Der Wind (Zeile-Märchen)

eingestellt am 08.12.2025 von Nadine Kadic (Stadtteilredaktion), Headerbild: Saad Chaudhry auf Unsplash

Dieses Märchen ist in der Zeile 8 erschienen. Autor: Frank-Ole Haake 

Es war einmal … ein Wind. Der blies in alle Ecken, er wehte über die Berge, er umschlang die Stämme der Bäume. Er zerwuselte die Kronen der Eichen und Ulmen. Er zupfte ihnen Blätter ab und verteilte sie auf den Wegen, den Straßen, in den Gärten und … er umtanzte die Grashalme, schnupperte an den Blütenkelchen und vergaß die Zeit, so wundervoll war alles. Den Löwenzahn fragte er nach einer Gabe und erhielt viele weiße, wunderweiche Zauselsternenhaare, die er ins Dorf blies, einem sommersprossigen Mädchen um die Nase. Ganz verträumt saß sie da, nieste und dann blies sie Seifenblasen hinterher. Sie schwebten mit den Löwenzahnzauselhaaren auf eine Wiese und platzten an der Nase einer dicken Hummel: „Brumm-Summ-Brumm-Summ … danke, danke für diesen Regenbogenschillerblasen-Löwenzahnzauselsternenhaare-Sommergruß“.  

Es war einmal ein Wind, der blies in alle Ecken und dort er fand eine Menge alten Unrat. Die Menschen hatten ihn achtlos fallen lassen und waren zu bequem es aufzuheben, manche waren einfach froh, es los zu sein. Doch so einfach ist das nicht. Und so blies der Wind immer stärker, er pustete die Ecken sauber und blies den Menschen den Unrat um die Nasen … „Da, das ist Euer!“ rief er: „Macht was draus!“  

Es war einmal ein Wind, dem leuchtete der Mond. Er blies immer leiser, summte sich ein Lied an den Herbststurmsplitterspänen einer alten Fichte. Dann rollte er sich in ein altes Krähennest und schlief ein. Bis morgen … 

Von Frank-Ole Haake 

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