Trotz des Wegfalls der kommunalen Projektförderung im Jahr 2025 unterstützt die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG (WGJ) weiterhin die Arbeit des Johannstädter Stadtteilbeirats und den Stadtteilfonds.
Bei einer Beratung mit dem Vorstand im Mai kündigte die WGJ an, das Projekt auch in diesem Jahr mit einer Spende in Höhe von 12.000 Euro zu fördern. Damit setzt die Genossenschaft ein starkes Signal für bürgerschaftliches Engagement und die Weiterentwicklung des Stadtteils.
Die 2025 erstmals fehlende öffentliche Förderung hat jedoch deutliche Folgen:
- Die halbe Personalstelle, die für Beratung von Antragstellenden, Fondsverwaltung und Vorbereitung von Beiratswahlen zuständig war, kann nicht nachbesetzt werden.
- Externe Projektanträge außerhalb des Fördergebiets Nördliche Johannstadt können derzeit nicht betreut und folglich nicht gefördert werden.
- Die Beiratswahlen konnten nicht wie eigentlich für 2025 geplant durchgeführt werden.
- Die Beiratssitzungen müssen interimsweise durch das Quartiersmanagement vorbereitet werden.
Dadurch stehen die Mittel der WGJ-Spende vorerst nur für Eigenprojekte des Stadtteilvereins sowie für Projekte im Fördergebiet Nördliche Johannstadt zur Verfügung – sofern der Verfügungsfonds ausgeschöpft ist. Nach 24 Stadtteilfondsprojekten im Jahr 2024 konnten daher 2025 bislang nur drei Projekte aus dem Stadtteilfonds gefördert werden:
- Die Realisierung der 8. Ausgabe des beliebten Stadtteilmagazins ZEILE, die im Oktober erscheint,
- der Umbau und die Modernisierung der Stadtteilinternetplattform johannstadt.de, der bis Jahresende abgeschlossen werden soll, sowie
- der diesjährige Johannstädter Advent, für den gerade der Beteiligungsaufruf gestartet wurde.
Insgesamt wurden über den Stadtteilfonds seit 2019 mehr als 100 Projekte von Bewohner*innen und Einrichtungen gefördert.

Perspektiven für 2026
Die Abteilung Bürgeranliegen der Landeshauptstadt Dresden hat zwar Bereitschaft zur weiteren Unterstützung signalisiert, konkrete Optionen für die Finanzierung der Personalstelle stehen aber noch aus. Geplant ist dennoch,
- einen Förderantrag beim Stadtbezirksbeirat Altstadt zur Förderung des Stadtteilfonds und der Fondsverwaltung 2026 einzureichen,
- bei passenden Projektaufrufen Mittel der Landeshauptstadt für die Beirats-, Beteiligungs- und Demokratiearbeit zu beantragen,
- in Abhängigkeit von den bewilligten Mitteln die vakante Personalstelle ab Januar 2026 neu zu besetzen.
Auch wenn die Voraussetzungen sich mit der soeben erklärten kommunalen Haushaltssperre nicht verbessert haben, ist die Fortführung des Projektes aus unserer Sicht von zentraler Bedeutung.
Warum die Fortführung entscheidend ist
Das von der Stadt beauftragte Quartiersmanagement, das aktuell noch in Teilen die Aufgaben des Beirats auffängt, läuft im Dezember 2026 endgültig aus. Gleichzeitig endet auch der Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt, über den seit 2015 rund 150 Projekte von Bewohner*innen und Einrichtungen im Stadtteil gefördert wurden. Umso wichtiger ist es, den Stadtteilbeirat als Netzwerk engagierter Bürger*innen und wichtiger Stadtteileinrichtungen dauerhaft zu sichern und über den Stadtteilfonds die Förderung bürgerschaftlichen Engagements für die ganze Johannstadt fortsetzen zu können.
Seit 2019 hat sich der Stadtteilbeirat nicht nur als Entscheidungsgremium über die Förderprojekte aus Verfügungs- und Stadtteilfonds bewährt, sondern ist auch zu einem zentralen Ort des Austauschs, der Vernetzung und der Vertretung Johannstädter Interessen geworden. Andrea Schubert vom Stadtteilverein betont: „Wenn das Quartiersmanagement als Mittler zwischen Bürgeranliegen und Stadt wegfällt, bricht extrem viel weg.“ Über Stadtteilverein, Stadtteilbeirat und Stadtteilfonds sollen wesentliche Teile der Stadtteilarbeit des Quartiersmanagements fortgeführt werden. Auch die Beiratsmitglieder selbst haben mehrfach einstimmig beschlossen, ihre Arbeit fortzusetzen – trotz ihrer rein ehrenamtlicher Tätigkeit.
Obwohl bereits ein hohes Maß an ehrenamtlicher Arbeit einfließt, sind die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Sitzungen, die Beratung von Projektantragstellenden sowie die Prüfung von Projektanträgen und Verwendungsnachweisen ohne qualifiziertes Personal nicht leistbar. Dies bedarf öffentlicher wie privater Unterstützung. Die erneute Spende der WGJ ist daher nicht nur eine finanzielle Hilfe, sondern auch ein wichtiges Bekenntnis zur Bedeutung des Stadtteilfonds und der Beiratsarbeit. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Johannstadt auch in Zukunft von einem starken Netzwerk an Projekten und engagierten Menschen profitieren kann.
Hintergrund: im Februar 2025 verfasste der Vorstand des Stadtteilvereins Johannstadt und der Sprecher des Stadtteilbeirates Johannstadt, Tobias Funke (Jugendkirchenpfarrer) einen offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert, um das Projekt Stadtteilfonds und Stadtteilbeirat in der Johannstadt zu retten: https://www.johannstadt.de/2025/02/stadtteilfonds-projekt-johannstadt-droht-das-aus-stadtteilverein-und-stadtteilbeirat-richten-appell-an-oberbuergermeister-dirk-hilbert/
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