahm gleich zwei, sicher ist sicher. Ich war froh, einem so vertrauenswürdigen Menschen in dem Moment gegenüberzustehen. Gerade wollte ich meine EC-Karte zücken, da fiel mir ein, dass die Kartenzahlung im Eisenwarenladen erst bei 20 Euro möglich ist. Verständlich, bei den Kosten, den die Betreiber der Geräte fordern. Und eigentlich ging es früher auch so. Ich zahlte also mit Bargeld.

Nun hatte ich meinen Einkauf und meinen Kassenbon, doch irgendwie wollte ich noch nicht gehen. Ich schaute mir wie ein Kind mit großen Augen die Auslagen an und wir kamen noch über viele Dinge ins Gespräch. Es war ein schönes Gefühl, zu sehen, dass Einkaufen auch noch mit Ruhe und einem persönlichen Austausch im Geschäft funktionieren kann.

Es gibt da, wo ich jetzt wohne, einen ähnlichen und schon über Generationen hinaus bekannten Eisenwarenladen, der nicht weiter entfernt gewesen wäre. Doch für mich musste es die Hertelstraße 21 sein, in meiner Johannstadt, welcher ich im Herzen immer treu bleiben werde. Diese Zeilen beende ich indessen mit einem Blick durch die stark begrünten Bäume hinüber zum Käthe-Kollwitz-Ufer. Und die Tangente zeigt mir die Einmündung in die Hertelstraße, wo Herr Klein sicher gerade wieder einem Menschen helfen wird.

Von Gerd Hammermüller

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